Stimmt's?Kann man in der Dämmerung eine Mondsichel sehen?

…fragt Christian Sinn aus Siegen.

Diese Woche ist keine ganz übliche Leserfrage der Anlass für diese Kolumne. Christian Sinn kennt die Antwort schon – deshalb war er auch so empört, als er in der ZEIT Nr. 52/11 im Ressort Glauben und Zweifeln das idyllische Foto einer Kirche in der Nähe des bayerischen Ortes Raisting sah. Sinn schätzte aufgrund der Lichtverhältnisse die Zeit auf 16.30 Uhr. »In der Tat geht der Mond im Dezember im Nordosten auf«, schreibt er, »aber als Vollmond!«

Es stimmt, wir haben es versäumt, das Bild des Fotografen Edmund Nägele mit einem [M] zu kennzeichnen – das ist in der Fotobranche das Kürzel dafür, dass das Bild bearbeitet worden ist. Und in diesem Fall hat der Fotograf nicht auf astronomische Korrektheit Wert gelegt, sondern hauptsächlich auf die Stimmung.

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Wieso ist der Fehler unserem Leser aufgefallen? Weil der Mond in unterschiedlichen Phasen zu unterschiedlichen Zeiten auf- und untergeht. Nehmen wir den Vollmond als Beispiel: Er ist dann zu sehen, wenn Sonne, Erde und Mond fast genau in einer Linie stehen. Wenn er am höchsten am Himmel steht, ist auf der dem Mond zugewandten Seite der Erde tiefste Nacht. Der Vollmond ging im Dezember in der Abenddämmerung auf und in der Morgendämmerung unter.

Serie: Stimmt's?
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Steht der Mond dagegen, wie in der Fotomontage, im ersten Viertel, dann befinden sich Sonne, Erde und Mond in einem Winkel zueinander, die Sonne bescheint den Mond »von der Seite«. Der Mond geht meist bereits gegen Mittag auf und gegen Mitternacht wieder unter. Zur Zeit der Dämmerung müsste er viel höher am Himmel stehen.

Auch wenn die astronomische Interpretation einer Fotomontage müßig ist – dem Kenner verhageln falsche Konstellationen die weihevolle Stimmung.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leserkommentare
  1. "Es stimmt, wir haben es versäumt, das Bild des Fotografen Edmund Nägele mit einem [M] zu kennzeichnen ..."
    [...] Die zunehmend farblich aufgepimpten Fotos sind auch penetrant.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

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    • memoe
    • 24.01.2012 um 18:50 Uhr

    Das Foto ist so überdeutlich nachbearbeitet, daß der Fotograf wahrscheinlich gar nicht darauf gekommen ist es mit einem M zu bezeichnen. :-)
    Der wie aus dem nichts erscheinende Lichtstreifen im Zentrum ist ja z.B. ziemlich irreal. Und ob der Weihnachtsbaum da auch in Wirklichkeit stand? ..

    Aber solange Fotos künstlerisch nachbearbeitet werden und nicht um Nachrichten zu manipulieren ist das ja auch ok..

    Daß einem Leser allerdings die so nicht mögliche Mondkonstellation aufgefallen ist, ist ein nettes Detail!

    3 Leserempfehlungen
  2. Weil die Kirche in Nord-Suedrichtung ausgerichtet ist? Also Turm im Norden, der Rest im Sueden? Gibt es da ueberhaupt ne Regel?

    Zumindest folgendes macht nicht schlauer:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Weiss jmd mehr?

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    ...sind Sie schon auf dem richtigen Weg. Das bedeutet, dass, zumindest nördlich der Alpen, alle Kirchen nach Osten ausgerichtet ("orientiert") sind. Der Chorraum mit dem Altar liegt demnach immer im Osten; häufig ist dieser Raum als Apsis gestaltet, das ist dieser kleinere "Vorbau" rechts im Bild. Der Turm mit dem Haupteingang dagegen liegt an der gegenüberliegenden Seite, also im Westen.

    Es gibt zwar einige Ausnahmen, aber grundsätzlich können Sie eine Kirche hierzulande getrost als Kompass nutzen!

    ...sind Sie schon auf dem richtigen Weg. Das bedeutet, dass, zumindest nördlich der Alpen, alle Kirchen nach Osten ausgerichtet ("orientiert") sind. Der Chorraum mit dem Altar liegt demnach immer im Osten; häufig ist dieser Raum als Apsis gestaltet, das ist dieser kleinere "Vorbau" rechts im Bild. Der Turm mit dem Haupteingang dagegen liegt an der gegenüberliegenden Seite, also im Westen.

    Es gibt zwar einige Ausnahmen, aber grundsätzlich können Sie eine Kirche hierzulande getrost als Kompass nutzen!

  3. ...sind Sie schon auf dem richtigen Weg. Das bedeutet, dass, zumindest nördlich der Alpen, alle Kirchen nach Osten ausgerichtet ("orientiert") sind. Der Chorraum mit dem Altar liegt demnach immer im Osten; häufig ist dieser Raum als Apsis gestaltet, das ist dieser kleinere "Vorbau" rechts im Bild. Der Turm mit dem Haupteingang dagegen liegt an der gegenüberliegenden Seite, also im Westen.

    Es gibt zwar einige Ausnahmen, aber grundsätzlich können Sie eine Kirche hierzulande getrost als Kompass nutzen!

    • fegalo
    • 24.01.2012 um 23:30 Uhr

    Weder Herr Sinn noch Herr Drösser treffen die Sache richtig. Abgesehen davon, dass es sich um ein grauenhaftes Bild handelt, und die vermutliche Linde links und die Pseudoakazie rechts im Gegenlicht, die Kirche dagegen im Frontlicht (Schatten unter der Traufe) beleuchtet sind, ganz zu schweigen von den Schlagschatten am Boden oder gar dem Weihnachtsbaum, so gilt für die Mondsichel folgendes:

    Bei Neumond geht der Mond gleichzeitig mit der Sonne unter, und dann jeden Tag ca. 50 Minuten später bei wachsender Sichel. In der Fotomontage ist der Mond ca 3 Tage alt. Wenn die Sonne gerade untergegangen ist, dann würde er in ca zweieinhalb Stunden folgen. Da man die scheinbare Höhe des Mondes am Himmel durch Perspektive und Kameraposition erheblich beeinflussen kann, ist das Bild in Hinsicht auf die Mondstellung nicht verkehrt. Aber auch nur in genau dieser Hinsicht. Die Blickrichtung des „Fotografen“ wäre dann etwa nach Süden. Denn der Mond wird von rechts (=Westen) beleuchtet. Die Kirche stünde dann falschherum, wenn man den Kommentar #4 berücksichtigt. Aber sie ist ja auch falsch beleuchtet.

    2 Leserempfehlungen
    • fegalo
    • 24.01.2012 um 23:53 Uhr

    Der Denkfehler von Herrn Sinn besteht darin, dass er davon ausgeht, dass der Mond gerade aufgeht. Aber er geht gerade unter und steht im Südwesten.

    Ein anderer möglicher Fall wäre, dass es sich um eine Dämmerung vor Sonnenaufgang handelt, und in dem Falle stünde der Mond im Südosten und würde aufgehen. Allerdings wäre dann die Sichel andersherum.

    Zitat Drösser: “ Der Mond geht meist bereits gegen Mittag auf und gegen Mitternacht wieder unter. Zur Zeit der Dämmerung müsste er viel höher am Himmel stehen.“

    Das ist regelrecht falsch. Der Mond geht nicht „meist“ um eine bestimmte Uhrzeit auf, sondern im Laufe des Monats jeden Tag um ca. 24/28 Stunden später als am Vortag, also ganz kontinuierlich verteilt über Tag und Nacht. Er steht zur Dämmerung umso tiefer, je schmaler die Sichel ist. Da die meisten Menschen öfter in den abendlichen Nachthimmel blicken als den morgendlichen, sieht man häufiger den zunehmenden Mond als den abnehmenden.

    • Acrux
    • 25.01.2012 um 0:58 Uhr

    steht nicht im ersten Viertel. Das erste Viertel bedeutet zunehmender Halbmond, und bis dahin sind's noch etwa zwei Tage auf dem Bild. Durchaus moeglich, so eine Sichel horizontnah in der (Abend-)daemmerung zu kriegen, aber eher im Sommer, wenn die Daemmerung lange dauert und der Mond einen vergleichsweise kurzen Tagbogen hat.

    Prinzipiell ist eine Sichel im Westen kurz nach Sonnenuntergang und eine Sichel im Osten kurz vor Sonnenaufgang jeweils einmal monatlich sichtbar, naemlich wenn der Mond nach Neumond wieder auf den Nachthimmel wandert und vor Neumond wieder von dort verschwindet (siehe auch wie Beginn und Ende Ramadan bestimmt werden).

  4. Man wird schon den ganzen Tag angelogen (z.B. Wulff), jetzt kann ich nicht mal mehr den Bildern in der ZEIT trauen.

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    Ob nun Zeit oder beliebig andere Medien, Bildern sollte man generell mit Vorbehalt begegnen.

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