Kinderbetreuung: Keimfrei spielen
Neue Hygienevorschriften machen Tagesmüttern die Arbeit schwer
Das »Hotel Mama« kennt man ja. Jetzt aber macht das Verbraucherschutzministerium unter Berufung auf die EU Mütter außerdem zu »Lebensmittelunternehmern«. Dann nämlich, wenn sie nicht nur den eigenen Nachwuchs mit Essen versorgen, sondern – gegen Bezahlung – auch den anderer Eltern.
Als Tagesmütter zum Beispiel. Die EU-Vorschriften zur Lebensmittelhygiene gibt es schon seit 2004, aber erst kürzlich erfuhren die Tagespfleger, dass auch sie sich daran halten sollen. Im Kampf gegen Keime sollen Tagesmütter künftig saubere, helle Schutzkleidung tragen, regelmäßig Reinigungsprotokolle führen und die Temperatur im Kühlschrank kontrollieren. Zu den Dingen, die gnadenlos aus der Küche zu verbannen sind, gehören Blumen, Haustiere, Gummistiefel und Spielsachen. Die Kinder dürfen dann im Sagrotan-Nebel auf blanken Fliesen sitzen – von Allergien bedroht und emotional vernachlässigt, weil ihre zu Lebensmittelunternehmern mutierten Bezugspersonen am Computer akribisch die Wareneinkäufe der letzten sechs Monate dokumentieren müssen.
Bleibt zu hoffen, dass die Gesundheitsämter nicht kontrollieren, was die Sozialbehörden jetzt als Leitfaden ausgegeben haben. Gute Mütter wissen nämlich, woran keine Vorschrift und kein mahnendes Wort etwas ändern wird: Für Kinder gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Schmutz und Glück.






Jeden Tag ein bisschen Dreck hält gesund
Wie heißt es so schön? Dreck reinigt den Magen.
Ich kann diesen Hygienewahn nicht mehr hören. Erst kürzlich sagte Prof. Dr.Alexander Kekule, Direktor des Instituts f. Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle, dass normale Hygiene völlig ausreichend ist. Man muss nichts desinfizieren, scharfe Reiniger braucht man auch nicht. Normales Händewaschen ist völlig ausreichend.
Warum bloß bekommen Deutsche in Ländern wie der Türkei oder Ägypten erst mal Durchfall, die Türken und Ägypter aber nicht? Weil wir meinen, uns in keimfreien Zonen aufhalten zu müssen. Nun soll das nicht heißen, dass wir den Hygienestandard dieser Länder nachahmen sollte, es macht aber deutlich, dass man sich an Keime auch "gewöhnen" kann, spricht somit die Abwehr stärkt.
Ein Glanzstück in EU-Bürokratie. Man bekommt es hin, europaweit Unsinn zu erlassen, der wertvolle Arbeitszeit durch Dokumentationszeit verdrängt und den "Gebärort" Europa weniger (zeugungs)wettbewerbsfähig macht. Die Finanzbranche, in der eh alles der Computer erledigt, bekommt aber aus Wettbewerbsgründen nicht mal die primitivsten Regulierungen zu spüren.
Und wenn man Richtlinien bestimmen kann, bei denen sich erst Jahre später herausstellt, wer davon betroffen ist, warum kann man dann nicht auch mit diesem Trick unliebsame Richtlinien, die sich die Bevölkerung wünscht, an den Lobbyisten und nationalen Politikern vorbei beschließen?
Warum schafft man es, Hygiene-Richtlinien im Haushalt vorzuschreiben, während in Krankenhäusern EU-weite Regeln viel bedeutsamer sind?
...bürokratischer Zentralstaat ohne ausreichend demokratische Rückkopplung. Man kann sämtlich Hygiene und Sicherheits-Standards in abstruse Dimensionen führen. Und wenn Leute darüber entscheiden, die sich für Spezialisten halten und die Kosten sowie den Aufwand nicht tragen müssen, dann kommt halt sowas dabei heraus.
Das war schon in D oft so, in der EU ist es noch einen Tick größer, krasser und weltfremder. Das geht soweit, dass viele neue EU-Länder um ihre jahrhundertealten Zubereitungstraditionen fürchten, weil plötzlich alles hochglanz und ultra-hygienisch sein soll und somit nurmehr für industriealisierte Großbetriebe taugt.
Tja, ich wollte die EU nie. Glühbirnenverbot und Hygiene für Tagesmutter sind aber erst der Anfang. Die geschaffenen Strukturen eignen sich noch für ganz andere Sachen...
...bürokratischer Zentralstaat ohne ausreichend demokratische Rückkopplung. Man kann sämtlich Hygiene und Sicherheits-Standards in abstruse Dimensionen führen. Und wenn Leute darüber entscheiden, die sich für Spezialisten halten und die Kosten sowie den Aufwand nicht tragen müssen, dann kommt halt sowas dabei heraus.
Das war schon in D oft so, in der EU ist es noch einen Tick größer, krasser und weltfremder. Das geht soweit, dass viele neue EU-Länder um ihre jahrhundertealten Zubereitungstraditionen fürchten, weil plötzlich alles hochglanz und ultra-hygienisch sein soll und somit nurmehr für industriealisierte Großbetriebe taugt.
Tja, ich wollte die EU nie. Glühbirnenverbot und Hygiene für Tagesmutter sind aber erst der Anfang. Die geschaffenen Strukturen eignen sich noch für ganz andere Sachen...
Sind denn Kinder krank geworden? Oder hat ein "Kontrolleur" um seinen Arbeitsplatz gefürchtet?
...doch auch -und vor allem- an die Kinder denken!!!!
Wer mag schon Kinder? Im letzten Jahr mussten viele Hebammen ihre Praxen schliessen weil die Haftpflichtbeiträge die Einnahmen überstiegen. Jetzt geht es den Tagesmüttern an den Kragen. Kluge Tagesmütter reagieren jetzt, schließen ihre Küche für fremde Kinder und gehen mit denen zu Mac Donalds. Da gibts ganz viel Hygiene und alles ist gut.
Aber machen wir doch weiter. Selbstverständlich darf die Tagesmütter sozusagen als Angestellte nicht die gleiche Toilette benutzen und überhaupt - gibt es Toiletten geschlechter getrennt? Handelt es sich bei Tagesmüttern die Übernachtungen anbieten um Beherrbergungsbetriebe?
Ihre Frage:
"Handelt es sich bei Tagesmüttern die Übernachtungen anbieten um Beherrbergungsbetriebe?"
Antwort:
Nein, es handelt sich um Bedambergungsbetriebe.
Und auch im Artikel scheint der Fehlerteufel zugeschlagen zu haben:
"Das »Hotel Mama« kennt man ja. Jetzt aber macht das Verbraucherschutzministerium unter Berufung auf die EU Mütter außerdem zu »Lebensmittelunternehmern«."
Muss das nicht angesichts des unsauberen, hier zur Diskussion anstehenden Inhalts "Verbraucherschmutzministerium" heißen?
;-)
Ihre Frage:
"Handelt es sich bei Tagesmüttern die Übernachtungen anbieten um Beherrbergungsbetriebe?"
Antwort:
Nein, es handelt sich um Bedambergungsbetriebe.
Und auch im Artikel scheint der Fehlerteufel zugeschlagen zu haben:
"Das »Hotel Mama« kennt man ja. Jetzt aber macht das Verbraucherschutzministerium unter Berufung auf die EU Mütter außerdem zu »Lebensmittelunternehmern«."
Muss das nicht angesichts des unsauberen, hier zur Diskussion anstehenden Inhalts "Verbraucherschmutzministerium" heißen?
;-)
"Bleibt zu hoffen, dass die Gesundheitsämter nicht kontrollieren, was die Sozialbehörden jetzt als Leitfaden ausgegeben haben."
Ich bin überzeugt, dass es eben in diesem Punkt EU-weit
regionale Unterschiede gibt.
Gerade habe ich erfahren, dass ein psychotherapeutisch tätiger Heilpraktiker alle möglichen Verfahren, also auch Verfahren, deren therapeutischer Nutzen nicht erwiesen ist, anwenden darf - solange die *Baubehörde* ihm bestätigt, dass er *zwei* Klos hat! (Nämlich eines für sich und eines für die Patienten.) Das nenne ich effektive staatliche Qualitätskontrolle bei gesundheitlichen Leistungen!
Aber Sarkasmus beiseite: Warum traut man es den Patienten nicht zu, selbst zu beurteilen, ob die Hygiene/Sauberkeit des Klos ihres Heilpraktikers ausreicht? Warum glaubt man nicht, dass es ausreicht, dass die Mütter der Kinder bei der Tagesmutter mal in die Küche kucken (was sie ja, anders als der Gast in Restaurants, ja ohne Schwierigkeiten können)? Das behördliche Intervenieren in die Privatautonomie, welches ja u.a. den Menschen auch ihre eigene Urteilsfähigkeit abspricht, ist etwas, das die Lebensqualität definitiv herabsetzt.
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