Arabische Umbrüche Sprung in die neue Zeit
Seite 3/3:

Monarchen sitzen jetzt neben Revolutionsführern

Wo im New Yorker UN-Gebäude ein Dutzend Abteilungen mit Hunderten von Mitarbeitern an solchen Missionen feilen, hat die Liga nur einen kleinen Stab um den Generalsekretär. Es gibt zwar einen mit Informationstechnik ausgerüsteten Raum, einen sogenannten situation room, aber die Mitarbeiter sind nicht ausreichend geschult, um von dort aus Missionen zu steuern.

Vieles kommt zu schnell für einen Apparat, der umgerüstet werden muss, nachdem er sich jahrzehntelang im Abwehren von Aufgaben geübt hat oder vom Streit der Diktatoren gelähmt war. Heute muss die Arabische Liga den Gegensatz von jungen revolutionären Staaten und mehr oder minder stabilen Monarchien überbrücken. Über die verunglückte Mission in Syrien gibt es Streit: Die Liga will die Mission verlängern, aber nach Saudi-Arabien steigen nun alle Golfstaaten aus, um sich von Assad nicht länger an der Nase herumführen zu lassen. Und wie funktionsfähig die Menschenrechtsabteilung ist, muss sich zeigen. »Sie wird ausgebaut«, sagen Liga-Mitarbeiter. Aber klickt man auf der Homepage der Liga das Menschenrechts-Komitee an, kommt die Meldung: »Kein Inhalt«.

Anzeige

Doch die Arabische Liga kann mit den Herausforderungen wachsen. Obwohl ihre Charta es nicht erlaubt, hat sie Sanktionen gegen Syrien verhängt. Jetzt hat Premier Al-Thani im Namen der Liga Assad zum Rücktritt aufgefordert. Er solle den Weg frei machen für eine nationale Einheitsregierung, die Wahlen vorbereitet. Die Liga ruft auf zum Regimewechsel. Noch eine kleine Revolution. Nur eine Militärintervention soll es nicht geben, sagt Al-Thani. Wie auch: Die Arabische Liga hat keine Eingreiftruppe. Ihre Staaten können sich bisher weder auf den Ruf nach einer UN-Truppe noch auf ein arabisches Eingreifen einigen. Aber abwarten. In diesen Zeiten scheint irgendwann alles möglich zu sein.

 
Leser-Kommentare
  1. Gleich mal vorweg, ohne den Artikel komplett gelesen zu haben: Die arabische Liga ist immer noch ein Club der Diktatoren, denn keinen der Mitgliedsstaaten, ausser vielleicht neuerdings Tunesien, kann man mit gutem Gewissen als "nichtdiktatorisch" regiert bezeichnen.
    Speziell die neuen Potentaten der arabischen Liga sind ja bekanntlich die sunnitischen Feudalregime aus Arabien. "Antiiranisch" bedeutet also, dass die arabische Liga gerade extrem parteiisch geworden ist, was ich nicht unbedingt als positiv betrachten würde. Darüber hinaus haben ja auch die Staaten nun das Sagen, welche von den USA mit milliardenschweren Waffenlieferungen unterstützt werden. Der Vorwurf der westlichen Einflussnahme ist also auch nicht soooo abwegig. Allerdings sind es wiederum auch die westlichen Politiker, welche der arabischen Liga in Syrien sofort den Wind aus den Segeln genommen haben. Das lässt sich aber eventuell durch eigene Interessen erklären.

  2. Was bitte hat sich daran geändert. Habe ich was verpasst?
    Die Masse dieser Staaten wird immer noch diktatorisch regiert. Saudi Arabien und die ganzen Emiratskonklaven stehen da an forderster Front. Ergo: Ein Rudel von Diktatoren stürzt sich auf einen Diktator. Das macht sie in meinen Augen nicht besser.

    Gemäß einer alten Weisheit: Nichts fürchtet ein Diktator mehr, als einen anderen Diktator.

  3. von Herrschaft zu Herrschaft - oder vom Regen in die Traufe.

    • qotsa
    • 27.01.2012 um 19:14 Uhr

    Die Arabische Liga war einst der Klub der Diktatoren. Jetzt fordert sie den Regimewechsel in Syrien.

    War einst? Jetzt alles Demokratien oder was?

    Ägypten: Militärjunta

    Algerien: Scheindemokratie -> PRO-Assad

    Bahrain: Diktatur

    Dschibuti: Einparteienstaat, hauptsächlich Militärstützpunkt für Frankreich, USA und Deutschland

    Irak: Failed State -> PRO Assad

    Jemen: Hat garkeine Regierung gerade

    Jordanien: Monarchie/Diktatur

    Katar: Diktatur

    Kuwait: Diktatur

    Libanon: Demokratie -> PRO Assad

    Libyen: Diktatur

    Marokko: Monarchie/Diktatur

    Oman: Monarchie/Diktatur

    Saudi-Arabien: Monarchie/Diktatur

    Vereinigte Arabische Emirate: Monarchie/Diktatur

    bleiben noch ein paar andere...

    Somalia, Sudan, Tunesien, Palästina...

  4. Ich nehme an, bei dem Artikel handelt es sich um eine Satire!?

    Bitte kennzeichnen sie dies zukünftig - mancher könnte den Artikel sonst mißverstehen - Danke!

  5. Märchenstunde bei der Allianz der Zivilisationen?

    Hörte man nicht obendrein taubenhaftes Gurren aus den Gemächern der Frauen und die schweren Schritte der schwarzen Eunuchen? Und hin und wieder den gurgelnd endenden Schrei eines Gefolterten?

    Ach - die alte Pracht - da taucht sie wieder auf!Ein Wellnes Paradies mit genitalverstümmelten Kinderbräuten.

    • BerndL
    • 27.01.2012 um 21:31 Uhr

    "ARABISCHE UMBRÜCHE
    Sprung in die neue Zeit
    Die Arabische Liga war einst der Klub der Diktatoren."

    Wo ist die arabische Welt in die neue Zeit gesprungen?

    Was heißt hier "einst"- die arabische Liga ist nach wie vor DER Klub der Diktatoren.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service