Bund und Länder müsse
Schließlich der Vergleich mit einer gleich großen Gruppe von ebenso benachteiligten Kindern, die keine besondere Förderung erfuhren. Der Kontrast war frappierend. Mit 27 Jahren konnten 71 Prozent der Geförderten einen Schulabschluss nachweisen, aber nur 54 Prozent derer, die keine Vorschulerziehung genossen hatten. Knapp ein Drittel der früheren Vorschulkinder kam auf ein monatliches Einkommen von mindestens 2000 Dollar, in der Kontrollgruppe gelang das nur 7 Prozent. Ähnlich bei anderen Indikatoren des Aufstiegs: 36 Prozent hatten Wohneigentum, aber nur 13 Prozent der Kontrollgruppe.
Damit nicht genug. Die Kinder mit guter Vorschulerziehung mussten seltener eine Klasse wiederholen. Sie sind seltener mit dem Gesetz in Konflikt geraten und waren dezidiert weniger auf Sozialfürsorge angewiesen. Der Clou: Die Heiratsrate der jungen Frauen mit Vorschulerziehung war fünf Mal höher als die der Kontrollgruppe, die Zahl der unehelichen Geburten deutlich kleiner.
Andere Studien wie die des Chicago Child-Parent Center kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Man muss kein Sozialromantiker sein, um eine sorgfältige Vorschulerziehung für die Benachteiligten zu fordern. Die schnöde Kosten-Nutzen-Analyse zeigt eine hohe »Rendite« der Investition. Jeder Dollar, der im Perry-Projekt investiert wurde, warf sieben Dollar Gewinn ab, bei der jüngsten Überprüfung waren es bereits elf Dollar. Zwei Jahre Vorschulbildung sind billiger als langfristige Sozialfürsorge, die Kosten der Kriminalität oder die Verwahrung im Knast.
Fazit des Ökonomie-Nobelpreisträgers James Heckman: »In die Kleinen zu investieren bringt den größten wirtschaftlichen Nutzen.« 2001 schrieb der Ökonom Art Rollnick: »Konfrontiert mit Haushaltsdefiziten, fragen sich Bürger wie Politiker: Wie können wir unsere begrenzten Mittel am besten einsetzen? Die Antwort ist Frühbildung.« Er fordert Vorschul-Gutscheine für alle armen drei- bis fünfjährigen Kinder und Mentorenprogramme für ihre Eltern.
Die Bertelsmann Stiftung kommt für Deutschland in einer Studie zu ähnlichen Ergebnissen, schon bei normalem Krippenbesuch. Auch hierzulande bringt jeder investierte Euro etwa sieben Euro zurück. Dazu käme ein Zugewinn an sozialer Gerechtigkeit: »Die Verbesserung der Bildungschancen durch den Krippenbesuch liegt für benachteiligte Kinder höher als für den Durchschnitt. Rund zwei Drittel mehr gehen von ihnen später aufs Gymnasium.«
Dass sich hierzulande diese Erkenntnis nur mühsam durchsetzt, hat ideologische und historische Gründe. Bildungsgerechtigkeit wird bei uns gern mit der Forderung nach »längerem gemeinsamem Lernen« verknüpft, wie etwa bei dem gescheiterten Versuch, in Hamburg die Grundschulzeit um zwei Jahre zu verlängern. Für die Wirksamkeit des längeren gemeinsamen Lernens gibt es keine stichhaltigen Belege. Dafür aber gefestigte ideologische Überzeugungen.
Viel Kraft wird deshalb immer wieder beim Herumbasteln an der Schulstruktur vergeudet, anstatt diese Kraft in die nachweislich wirksame Frühförderung zu investieren. Hinzu kommt das leidige Zuständigkeitsproblem, das historische Wurzeln hat. »Am 10. März 1998 hat das Bundesverfassungsgericht die Zuordnung der Kindergärten zum Bildungsbereich verneint«, schreibt der Bildungsforscher Christoph Ehmann in Bildungsfinanzierung und soziale Gerechtigkeit, »unter anderem mit der Folge, dass nicht die für die Bildung zuständigen Länder, sondern die für das Soziale zuständigen Kommunen die Kosten tragen müssen.«
Seit der Erfindung des Kindergartens im 19. Jahrhundert war man in Deutschland unterschiedlicher Meinung, ob es sich bei der Einrichtung um eine Bewahr- oder Bildungsanstalt handeln sollte. Damals entstand das, wie Ehmann es nennt, »Doppelmotiv« öffentlich veranstalteter Kleinkindererziehung. Einerseits im Zuge der Industrialisierung und Verstädterung zur Freistellung der erwerbstätigen Mütter die Bewahranstalten und Kinderasyle für Unterschichtenkinder. Andererseits entwickelte sich im Laufe des Siegeszuges des Bürgertums der Kindergarten als Bildungseinrichtung.
Der Sozialreformer Gustav Fröbel hatte schon 1848 mit einigen Mitstreitern in einem Antrag an Regierung und Reichstag gefordert, dass die öffentliche Kleinkindererziehung zur untersten Stufe des Volksbildungssystems ausgebaut werden sollte. Das ist mehr als 150 Jahre her, und trotz wiederholter Vorstöße ist die Politik immer noch nicht dazu bereit. Das beschert uns das Paradox, dass die Vorschule eine Art Privatvergnügen geblieben ist, während die »Nachschule«, sprich Hochschule, anstandslos von den Ländern finanziert wird.
Es hilft nichts: Wenn Deutschland die frühkindliche Bildung voranbringen will, dann müssen Bund, Länder und Kommunen an einen Tisch. Und vielleicht sollten in den Bildungs- und Schulbehörden fürderhin mehr Ökonomen und weniger Ideologen zum Einsatz kommen.





dass ich meinen Kindern schon 10 Jahre vor Erscheinen des Buches der oben zitierten amerikanischen Forscherin jeden Abend etwas vorgelesen habe, Speiele mit Würfeln gespielt, oder Memori, oder in den Zoo gegangen bin. Außerdem gab es die viel gescholtenen Krippen und nachfolgend Kindergärten. Die haben dafür gesorgt, dass auch Kinder aus eher bildungsfernen Milieu einen Grundstock an Wissen mit in die Schule brachten, da würden heute manche Lehrer in der ersten Klasse nur jubeln. Allerdings hält sich mein Stolz inosfern in Grenzen, als ich das damals doch eher als normal empfunden habe. Und das war es auch.
werden die Defizite der Eltern nicht vollständig ausgleichen können. In der o.g. Studie haben immerhin 29 Prozent der Benachteiligten keinen Schulabschluß vorzuweisen, was immer noch viel zu hoch ist. Ich bin bestimmt nicht gegen Förderung von benachteiligten Kindern, im Gegenteil, aber man sollte sich auch keine Wunderdinge erwarten, wenn die Eltern, als wichtigste Bezugspersonen, versagen.
wird angesprochen, allerdings nicht aufgelöst, wie diese liebevolle Zuwendung, der in dem Artikel viel Bildungsvorsprung zugeschrieben wird, ersetzt bzw. aufgewogen werden soll für die benachteiligten, deren Eltern nicht in der Lage sind, sich mit ihren Kindern zu befassen.
Schulpflicht für Einjährige? Kuscheln mit Erzieherinnen, die die Kinder mit Kommunikation glücklich machen sollen?
Ich denke nicht, dass man die Defizite auffangen kann, da Zwang in diesem Bereich kaum gesellschaftlich durchzusetzen ist und Menschen, die mit ihren Kindern nichts anzufangen wissen, kaum ihre Sicht auf Kinder verändern werden.
auch in bezweifle, dass sich am Verhalten der Eltern grundlegend viel ändern lässt (von Ausnahmen abgesehen). Umso wichtiger ist jede Anstrengung von außerhalb der Familie, diesen benachteiligten Kindern zu helfen und ihnen Gutes zu tun.
Die Alternative wäre die Vogel-Strauß-Politik der Konservativen seit jeher: verantwortlich sind die Eltern, was sollen wir da schon machen, nur keine Einmischung! Das ging früher so weit, dass in den Familien missbraucht und misshandelt wurde, aber damit haben wir Saubermänner angeblich nichts zu tun, geht uns nichts an. Das ist der grundlegende Irrtum, diese Kinder gehen uns alle an! Ich selbst erinnere mich noch an so manches freundliche Wort einer Nachbarin oder Lehrerin aus meiner Kindheit. Diese Dinge sind wichtig! Ohne die Rolle der Eltern schmälern zu wollen: sie sind nicht die einzige Chance für Kinder, in unsere Gesellschaft ordentlich hineinzuwachsen. Auch andere Bezugspersonen haben Einfluss.
Offenbar hilft es auch, wenn Erzieherinnen, freundliche Nachbarn und andere Mitmenschen sich eines Kindes annehmen. Das Bejammern der nicht erfüllten Elternpflichten hilft dagegen keinem Kind.
Von Zwang zur Krippe / Kiga habe ich nichts gelesen. Bei der Krippe würde dieser ohnehin mangels Kapazitäten auf lange Sicht nicht durchsetzbar. Ein Diskussion um des Kaisers Bart.
auch in bezweifle, dass sich am Verhalten der Eltern grundlegend viel ändern lässt (von Ausnahmen abgesehen). Umso wichtiger ist jede Anstrengung von außerhalb der Familie, diesen benachteiligten Kindern zu helfen und ihnen Gutes zu tun.
Die Alternative wäre die Vogel-Strauß-Politik der Konservativen seit jeher: verantwortlich sind die Eltern, was sollen wir da schon machen, nur keine Einmischung! Das ging früher so weit, dass in den Familien missbraucht und misshandelt wurde, aber damit haben wir Saubermänner angeblich nichts zu tun, geht uns nichts an. Das ist der grundlegende Irrtum, diese Kinder gehen uns alle an! Ich selbst erinnere mich noch an so manches freundliche Wort einer Nachbarin oder Lehrerin aus meiner Kindheit. Diese Dinge sind wichtig! Ohne die Rolle der Eltern schmälern zu wollen: sie sind nicht die einzige Chance für Kinder, in unsere Gesellschaft ordentlich hineinzuwachsen. Auch andere Bezugspersonen haben Einfluss.
Offenbar hilft es auch, wenn Erzieherinnen, freundliche Nachbarn und andere Mitmenschen sich eines Kindes annehmen. Das Bejammern der nicht erfüllten Elternpflichten hilft dagegen keinem Kind.
Von Zwang zur Krippe / Kiga habe ich nichts gelesen. Bei der Krippe würde dieser ohnehin mangels Kapazitäten auf lange Sicht nicht durchsetzbar. Ein Diskussion um des Kaisers Bart.
...gehörten die Kindergärten und Kinderkrippen zum BILDUNGS-Ministerium. Dem vereinten Deutschland würde das auch gut bekommen, aber die vielen Familien- und Individualitäts-Fanatiker hierzulande verhindern ja jeden Gedanken an eine solche Entwicklung.
wenn es um frühkindliche Bildung und Zuwendung geht.
Ich denke nicht, dass ein Zuschlagen ans Bildungsministerium sinnvoll wäre, zumal aufgrund des föderalen Systems dieses Ministerium keinerlei Handhabe hätte.
und dass diese Aufbewahrungsanstalten, insbesondere die Krippen, keine kreativen Menschen in übergroßer Zahl hervorgebracht haben, beweist u.a. die Nachwendeentwicklung der neuen Länder. Dass es trotzdem viele geschafft haben, Fuß zu fassen, ist erfreulich, beweist aber nicht, dass Kollektiverziehung im frühesten Alter einer guten Erziehung in der Familie gleichgesetzt werden kann oder dieser gar überlegen ist. Die NICHD-Studie belegt diese Tatsache ebenfalls ganz eindeutig.
wenn es um frühkindliche Bildung und Zuwendung geht.
Ich denke nicht, dass ein Zuschlagen ans Bildungsministerium sinnvoll wäre, zumal aufgrund des föderalen Systems dieses Ministerium keinerlei Handhabe hätte.
und dass diese Aufbewahrungsanstalten, insbesondere die Krippen, keine kreativen Menschen in übergroßer Zahl hervorgebracht haben, beweist u.a. die Nachwendeentwicklung der neuen Länder. Dass es trotzdem viele geschafft haben, Fuß zu fassen, ist erfreulich, beweist aber nicht, dass Kollektiverziehung im frühesten Alter einer guten Erziehung in der Familie gleichgesetzt werden kann oder dieser gar überlegen ist. Die NICHD-Studie belegt diese Tatsache ebenfalls ganz eindeutig.
wenn es um frühkindliche Bildung und Zuwendung geht.
Ich denke nicht, dass ein Zuschlagen ans Bildungsministerium sinnvoll wäre, zumal aufgrund des föderalen Systems dieses Ministerium keinerlei Handhabe hätte.
Hab ich etwa geschrieben, dass die DDR-INHALTE übernommen werden sollen? Ich sprach mich einzig und allein für die Zuordnung zu "Bildung" aus.
Und was die föderalen Hemmschuhe in der Bildungspolitik angeht: die können gleich mit zum Teufel gehen.
Hab ich etwa geschrieben, dass die DDR-INHALTE übernommen werden sollen? Ich sprach mich einzig und allein für die Zuordnung zu "Bildung" aus.
Und was die föderalen Hemmschuhe in der Bildungspolitik angeht: die können gleich mit zum Teufel gehen.
Wenn sich die Bürger nicht mehr dauernd Gedanken um ihre finanzielle Sicherheit machen müssten, dann würden sich Viele freiwillig um die Betreuung benachteiligter Kinder kümmern können.
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Es gibt genug Hartzer mit ausgezeichneter Bildung, also wäre auch die Nachhilfe gesichert, für Kinder aus Familien, die sich jetzt keine leisten können.
stellen die Glotze aus, löschen die Zigaretten um das Kindlein herum und beglücken die lieben Kleinen mit Zuwendung und Aufmerksamkeit - und das alles aufgrund des Bürgergeldes - toll!
Klingt nur sehr nach Märchen und hat wenig mit Familienstrukturen und -befindlichkeiten zu tun, würde ich sagen.
stellen die Glotze aus, löschen die Zigaretten um das Kindlein herum und beglücken die lieben Kleinen mit Zuwendung und Aufmerksamkeit - und das alles aufgrund des Bürgergeldes - toll!
Klingt nur sehr nach Märchen und hat wenig mit Familienstrukturen und -befindlichkeiten zu tun, würde ich sagen.
Burnout mit 9.
stellen die Glotze aus, löschen die Zigaretten um das Kindlein herum und beglücken die lieben Kleinen mit Zuwendung und Aufmerksamkeit - und das alles aufgrund des Bürgergeldes - toll!
Klingt nur sehr nach Märchen und hat wenig mit Familienstrukturen und -befindlichkeiten zu tun, würde ich sagen.
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