Taiwan Die Freien und die Großen

China gibt es zweimal, auf dem Festland und in Taiwan. Besuch bei einer getrennten Familie.

Unterstützer der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) in Taipeh

Unterstützer der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) in Taipeh

Dass eine neue Zeit begonnen hatte, wusste Liu Wenbin, als vor ein paar Jahren eine Freundin der Verwandten vom chinesischen Festland zu Besuch kam. Sie hatte nicht viel Zeit und keine Augen für die Sehenswürdigkeiten Taiwans, es gab Wichtigeres: zum Beispiel Handtaschen. Mit perfekt manikürten Fingernägeln scrollte sie durch ihr iPhone und betrachtete die Bilder von Luxusgütern. »Das, das, das«, sagte sie, als sie auf dem Gerät herumtippte. Am Ende, erzählt der heute sechzigjährige Liu, habe sie tütenweise eingekauft, »Schuhe, Taschen für 400.000 Taiwan-Dollar« (mehr als 10.000 Euro).

Liu ist ein leutseliger Typ, einer, von dem seine Frau sagt, »er redet halt gern«; bisweilen muss man im Restaurant eine Weile warten, weil er sich mit dem Koch festgequatscht hat. Er macht gerne Witze. Sich selbst und die halbe Million taiwanesischer Geschäftsleute, die auf dem Festland Geschäfte macht, nennt er den »Sturm auf die Kommunisten«, so wie es einst Taiwans oberster Generalissimo Chiang Kai-shek gebellt hatte, der davon träumte, das Festland einzunehmen.

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Liu erinnert sich noch gut daran, wie er das erste Mal aufs Festland reiste, Ende der achtziger Jahre; er wollte Geschäfte machen. Und die Verwandten seiner Frau in der Provinz Fujian sollten ihm helfen. Das war, bevor er einen landwirtschaftlichen Betrieb auf der chinesischen Insel Hainan eröffnete. Meine Güte, waren die Verwandten arm! Liu schaute in braun gebrannte Gesichter und auf ärmliche Klamotten. Selbst diejenigen, die jünger waren als er, sahen um Jahre älter aus.

Taipeh, Taiwan. Die Stadt versinkt im Nebel, kaum auszumachen von Lius Haus oben auf dem Berg, das weiß und filigran ist. Alles ist raffiniert, einfach, aber elegant, die Familie trinkt selbst angebauten Kräutertee, »organisch natürlich«. Neben Liu sind da seine Frau Jessica Hsu und deren Mutter. »Ist dir aufgefallen«, fragt Liu, »dass die auf dem Festland dir immer unter die Nase reiben wollen, wie viel Geld sie verdienen?« – »Dieser Materialismus«, seufzt Jessica Hsu. »Sie haben das Geld, aber sonst?« Die offiziell immer noch kommunistische Volksrepublik China ist für die Taiwanesen, die schon lange in einer Marktwirtschaft leben, zum Inbegriff einer krassen, etwas vulgären Wirtschaftswunderwelt geworden.

Xiamen, Provinz Fujian, auf der anderen Seite der Straße von Taiwan, der Meerenge, die zwischen dem chinesischen Festland und der Insel liegt. Ein Restaurant, das gern hochklassig wäre; nur leider ist da der Moderator einer Hochzeitsgesellschaft, der stetig vor sich hinplärrt. In einem jener Separees, in denen überall in China Geschäfte gemacht werden, hebt sein Glas: Chen Jin, Chefökonom des Büros für wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Xiamen. Neben dem 55-Jährigen finden sich hier ein Architekturprofessor aus Taiwan und ein amerikanischer Überseechinese, Immobilienentwickler – beide voll wie die Strandhaubitzen. »Auf euch, Brüder«, ruft Chen, die beiden lallen Gutgemeintes zurück. Chen wirkt im Vergleich zu ihnen beinahe stocknüchtern. Als er seine Geschäftspartner hinauskomplimentiert hat, sagt er: »Wenn du es zu was bringen willst, musst du was vertragen. Du musst derjenige sein, der bis zum Ende verhandeln kann.«

Die Wahl

Am vergangenen Wochenende hat Taiwan gewählt: Mit einer Mehrheit von 51,6 Prozent wurde Präsident Ma Ying-jeou von der Kuomintang-Partei (KMT) im Amt bestätigt. Seine Herausforderin Tsai Ing-wen von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) unterlag mit 45,6 Prozent. Ma steht für eine Annäherung an das chinesische Festland, hat sich allerdings gegen eine Wiedervereinigung ausgesprochen. DPP-Anhänger favorisieren eher die Unabhängigkeit Taiwans. Die politischen Gegensätze werden von einer sozialen Spaltung überlagert. Die »Draußengeborenen«, die ursprünglich vom Festland stammen, neigen zur KMT, die »Hiergeborenen« aus der eingesessenen Inselbevölkerung mehr zur DPP.

Erinnert er sich daran, wie sein Verwandter Liu zum ersten Mal nach Fujian kam? Und wie! »Hatten die Geld. Was die alles mitbrachten, Elektrogeräte, Fernseher, Haushaltsgeräte, wir trauten unseren Augen nicht! Man hatte uns doch immer gesagt, dass es den Taiwanesen viel schlechter ginge als uns. Und dann so was!« Doch bevor die Menschen kamen, kam die Musik. Süßer Pop, hingehauchte Liebesschwüre, von der Partei untersagt, weil sie den »Geist verschmutzen«. Taiwan lieferte dem Festland den Soundtrack zur Moderne, die Kultur zum Kapitalismus. Taiwan hatte immer eine enge Verbindung zu den USA und im Gegensatz zu China auch zu Japan, dem modernsten Land Asiens. Es rezipierte die westliche Konsumkultur, bereitete sie für den chinesischen Geschmack auf.

Liu, sagt Chen, habe seine Schüssel und die Stäbchen immer in hundert Grad heißem Wasser gewaschen. »Er fand es wohl nicht so hygienisch bei uns. Na und später dann, als er seinen Betrieb auf Hainan hatte? Da hat er mit den Bauern gegessen, Dinge, die ich im Leben nicht runterkriegen würde!« Jetzt aber, sagt Chen, und Zufriedenheit kriecht in sein Gesicht, »verlieren wir nicht mehr gegen sie«. 2007 war er zum ersten Mal in Taipeh, »und das ist von der Stadtentwicklung her auch nicht besser als Xiamen«. Liu habe ein schönes Haus in Taipeh? »Na, ihr solltet mal mein Haus sehen!«

Chen und Liu, zwei Männer mittleren Alters, verwandt: Chen ist ein Onkel von Lius Frau. Beide sind in einem Land aufgewachsen, das sich China nennt. Und doch könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Chen kommt aus der Volksrepublik China. Er hat die Armut erlebt, die Kulturrevolution und den rauschhaften Aufstieg seines Landes zur Weltmacht. Er ist Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), jener Partei, die sich Taiwan einverleiben möchte.

Liu stammt aus Taiwan. Er hat die Jahre der Diktatur Chiang Kai-sheks erlebt und die Demokratisierung nach 1987. Auch Lius Land hat einen Aufstieg erfahren – nicht zur Weltmacht, aber immerhin zu einem der wirtschaftlich erfolgreichen asiatischen »Tigerstaaten«. In der internationalen Politik aber verlor es an Bedeutung. Einst galt die Republik den meisten Ländern als legitime Vertreterin Chinas. Bis sie 1971 unsanft aus den Vereinten Nationen gestoßen wurde, damit die Volksrepublik ihren Platz einnehmen konnte. Taiwan wird heute nur noch von 23 Ländern offiziell anerkannt, die meisten von ihnen sind Ministaaten in Ozeanien oder Lateinamerika. Die Insel ist ein bisschen größer als Baden-Württemberg, also winzig im Vergleich zur Volksrepublik. Seit Liu wählen kann, stimmt er für die Partei, die einst als Erzfeindin der chinesischen Kommunisten galt: die Kuomintang (KMT).

Auf dem Festland hatten Kommunisten und Antikommunisten jahrelang erbittert um die Macht gekämpft. 1949 mussten die KMT-Leute nach Taiwan flüchten, mit Kisten voller Kunstschätze und Gold. Mit ihnen floh auch Lius Schwiegervater; in Taiwan traf er seine Frau, die ein Jahr früher auf die Insel gelangt war. 39 Jahre lang, bis 1987, sollte die Familie keinen Kontakt zu ihren Verwandten auf dem Festland haben. Nur einmal gelang es, über Hongkong und die USA einen Brief zu schicken. Das Festland wie die Insel nahmen für sich in Anspruch, ganz China zu vertreten, beide schworen, das Land des Gegners zu erobern. Aber wie sollte das winzige Taiwan die gewaltige Volksrepublik einnehmen? Doch auch die Volksrepublik konnte Taiwan nicht einfach überrennen, denn die Insel hat die USA als mächtigen Freund. Die Amerikaner billigen Taiwan zwar keine formelle Unabhängigkeit zu, wollen es aber auch nicht chinesischer Eroberung preisgeben. Ein Kampf um Taiwan wäre der Super-GAU, der militärische Konflikt zweier Großmächte. Bisher ist es nicht zu einer militärischen Auseinandersetzung gekommen. Aber die Chinesen lassen keinen Zweifel daran, dass sie Taiwan zurückhaben wollen.

Xiamen. »Es ist, als habe ein Sohn die Mutter verlassen, weil sie arm ist«, sagt Chen, der ja auch Funktionär des chinesischen Regierungsapparats ist, über die Taiwanesen. »Und jetzt, wo sie reich geworden ist, will er wieder in ihre Arme zurück.« Ja, einige auf Taiwan wollten die Unabhängigkeit. »Doch sollen die etwa allein bestimmen? Wenn, dann müsste ganz China abstimmen.« Natürlich könnte China die Insel militärisch einnehmen. »Doch das braucht es gar nicht.« Alles werde seinen natürlichen Lauf nehmen, »in der Politik ist die Wirtschaft das Wichtigste. Nur auf Taiwan haben das einige nicht verstanden. Doch auch die wollen in China Geschäfte machen.«

Wahrscheinlich wird Chinas derzeitige Taiwanpolitik eines Tages als wichtigstes Vermächtnis des chinesischen Präsidenten Hu Jintao gelten, der im nächsten Jahr abtreten wird. Sein Vorgänger rasselte noch mit dem Säbel, ließ 1996 vor einer taiwanesischen Wahl Raketen abfeuern, eine Warnung an die Bürger der Inselrepublik. Nur wählten die dann erst recht den in Peking verhassten Kandidaten. Der jetzige chinesische Präsident hingegen umwirbt Taiwan, er appelliert an den großchinesischen Patriotismus. Er hat der Insel zwei Pandas geschenkt, »Tuantuan« und »Yuanyuan« – zusammengenommen bedeutet das: Wiedervereinigung. Statt Raketen abzufeuern, kaufte Peking vor dieser Wahl viel Gemüse und Fisch aus dem Süden Taiwans – dort sitzen die eingefleischten Unabhängigkeitsbefürworter. Die Taiwanesen werden trotzdem nicht vergessen, dass China viele Raketen auf ihr Land gerichtet hat.

Taipeh. »Wenn sie mich in China fragen, ob ich für die Wiedervereinigung bin, dann rufe ich: ja, klaaaaar!«, sagt Liu und streckt den Arm nach vorn wie Superman. »Natürlich denk ich ganz anders, aber ich will ja Geschäfte mit denen machen.« Liu hat nichts dagegen, von der Stärke Chinas zu profitieren. Nur seine Freiheit will er dafür nicht opfern. Er hat bei der Präsidentschaftswahl am vergangenen Wochenende für den am Ende siegreichen Amtsinhaber von der KMT gestimmt, die inzwischen recht gute Beziehungen zu Peking pflegt. »Der steht für Stabilität«, sagt Liu. »Wäre die Opposition an die Macht gekommen, hätte China uns abgestraft.« Das hätte die Errungenschaften der Entspannungspolitik gefährdet: Es gibt direkte Flug- und Schiffsverbindungen, seit 2010 ein Freihandelsabkommen; chinesische Touristen und Auslandsstudenten tummeln sich in Taiwan. China ist zum wichtigsten Handelspartner Taiwans geworden. 2010 wuchs das Handelsvolumen um 36,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf 145 Milliarden US-Dollar.

Doch das gefällt nicht allen. Zum Beispiel Lius dreißigjährigem Sohn David. »So viel Abhängigkeit ist doch gefährlich. Das sind doch keine Verhandlungen unter Gleichen. Sie wollen, dass wir kapitulieren.« David hat daher für die Opposition gestimmt, die stärker auf Distanz zu Peking gehen will. Wie viele Gebäude, fragen einige in Taipeh, wurden bereits heimlich von Chinesen übernommen? Wie viele Touristen sind Spione? Mit der Volksrepublik vereinen möchten sich jedenfalls die wenigsten Taiwanesen. Mehr als 45 Prozent sind strikt dagegen, gerade mal 7 Prozent dafür. Am liebsten wäre der Mehrheit die vollständige Unabhängigkeit, gefolgt von einer losen Föderation mit Festlandchina. Weil die Taiwanesen aber wissen, dass das ein unerreichbares Ziel ist, befürworten sie den Status quo. Es ist ein heikler Balanceakt.

Chen auf dem Festland hatte gemeint: »Es gibt doch eine hervorragende Lösung.« Man schaue nach Hongkong. »Ein Land, zwei Systeme, ein großer Erfolg.« China sei der große Bruder, Taiwan, Hongkong und Macau seien die kleinen. »Ein großer Bruder wird für seine kleinen Brüder doch nur das Beste wollen, nie würde er sie ärgern oder unterdrücken.«

Die Taiwanesen sind sich da nicht so sicher. Der Regierungsberater Huang Guangguo, Universitätsprofessor in Taipeh, findet den chinesischen Umgang mit kleineren Brüdern wenig ermutigend: »Gerade in Hongkong sehen wir doch, dass die nicht unabhängig sind, dass China sich einmischt.« Huang plädiert für »ein Land, zwei Verfassungen«. Anfangs, berichtet er von Verhandlungsrunden mit Vertretern der Volksrepublik, »waren sie total dagegen. Sie sagten: Wie können wir unter Gleichen verhandeln, wenn wir so groß sind und ihr so klein?« Inzwischen aber, glaubt Huang, seien die Festlandchinesen offener geworden.

Jessica Hsu jedenfalls, Lius Ehefrau, eine erfolgreiche Künstlerin, laden sie jetzt öfter aufs Festland ein. An Unis und zu Modenschauen. Sie spricht dann über Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus und darüber, wie sie ihre Arbeiten beeinflussen. »Sie sagen, ich stünde für einen grünen Lebensstil, der Moderne und Tradition vereine. Und sie zahlen sehr gut.« Professoren, Mönche, Taoistenmeister pilgern von Taiwan aufs Festland, um den Chinesen dort die Traditionen wieder beizubringen, die eigentlich von dort kamen. Für die ist es ein Paradox: dass ein Land modern und traditionell zugleich sein kann. Glaubte doch Mao Zedong, er müsse erst die Tradition zerstören, um sein Land zu modernisieren.

Den Festlandchinesen fehlten die Wurzeln, sagen die Taiwanesen. Deshalb litten sie heute unter einer Identitätskrise. Bei der Kultur fühlen sich die kleinen Taiwanesen plötzlich als Großmacht. Nicht nur, weil sie im Gegensatz zu den neureichen Festlandchinesen schon fast den alten Wohlstand repräsentieren. Weil sie sozialer, grüner, pluralistischer, demokratisch geworden sind. Sondern, weil sie sich als Bewahrer chinesischer Überlieferung sehen. »Gruselig, wie sehr sie ihre Kultur zerstörten«, sagt Künstlerin Hsu. »Ihre Schrift haben sie zerhackt mit ihren Kurzzeichen. Nicht mal die klassischen Schriftzeichen können sie mehr lesen! Mao war ein Krimineller.« Gut, die Künstler auf dem Festland seien sehr erfolgreich, sagt Hsu. Aber immer gehe es ihnen um Politik, Politik, Politik – da liege so viel im Argen, dass sie sich um gar nichts anderes kümmern könnten. »Es fehlt ihnen einfach an kultureller Substanz«, sagt Hsu. »Sie haben nichts im Bauch.« Sie seufzt. »Aber immerhin geben sie eine Menge Geld aus, um das auszugleichen.« Eine Spur von Nachsicht gleitet über ihr Gesicht. »Sie lernen.«

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Danke,

    guter Text.

  2. die Chinesen sollten sich mal die Annäherung von BRD und DDR ansehen.
    Wenn ich mich recht erinnere, war das Verhältniss wesentlich entspannter nachdem sie sich gegenseitig als unabhängige Staaten anerkannt haben.

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    • 21.01.2012 um 16:01 Uhr

    Soweit ich weiss, fühlten sich beide deutsche Staaten als Teil der deutschen Nation.Sowohl die DDR-Bürger als auch die BRD-Bürger sahen sich als Deutsche, als Teil des Deutschen Staatsvolkes.Darin unterscheidet sich die damalige Deutsch-Deutsch-Frage von der heutigen Taiwan-Frage.Ich würde sagen, die ehemalige deutsch-deutsch-Problematik würde eher in die Korea-Frage passen als in die Taiwa-Frage.Die meisten taiwanesen sehen sich nicht mehr als Teil des chinesischen Staatsvolkes (d.h. Zhongguoren), sondern lediglich als Chinesen in ethnischem Sinne(Huaren).Das sind zwei völlig verschiedene Sinne, zhongguoren ist eine Zugehörigkeit zum Staat und Staatsvolk China, während huaren lediglich auf einer chinesischen Abstammung bzw kulturrelle Zugehörigkeit beruht. So werden zum beispiel auchd die Chinesisch-Singapurer auch huaren genannt, aber Chinesen im Sinne Zhongguoren?Nein.
    Was die Selbstidentifikation der Taiwanesen belangt, würde eher die heutige Österreisch-Identität gegenüber Deutschland passen.
    Früher, als die KMT-dominierte Republik China auf Taiwan noch die Rückeroberung des Festlandes China im Sinne hat, konnten Auslandschinesen allein schon wegen ihrer chinesicsher Abstammung die Staatsangehörigkeit der Republik China erlangen.

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    • 21.01.2012 um 16:14 Uhr

    Auch Bürger aus der VR China, soweit sie sich bis nach Taiwan schafft haben, wurden als Bürger der Republik China behandelt.Aber seit der Demokratisierung Taiwans, seit die taiwanesische Regierung endgültig auf eine Rückeroberung Chinas verzichtet hatte, wurde eine taiwanesische Identität aufgebaut, seitdem ist es für Festlandschinesen oder Auslandschinesen nicht mehr möglich, anhand ihrer Abstammung die Staatsangehörigkeit der Republik China zu erlangen.Übrigens ist es ein Denkfehler, bei der Taiwan-Frage von Unabhängigkeit zu sprechen.In Wirklichkeit ging es nie um "Unabhängigkeit" im klassischen Sinne.Denn die Republik China, wie der Staat auf Taiwan genannt wird, ist bereits seit jahrzehnten ein de-facto-unabhängiger Staat.Es ging eigentlich die ganze Zeit um eine Umbenennung des Staatsnamens bzw um eine Loslösung von den historischen Erben des Staates Republik China.Denn die Republik China mit ihrer Verfassung, dass sowohl Festlandchina als auch die äußere Mongolei(!) Teil des Staats RP China sei, stammt aus einer fernen Zeit, als die Republik China mit all ihrer Staatsgewalt noch auf dem Festlandchina existiert hat. Aber mit der heutigen Realität hat das so wenig zu tun, dass viele Taiwanesen am liebsten einen neuen Staat im Sinne von "Republik Taiwan" ausrufen möchten, die von ihrer großchinesischen Vergangenheit endgültig trennt.Das ist die sogenannte Taidu, die taiwanesische Unabhängigkeit, eine rote Linie für Peking, die nach Ansicht der KP bekämpft werden solle.

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    • 21.01.2012 um 16:01 Uhr

    Soweit ich weiss, fühlten sich beide deutsche Staaten als Teil der deutschen Nation.Sowohl die DDR-Bürger als auch die BRD-Bürger sahen sich als Deutsche, als Teil des Deutschen Staatsvolkes.Darin unterscheidet sich die damalige Deutsch-Deutsch-Frage von der heutigen Taiwan-Frage.Ich würde sagen, die ehemalige deutsch-deutsch-Problematik würde eher in die Korea-Frage passen als in die Taiwa-Frage.Die meisten taiwanesen sehen sich nicht mehr als Teil des chinesischen Staatsvolkes (d.h. Zhongguoren), sondern lediglich als Chinesen in ethnischem Sinne(Huaren).Das sind zwei völlig verschiedene Sinne, zhongguoren ist eine Zugehörigkeit zum Staat und Staatsvolk China, während huaren lediglich auf einer chinesischen Abstammung bzw kulturrelle Zugehörigkeit beruht. So werden zum beispiel auchd die Chinesisch-Singapurer auch huaren genannt, aber Chinesen im Sinne Zhongguoren?Nein.
    Was die Selbstidentifikation der Taiwanesen belangt, würde eher die heutige Österreisch-Identität gegenüber Deutschland passen.
    Früher, als die KMT-dominierte Republik China auf Taiwan noch die Rückeroberung des Festlandes China im Sinne hat, konnten Auslandschinesen allein schon wegen ihrer chinesicsher Abstammung die Staatsangehörigkeit der Republik China erlangen.

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    • 21.01.2012 um 16:14 Uhr

    Auch Bürger aus der VR China, soweit sie sich bis nach Taiwan schafft haben, wurden als Bürger der Republik China behandelt.Aber seit der Demokratisierung Taiwans, seit die taiwanesische Regierung endgültig auf eine Rückeroberung Chinas verzichtet hatte, wurde eine taiwanesische Identität aufgebaut, seitdem ist es für Festlandschinesen oder Auslandschinesen nicht mehr möglich, anhand ihrer Abstammung die Staatsangehörigkeit der Republik China zu erlangen.Übrigens ist es ein Denkfehler, bei der Taiwan-Frage von Unabhängigkeit zu sprechen.In Wirklichkeit ging es nie um "Unabhängigkeit" im klassischen Sinne.Denn die Republik China, wie der Staat auf Taiwan genannt wird, ist bereits seit jahrzehnten ein de-facto-unabhängiger Staat.Es ging eigentlich die ganze Zeit um eine Umbenennung des Staatsnamens bzw um eine Loslösung von den historischen Erben des Staates Republik China.Denn die Republik China mit ihrer Verfassung, dass sowohl Festlandchina als auch die äußere Mongolei(!) Teil des Staats RP China sei, stammt aus einer fernen Zeit, als die Republik China mit all ihrer Staatsgewalt noch auf dem Festlandchina existiert hat. Aber mit der heutigen Realität hat das so wenig zu tun, dass viele Taiwanesen am liebsten einen neuen Staat im Sinne von "Republik Taiwan" ausrufen möchten, die von ihrer großchinesischen Vergangenheit endgültig trennt.Das ist die sogenannte Taidu, die taiwanesische Unabhängigkeit, eine rote Linie für Peking, die nach Ansicht der KP bekämpft werden solle.

  3. Zitat: »Ihre Schrift haben sie zerhackt mit ihren Kurzzeichen. Nicht mal die klassischen Schriftzeichen können sie mehr lesen! Mao war ein Krimineller.«
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    Sicher, das sieht Frau Hsu ganz richtig. Die Kurzzeichen wurden in der VR eingeführt, weil die Partei sie für leichter erlernbar hielt. So sollten auch einfache Bauernkinder lesen lernen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, zu evaluieren, ob die Kurzzeichen wirklich einen Lernerfolg bringen! Taiwan hat trotz seiner traditionellen Langzeichen (繁体字) eine der niedrigsten Analphabetenraten der Welt!
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    Es ist auch richtig, dass die Kurzzeichen die Festlandschinesen daran gehindert haben, klassische Literatur zu verstehen. Sie sollten ja in der Mao-Zeit am besten nur noch Parteitexte lesen. Historisch gesehen, sind die Kurzzeichen eine schwere Hypothek.
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    Aber nun sind die Kurzzeichen nun einmal in der Welt, und sie werden sich sicher nicht mehr abschaffen lassen. Der Lernaufwand ist nun größer, weil von vielen Zeichen nun zwei Formen erlernt werden müssen. Der Aufwand ist aber nicht gleich verdoppelt, denn die allermeisten Langzeichen lassen sich aus der Kurzform rekonstruieren oder sind mit ihr sogar identisch.
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    (wird fortgesetzt)

    Eine Leser-Empfehlung
  4. (Fortsetzung)
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    Die Schwierigkeiten beim Verstehen klassischer Texte liegen eigentlich woanders: erstens, sie sind im Klassischen Chinesisch geschrieben, einer Schriftsprache mit eigener Grammatik. Zweitens, sie enthalten oft sehr seltene Zeichen, die im Alltag nicht verwendet werden. Die Taiwaner haben mit denen also die gleichen Schwierigkeiten wie die Festlandschinesen.
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    Der Computer vermittelt zwischen den beiden Schriftsystemen, denn die meisten klassischen Texte liegen inzwischen digitalisiert vor. Sie können also sehr einfach (z.B. mit dem Google Translator) von einem Schriftsystem in das andere übertragen werden. Deswegen bilden die Kurzzeichen heute eigentlich kein Hindernis mehr für die Lektüre der klassischen Literatur.

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    • 21.01.2012 um 14:57 Uhr

    Nicht ganz richtig.Die chinesische Schriftsprache auf Taiwan ist viel klassisch geprägter als die chinesische Schriftsprache in der VR China.Der Grund dafür liegt auf der Hand: Man orientiert sich dort nach 1949 in der Chinesisch-Erziehung an dem Klassischen Chinesischen, während die Erziehung das Festland lange Zeit auf das Gegenteil hinaus lief.Die Kurzzeichen, das heißt die Vereinfachung der chinesischen Schriftzeichen in den 50er Jahren, waren nur als die erste Stufe zur Abschaffung der chinesischen Schriftzeichen in der VR China gedacht.Das Endziel war die komplette Abschaffung und Ersetzung durch lateinische Schrift ähnlich wie Vietnam.Allerdings ist dieses Vorhaben wohl an dem Chaos nach der zweiten Vereinfachung der chinesischen Schritzeichen in den 70er Jahren gescheitert.Während man auf dem Festland China die Kulturrevolution ausrief und mit allem Traditionell-chinesischen brach, haben die Taiwanesen zur gleichen Zeit die traditionelle chinesische Kultur wieder aufleben lassen.Das gesamtgesellschaftliche kulturelle Klima ist daher anders: In taiwan hat es eine Kontinuität der traidtionen Kultur gegeben, wie es sie in Festland china nicht gibt.
    In Taiwan hat bis heute das klassisch-Chinesische einen höhereren Anteil in dem Chinesisch-Unterrich der Oberstufe als in der VR China.
    Deshalb: den Taiwanesen fällt es allgemein leichter, klassisch chinesische Texte zu verstehen als Chinesen, den älteren sowieso, den jüngeren auch.

    • reven
    • 21.01.2012 um 15:30 Uhr

    Außerdem, die Mehrheit der Taiwanesen spricht muttersprachlich Minnan oder Hakka, die mit dem Alten Chinesischen näher verwandt sind als das Mandarin-Chinesisch, das von den meisten Festlandschinesen muttersprachlich gesprochen wird.Minnan enthält noch wichtige Merkmale des Alten Chinesischen, die bei Mandarin längt verloren gegangen sind.Zum beispiel der eintretene Ton(englisch: checked tone, chin: 入声).So lässt sich vermutlich erklären, warum sich mit Minnan die Tang-Gedichte viel besser lesen lässt als mit Mandarin.
    Es gibt so einen enormen Wortschatz aus der Alltagssprache des Minnan oder Hakka, den man eigentlich nur in alten Klassischen-Chinesischen Texten wiederfindet und nicht mehr im mandarin-Chinesisch.Fakt ist, dass Mandarin im Laufe der Zeit sprachlich sehr stark von den Sprachen der Steppenvölker beeinflusst und verändert wurden, während die südsinitischen Sprachen Eigenschaften des Alten Chinesischen weitesgehend beibehalten haben.Aber durchgesetzt hat sich am Ende Mandarin, weil Mandarin in der letzten Mandschu-Dynastie zu höchster Standardsprache erhoben wurde.Vorher war es die Nanjing-Sprache das höchste Standardchinesisch gewesen, das auch Eigenschaften des Alten Chinesischen wie eintretene Töne besaß.

    • reven
    • 21.01.2012 um 15:31 Uhr

    Auf Festlandchina werden die regionalen südlichen sinitischen Sprachen, die eben mit Alten Chinesischen sehr verwandt sind, stark unterdrückt und einige davon komplett vom Mandarin aus der öffentlichkeit verdrängt.In Taiwan hingegen finden sinitische Sprachen wie Minnan oder Hakka neben Mandarin gräßere Akzeptanz und haben die Möglichkeit, weiterentwickelt zu werden.Und mein Eindruck ist, dass man das klassische Chinesissche, das ja nichts anders ist als die schriftliche Spiegelung der gesprochenen Standardsprache der chinesischen Antike und des Mittelalters, mit süd-sinitischen Sprachen besser lernen kann als mit Mandarin-Chinesisch.

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    • 21.01.2012 um 14:57 Uhr

    Nicht ganz richtig.Die chinesische Schriftsprache auf Taiwan ist viel klassisch geprägter als die chinesische Schriftsprache in der VR China.Der Grund dafür liegt auf der Hand: Man orientiert sich dort nach 1949 in der Chinesisch-Erziehung an dem Klassischen Chinesischen, während die Erziehung das Festland lange Zeit auf das Gegenteil hinaus lief.Die Kurzzeichen, das heißt die Vereinfachung der chinesischen Schriftzeichen in den 50er Jahren, waren nur als die erste Stufe zur Abschaffung der chinesischen Schriftzeichen in der VR China gedacht.Das Endziel war die komplette Abschaffung und Ersetzung durch lateinische Schrift ähnlich wie Vietnam.Allerdings ist dieses Vorhaben wohl an dem Chaos nach der zweiten Vereinfachung der chinesischen Schritzeichen in den 70er Jahren gescheitert.Während man auf dem Festland China die Kulturrevolution ausrief und mit allem Traditionell-chinesischen brach, haben die Taiwanesen zur gleichen Zeit die traditionelle chinesische Kultur wieder aufleben lassen.Das gesamtgesellschaftliche kulturelle Klima ist daher anders: In taiwan hat es eine Kontinuität der traidtionen Kultur gegeben, wie es sie in Festland china nicht gibt.
    In Taiwan hat bis heute das klassisch-Chinesische einen höhereren Anteil in dem Chinesisch-Unterrich der Oberstufe als in der VR China.
    Deshalb: den Taiwanesen fällt es allgemein leichter, klassisch chinesische Texte zu verstehen als Chinesen, den älteren sowieso, den jüngeren auch.

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    • 21.01.2012 um 15:30 Uhr

    Außerdem, die Mehrheit der Taiwanesen spricht muttersprachlich Minnan oder Hakka, die mit dem Alten Chinesischen näher verwandt sind als das Mandarin-Chinesisch, das von den meisten Festlandschinesen muttersprachlich gesprochen wird.Minnan enthält noch wichtige Merkmale des Alten Chinesischen, die bei Mandarin längt verloren gegangen sind.Zum beispiel der eintretene Ton(englisch: checked tone, chin: 入声).So lässt sich vermutlich erklären, warum sich mit Minnan die Tang-Gedichte viel besser lesen lässt als mit Mandarin.
    Es gibt so einen enormen Wortschatz aus der Alltagssprache des Minnan oder Hakka, den man eigentlich nur in alten Klassischen-Chinesischen Texten wiederfindet und nicht mehr im mandarin-Chinesisch.Fakt ist, dass Mandarin im Laufe der Zeit sprachlich sehr stark von den Sprachen der Steppenvölker beeinflusst und verändert wurden, während die südsinitischen Sprachen Eigenschaften des Alten Chinesischen weitesgehend beibehalten haben.Aber durchgesetzt hat sich am Ende Mandarin, weil Mandarin in der letzten Mandschu-Dynastie zu höchster Standardsprache erhoben wurde.Vorher war es die Nanjing-Sprache das höchste Standardchinesisch gewesen, das auch Eigenschaften des Alten Chinesischen wie eintretene Töne besaß.

    • reven
    • 21.01.2012 um 15:31 Uhr

    Auf Festlandchina werden die regionalen südlichen sinitischen Sprachen, die eben mit Alten Chinesischen sehr verwandt sind, stark unterdrückt und einige davon komplett vom Mandarin aus der öffentlichkeit verdrängt.In Taiwan hingegen finden sinitische Sprachen wie Minnan oder Hakka neben Mandarin gräßere Akzeptanz und haben die Möglichkeit, weiterentwickelt zu werden.Und mein Eindruck ist, dass man das klassische Chinesissche, das ja nichts anders ist als die schriftliche Spiegelung der gesprochenen Standardsprache der chinesischen Antike und des Mittelalters, mit süd-sinitischen Sprachen besser lernen kann als mit Mandarin-Chinesisch.

    • u.t.
    • 21.01.2012 um 11:49 Uhr

    Den Taiwanesen wünsche ich weiterhin alles Gute bei der Verteidigung ihrer erlangten Freiheit. Die Transformation aus dem autokratischen KMT-System in eine pluralistische Gesellschaft und Demokratie sollte als Beispiel dienen, nicht das Modell VR China!

    Und das stimmt mich hoffnungsfroh: Nicht nur Taiwan, auch andere Staaten Ostasiens haben großen wirtschaftlichen Erfolg mit Demokratisierung verbunden (zuallererst Südkorea und natürlich Japan). Und die Menschen und Gesellschaften dort haben ihren Anspruch auf Demokratie klar formuliert.

    Die VR China ist eine Hegemonialmacht, aber sie muss auch realisieren, dass sie niemals eine "absolute" Hegemonialmacht sein wird.

    Bleibt nur zu hoffen, dass sich die wachsende Mittelschicht in der VR an Taiwan ein Beispiel nimmt und schrittweise diesen Anspruch auch formulieren wird. Das allerdings, auch die Aufweichung des Regimes in Peking dürfte noch länger dauern.

    • reven
    • 21.01.2012 um 14:57 Uhr

    Nicht ganz richtig.Die chinesische Schriftsprache auf Taiwan ist viel klassisch geprägter als die chinesische Schriftsprache in der VR China.Der Grund dafür liegt auf der Hand: Man orientiert sich dort nach 1949 in der Chinesisch-Erziehung an dem Klassischen Chinesischen, während die Erziehung das Festland lange Zeit auf das Gegenteil hinaus lief.Die Kurzzeichen, das heißt die Vereinfachung der chinesischen Schriftzeichen in den 50er Jahren, waren nur als die erste Stufe zur Abschaffung der chinesischen Schriftzeichen in der VR China gedacht.Das Endziel war die komplette Abschaffung und Ersetzung durch lateinische Schrift ähnlich wie Vietnam.Allerdings ist dieses Vorhaben wohl an dem Chaos nach der zweiten Vereinfachung der chinesischen Schritzeichen in den 70er Jahren gescheitert.Während man auf dem Festland China die Kulturrevolution ausrief und mit allem Traditionell-chinesischen brach, haben die Taiwanesen zur gleichen Zeit die traditionelle chinesische Kultur wieder aufleben lassen.Das gesamtgesellschaftliche kulturelle Klima ist daher anders: In taiwan hat es eine Kontinuität der traidtionen Kultur gegeben, wie es sie in Festland china nicht gibt.
    In Taiwan hat bis heute das klassisch-Chinesische einen höhereren Anteil in dem Chinesisch-Unterrich der Oberstufe als in der VR China.
    Deshalb: den Taiwanesen fällt es allgemein leichter, klassisch chinesische Texte zu verstehen als Chinesen, den älteren sowieso, den jüngeren auch.

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    • 21.01.2012 um 15:30 Uhr

    Außerdem, die Mehrheit der Taiwanesen spricht muttersprachlich Minnan oder Hakka, die mit dem Alten Chinesischen näher verwandt sind als das Mandarin-Chinesisch, das von den meisten Festlandschinesen muttersprachlich gesprochen wird.Minnan enthält noch wichtige Merkmale des Alten Chinesischen, die bei Mandarin längt verloren gegangen sind.Zum beispiel der eintretene Ton(englisch: checked tone, chin: 入声).So lässt sich vermutlich erklären, warum sich mit Minnan die Tang-Gedichte viel besser lesen lässt als mit Mandarin.
    Es gibt so einen enormen Wortschatz aus der Alltagssprache des Minnan oder Hakka, den man eigentlich nur in alten Klassischen-Chinesischen Texten wiederfindet und nicht mehr im mandarin-Chinesisch.Fakt ist, dass Mandarin im Laufe der Zeit sprachlich sehr stark von den Sprachen der Steppenvölker beeinflusst und verändert wurden, während die südsinitischen Sprachen Eigenschaften des Alten Chinesischen weitesgehend beibehalten haben.Aber durchgesetzt hat sich am Ende Mandarin, weil Mandarin in der letzten Mandschu-Dynastie zu höchster Standardsprache erhoben wurde.Vorher war es die Nanjing-Sprache das höchste Standardchinesisch gewesen, das auch Eigenschaften des Alten Chinesischen wie eintretene Töne besaß.

    Eine Leser-Empfehlung
    • reven
    • 21.01.2012 um 15:31 Uhr

    Auf Festlandchina werden die regionalen südlichen sinitischen Sprachen, die eben mit Alten Chinesischen sehr verwandt sind, stark unterdrückt und einige davon komplett vom Mandarin aus der öffentlichkeit verdrängt.In Taiwan hingegen finden sinitische Sprachen wie Minnan oder Hakka neben Mandarin gräßere Akzeptanz und haben die Möglichkeit, weiterentwickelt zu werden.Und mein Eindruck ist, dass man das klassische Chinesissche, das ja nichts anders ist als die schriftliche Spiegelung der gesprochenen Standardsprache der chinesischen Antike und des Mittelalters, mit süd-sinitischen Sprachen besser lernen kann als mit Mandarin-Chinesisch.

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    Hallo reven,
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    danke für Ihre ausführliche Antwort. Ich denke, dass Sie mir eigentlich nicht widersprochen haben. Keinen Augenblick bezweifle ich, dass die Taiwaner bessere Karten haben, wenn es um die Lektüre klassischer Texte geht, aber das scheint mir vor allem mit einer effektiveren Bildungspolitik dort zusammenzuhängen als mit der festländischen Kurzzeichen-Schrift, denn wie gesagt, die digitalisierten Texte lassen sich leicht transliterieren.
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    Wie weit das Taiwanesische beim Erlernen des Klassischen Chinesisch hilfreich ist, kann ich nicht beurteilen; ich vergleiche die Situation mit der hier in Europa: ich kann auch besser Latein als meine italienischen und rumänischen Freunde, obwohl deren Sprachen Nachkommen des Lateinischen sind. Auch das hängt u.a. damit zusammen, dass hier in Deutschland auf die Kenntnisse klassischer Texte viel Wert gelegt wurde.
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    Können Sie mir Beispiele dafür nennen, dass Mandarin im Laufe der Zeit sprachlich sehr stark von den Sprachen der Steppenvölker beeinflusst und verändert wurden? Ich verstehe zwei dieser Sprachen.

    Revens Fehler 2. : "Außerdem, die Mehrheit der Taiwanesen spricht muttersprachlich Minnan oder Hakka, die mit dem Alten Chinesischen näher verwandt sind als das Mandarin-Chinesisch, das von den meisten Festlandschinesen muttersprachlich gesprochen wird." Total falsch. Fast alle Festlandchinesen sprechen den Dialekt ihrer Heimatstadt/-region. Es gibt zahlreiche dialekte in China und Jeder hat viel Verwandt mit dem alten Chinesisch. Was sind Minnan/Kontonisch/Hokka besonders als die anderen chinesischen Dialekte? Hat Minnan näher Verwandt mit dem alten Chinesisch als Shanghainisch oder Ningbohua oder xianhua? Eben nicht.

    Hallo reven,
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    danke für Ihre ausführliche Antwort. Ich denke, dass Sie mir eigentlich nicht widersprochen haben. Keinen Augenblick bezweifle ich, dass die Taiwaner bessere Karten haben, wenn es um die Lektüre klassischer Texte geht, aber das scheint mir vor allem mit einer effektiveren Bildungspolitik dort zusammenzuhängen als mit der festländischen Kurzzeichen-Schrift, denn wie gesagt, die digitalisierten Texte lassen sich leicht transliterieren.
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    Wie weit das Taiwanesische beim Erlernen des Klassischen Chinesisch hilfreich ist, kann ich nicht beurteilen; ich vergleiche die Situation mit der hier in Europa: ich kann auch besser Latein als meine italienischen und rumänischen Freunde, obwohl deren Sprachen Nachkommen des Lateinischen sind. Auch das hängt u.a. damit zusammen, dass hier in Deutschland auf die Kenntnisse klassischer Texte viel Wert gelegt wurde.
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    Können Sie mir Beispiele dafür nennen, dass Mandarin im Laufe der Zeit sprachlich sehr stark von den Sprachen der Steppenvölker beeinflusst und verändert wurden? Ich verstehe zwei dieser Sprachen.

    Revens Fehler 2. : "Außerdem, die Mehrheit der Taiwanesen spricht muttersprachlich Minnan oder Hakka, die mit dem Alten Chinesischen näher verwandt sind als das Mandarin-Chinesisch, das von den meisten Festlandschinesen muttersprachlich gesprochen wird." Total falsch. Fast alle Festlandchinesen sprechen den Dialekt ihrer Heimatstadt/-region. Es gibt zahlreiche dialekte in China und Jeder hat viel Verwandt mit dem alten Chinesisch. Was sind Minnan/Kontonisch/Hokka besonders als die anderen chinesischen Dialekte? Hat Minnan näher Verwandt mit dem alten Chinesisch als Shanghainisch oder Ningbohua oder xianhua? Eben nicht.

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