Brettspiel: Schach
Im Museum der Stadt Grafing im Osten Münchens ist noch bis zum 26. Februar 2012 die Ausstellung Schach in der höfischen und bürgerlichen Kultur von 1750–1850 zu sehen. Mit herrlichen Bildern und Schachspielen. Und eingerahmt von allerlei Veranstaltungen, beispielsweise am morgigen Freitagabend eine Aufführung des E.T.A.-Hoffmann-Theaters Bamberg Die letzte Partie oder Philidors Weisheit . Philidor (1726 bis 1796) war einer der führenden Komponisten seiner Zeit, mit einem breiten Spektrum von Kirchenmotetten (dafür bekam er schon als Zwölfjähriger vom König fünf Goldmünzen) bis zu Opern. Doch noch ungleich bekannter sollte er als Schachmeister werden, der »seiner Zeit 70 Jahre voraus war« (Bent Larsen); vor allem mit seinem Lehrbuch Analyse des Schachspiels , welches mehr als 100 Auflagen in verschiedenen Sprachen erlebte. Der spanisch-französische Dramatiker Fernando Arrabal schreibt in Le Figaro : »Die Französische Revolution wurde auf dem Schachbrett angekündigt. Philidor setzte den König schachmatt, indem er die (revolutionäre) Gewissheit aufdeckte, dass die Bauern die Seele des Spiels seien... Danach gingen die Bauern daran, ihren König zu guillotinieren.«
Beim Weltcup im sibirischen Khanty Mansijsk konnte die Ungarin Judit Polgar als Schwarze am Zug den eingeklemmten König des Kubaners Leinier Dominguez deshalb »guillotinieren«, weil sie die gar nicht einfache Gewinnführung (z.B. wäre 1...Ta1+ 2.Ta2 ein Schlag ins Wasser) aus Philidors Lehrbuch kannte. Wie ging’s?
Mit welch kleiner Kombination kam Schwarz in entscheidenden Vorteil? Mit 1...Txd3! nutzte Schwarz das fehlende Luftloch des weißen Königs aus; nach 2.Txc3 Txd1+ 3.Df1 Txf1+ 4.Kxf1 hatte er eine Figur mehr




