Syrien Die deutschen Helfer der Revolution

Sie schmuggeln Smartphones nach Syrien: Wie syrische Aktivisten von Berlin aus den Protest unterstützen

In solchen Momenten versteht Farhad Ahma es nicht, dieses Deutschland. Gehetzt kommt er aus dem Berliner Regen hereingelaufen in die Kneipe, streift die Jacke ab und schüttelt den Kopf. »Schon wieder so eine Diskussion«, sagt er. Schon wieder dieselben Fragen. Ahma entschuldigt sich. Es hat etwas länger gedauert, dem Publikum bei einer Abendveranstaltung der Grünen klarzumachen, dass, nein, die syrische Revolution nicht vom Westen gesteuert werde, dass, nein, kein amerikanischer Plan zur Invasion des Nahen Ostens hinter dem Aufstand stecke. Sondern dass in seinem Heimatland ganz einfach jeden Tag Menschen stürben, die für ihre Freiheit kämpften. Ahma legt sein Smartphone auf den Tisch und begrüßt die anderen Aktivisten.

Vor ein paar Tagen erst, erzählt er, habe er abends mit einem Aufständischen in Syrien geskypt; am nächsten Nachmittag sei der Mann tot gewesen, erschossen. Ahma, 37, gestochenes Deutsch, leicht professorale Aura, erste graue Haare, ist Mitglied des Syrischen Nationalrats, einer Art Ersatzparlament, dessen etwa 300 Mitglieder über Syrien und das Ausland verteilt leben. Ihr Ziel ist der Sturz des Assad-Regimes und der Aufbau einer »demokratischen Ordnung«. Sie verstehen sich als Nukleus eines neuen Syrien. Auch in Deutschland, und hier vor allem in Berlin. Aber was können sie bewirken?

Anzeige

Sie reden, während ihre Landsleute sterben. Sie fordern zwar humanitäre Schutzzonen, lehnen aber eine Militärintervention aus dem Ausland ab, denn sie würde, fürchten sie, das Land zerreißen, bevor es im Protest geeint sei. Wie wollen sie ihre Ziele dann erreichen? Wie kann man eine fest gefügte Diktatur mit einer lose verbundenen Diaspora kippen wollen?

Hozan Ibrahim, 29, nimmt die Brille ab und streicht sich mit den Händen langsam durchs Gesicht. »Oh ja«, sagt er und schmunzelt, »das ist die gemeine Frage.« Auch Ibrahim gehört zum Syrischen Nationalrat, er sitzt im 30-köpfigen Generalsekretariat der Organisation. Der 29-Jährige hat in Syrien Informatik studiert, vor sechs Monaten kam er nach Deutschland, ist hier als Flüchtling anerkannt. In Syrien, berichtet er, war er wegen Regimefeindlichkeit zweimal im Gefängnis, einmal, mit 19 Jahren, für ein Jahr in Einzelhaft, dann, fünf Jahre später, noch einmal für zwei Monate. Die schlimmsten Foltermethoden, berichtet er, seien ihm erspart geblieben, zum Beispiel der »deutsche Stuhl«. Dabei werde den Opfern über eine halbhohe Rückenlehne so lange das Kreuz gebogen, bis sie gelähmt seien. Warum »deutscher Stuhl«? Kam vielleicht von den Stasi-Leuten, die den syrischen Geheimdienst ausbildeten, vermutet Ibrahim. Er selbst, sagt er, sei »nur« mit Stockschlägen und Elektroschocks malträtiert worden.

Zwei große Firmen wollen helfen

Ibrahims Stimme sackt manchmal etwas weg, aber je länger er redet, desto leidenschaftlicher wird sie. Und je mehr er, Ahma und seine Mitstreiter über ihre Arbeit erzählen, desto klarer wird, warum die Exilsyrer in Berlin, Paris, London oder New York nicht nur nützlich, sondern geradezu lebensnotwendig sind für den Kampf in der Heimat: Sie sind die Satelliten der Bewegung. Ohne sie wäre der Energiefluss des Widerstands vielleicht schon erstorben, jedenfalls deutlich geschwächt, sowohl physisch wie psychologisch.

Die größte Mühe verwenden die Aktivisten darauf, den Syrern daheim vor Augen zu führen, wie verbreitet und stark die Protestbewegung gegen Assad geworden ist, denn die syrischen Medien berichten darüber nicht. Über Mittelsmänner in der Türkei und Jordanien, erzählen sie, schmuggeln sie Satellitentelefone mit Internetmodem und Smartphones ins Land – und Datenträger mit Bildern und Filmen heraus. Sie bringen massenweise türkische SIM-Karten nach Syrien, deren Empfang bis nach Nordsyrien hineinreicht. Auf Facebook-Seiten und anderen Websites können so Fotos und Berichte über Protestkundgebungen in den verschiedensten Städten eingestellt werden.

Die Berliner verhandeln gerade mit »zwei großen Firmen«, die ihnen helfen wollen, sichere Netzwerke und Telefonleitungen aufzubauen. Welche es sind, wollen sie nicht sagen. Aber ihre Gesichter sagen: Wirklich große.

Leser-Kommentare
  1. ...>>hochwertigen Neuigkeiten<< über die revolutionäre Lage!

    Lippenbekenntnise, Behauptungen, Greuelpropaganda.

    Gut dass es ein paar Tage Pause gab. Zuletzt war mir schon ganz benommen davon.

    Mal sehen, ob die letzten kritischen Feedbacks, Wirkung gezeigt haben. Und wenn nicht? Was solls. Dass man beim oben vorgestellten Bild auch weiß, was oben und unten ist, sorgt schon die externe Entnebelung im Anschluss des Artikels.

    3 Leser-Empfehlungen
  2. Lassen wir doch die geheimdienstlichen Organisatoren selbst sprechen:

    1.Eröffnung:

    "Dominique Fonvielle (Ehemaliger Führungsoffizier des Französischen Geheimdienstes)
    Der erste Schritt ist, die gegnerischen Kräfte (Opposition) im gegebenen Land auszumachen. Es ist unerlässlich eine hochwirksame nachrichtendienstliche Operation einzuleiten, die feststellt, welche Menschen, genügend Glaubwürdigkeit und Einfluss besitzen, um die Bevölkerung zum Nachteil des führenden Regimes, zu destabilisieren.

    2.Maskierter Angriff:

    Man muss eine wirksame Propagandaaktion, von außen einleiten, die belegt dass das Regime von allen gehasst wird, dass es am Rande der Nationen steht, dass es kein Recht mehr hat, sich als liberalen Staat zu bezeichnen. Und man muss zeigen, dass die Oppositionsbewegungen, die hervortreten werden, legitim sind.

    Charles Cogan, Chef CIA Paris:
    Wenn man den Grundstein für eine Aktion im Ausland legen will, muss man versuchen die Bevölkerung zu konditionieren. Daher ist Propaganda sehr wichtig.
    Man kann Schwarzpropaganda einsetzen, die scheinbar von einer einheimischen Dissidentengruppe stammt, aber in Wirklichkeit im Ausland fabriziert wurde.
    Man kann Sendungen ausstrahlen, die angeblich von einer Dissidentengruppe im Land stammen, Und das verstärkt wiederum die Bedeutung der Gruppe, in den Augen der Bevölkerung."

    Den Film dazu kann ich wärmstens empfehlen:

    "Checkmate - Strategy of a Revolution"

    http://www.youtube.com/wa...

    8 Leser-Empfehlungen
  3. Hier werden Hintergründe und Zusammenhänge der Revolution in Rumänien 1989 untersucht, die bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt sind. Wenn man diesen Film sieht, sind Paralellen zu Libyen und Syrien nicht zu verleugen:

    Robert Baer,ehemaliger Führungsoffizier des CIA:

    "Für verdeckte Operationen kann man Leute trainieren. Die Spezialeinheiten können Ausländer trainieren. Die CIA kann Ausländer an Waffen ausbilden, so wie damals in Kuba oder an anderen Orten. Diese ganze paramilitärische Sache ist nur Training.
    In der Realität siehts so aus. Man schnappt sich jemanden und sagt hier ist ein M16. So legt man das Magazin ein. So lädt man durch, so feuert man, und so erschießt man jemanden. Oder, so nimmt man Zünder und Sprengstoff und jagt jemanden in die Luft.

    Was ist ein Attentat? Die US-Regierung kann andere Regierungen stürzen, wenn sie will. Die CIA kann das. Das Auswärtige Amt kann das. Es gibt kein Gestz dagegen. Was die CIA nicht machen kann, ist, ein Attentat verüben, das heißt einen amen auf eine Kugel schreiben. Aber die Definition für Attentat, ist dehnbar.

    Frage: Aber wenn ein befreundeter Dienst es erledigt, und tötet eine Person, ist es erlaubt?

    Ja. Wenn die Leute länger darüber nachdenken würden, würden sie erkennen, dass die CIA ihre Arbeit getan hat. Ihre Aufgabe war, den Rest der Welt, vor einer sowjetischen Invasion zu schützen, die damals wirklich möglich war."

    http://www.youtube.com/wa...

    Anschauen und Nachdenken!!!

    6 Leser-Empfehlungen
  4. 3.Kombination:
    Dominique Fonvielle (Ehemaliger Führungsoffizier des Französischen Geheimdienstes)
    "Der dritte Punkt wäre, den künftigen Staatschef vorzubereiten. Denn man wird den Führer des alten Regimes ersetzen müssen. Man muss ihn vorbereiten. Er muss auf natürliche Weise antreten, das heißt, er muss einer der Verantwortlichen, einer Oppositionsbewegung sein, oder er muss von den Oppositionsbewegungen allgemein akzeptiert sein.
    Es muß auch jemand sein, der sich nicht damit zufrieden gibt, zwanzig Jahre lang im Exil gewesen zu sein, der dann mit ausländischen Lastwagen eintrifft, oder im Flugzeug der ersten Spezialeinheiten, die die ersten Aktionen zur Destabilisierung einleiten. Er muss glaubwürdig sein, sonst kann er nur schwer in Erscheinung treten, folglich könnte er auch keine glaubwürdige Regierung einsetzen.

    4.Königsangriff:

    Die Umstände müssen vorbereitet werden, und gegebenenfalls so verfälscht werden, dass sie es erlauben, die Revolution auszulösen. Also können diese Umstände sehr unterschiedlich sein. Der Nachrichtendienst wird mit Szenarien arbeiten, die ein Geschehen als glaubwürdig erscheinen lassen, die aber vollkommen gefälscht sind.
    Also im Falle Rumäniens sage ich nicht, dass die erste Demonstration von Temeswar vollkommen gefälscht war. Aber es gab Operationen, bei denen die Vorgänge komplett manipuliert wurden."

    http://www.youtube.com/wa...

    Anschauen und Vergleichen!!!

    6 Leser-Empfehlungen
  5. 5.Schachmatt:

    Dominique Fonvielle (Ehemaliger Führungsoffizier des Französischen Geheimdienstes)

    "Man wird das führende Regime dazu zwingen, auf brutale Weise zu reagieren, damit die Opposition sich offenbart und sich die Massen in Bewegung setzen. Und, zu genau diesem Zeitpunkt, greift das befreundete Nachbarland ein, aus humanitären oder politischen Gründen. Dann sorgen die Verbündeten für Stabilität. Sie gewährleisten Sicherheit und erlauben endlich die Machtübernahme einer neuen Regierung, mit einem Staatschef, der von der Opposition anerkannt wird.

    Solange die öffentliche Sicherheit zum Zeitpunkt einer solchen Revolution nicht voll gewährleistet ist, kann man sich nicht sicher sein die Bevölkerung voll und ganz in der Hand zu haben. Diese Scharfschützen werden den Terror aufrechterhalten, werden die Bevölkerung in einer Verfassung halten, die diese veranlasst zu glauben, dass der Diktator weiter eingreift. Also wird die Bevölkerung versuchen, die Revolution noch mehr voranzutreiben, um die völlige Freiheit zu erlangen, und um die vollständige Ausschaltung des Diktators zu erreichen. Man muss eine gewisse Unsicherheit aufrechterhalten, bis die neue Regierung etabliert ist."

    http://www.youtube.com/wa...

    Anschauen und Realisieren!!!

    6 Leser-Empfehlungen
  6. 6.Postmortem:

    Es muss Opfer geben, weil eine Revolution ohne Opfer niemals glaubwürdig ist.
    Es ist vielleicht Schicksal, aber gleichzeitig war dieser Tod (der Tod eines Unschuldigen) nicht sinnlos. Er hat zu etwas beigetragen. Auch wenn auf gedanklicher Ebene, die Vielzahl der Manipulationen, die notwendig waren, ethisch und moralisch verwerflich oder schwer zu akzeptieren sind. Es war ein Ereignis, dass in Richtung Freiheit ging, eine Wegmarke auf dem Wege der Befreiung des rumänischen Volkes.

    Die Amerikaner haben nicht gepokert. Sie haben mit den Russen richtiggehend Schach gespielt. Und von vornherein hatten sie weiß.

    Am Ende haben sie gewonnen.

    Sprecherin:

    "„Radio Freies Europa“ spielt stündlich einen Bericht, gestaltet mit Schüssen und Schreien. Die Menge wird zusätzlich durch ausgebildete Provokateure angeheizt."

    http://www.youtube.com/wa...

    Anschauen und Aktiv werden!!!

    6 Leser-Empfehlungen
    • monrol
    • 21.01.2012 um 16:24 Uhr

    Vor rund 10 Jahren war der IRAK -und Saddam Hussein- "dran", vor kurzem waren es Libyen und Gadhafi, und jetzt, sozusagen zu UN-guter Letzt, sind es SYRIEN und IRAN!

    DAS kann kein Zufall mehr sein, dahinter steckt ein bereits vor Jahren ausgeheckter Plan -von dem vor nicht allzu langer Zeit sogar ein US-4x General berichtet hat-, der, wie es nicht bloss scheint, sondern inzwischen offensichtlich ist, Zug um Zug realisiert wird!

    Und das, was der englische GUARDIEN am 17.01.2012 über eine Abstimmung in Syrien und anderen islamischen Ländern berichtete, nach der 55% der Syrier ASSAD behalten wollen, liest oder hört man von keinem deutschen Medium!

    Übrigens vermisse ich seit Ende 2009 bis heute in einem deutschen Medium die Meldung,dass damals der US-Kongress alleine für die Destabilisierung des IRAN 400 Millionen Dollar zu bewilligt hatte!

    Mit soviel "Speck" kann mann offensichtlich noch immer recht viele Mäuse (= Aufständische) fangen!

    9 Leser-Empfehlungen
  7. Aber ganz gewaltig.
    "die deutschen Helfer der Revolution"

    Es sind Aktivisten oder Exilanten auf deutschem Boden - mehr nicht.

    Was in Syrien auf den Strassen oder in den Gefängnissen los ist, hat nichts dem diplomatischen Treiben auf der Polit-Ebene zu tun.
    Denen ist es egal, wieviele Menschen verrecken. Da laufen im Hintergrund ganz andere Sachen.

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service