Roboter im FilmDie und wir

In der Fiktion sind Roboter ein verstörendes Spiegelbild des Menschen – manchmal nett, oft gewalttätig, stets eine Kränkung.

Die Augen des Disney-Filmroboters WALL-E

Die Augen des Disney-Filmroboters WALL-E

Zuerst foltert man die Todeskandidaten ein bisschen und übergießt sie mit siedendem Fett. Anschließend werden sie unter dem Beifall der johlenden Menge langsam hingerichtet, bis das Prozessorherz aufhört zu schlagen. Ein Kandidat schafft es noch, sein Gefühlsmodul abzuschalten, die anderen leiden stumm. Der Rest ist Schrott.

Die Rede ist von einer Szene aus Steven Spielbergs Science-Fiction-Film A.I. Sie zeigt, wie dicke weiße Amerikaner ausrangierte Roboter in die Manege schleifen und mit sadistischer Lust »exekutieren«. Man braucht die Dinger nicht mehr, ihre Zeit ist abgelaufen, weg damit. Spielbergs Kalkül geht auf: Der Zuschauer bekommt Mitleid mit dem unschuldigen Edelmetall. Wie herzlos Menschen doch sein können!

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Spielbergs Film ist deshalb so eindrucksvoll, weil er die Ängste und Hoffnungen zeigt, die wir mit dem Roboter verbinden. Auf der einen, der hellen Seite ist er einfach der bessere Mensch. Ein Roboter ist naturgemäß gutmütig, er handelt klar und logisch, und sein Elektroherz ist klein, aber rein. Er ist weder nachtragend, noch wird er von dunklen Leidenschaften getrieben. Manchmal sind Roboter sogar allmächtige Friedensstifter, die – wie in dem Film Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) – die Zivilisation vor dem Untergang retten wollen, aber von Menschen daran gehindert werden. Andere wiederum sind einfach nur gutartige Wesen und treu bis zum Stromausfall – wie Robby in Alarm im Weltall (1956), wie R2D2 in Star Wars (1977) oder wie der reizende Wall-E (2008), der nach dem Untergang des Kapitalismus brav die Erde aufräumt. Paradox gesagt: Diese Roboter besitzen eine von der Zivilisation unverdorbene »Natur«. Sie halten uns den kritischen Spiegel vor und scheinen zu fragen: Wie seelenlos müssen die Menschen sein, wenn ihnen eine Maschine wie Wall-E so human vorkommt?

Aber klar, die dunkle Seite überwiegt. Es ist die Panik, die beim Gedanken auflodert, Roboter könnten außer Kontrolle geraten und einen Sklavenaufstand organisieren – wie einst Spartakus. Erst haben die Menschen die Roboter programmiert, jetzt drehen diese den Spieß um und programmieren den Menschen. Schon in Fritz Langs Metropolis aus dem Jahr 1926 verselbstständigt sich die Technik und wird monströs. Dieses Muster hält sich. Böse Wissenschaftler – und in Science-Fiction-Filmen sind sie, wie der Wissenschaftstheoretiker Peter Weingart nachgezählt hat, fast immer böse – löten Monster zusammen, die plötzlich einen eigenen Willen entwickeln und das Kommando übernehmen. In der Fernsehserie Raumpatrouille (1966) schlägt ein »mental gestörter« Roboter gleich zu Beginn alles kurz und klein. Doch das ist Kinderkram, gemessen an den Taten von HAL, dem Zentralcomputer in Stanley Kubricks grandiosem Film 2001 – Odyssee im Weltraum (1968). Denn HAL (durch eine kleine Buchstabenverschiebung ergibt sich »IBM«) ist ein übler Bursche, der aus Angst davor, man könne ihm den Stecker rausziehen, vorsorglich die Besatzung des Raumschiffs umbringt. Und John Carpenters Dark Star (1974) handelt von einer hochbegabten Roboterbombe, die komplizierte theologische Diskussionen führen kann. Leider lässt sich die Intelligenzbestie von profanen menschlichen Argumenten nicht überzeugen. Sie spielt Gott, zündet sich selbst und taucht den Blauen Planeten in ein apokalyptisches Feuer. »Am Anfang«, sagt sie, »war Finsternis. Es werde Licht.«

Auch in Terminator (1984) sind Maschinen längst mächtiger als Menschen, nur eine Handvoll edelmütiger Partisanen kämpft noch gegen die global herrschende Roboterclique. In der Matrix-Trilogie (1999-2003) sind die Humansubjekte bereits in Unterzahl, sie leben in Lagern, werden von den siegreichen Supermaschinen »angezapft« und als lebende Energiequellen benutzt. Eher altertümlich geht es in Daniel Wilsons Buch Robocalypse (2011) zu, in dem artige Service-Roboter zu bestialischen Killern mutieren. Steven Spielberg, wer sonst, wird den Aufstand der Blechbüchsen bald ins Kino bringen.

Leser-Kommentare
    • TeCe
    • 24.01.2012 um 12:30 Uhr

    Ich vermisse Dewe, Huey und Louie aus 'Silent Running', einem Film, dessen Thematik immer aktueller wird.

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    Ich glaube die drei Roboter aus Silent Running sind mit Beispielen wie R2D2 abgedeckt.

    Sehen sie Silent Running ernsthaft als wahrscheinliche Zukunft? Das ist doch lächerlich, weder werden die Bäume aussterben, noch wird jemand bei den Kosten der Raumfahrt einen halben Wald ins All schießen.

    Das Szenario des Films ist kreativ und interessant, aber wirklich nicht besonders wahrscheinlich.

    Ich glaube die drei Roboter aus Silent Running sind mit Beispielen wie R2D2 abgedeckt.

    Sehen sie Silent Running ernsthaft als wahrscheinliche Zukunft? Das ist doch lächerlich, weder werden die Bäume aussterben, noch wird jemand bei den Kosten der Raumfahrt einen halben Wald ins All schießen.

    Das Szenario des Films ist kreativ und interessant, aber wirklich nicht besonders wahrscheinlich.

  1. Schön, dass ein Meisterwerk wie Carpenters Dark Star erwähnt wird. Aber Die Bombe sprengt keinesfalls den "Blauen Planeten", sondern nur das Raumschiff, an dessen Bord sie sich befindet (obwohl Planeten und Himmelskörper ihre eigentliche Aufgabe gewesen wäre).

    Das mit der Unheimlichkeit der Roboter, die uns immer ähnlicher werden, ist im Konzept des uncanny valley ja schon gut beschrieben:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Eine Leser-Empfehlung
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    Abgesehen davon ist die Bombe kein Roboter, sondern ein Sprengkörper mit KI !
    Definition nach VDI-Richtlinie 2860
    „Industrieroboter sind universell einsetzbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, deren Bewegungen hinsichtlich Bewegungsfolge und Wegen bzw. Winkeln frei (d. h. ohne mechanischen Eingriff) programmierbar und gegebenenfalls sensorgeführt sind. Sie sind mit Greifern, Werkzeugen oder anderen Fertigungsmitteln ausrüstbar und können Handhabungs- und/oder Fertigungsaufgaben ausführen.“

    "The Big Boiler"

    Abgesehen davon ist die Bombe kein Roboter, sondern ein Sprengkörper mit KI !
    Definition nach VDI-Richtlinie 2860
    „Industrieroboter sind universell einsetzbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, deren Bewegungen hinsichtlich Bewegungsfolge und Wegen bzw. Winkeln frei (d. h. ohne mechanischen Eingriff) programmierbar und gegebenenfalls sensorgeführt sind. Sie sind mit Greifern, Werkzeugen oder anderen Fertigungsmitteln ausrüstbar und können Handhabungs- und/oder Fertigungsaufgaben ausführen.“

    "The Big Boiler"

  2. Man sollte dabei vor allm eines nicht vergessen:

    Diese Roboter sind nicht real!

  3. Ein oft durchgekauter Gedanke mit vielen inhaltlichen Fehlern.

  4. Ich glaube die drei Roboter aus Silent Running sind mit Beispielen wie R2D2 abgedeckt.

    Sehen sie Silent Running ernsthaft als wahrscheinliche Zukunft? Das ist doch lächerlich, weder werden die Bäume aussterben, noch wird jemand bei den Kosten der Raumfahrt einen halben Wald ins All schießen.

    Das Szenario des Films ist kreativ und interessant, aber wirklich nicht besonders wahrscheinlich.

    Antwort auf "Silent Running"
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    • TeCe
    • 24.01.2012 um 14:20 Uhr

    Es geht in dieser Dystopie nicht darum dies real umzusetzen, sondern dieses fiktive Szenario vermeiden zu wollen. Dabei geht es auch nicht nur um Wälder oder Biotope, die gerettet werden sollen, sondern viel allgemeiner um Umweltbewusstsein, Technisierung und Kommerzialisierung der Umwelt, künstliche Nahrungsmittel, Individualismus, Selbstverwirklichung, Fortschrittsglaube, Legitimation zu töten, Einsamkeit etc.
    Schauen Sie sich den Film nochmal an und dann schauen Sie über Ihren Horizont, oder versuchen Sie dies zumindest!

    • TeCe
    • 24.01.2012 um 14:20 Uhr

    Es geht in dieser Dystopie nicht darum dies real umzusetzen, sondern dieses fiktive Szenario vermeiden zu wollen. Dabei geht es auch nicht nur um Wälder oder Biotope, die gerettet werden sollen, sondern viel allgemeiner um Umweltbewusstsein, Technisierung und Kommerzialisierung der Umwelt, künstliche Nahrungsmittel, Individualismus, Selbstverwirklichung, Fortschrittsglaube, Legitimation zu töten, Einsamkeit etc.
    Schauen Sie sich den Film nochmal an und dann schauen Sie über Ihren Horizont, oder versuchen Sie dies zumindest!

    • Zooey
    • 24.01.2012 um 13:57 Uhr

    ...etwas aus der Trivialzone: Battlestar Galactica remake. Es gibt keine Guten und Bösen - weder unter Cylons noch den humans. Zwischendurch schlägt die Identifikationsnadel oft in Richtung Robots aus. Sehr empfehlenswert. Vor allem für die Frage: Welches RECHT aufs Überleben hat die menschliche Rasse?

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  5. Selbstverständlich sind die Roboter nur Spiegel des Menschen. Wir können nur in den Mustern erschaffen, die uns selbst anheim sind. Das das Böse häufig überwiegt ist nur ein dramaturgisches Mittel, so wie der meist notwendige Schurke im Hollywood-Film.

    Die Projektion von Intelligenz auf die Roboter ist natürlich dümmlich, aber bestätigt das oben Gesagte und überrascht somit nicht.

    Danke für den Abriss der SF-Klassiker. Silent Running hat auch meine Kindheit stark geprägt.

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    • TeCe
    • 24.01.2012 um 14:20 Uhr

    Es geht in dieser Dystopie nicht darum dies real umzusetzen, sondern dieses fiktive Szenario vermeiden zu wollen. Dabei geht es auch nicht nur um Wälder oder Biotope, die gerettet werden sollen, sondern viel allgemeiner um Umweltbewusstsein, Technisierung und Kommerzialisierung der Umwelt, künstliche Nahrungsmittel, Individualismus, Selbstverwirklichung, Fortschrittsglaube, Legitimation zu töten, Einsamkeit etc.
    Schauen Sie sich den Film nochmal an und dann schauen Sie über Ihren Horizont, oder versuchen Sie dies zumindest!

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    Vielleicht sollte ich den Film wirklich nochmal sehen, ist über 10 Jahre her. Bei mir ist eher eine bedenkliche Legitimierung von Ökoterrorismus hängen geblieben: ein Außenseiter tötet alle seine Mitmenschen und lebt umgeben von Robotern, weil er die Bäume bevorzugt.

    Ein schwindendes Ökobewusstsein sehe ich in der heutigen Welt nicht. Greenpeace ist aktiv, etliche lokale Gruppen setzen sich für die Umwelt ein, Castor Proteste laufen, Windkraft und Solarenergie werden gepusht (Desertec!). Auch die Endlichkeit der Ressourcen ist immer wieder Thema.

    Zu ihren anderen Aspekten (Technisierung & Kommerzialisierung etc) kann ich jetzt nichts sagen, ohne den Film nochmal zu sehen.

    Vielleicht sollte ich den Film wirklich nochmal sehen, ist über 10 Jahre her. Bei mir ist eher eine bedenkliche Legitimierung von Ökoterrorismus hängen geblieben: ein Außenseiter tötet alle seine Mitmenschen und lebt umgeben von Robotern, weil er die Bäume bevorzugt.

    Ein schwindendes Ökobewusstsein sehe ich in der heutigen Welt nicht. Greenpeace ist aktiv, etliche lokale Gruppen setzen sich für die Umwelt ein, Castor Proteste laufen, Windkraft und Solarenergie werden gepusht (Desertec!). Auch die Endlichkeit der Ressourcen ist immer wieder Thema.

    Zu ihren anderen Aspekten (Technisierung & Kommerzialisierung etc) kann ich jetzt nichts sagen, ohne den Film nochmal zu sehen.

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