Preußenrecht Feuer frei auf Investoren
Wie die Stadt Köln altes Preußenrecht anwendet, um zu Geld zu kommen.
Auf dem Wiener Kongress wurde im Jahre 1815 das gesamte Rheinland Preußen zugeschlagen, also auch die ehemalige Freie Reichsstadt Köln. Das gefiel den Kölnern gar nicht. Abraham Schaaffhausen, zu der Zeit der reichste Bankier in der Stadt, soll entsetzt ausgerufen haben: »Jesses, Maria, Josef, jetzt heiraten wir aber in eine arme Familie!« Das stimmte. Die Kriegskasse des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. war leer. Die Schlacht gegen die Franzosen hatte einiges gekostet. Der Bankier und Ratsherr Schaaffhausen wäre womöglich weniger schockiert gewesen, wenn er geahnt hätte, dass die Stadt Köln fast 200 Jahre später noch gutes Geld mit dem preußischen Erbe macht.
Köln hat nämlich eine in der Preußenzeit ersonnene Baubeschränkung in die Gegenwart gerettet. Damals durfte im Festungsgürtel, dem Rayon, rund um die Stadt nicht gebaut werden. Die Preußen wollten jeden Feind von ferne sich nähern sehen und ein freies Schussfeld haben. Wer hier ein Haus besaß, musste es räumen und wurde entschädigt. Am freien Schussfeld ist der Stadt Köln heute nicht mehr gelegen. Bauen darf man auf dem früheren Verteidigungsstreifen aber nicht ohne Weiteres. Wer es will, muss tief in die Tasche greifen – wie der Kölner Bauunternehmer Anton Bausinger.
Bausinger war vor zwölf Jahren auf die Idee gekommen, einen Gewerbepark im Kölner Westen zu errichten. Der Grund und Boden gehörte seit fast einem Jahrhundert der Firma Wassermann. Bausingers Urgroßvater Friedrich Wassermann hatte das einst weit entfernt von der Innenstadt gelegene Gelände gekauft und ein Kieswerk errichtet. Als der Urenkel bei der Stadt im Jahr 2000 die Baugenehmigung beantragte, wähnte er sich in einer Zeitmaschine. »Ich sollte eine sechsstellige Summe als Ablöse bezahlen. Weil das Gelände unter die Rayonbestimmungen fiel.«
Der Unternehmer hatte noch nie etwas von diesen Bestimmungen gehört. Viele Termine bei vielen Ämtern später wusste er: Der Mantel der Geschichte hatte ihn gestreift, Preußen ist überall. »Ich war völlig überrascht. Ich wollte das nicht glauben. Das konnte doch nicht sein, dass eine solche Bestimmung noch angewandt wurde.« Wurde und wird sie aber.
Das ursprüngliche »Rayonenteignungsgesetz« war 1920 aufgehoben worden. In anderen ehemaligen Festungsstädten wie beispielsweise Koblenz ist es seither kein Thema mehr. »Das ist bei uns nicht praxisrelevant«, sagt Heiko Breitbarth vom Presseamt der Stadt Koblenz. Weder bei der Denkmalpflege noch beim Amt für Bodenmanagement seien Bauprojekte bekannt, bei denen dieses alte Preußengesetz eine Rolle gespielt hätte.
Anders in Köln. Da hatte sich die Stadtverordnetenversammlung schon Ende 1918 dafür starkgemacht, den gesamten äußeren Rayon Kölns zu einer riesigen Grünfläche zu machen. Als das Gesetz fiel, ließ man ein städtisches Nutzungsrecht an diesen Flächen ins Grundbuch eintragen, eine »Dienstbarkeit«.
Der Investor Anton Bausinger wollte nicht zahlen. Er setzte seine Ämtertour fort und kämpfte, viele Jahre lang. »Bis mir der damalige Stadtkämmerer Peter Michael Soénius klipp und klar erklärte, dass da nichts zu machen sei. Das Thema sei ausgeurteilt.«
- Datum 21.01.2012 - 10:10 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.1.2012 Nr. 04
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Das Geld holt man sich über diverse Subventionen und Steuererleichterungen sowieso wieder rein.
Ich kann dieses ewige geheule der Investoren respektive Arbeitgeber nicht mehr hören.Deutschland ist das reinste Disneyland für Investoren bzw. eine Steueroase für Vermögende!
Bravo Köln!
Sie haben ein merkwürdiges Rechtsverständnis. Bereicherung durch den Staat/die Stadt ist ok, weil ja zu vermuten ist, dass der Investor sich das Geld sowieso irgendwie, vermutlich sogar illegal, wieder reinholt?
Übrigens: auch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer in manchen Bundesländern um mehr als 40% ist ein Beispiel kreativer Enteignung. Es ist schon erstaunlich, dass der Aufschrei der Betroffenen nicht größer war. Vermutlich liegt das aber daran, dass die richtig großen Transaktionen sowieso unter Zuhilfenahme eines anderen Rechtskonstrukts abgewickelt werden um diese Steuer zu vermeiden. In die Röhre schaut dabei nur der gewöhnliche Eigenheimbesitzer und kleine Immobilienunternehmer.
Pauschal passt immer. Regional, national, international und Allumfassend.
Sie haben ein merkwürdiges Rechtsverständnis. Bereicherung durch den Staat/die Stadt ist ok, weil ja zu vermuten ist, dass der Investor sich das Geld sowieso irgendwie, vermutlich sogar illegal, wieder reinholt?
Übrigens: auch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer in manchen Bundesländern um mehr als 40% ist ein Beispiel kreativer Enteignung. Es ist schon erstaunlich, dass der Aufschrei der Betroffenen nicht größer war. Vermutlich liegt das aber daran, dass die richtig großen Transaktionen sowieso unter Zuhilfenahme eines anderen Rechtskonstrukts abgewickelt werden um diese Steuer zu vermeiden. In die Röhre schaut dabei nur der gewöhnliche Eigenheimbesitzer und kleine Immobilienunternehmer.
Pauschal passt immer. Regional, national, international und Allumfassend.
Sie haben ein merkwürdiges Rechtsverständnis. Bereicherung durch den Staat/die Stadt ist ok, weil ja zu vermuten ist, dass der Investor sich das Geld sowieso irgendwie, vermutlich sogar illegal, wieder reinholt?
Übrigens: auch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer in manchen Bundesländern um mehr als 40% ist ein Beispiel kreativer Enteignung. Es ist schon erstaunlich, dass der Aufschrei der Betroffenen nicht größer war. Vermutlich liegt das aber daran, dass die richtig großen Transaktionen sowieso unter Zuhilfenahme eines anderen Rechtskonstrukts abgewickelt werden um diese Steuer zu vermeiden. In die Röhre schaut dabei nur der gewöhnliche Eigenheimbesitzer und kleine Immobilienunternehmer.
der Vater Willy Bausinger hatte den Punkt mit durchgewinkt.
Die meisten Stadträte sind ganz einfach Parteisoldaten und
lesen sehr oft die ihnen vorliegenden Papiere nicht und sind
somit nicht informiert über was sie überhaupt abstimmen.
Es gibt dafür fast in jedem Gemeinde- und Stadtrat genügend
Beispiele. Erst wenn es sie selbst betrifft und sie für ihre
eigenen Vorhaben zur Kasse gebeten werden, kommt die Beschwerde: wieso ist dies denn nun so teuer?
Antwort des Sachbearbeiters: Dies haben sie selbst mit beschlossen, als Stadtverordneter.
Reaktion: Sch...ade aber wer liest denn
schon den ganzen Papierkram.
Fazit: sehr verantwortungsvolle Volksvertreter, welche sich
von den Konstrukten der Beamten Bürokratie benutzen lassen.
Und auf diese Art und Weise funktioniert dieses System
vom Gemeinde- bis zum Europa Rat, zum Wohle des Volkes!!!
Pauschal passt immer. Regional, national, international und Allumfassend.
Da erwarten sie aber ziemlich viel.
Wer Berichtet oder Kommentiert heutzutage noch differenziert?
Polemik rules !
Man sieht es doch z.B. an der Berichterstattung bezüglich der Minderheiten in unserem Land.Nehmen wir beispielsweise Arbeitslose oder Migranten.
Da wird doch auch pauschalisiert was das Zeug hält.
So what ?
Bravo Köln !
http://www.youtube.com/wa...
Da erwarten sie aber ziemlich viel.
Wer Berichtet oder Kommentiert heutzutage noch differenziert?
Polemik rules !
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