US-Wirtschaft "Kapitalismus neu erfinden"
Der Gewerkschafter Andrew Stern fordert, die USA müssten mehr von China lernen.
© Chip Somodevilla/Getty Images

Andrew Stern
DIE ZEIT: Kriegt die Obama-Regierung allmählich die Lage am Arbeitsmarkt in den Griff?
Andrew Stern: Von wegen. Wir haben zurzeit eine Partei, die die Rolle der Regierung als Arbeitsbeschaffer verdammt, und eine andere, die die Märkte beschimpft. In den erfolgreichen Ländern wie Singapur, Brasilien, China oder Deutschland ist man darüber längst hinweg. Da ist der Staat sehr beim Bau von Infrastruktur involviert, da gibt es bessere Public-Private Partnerships und so weiter.
ZEIT: Und die USA verlieren den Wettbewerb?
Stern: Nun, wir haben eigentlich alles Notwendige, um das Land zu reparieren. Die größte Innovationskraft, die größten natürlichen Ressourcen, die besten Fabriken, die besten Universitäten. Aber in anderen Ländern arbeiten Unternehmen, Regierung und Gewerkschaften besser zusammen. Wir hingegen reiben uns in Ideologiestreits auf.
war bis 2010 Präsident der einflussreichsten US-Gewerkschaft, der Dienstleistungsgewerkschaft SEIU. Er forscht nun an der Columbia University in New York
ZEIT: Die USA sollen von China lernen?
Stern: Ich war kürzlich dort, und eins muss man sagen: Die haben eine eigene Art von Kapitalismus auf die Beine gestellt, die zu ihrem Land passt und die dort funktioniert.
ZEIT: Als Gewerkschafter können Ihnen doch die chinesischen Arbeitsbedingungen nicht gefallen?
Stern: Ich schlage ja auch nicht vor, das chinesische System hier einzuführen. Aber man sollte von anderen Modellen lernen. Die Kommunistische Partei, die Arbeitsbedingungen, die Ausbeutung, der Diebstahl geistigen Eigentums: Das wollen wir alles nicht. Aber Investitionen in Infrastruktur, gute Planung, das Management des Währungskurses, Schutz der Industrie: Darüber kann man nachdenken.
ZEIT: Früher galten die USA einmal als das Modell für den Rest der Welt.
Stern: Ja, und jetzt müssen wir unsere amerikanische Version vom Kapitalismus erst mal neu erfinden. Die Schaffung von Jobs muss im Mittelpunkt stehen. Die Sache mit den freien Märkten hat in den sechziger, siebziger, achtziger Jahren gut funktioniert, aber nicht mehr, seit so viel Arbeit nach Mexiko und nach Asien abgewandert ist.
- Datum 21.01.2012 - 16:41 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.1.2012 Nr. 04
- Kommentare 36
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wo mr. stern war, doch ist es geradezu naiv zu glauben, das die ausbeutung und die verletzung der menschenrechte nicht einen großen anteil am aufschwung chinas haben.
die wirtschaftsoasen, die nach westlichem muster funktionieren und ihren profit dem rest des landes vorenthalten, soll jetzt eine art zukunftsmodell sein?
china ist im industriezeitalter noch in den kinderschuhen. hat nur ein wenig in die trickkiste gegriffen um aufzuholen. was bringt es zu schwärmen, wenn der großteil des landes noch in der industriellen steinzeit lebt und so für die städte den wohlstand ermöglicht.
von zukunft könnte man sprechen, wenn wie in den westlichen industrienationen die infrastruktur, technologischer fortschritt und bildungstand in allen regionen einigermaßen gleich verteilt wäre.
wenn weiter der größte teil der bevölkerung in armut lebt, kann in meinen augen nur ein blinder von zukunftsmodell sprechen.
denn der Kapitalismus funktioniert nicht mehr. Die Zeit der freien Märkte ist vorbei, da hat Stern recht.
Es wird sich bald in allen Ländern die Systemfrage stellen und der Kapitalismus wird entweder stark verändert oder ersetzt. Die Occupy-Bewegung ist erst der Anfang. Das Bewusstsein ändert sich bereits nach und nach denn es mehren sich die kritischen Stimmen über den Kapitalismus.
Es wird dann keine Armut, Ausbeutung, Lohn-Sklaverei usw. mehr geben. Und die ungleiche Verteilung des von allen erwirtschafteten Wohlstands wird ausgeglichen. Dass es Arme und Reiche gibt ist kein Naturgesetz, das man als gegeben hinnehmen muss. Die Ungleichverteilung wird sich abmildern und es wird keinen Hunger mehr geben.
Die Marktwirtschaft hat sich - unter bestimmten Bedingungen- bewährt. Dort, wo viel Bedarf ist und dieser Bedarf auch Nachfrage erzeugen kann, bringt die Marktwirtschaft sichtbare
ERfolge. Nach dem Krieg, ab 1950 etwa, schafften es die Kräfte in Deutschland, schnell wieder Häuser zu bauen, Fabriken zu errichten, Nahrungsmittel herzustellen und nch und nach Luxusgüter zu produzieren. Die Planwirtschaft in der DDR konnte das nicht leisten.
Wenn diesem System aber entweder die Nachfrage ausgeht (weil die meisten Bedürfnisse gestillt sind und nicht jeder auf die Werbung reagiert und alles MÖgliche kauft) oder die Einküfte so verteilt werden, daß ein Teil der Bedürfnisse nicht mehr nachfragewirksam wird (10 Millionen haben ganz grundsätzliche Bedürfnisse aber kein Geld um Nachfrage zu entweickeln, während 1 Million nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld und auch keine Nachfrage entwickelt), dann bedarf es eines anderen Systems.
China hat noch so viel nachzuholen, die werden noch viele Jahre Wachstumsraten haben wie wir vor 30 Jahren.
Die Unternehmer, die durch die Marktwirtschaft groß wurden, versuchen nur noch, irgenwie zu wachsen, egal wie und auf wessen Kosten. Auf Kosten der Natur, der Menschen oder der Konkurrenz.
Sie unterschlagen,dass die DDR vor allem damit beschäftigt war Reparationszahlungen an die Sowjetunion zu leisten.
Aber wen interessieren schon solche unwichtigen Fakten?
Und den großzügigen, wenn auch nicht uneigennützigen Marshallplan der USA für Westdeutschland hat Ironpolem auch noch vergessen. Somit ist der Vergleich von Markt- und Planwirtschaft zumindest in dieser Hinsicht reichlich absurd.
Sie unterschlagen,dass die DDR vor allem damit beschäftigt war Reparationszahlungen an die Sowjetunion zu leisten.
Aber wen interessieren schon solche unwichtigen Fakten?
Und den großzügigen, wenn auch nicht uneigennützigen Marshallplan der USA für Westdeutschland hat Ironpolem auch noch vergessen. Somit ist der Vergleich von Markt- und Planwirtschaft zumindest in dieser Hinsicht reichlich absurd.
http://www.youtube.com/wa...
Deutschland ist aber kein reiner Kapitalismus. In Deutschland nimmt man sich nämlich (leider zu selten) manchmal noch das Recht lenkend auf die Märkte Einflus zu nehmen. Das haben wir (spätestens seit Schröder) leider immermehr vernachlässigt.
P.S. Marktwirtschaft gibt es nicht nur im Kapitalismus.
Infrastrukur ist bestimmt sehr wichtig, um Güter und Menschen von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Was aber in Deutschland geschah und geschiet ist schon sonderbar. Da wurde bei der Bahn eine Kurve so umgebaut, daß der Intercyti Paris Mannheim nun an dieser Stelle 50 km schneller fahren kann als vorher und man 1 Minute einspart. Das ganze für 400 Millionen Euro.
Das hat mit Infrastruktur nichts mehr zu tun.
Und damit jeder Deutsche zu jeder Zeit ohne Staus von Frankfurt nach Basel fahren kann, wird diese Autobahn nach und nach 6 spurig ausgebaut. Dann können die Porsche, Mercedes oder alle anderen schnellen Autos ruckzuck in die Schweiz kommen, um dort ....... Geld zu wechseln?
Die vielen Bauunternehmer müssen beschäftigt werden. wirklich notwenidg sind manche Infrastrukturmaßnahmen nicht. siehe auch Stuttgart 21. Gegen solches verschwenden von volkswirtschaftlichem Potzenial ist kein Kraut gewachsen. und alles auf Pump, weil die Steuerngesenkt wurden um das scheue Reh (Kapital) nicht zu verscheuchen.
WEnn in China Menschen das Sagen haben, die tatsächlich Fortschritt für das ganze Volk anstreben, dann hat unser System der Verwaltung von Vermögen keine Chance.
namens "Federal Republic of Germany" nannte man es "Soziale Marktwirtschaft". Deren Ziel war es, den im "Wirtschaftswunder" geschaffenen Wohlstand allen Schichten der Gesellschaft zugute kommen zu lassen.
Einige Jahrzehnte später kam dann die "Agenda 2010" und es wurde vieles ein bisschen so wie in den USA. Über die Folgen streiten wir (hier) bis heute...
Wie schlecht muss es denn den Amerikanischen Gewerkschaften gehen, dass man ausgerechnet China als Vorbild betrachtet?
Ja sicher, die KP hat in den letzten Jahrzehnte einiges getan, um das Land umfassend zu modernisieren. Aber dies hat paradoxer Weise die Gegensätze zwischen Arm und Reich (in China) eher verschärft. Auch in Sachen Umweltschutz ist China alles andere als ein Vorbild. Dort realisiert man erst ganz allmählich, dass ein Schutz der natürlichen Ressourcen auch für den Menschen essentiell ist.
Was bislang den Vorbildcharakter der USA ausmacht ist doch, eine sehr weite Auslegung des Grundsatzes der Meinungsfreiheit und die Fähigkeit dies kontinuierlich in hoch entwickelte Innovationen umzusetzen. Auch da hat China - vorsichtig ausgedrückt - noch ein erhebliches Entwicklungspotential.
Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren (des zwanzigsten Jahrhunderts) hat der Amerikanische Staat seinerzeit einiges in die Infrastruktur investiert. Die Frage ist heute eher, wie man derartiges angesichts der Staatsverschuldung finanzieren will.
"... Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren (des zwanzigsten Jahrhunderts) hat der Amerikanische Staat ..." den laissez-faire liberalistischen Kapitalismus an die Kandare genommen. Und nur das wirkte. Deshalb wurden dann auch unter Reagen diese Schutzgesetze gegen den laissez-faire liberalistischen Kapitalismus zerstört. Genauso machten es Thatcher und später Blair als auch Kohl und Schröder.
"... Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren (des zwanzigsten Jahrhunderts) hat der Amerikanische Staat ..." den laissez-faire liberalistischen Kapitalismus an die Kandare genommen. Und nur das wirkte. Deshalb wurden dann auch unter Reagen diese Schutzgesetze gegen den laissez-faire liberalistischen Kapitalismus zerstört. Genauso machten es Thatcher und später Blair als auch Kohl und Schröder.
Zitat: "Investitionen in Infrastruktur, gute Planung, das Management des Währungskurses, Schutz der Industrie: Darüber kann man nachdenken"
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Eine stinkige Chemiefabrik ins Seebadegebiet von Xiamen - sinnvolle Investition in Infrastruktur? Oder gute Planung? Das haben einige mutige Bürger dort mit einer Demo noch abgewimmelt!
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Management des Währungskurses: sollen die westlichen Länder jetzt einen Währungs-Abwertungskrieg gegeneinander beginnen?
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Schutz der Industrie: Soll der Staat hier jetzt massenhaft Schrottpapiere maroder Firmen aufkaufen? Ach, das tut er ja schon!
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Ich denke, China war eben lange ein armes Land und holt jetzt auf. Daher die hohen Wachstumsraten. Bei uns wandert die einfache Arbeit nach Mexiko und nach Asien ab, da müssen wir eben mit neuer und besser Technik auf den Markt. Einen anderen Weg gibt es nicht.
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