RusslandKleiner Gigant

Die russische Suchmaschine Yandex sagt Google den Kampf an. von Christian Meier

Arkadi Wolosch hat eine signalgelbe Weste übergestreift, wie sie Radfahrer bei Dunkelheit tragen. Der Gründer der russischen Suchmaschine Yandex steht in einer alten Lagerhalle am Hafen von Tel Aviv , wo der Medienkonzern Burda eine Konferenz für die Digitalwirtschaft ausrichtet. Wolosch, 47 Jahre, studierter Mathematiker, sucht hier nach israelischen IT-Talenten. Mit Signalgelb will er unter den rund zweihundert Online-Spezialisten auffallen. Wolosch ist auf einer Mission: Mit Yandex, kurz für Yet another index – also: noch ein weiteres Verzeichnis –, will er den Internetgiganten Google angreifen.

Yandex ist mit einem Marktanteil von mehr als 60 Prozent der führende Suchmaschinenbetreiber in Russland . Google kommt in dem Riesenland auf gerade mal etwas mehr als 20 Prozent. Und das ist an sich schon bemerkenswert, gibt es doch nur wenige Staaten auf der Welt, in denen Google nicht die Suche im Internet dominiert. In Deutschland beispielsweise hat das Unternehmen mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent nahezu ein Monopol . An zweiter Stelle folgt die Microsoft-Suchmaschine Bing mit knapp acht Prozent. In anderen Ländern wie Frankreich, Spanien und Großbritannien sieht es ähnlich aus.

Anzeige

Will Wolosch mit Yandex gar ein Stück Pluralismus zurück ins Suchmaschinengeschäft bringen? Wolosch lacht. »Es gibt ja Wettbewerb«, sagt er und verweist auf seine Heimat. In Russland allein gebe es mindestens vier Anbieter. »Die Qualität der Suchergebnisse in Russland ist deshalb viel größer als in anderen Ländern«, sagt Wolosch. Was bedeutet: exaktere Ergebnisse, eine höhere Einstufung von Originalquellen gegenüber Kopien von Inhalten, weniger Spam-Links. Woloschs oberste Priorität gilt der Verteidigung des Heimatmarktes. Der gehört zu den größten in Europa , entwickelt sich schnell und ist deshalb so attraktiv. Im eigenen Land hat Yandex allerdings einen speziellen Standortvorteil: Hier eine Suchmaschine aufzubauen ist wegen des kyrillischen Alphabets nicht gerade leicht.

Die Geschichte von Yandex geht zurück bis ins Jahr 1997, als der in Kasachstan geborene Arkadi Wolosch gemeinsam mit seinem Jugendfreund Ilja Segalowitsch das Unternehmen gründete. Bereits eine Woche nachdem Google im September 1997 an den Start ging, ließen sie ihre Suchmaschine registrieren. Landkarten (»Maps«) stellt Yandex schon seit 2004 zur Verfügung, Google kam erst ein Jahr später mit einem vergleichbaren Angebot. Im Jahr 2000 starteten die Russen eine automatisch generierte Nachrichtenseite (»News«), Googles Angebot hingegen startete erst zwei Jahre später.

Yandex wird mit acht bis neun Milliarden Dollar bewertet

Geld verdienen alle kommerziellen Suchmaschinen in erster Linie mit Werbeanzeigen. Neben den Suchergebnissen werden möglichst auf den jeweiligen Nutzer und seine Interessen abgestimmte Links eingeblendet. Für die Platzierung dieser Links bezahlen die Werbekunden. Das ist ein sehr lukratives Geschäft: Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres setzte Google damit 9,7 Milliarden Dollar um bei einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar. Yandex ist sehr viel kleiner: Die Russen erwirtschafteten im gesamten Jahr 2010 einen Umsatz von 410 Millionen Dollar und einen Gewinn von 137 Millionen.

Wie die Kalifornier setzt auch Yandex auf wachsende Erlöse mit der mobilen Suche, also mit Anfragen nach Adressen, Landkarten oder anderen Informationen, die von unterwegs per Smartphone gestellt werden.

Der Börsengang von Yandex im Mai machte Wolosch zum hundertfachen Millionär. Inzwischen liegt der Preis einer Yandex-Aktie an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq in etwa wieder beim Ausgabepreis von 22 Dollar, zwischenzeitlich schnellte der Wert auf 40 Dollar hoch. Yandex wird mit acht bis neun Milliarden Dollar bewertet.

Der russische Markt ist auf Dauer zu klein, weitere Länder müssen erschlossen werden. Seit dem vergangenen Jahr gibt es deshalb das Angebot Yandex.com, das auch auf Deutsch sehr gute Ergebnisse liefert. Und im September startete das Unternehmen mit einem eigenen Angebot in der Türkei .

Leserkommentare
  1. Weiss jemand, wie man die Suchoberfläche in Deutsch einstellt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    http://www.yandex.com/
    da ist es auf englisch. deutsch scheint irgendwann zu folgen.

  2. 2. .....

    http://www.yandex.com/
    da ist es auf englisch. deutsch scheint irgendwann zu folgen.

    Antwort auf "Bitte deutsch"
  3. ...über google zu yandex;-)

  4. eine konkurrenzfähige Suchmaschine zu entwickeln.

    Wie wär es mit einer für den deutschsprachigen Raum/Markt?

    Ich kann leider keine Algorythmen hantieren, aber Namensvorschläge für eine Suchmaschine hätte ich schon:

    Wie wärs mit Theseus?

  5. Aber was machen die mit meinen Daten?
    Das Gleiche wie Google?

  6. ich kenne und nutze Yandex (neben Google) schon seit längerem, vor allem, wenn man nach russischsprachigen Inhalten mit dem Input auf kirillisch sucht, ist Yandex unschlagbar. Doch auch die Qualität der Suche im allegmneinen hat sich in letzter Zeit spürbar verbessert.
    Dem Google können sie zwar immer noch nicht das Wasser reichen, aber es ist gut dass Google immer mehr Konkurenz bekommt, das hält sie auf trapp.

    Hierbei ist es nicht mal nötig sich auf eine einzige Suchmaschiene festzulegen. Und selbst wenn die beiden suchmaschienen nahezu dieselben Ergebnisse leifern, übersieht die eine oft genug etwas, was die andere doch findet...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Russland | Google | Bing | Kasachstan | China | Dollar
Service