Wirtschaftsmacht Weiter wachsen
Chinas Wirtschaft schwächelt. Schlimmer ist, dass das Land altert.
Soeben begann das chinesische Jahr des Wasserdrachens. Astrologen sagen, es eigne sich besonders, um zu Wohlstand zu kommen. Nicht allen dürfte das indessen gelingen. Die chinesische Wirtschaft wächst so langsam wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Im vierten Quartal waren es gerade mal 8,9 Prozent, für das Jahr 2011 verzeichnete das Pekinger Statistikamt einen Zuwachs von 9,2 Prozent. Und langsam soll es auch weitergehen: Für das Jahr 2012 erwartet das Amt ein Wachstum von acht Prozent, andere setzen es sogar noch tiefer an.
Die Nachfrage aus Europa, dem wichtigsten Exportmarkt Chinas, lässt nach, die Investitionen gehen zurück, die Häuserpreise fallen. Investitionen sind für China besonders wichtig, machen sie doch fast die Hälfte des Bruttosozialprodukts aus. Ein Großteil entfiel auf den Immobilienmarkt. Im Dezember aber fielen die Immobilienpreise im dritten Monat in Folge. Grund zum Fürchten also? Wankt jetzt auch China, das doch eigentlich die Weltwirtschaft am Laufen halten sollte?
Nicht ganz. Schließlich wollte die chinesische Regierung das überhitzte Wachstum bewusst drosseln. Nach der Wirtschaftskrise 2008 hatte sie zunächst ein gewaltiges Konjunkturprogramm aufgelegt, das es dem Land zwar ermöglichte, relativ unbeschadet durch die Krise zu segeln, dafür aber ungewollte Begleiterscheinungen mit sich brachte: Die Wirtschaft wurde mit Geld überschwemmt, die Inflation stieg, Lokalregierungen versenkten Millionen in teilweise widersinnigen Infrastrukturprojekten. In einigen Städten schwoll die Immobilienblase auf schwindelerregende Ausmaße an; in Nanning im Süden Chinas sind 90 Prozent der Neubauten rein der Spekulation gewidmet. Eine Regulierung des Immobilienmarktes war also notwendig, ein Rückgang der Investitionen ebenfalls. Schließlich kann keine Volkswirtschaft fast 50 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in Investitionsprojekte stecken, ohne Fehlplanungen zu produzieren.
Die meisten Wirtschaftswissenschaftler halten einen Absturz Chinas in naher Zukunft für unwahrscheinlich – und doch lauern bei einer Verlangsamung des Wachstums Gefahren. In der Vergangenheit lautete das Mantra der Führung: Acht Prozent Wachstum sind nötig, sonst drohten Massenarbeitslosigkeit und Proteste. Die Funktionäre werden in diesem Jahr noch peinlicher als zuvor darauf bedacht sein, es nicht so weit kommen zu lassen, steht doch ein Führungswechsel an.
Viel wichtiger aber als die Frage, was China in diesem Jahr erwartet, ist jene, ob es in der Lage sein wird, sich langfristig zu wandeln. Wird es den Sprung von der Werkstatt der Welt zum Hightechland schaffen? Kann es den Rückgang bei den Exporten durch den Konsum im Inneren ersetzen? Das ist ein lang gehegter Wunsch der Führung, und tatsächlich zog der Konsum an. Im Dezember stieg er im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 18 Prozent. Chinesische Experten weisen jedoch darauf hin, dass dies viel mit dem Auslaufen einiger Subventionen im Jahr 2012 zu tun haben könnte. Solange das Sozialsystem mangelhaft ist, werden die Chinesen jedenfalls weiterhin viel sparen und wenig ausgeben. Selbst Ärzte sparen für den Fall, dass sie eines Tages krank werden.
Die Herausforderungen gehen aber noch weiter. China konnte in der Vergangenheit wachsen, weil die Arbeitsbevölkerung unermesslich groß war. In der Zukunft aber wird die Arbeitsbevölkerung aufgrund der Ein-Kind-Politik schrumpfen. China steht also vor den gewaltigen Herausforderungen, die eine überalterte Gesellschaft mit sich bringt.
- Datum 28.01.2012 - 17:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.1.2012 Nr. 05
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/lv
"In der Zukunft aber wird die Arbeitsbevölkerung aufgrund der Ein-Kind-Politik schrumpfen"
Wenn die Ueberalterung ein erhebliches Problen fuer die Wirtschaft darstellen sollte, hebt man doch wohl einfach die Restriktionen wieder auf. Oder ist das sehr unwahrscheinlich? Arbeitskraeftemangel ist auf absehbare Zeit kein chinesisches Problem.
Chinas Bevoelkerung ist erstens relativ jung und zweitens waechst sie noch immer jedes Jahr. Von den demografischen Problemen Chinas kann ein Land wie Deutschland nur traeumen.
********
Chinas Wirtschaft schwaechelt? Bei 9,2 Prozent Wachstum? Das schreiben Welt und Spiegel auch? Kann mir das mal jemand erklaeren, wer den diesen Floh ins Ohr gesetzt hat? Ist das ein Trostpflaster fuer die krisengebeutelten deutschen Leser, oder wie soll man das verstehen?
China befindet sich noch immer in einer historisch einzigartigen Phase des Aufschwung, der das deutsche Nachkriegs-Wirtschaftswunder vergleichsweise popelig aussehen laesst. Durchschnittlich lag das Wachstum in der Bundesrepublik zwischen 1950 und 1960 bei mageren 8,2 Prozent. Das uebertrifft China seit Jahrzehnten.
Aber bitte. China schwaechelt..... Deine Muqin schwaechelt!
Diese 8,9 order 9,2% Wachstum sind nur der Landesdurchschnitt. Regional sind sie immer noch unterschiedlich - und zumeist sogar höher, je unterentwickelter die Provinz ist.
In Yunnan z.B. wächst die Wirtschaft unaufhörig noch mit 15% und die Urbanisierung der Hauptstadt Kunming sieht eine Vergrößerung der Stadt von ca. 5 Millionen zu 10 Millionen in Planung, das wiederum mit der generellen nationalen Entwicklung einhergeht und bei der Bevölkerung gar nicht schlecht ankommt, da ihre Hukou nun auf "Stadtbewohner" umgestellt sind.
In den Ost-Provinzen jedoch, wo die Leute seit 2007 schon eine Spekulationsblase nach der anderen aufgeblasen haben, und wo die Entwicklung schon recht vollendet ist, ist sie natürlich langsamer. Da muss die Führung in Sozialsysteme investieren, und endlich mal ein gültiges Mietgesetz schaffen und das auch mal brutalst durchsetzen!
Diese 8,9 order 9,2% Wachstum sind nur der Landesdurchschnitt. Regional sind sie immer noch unterschiedlich - und zumeist sogar höher, je unterentwickelter die Provinz ist.
In Yunnan z.B. wächst die Wirtschaft unaufhörig noch mit 15% und die Urbanisierung der Hauptstadt Kunming sieht eine Vergrößerung der Stadt von ca. 5 Millionen zu 10 Millionen in Planung, das wiederum mit der generellen nationalen Entwicklung einhergeht und bei der Bevölkerung gar nicht schlecht ankommt, da ihre Hukou nun auf "Stadtbewohner" umgestellt sind.
In den Ost-Provinzen jedoch, wo die Leute seit 2007 schon eine Spekulationsblase nach der anderen aufgeblasen haben, und wo die Entwicklung schon recht vollendet ist, ist sie natürlich langsamer. Da muss die Führung in Sozialsysteme investieren, und endlich mal ein gültiges Mietgesetz schaffen und das auch mal brutalst durchsetzen!
Doch inzwischen füllen sich die chinesischen Auftragsbücher wieder langsamer. Die Inflation ist hoch. Und fast täglich werden aus China Demonstrationen oder Verhaftungen von Dissidenten gemeldet. Ein altes Bild stellt sich bei uns wieder ein: China am Abgrund.
Dahinter verbirgt sich bei manchen im Westen ein eigenartiger Wunsch: Wenn es uns schlechtgeht, darf es China nicht besser gehen. Andere wiederum wollen auf jeden Fall zu den Ersten gehören, die die Krisensymptome für den großen Knall erkannt haben.
Während sie diesen Befürchtungen nachhängen, kann China in Ruhe an Einfluss gewinnen. Denn, was schlimm klingt, muss gar nicht so schlimm sein: Demonstrationen bedeuten nicht unbedingt, dass der Druck im Kessel weiter steigt. Sie zeugen auch von mehr Pluralität und bieten ein Ventil für den aufgestauten Frust.
http://www.handelsblatt.c...
Diese 8,9 order 9,2% Wachstum sind nur der Landesdurchschnitt. Regional sind sie immer noch unterschiedlich - und zumeist sogar höher, je unterentwickelter die Provinz ist.
In Yunnan z.B. wächst die Wirtschaft unaufhörig noch mit 15% und die Urbanisierung der Hauptstadt Kunming sieht eine Vergrößerung der Stadt von ca. 5 Millionen zu 10 Millionen in Planung, das wiederum mit der generellen nationalen Entwicklung einhergeht und bei der Bevölkerung gar nicht schlecht ankommt, da ihre Hukou nun auf "Stadtbewohner" umgestellt sind.
In den Ost-Provinzen jedoch, wo die Leute seit 2007 schon eine Spekulationsblase nach der anderen aufgeblasen haben, und wo die Entwicklung schon recht vollendet ist, ist sie natürlich langsamer. Da muss die Führung in Sozialsysteme investieren, und endlich mal ein gültiges Mietgesetz schaffen und das auch mal brutalst durchsetzen!
Nun hat China aber, im Gegensatz zu einem anderen, mir recht gut bekannten Land, keinen Kanzler, der mit mediensicherem Auftreten und vollmundigen Sprüchen seinen Freunden aus der privaten Versicherungswirtschaft den Griff in die Töpfe der Rentenversicherung ermöglicht...
Dass China überaltert,mag vielleicht für die Stadtbevölkerung gelten, obwohl auch dort viele Ausnahmen der Ein-Kind-Politik gelten. Auf dem Land, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt, gelten ganz offensichtlich andere Regeln. Die Familie meiner chinesischen Freundin, vom Land, hat 6 Kinder, alle geboren nach Inkrafttreten dieser Politik. Ich frage jedes der jungen Mädchen in den Fussmassagen, alle vom Land, nach der Anzahl der Kinder zuhause, noch nie weniger als 3. Und letztendlich wächst unbestritten Chinas Bevölkerung noch. Es kann also mit der vielbeschworenen Überalterung soweit nicht sein.
Für die wirtschaftliche Entwicklung hat China noch grosse eigene ungenutzte Potentiale. Die überalles Qualität ist unglaublich schlecht. 'Die fliegen zum Mond, können aber keine ordentliche Waschmaschine bauen', stimmt absolut. Alles, Gebrauchsgegenstände, Häuser, Lebensmittel, Computer, schlimm.
Die chinesische Regierung kann kraft Edikt Alles vorschreiben. Dazu ist Geld vorhanden, das dann unmittelbar umzusetzen. Z.B. wird die chinesische Auto-Industrie gerade gezwungen, aktiver zu werden. Es werden grosse Nur-Gas Tankstellen gebaut. Offensichtlich wird etwas in die Richtung geplant.
Was tatsächlich bedenklich stimmt, ist die grosse Anzahl von Unruhen, hauptsächlich wegen Betrug bei Entlohnung und Korruption von Beamten.
Seltsamerweise kann man das in der englischsprachigen Regierungszeitung 'China Daily' ständig lesen, trotz massiver Medienzensur. China du bist ein Rätsel!
Ihre Erkenntnisse zur Ein-Kind-Politik kann ich mir nur damit erklären, daß Ihre chinesische Freundin und die Damen von der Fußmassage einer Minorität angehören.
Die dürfen mehrere Kinder haben. Wieviele genau, weiß ich nicht.
Für die normale Bevölkerung gelten diese Ausnahmen nicht - auch nicht auf dem Land.
In Bauernfamilien gibt es allerdings die Möglichkeit, nach Geburt einer Tochter einen Antrag auf einen weiteren Versuch, einen Stammhalter zu zeugen, zu stellen.
Wird das auch'n Mädel, war's das.
Gut, es gibt aufgrund eines fast nicht mehr existierenden Meldesystems (stelle man sich mal vor, unter so einem bösen Regime) immer Menschen, die sich solcher Überwachung durch Wegzug entziehen.
Da geht dann aber spätestens mit Eintritt in ein schulpflichtiges Alter der Ärger richtig los.
Zum Thema unglaublich schlechte Qualität: Schon mal was von Haier gehört? Sitzt in Qingtao und baut u.a. ordentliche Waschmaschinen. Kosten dann aber auch fast westlich.
Lebensmittel: kein Problem. Fleisch, Fisch, Gemüse, Eier, Milch - zum Teil sogar Bio.
Häuser: ok, Deutschland in den 60ern.
Computer: Hardware absolut kein Problem, in allen erwünschten Formen billig zu haben.
Und zur Software sage ich mal nichts - bin eh nicht betroffen, das was hier vorinstalliert ist, ist wahrscheinlich nicht legal, versteht aber sowieso nur chinesisch und ist damit für den verwöhnten Westler uninteressant.
Ihre Erkenntnisse zur Ein-Kind-Politik kann ich mir nur damit erklären, daß Ihre chinesische Freundin und die Damen von der Fußmassage einer Minorität angehören.
Die dürfen mehrere Kinder haben. Wieviele genau, weiß ich nicht.
Für die normale Bevölkerung gelten diese Ausnahmen nicht - auch nicht auf dem Land.
In Bauernfamilien gibt es allerdings die Möglichkeit, nach Geburt einer Tochter einen Antrag auf einen weiteren Versuch, einen Stammhalter zu zeugen, zu stellen.
Wird das auch'n Mädel, war's das.
Gut, es gibt aufgrund eines fast nicht mehr existierenden Meldesystems (stelle man sich mal vor, unter so einem bösen Regime) immer Menschen, die sich solcher Überwachung durch Wegzug entziehen.
Da geht dann aber spätestens mit Eintritt in ein schulpflichtiges Alter der Ärger richtig los.
Zum Thema unglaublich schlechte Qualität: Schon mal was von Haier gehört? Sitzt in Qingtao und baut u.a. ordentliche Waschmaschinen. Kosten dann aber auch fast westlich.
Lebensmittel: kein Problem. Fleisch, Fisch, Gemüse, Eier, Milch - zum Teil sogar Bio.
Häuser: ok, Deutschland in den 60ern.
Computer: Hardware absolut kein Problem, in allen erwünschten Formen billig zu haben.
Und zur Software sage ich mal nichts - bin eh nicht betroffen, das was hier vorinstalliert ist, ist wahrscheinlich nicht legal, versteht aber sowieso nur chinesisch und ist damit für den verwöhnten Westler uninteressant.
Ihre Erkenntnisse zur Ein-Kind-Politik kann ich mir nur damit erklären, daß Ihre chinesische Freundin und die Damen von der Fußmassage einer Minorität angehören.
Die dürfen mehrere Kinder haben. Wieviele genau, weiß ich nicht.
Für die normale Bevölkerung gelten diese Ausnahmen nicht - auch nicht auf dem Land.
In Bauernfamilien gibt es allerdings die Möglichkeit, nach Geburt einer Tochter einen Antrag auf einen weiteren Versuch, einen Stammhalter zu zeugen, zu stellen.
Wird das auch'n Mädel, war's das.
Gut, es gibt aufgrund eines fast nicht mehr existierenden Meldesystems (stelle man sich mal vor, unter so einem bösen Regime) immer Menschen, die sich solcher Überwachung durch Wegzug entziehen.
Da geht dann aber spätestens mit Eintritt in ein schulpflichtiges Alter der Ärger richtig los.
Zum Thema unglaublich schlechte Qualität: Schon mal was von Haier gehört? Sitzt in Qingtao und baut u.a. ordentliche Waschmaschinen. Kosten dann aber auch fast westlich.
Lebensmittel: kein Problem. Fleisch, Fisch, Gemüse, Eier, Milch - zum Teil sogar Bio.
Häuser: ok, Deutschland in den 60ern.
Computer: Hardware absolut kein Problem, in allen erwünschten Formen billig zu haben.
Und zur Software sage ich mal nichts - bin eh nicht betroffen, das was hier vorinstalliert ist, ist wahrscheinlich nicht legal, versteht aber sowieso nur chinesisch und ist damit für den verwöhnten Westler uninteressant.
Entfernt. Verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/mak
Entfernt. Verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/mak
Entfernt. Verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Die Redaktion/mak
was Sie an meinem Posting auszusetzen haben.
Meinen Sie, daß Sie das nochmals so formuliert bekommen, daß es nicht wieder der Redaktion zum Opfer fällt?
was Sie an meinem Posting auszusetzen haben.
Meinen Sie, daß Sie das nochmals so formuliert bekommen, daß es nicht wieder der Redaktion zum Opfer fällt?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren