Stilkolumne Der Nabel der Modewelt
Tillmann Prüfer über bauchfreie Looks

Rock und Bustier von Prada
An der Bauchfrei-Mode lässt sich bestens studieren, wie ein Modetrend funktioniert: Als Miuccia Prada in ihrer Frühjahrskollektion lange Röcke und Bustiertops präsentierte, galt das als modischer Affront. Bauchfrei! Kommt das jetzt etwa wieder? Muss das sein? Dabei war bauchfrei von den neunziger Jahren bis weit in das neue Jahrtausend hinein eine der beständigsten Modeerscheinungen. Fast ein ganzes Jahrzehnt lang trugen Frauen im Sommer bauchfrei – und schon ein paar Jahre später mag man kaum noch glauben, dass ein Bauchnabel je als erotisch galt.
Britney Spears, Jennifer Lopez, Gwen Stefani – alle bestritten sie ihre Karriere weitgehend bauchfrei. Dabei war diese Art, sich zu kleiden, recht undankbar. Für den Bauchfrei-Look bedurfte es eines ziemlich knappen Tops und einer ziemlich tief auf den Hüften hängenden Hose – und natürlich vieler Besuche im Fitness-Studio, denn jedes Gramm Fett auf den Hüften wurde gnadenlos ausgestellt. Es waren die großen Jahre des Körperkults, in denen nicht nur nackte Nabel, sondern auch Tribal-Tattoos und Piercings überall blinkten. Auf beinahe jedem Körperteil lockte ein erotisches Versprechen, und man demonstrierte durch mehr oder weniger dezente Entblößung, dass man über ein jugendliches Bindegewebe verfügt und genug tut, um schlank und fit zu sein.
Schließlich wanderte die Taille wieder nach oben, die Sexiness wurde durch Eleganz ersetzt – und bald galt es als Zeichen außerordentlich vulgären Schlampentums, wenn man sich noch mit bauchfreiem Top zeigte. Nackt herumzulaufen hätte vermutlich mehr Stil bewiesen als das. So einträchtig wurde die Bauchfrei-Mode verabscheut, als sei man sich darüber schon immer einig gewesen.
Wenn sich alle einig sind, dass etwas überhaupt nicht mehr geht, so ist das für die Mode der beste Zeitpunkt, sich des Themas wieder anzunehmen. Also waren auf den Frühjahrsmodenschauen nicht nur bei Prada, sondern auch bei Nina Ricci und Dolce&Gabbana wieder Bäuche zu sehen. Einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zum Bauchfrei-Look der neunziger Jahre gibt es allerdings: Der Bauchnabel bleibt jetzt durch den Hosenbund verborgen. Das ist nicht weniger sexy, führt aber vermutlich zu erheblich weniger Nierenentzündungen.
- Datum 23.01.2012 - 17:58 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 19.1.2012 Nr. 04
- Kommentare 8
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wenn sich erst einmal H&M und die anderen Teenie-Billigheimer dieses Trends annehmen, wird es wohl nicht ausbleiben, dass unsere Fußgängerzonen mit all dem dann Sichtbaren gepflastert sind, was in vielen Fällen besser gnädig bedeckt worden wäre.
Ich plädiere für etwas Mitleid mit den Mitmenschen.... vermute aber, dass diese Hoffnung unerhört verhallt...
nicht "Modekolumne"? Mode und Stil sind zwei paar Schuhe.
denn Stil ist das, was man aus Mode in all ihren Ausformungen und auf all ihren Ebenen machen kann oder eben auch nicht.
denn Stil ist das, was man aus Mode in all ihren Ausformungen und auf all ihren Ebenen machen kann oder eben auch nicht.
denn Stil ist das, was man aus Mode in all ihren Ausformungen und auf all ihren Ebenen machen kann oder eben auch nicht.
kann
kann
kann
aber vielleicht versteht es der Autor der Rubrik und ich bin nur zu schlicht für solche Fragen und deren Nicht-Antworten...
aber vielleicht versteht es der Autor der Rubrik und ich bin nur zu schlicht für solche Fragen und deren Nicht-Antworten...
aber vielleicht versteht es der Autor der Rubrik und ich bin nur zu schlicht für solche Fragen und deren Nicht-Antworten...
immer in Rufweite der Eleganz aufhalten.
wenn ich mich zurückerinnere an meine Stadtgänge im Sommer,
da wird mir so wohlig und behaglich meiner kindheitlichen Prägung, insofern die Frauen noch sich im Katholischen Schwarzen Gürtel mit langen ausladenden Kleidern und wehenden Kopftüchern zelebriert hatten..., diese keuschen Zeiten sind leider abgelöst durch die 'sexistische Revolution'...; diese allerdings platt gemacht wird in der postkeuschen Kulturidylle unserer moslemischen Mitbürgerinnen, die nun diesen nachhaltigen Trend setzen, mit NOCH wallenderen Kleidern durch die Stadt zu flanieren, mit einem Stolzesselbstverständnis, an dem sich unsere Deutschen Frauen eine mächtig gewaltiges Scheibe Schamgefühl abschneiden sollten.
FÜR MICH wird das einst so
lesenswerte ZEIT MAGAZIN
journalistisch zunehmen dürftiger.
Beispiele: die ZEIT-MAGAZINE
2012 Nummer drei & vier: Die
Küchenerlebnisse der Glamour-
Fotografin Lina Scheynius (musste
googeln, wer die ist), interessieren
mich nicht. Selbst meine 19-jährige
Tochter findet dieses affektierte
„Tagebuch einer jungen Frau“ als
„unterirdisch“. Zu der Kolumne von
Herrn Prüfer: Produktplacement für
Designerstühle zu schlappen 4200
Euronen interessieren mich noch
weniger. Über den - von KFZ-Freaks
gern verdonnerten - aber meist amüsanten
Autotest indes, kann ich nur schmunzeln.
Die - von „Besseressern“ letzthin oft
verhöhnten Beiträge von „uns Siebeck“,
vermisse ich. Siebeck`s Beitrag über seine
Reise in die Bresse war ein Genuss (weshalb
schreibt W.S. inzwischen kaum noch im
ZEIT MAGAZIN ? Wäre schade, falls W.S.
sich aufs „Altenteil“ zurück gezogen hätte).
Kurzum: Wo bleiben die großartigen Reportagen,
wie sie früher im ZEIT MAGAZIN zu lesen
waren ? Wobei ich zugleich ein Lob aussprechen
möchte, für den Beitrag von Sandra Roth „“Dass
es dich gibt“. Immer öfter sind unser einziger
„Trost“ bei der Lektüre des ZEIT MAGAZINES:
Martenstein, versteht sich; von Uslar`s
„99-Fragen“. Zum Schluss werde ich erneut
polemisch: Die unvermeidlichen, saisonalen
Modehefte gehen MIR auf die Nerven, gilt auch
für selbige des Magazines der Süddeutschen
(jaja, weiss schon, diese Modehefte sind Pfründe
für die Anzeigen-Akquisiteure...;-))))
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