Künstliche IntelligenzDie Roboter kommen

In der Fabrik, im Pflegeheim und auf der Straße drängen mobile Blechkollegen in unseren Alltag. Lassen die Helfer ihre Kraft spielen, kann das schmerzhaft enden.

Mainz, Johannes Gutenberg-Universität, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. Der Apparat, in den eine Person komplett eingespannt werden kann, erinnert ein wenig an ein mittelalterliches Folterinstrument, und diese Assoziation ist nicht ganz abwegig. Hier wird Menschen mit der Metallspitze eines Geräts namens Algometer (»Schmerzmesser«) bewusst Schmerz zugefügt.

Die archaisch anmutende Versuchsanordnung erlaubt einen Blick in die nahe Zukunft. Soeben startet in Mainz ein dreijähriger Großversuch. In dessen Rahmen sollen rund 100 Probanden mit der Metallspitze traktiert werden, und zwar im Bereich der Wahrnehmungsschwelle, also zwischen »Ich spüre nichts« und »Aua!«. Genauer: Die Probanden erfahren an verschiedenen Körperteilen einen steigenden Druck. Sobald sie merken, dass aus dem wahrnehmbaren Gefühl Schmerz wird, stoppen sie den Versuch. Den Forschern geht es um den Zusammenhang zwischen Kraft, Druck und Schmerzempfinden. Ihr Ziel ist ein sogenanntes Schmerzschwellen-Kataster.

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Die moralisch nicht unproblematischen Versuche – die zuständige Ethikkommission musste die Tests vorher genehmigen – darf man als Indiz für eine gesellschaftliche Entwicklung betrachten, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind. Was wir aus der Science-Fiction kennen, dringt in unsere Lebenswirklichkeit ein: Die Roboter kommen! Sie verlassen ihre mit Schutzgittern abgeriegelten Sicherheitszonen und mischen sich unter uns. Es wird Begegnungen geben. Und Zusammenstöße. Manchmal wird der Kontakt schmerzhaft sein.

Die Rede ist nicht bloß von ein paar kleinen autonomen Staubsaugern und Rasenmähern. Große, starke, mobile Maschinen machen sich auf den Weg, um uns zur Hand zu gehen. Sie starten in der Industrie, doch es wird nicht lange dauern, dann kommen sie in unserem Alltag an.

Die Mainzer Arbeitsmediziner wollen mit ihrer Schmerzforschung erfahren, was bei unerwünschten Komplikationen wie schmerzhaften Remplern passiert. Ihre Frage ist: Wie stark dürfen Stöße gegen verschiedene Körperteile eines Industriearbeiters sein, um als eben noch tolerabel zu gelten?

Maschine und Maloche

Zweimal gelangte das Wort in die deutsche Sprache, im Spätmittelalter und in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Beide Male wurde es entlehnt vom tschechischen Wort für Fronarbeit, »robota«. Es fand als Robāte Einzug ins Mittelhochdeutsche. Jemand, der in der Arbeitspflicht etwa bei einem Grundherrn stand, wurde dementsprechend im 15. Jahrhundert Robāter oder Robatter genannt. Daraus entwickelte sich das Verb roboten – für schuften.

Die zweite Bedeutung, Maschinenmensch, geht auf ein Theaterstück zurück, das sozialutopische Drama »R.U.R.« von Karel Čapek von 1920. Er beschrieb die Züchtung von Robotern als Arbeitswesen. Die Bedeutung des Wortes entwickelte sich aber bald weg von Mensch-Maschine-Mischwesen hin zu autonomen Maschinen, oder Halbautomaten, wie der Schriftsteller Stanisław Lem sie nannte.

Androiden und KI

Heute existieren ganz unterschiedliche technische Definitionen, ab wann eine Maschine ein Roboter ist. Der gemeinsame Nenner: Die Mechanik muss dem Gerät unterschiedliche Bewegungen gestatten, seine Sensorik aktiv die Umwelt vermessen, und schließlich muss die Programmierung der Maschine Spielraum für eigene Entscheidungen lassen.

Eine äußere Ähnlichkeit mit Menschen haben diese Maschinenwesen nur in speziellen Fällen, dann nennt man sie auch Androiden. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) – einem Forschungszweig, der schon wegen seines Namens unter dem Verdacht der Anmaßung steht – hat Robotik nicht zwingend etwas zu tun: Wenn es um autonome Bewegung und Handlung frei laufender Roboter geht, sprechen Wissenschaftler nicht von »intelligent machines«, sondern lieber von »smart machines«.

Maschinen, die Schmerzen zufügen? Das klingt arg nach Literatur und Film, nach Terminator, nach den Schreckensvisionen der Robocalypse, die der amerikanische Robotikspezialist Daniel H. Wilson in seinem gleichnamigen Horrorroman beschreibt. In dem schließen sich Computer, vernetzte Elektronikgeräte, Webcams, Telefone und eben Roboter zusammen, um die Menschheit zu vernichten.

In der Realität dagegen kennen wir Roboter meist nur als im Hintergrund rackernde Arbeitstiere, von denen kaum Gefahr ausgeht. Das sind die Millionen friedlicher, ortsfest montierter Industriearbeitsmaschinen, die abgeschottet hinter mannshohen Sicherheitsgittern schweißen, bohren, fräsen, schauben.

Autonome Maschinen haben Teile unserer Welt unter Kontrolle

Doch mit der behaglichen Aufteilung in eine furchterregende fiktionale Sphäre und eine Realität umgitterter Industrieroboter geht es definitiv zu Ende. Frei laufenden Robotern gehört die Zukunft. Und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen. Unsere Autos werden immer autonomer. Dem neuen Wagen überlassen wir es, Abstand zu halten, auf Regen, Glatteis und Verkehrsschilder zu achten, als Halbroboter parkt er perfekt ein, hält die Spur und bremst, wenn wir gepennt haben. Schon fahren in Berlin, der Region Braunschweig oder in Kalifornien (Google!) Testfahrzeuge herum, die keines Chauffeurs mehr bedürfen.

Leser-Kommentare
  1. ...Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht für Roboter und für Uns das "Bedingungslose Grundeinkommen" einzuführen!

    4 Leser-Empfehlungen
  2. ...warum so viel Wirbel um die Sicherheit speziell beim Einsatz von Robotern gemacht wird, sind sie doch auch nur Maschinen, für die die gleichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden müssen.

    Ob es sich um eine "gewöhnliche" Sägemaschine oder einen "Roboter" handelt ist einem Arbeiter doch gleich, für Sicherheit muss bei beiden gesorgt sein.

  3. "Eine Kollaboration (lat. co- = „mit-“, laborare = „arbeiten“) ist die Mitarbeit bzw. Zusammenarbeit mehrerer Personen oder Gruppen von Personen.

    Historisch steht der Begriff für die Zusammenarbeit mit dem Feind zu Zeiten eines Krieges oder der Besatzung. In diesem Sinne „kollaborierende“ Personen werden als Kollaborateure bezeichnet. Der vorliegende Artikel beschreibt dieses Begriffsverständnis.

    Der Begriff der Kollaboration wird heute aber - den begriffshistorischen Kontext ignorierend(!) - auch in vielen Zusammenhängen, etwa in den Wirtschaftswissenschaften, als Synonym für Zusammenarbeit (s. dort) verwendet, wohl auch, weil der Begriff Zusammenarbeit in englischen Texten im Begriff collaboration seine Entsprechung hat. In diesem Sinne stellt eine Kollaboration bzw. Zusammenarbeit eine starke Form einer Kooperation dar."

    Wenn Kooperation gemeint ist, warum nennt man es nicht Kooperation?

    Was ist so schwer daran von kooperativen Robotern zu sprechen, anstatt von kollaborierenden? Würde das nicht die Aktzeptanz erhöhen?

  4. Sorry, die Quelle für das Zitat ist Wikipedia

  5. vier Dinge die es aus strukturell ähnlichen Gründen nie geben wird:

    ein Perpetum mobile,

    ein lichtschnelles oder überlichtschnelles Vehikel,

    einen Quantencomputer,

    eine denkende Maschine.

    Antwort auf "wichtige Frage"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jetzt bin ich aber gespannt: Könnten Sie das ein wenig erläutern?

    Jetzt bin ich aber gespannt: Könnten Sie das ein wenig erläutern?

    • essilu
    • 24.01.2012 um 15:37 Uhr

    ...ich bin, was Sie nicht sind und nie sein werden: Ein Mensch. Als solcher werde ich Ihnen ein Schnippchen schlagen, auf das Sie nie kommen können...
    Aber, ich habe eine Frage: Sind Sie gegen Staupe geimpft?

  6. Jetzt bin ich aber gespannt: Könnten Sie das ein wenig erläutern?

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