Das Erfolgsrezept von Regisseur Alexander Payne ist, wie alle solche Rezepte, schön schlicht: Er serviert uns in seinen Filmen menschliche Schwächen – gießt aber großzügig eine Soße der Versöhnung drüber. Nach About Schmidt und dem oscargekrönten Sideways folgt nun The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten diesem Prinzip. Einen Golden Globe als bester Film der Kategorie Drama hat er damit kürzlich schon eingeheimst.

Die im Titel The Descendants angesprochene Nachkommenschaft sind der von George Clooney gespielte Anwalt Matt King und seine weitverzweigte Familie, in der das königliche Blut einer hawaiianischen Prinzessin fließt. Weit wichtiger aber: Die Sippe der Kings ist im Besitz des kostbaren Erbes ihrer illustren Vorfahren, eines unberührten, paradiesischen Küstenstreifens auf der hawaiianischen Insel Kauai. Matt ist der Treuhänder des Grundstücks. Von seinen Cousins und Cousinen wird er gedrängt, es an einen Immobilienentwickler zu verkaufen, der es in Golfplätze und Apartment-Anlagen verwandeln will. Auch Matt ist dem Deal anfangs nicht abgeneigt: "Das Paradies", sagt er, "kann mich mal."

Bevor es aber dazu kommt, verunglückt Matts Frau Elizabeth (Patricia Hastie) beim Wasserski. Nur künstlich und im Koma kann sie noch am Leben gehalten werden. Matt hingegen findet mit dem Ereignis zum Leben zurück, von dem er sich als zynischer Workaholic auf seine Weise zuvor verabschiedet hatte. Jetzt erst realisiert er, was für zwei reizende, renitente Töchter er hat. Jetzt erst realisiert er aber auch, dass seine Frau ihm untreu war. Empört macht er sich mit der zehnjährigen Scottie (Amara Miller) und der 17-jährigen Alexandra (Shailene Woodley) auf die Suche nach dem Geliebten. Als sich herausstellt, dass es sich um einen Immobilienmakler handelt, der sich gerade auf Kauai aufhält, also just auf der Insel, wo die Kings ihr Land verkaufen wollen, dämmert dem Zuschauer, wie die Sache weitergehen wird.

The Descendants will eine Tragikomödie sein. Sterbebegleitung, zerrüttete Familie, Betrug und Gier: Diesen harten Stoff lockert Payne auf, indem er das Personal des Films sich ständig danebenbenehmen lässt. Unüberbietbar: Matts Auftritt im Krankenhaus, in dem er die komatöse Elizabeth laut schreiend bezichtigt, sein Leben zu zerstören. Wen aber dieses Grundmotiv des Films nicht überzeugt – ein Ehemann, der sich bemüht, mit der Affäre seiner im Sterben liegenden Frau zurande zu kommen –, wem dieses Motiv reichlich bieder erscheint, der wird den Film womöglich weder tragisch noch lustig finden, sondern allenfalls albern. Und wenn Matt am Ende seiner Frau verzeiht, wenn das schlechte Wetter weggeblasen ist, das das Paradies demonstrativ verhangen hat und sich Hawaii doch noch von seiner bekannten Ansichtskartenseite präsentiert, könnte man entweder meinen, voll auf seine Kosten gekommen – oder aber nach einer schlichten, allzu schlichten Rezeptur abgespeist worden zu sein.

Bleibt noch George Clooney, ohne den keine Szene des Films auskommt und dem Payne viel aufgebürdet hat: Hüftsteif spielt er den düpierten Ehemann, honorig den Anwalt und heillos überfordert den Vater. Keine Frage, Clooney kann das alles, dafür bekam der Film seinen zweiten Golden Globe. Nur fügen sich Clooneys verschiedene Rollen nicht zu einem Charakter, dem man Glauben schenkt.

Das ist das Dilemma von The Descendants : Der Film will es allen recht machen. Dennoch gilt er als heiß gehandelter Oscar-Anwärter. Was sagt uns das? Nichts über den Film, sollte er tatsächlich mit Auszeichnungen bedacht werden. Viel aber über die Mutlosigkeit derer, die sie vergeben.