Social Networks
ZEIT Magazin: Mir scheint, dass die Onlinenetze auf die wirkliche Welt sehr wohl Auswirkungen haben. Denken Sie nur an die ägyptische Revolution: Wäre sie ohne Internet und Twitter denkbar gewesen?
Christakis: Kaum. Aber die Netze transportierten Informationen, keinen revolutionären Elan.
ZEIT Magazin: Kann man das eine vom anderen trennen? Je besser ich weiß, wo und wie ich mit Gleichgesinnten auf die Straße gehen kann, umso eher werde ich es tun.
Christakis: Wir werden die Antwort bald kennen. Kollegen erforschen gerade die Twitter-Daten aus dem vergangenen Frühling. Doch trotz aller Technik beeinflussen uns Freunde, die wir regelmäßig sehen, am stärksten. Wir haben das auf den Facebook-Seiten von Studenten untersucht. Wir dachten, ihr Musik- und Filmgeschmack würde sich im Netz genauso verbreiten wie sonst auch. Aber keineswegs. Ein Facebook-Freund bringt einen anderen in aller Regel nur dann dazu, The Killers oder Pulp Fiction zu mögen, wenn irgendwo im Netz ein Foto steht, auf dem sie gemeinsam zu sehen sind – sie sich also auch persönlich kennen.
ZEIT Magazin: Allerdings genießen wir Kino und Musik meist auch mit Freunden. Andere Vorlieben verbreiten sich möglicherweise eher über das Netz. Und manche Gemeinschaften gibt es nur in der virtuellen Welt. Denken Sie nur an die Fangruppen von Internetspielen.
Christakis: Gewiss hängt es stets davon ab, womit wir uns anstecken. Viele Kollegen versuchen derzeit, Facebook und Twitter mit allerlei Ideen zu füttern, um so herauszufinden, welche davon sich am besten verbreiten. Das Problem ist, dass auch wir nur die öffentlich zugänglichen Daten von Facebook bekommen.
ZEIT Magazin: Ich finde es schwer erträglich, dass sich umfassendes Wissen über das Leben von Milliarden völlig unkontrolliert in der Hand weniger Unternehmen befindet.
Christakis: Das wird sich ändern. Als die Energie- und Wasserversorger vor gut hundert Jahren unsere Länder mit ihren Netzen überzogen, konnten die Unternehmen auch tun, was sie wollen. Heute sind sie stark reguliert. Den Internetkonzernen wird es genauso ergehen. Gesetze werden ihnen vorschreiben, welche Daten sie erheben und speichern dürfen, wie sie ihre Nutzer aufklären und welche Informationen sie herausrücken müssen.
ZEIT Magazin: Genügt das? Möglicherweise stecken wir noch so sehr in den Anfängen der Vernetzung, dass wir die Folgen nicht einmal ahnen.
Christakis: Vermutlich haben Sie recht. Etwas sorge ich mich, dass immer gezieltere Werbebotschaften aus dem Netz die Gier der Menschen noch weiter verstärken. Aber es bieten sich auch ungeahnte Möglichkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor 20 Jahren einen Sozialwissenschaftler nach dem idealen Forschungsinstrument gefragt. »Eine Armada unsichtbarer kleiner Hubschrauber«, hätte er geantwortet. Über jedem Menschen sollte so ein Helikopter schweben, jedes Wort aufnehmen, jede Bewegung, jeden Wunsch verzeichnen. Heute, mit dem Netz, sind wir so weit.
- Datum 26.01.2012 - 18:12 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 26.1.2012 Nr. 05
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...Sie besuchen wohl nie Ihre Eltern?
Vielleicht zahlt er aber auch 150EUR pro Nacht an seine Eltern?
zum Artikel: sehr interessantes Interview, vor allem die letzten Fragen!
...Sie besuchen wohl nie Ihre Eltern?
Vielleicht zahlt er aber auch 150EUR pro Nacht an seine Eltern?
zum Artikel: sehr interessantes Interview, vor allem die letzten Fragen!
dass das Glück von Freunden abhängt -
...Sie besuchen wohl nie Ihre Eltern?
Vielleicht zahlt er aber auch 150EUR pro Nacht an seine Eltern?
zum Artikel: sehr interessantes Interview, vor allem die letzten Fragen!
ich tue aber nicht links, wie die zeit
ich tue aber nicht links, wie die zeit
ist beim Fischer-Verlag erschienen, unter dem Titel "Connected!: Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist".
ich tue aber nicht links, wie die zeit
doch eines weiss ich. Wenn ich von anderen abhängig bin, kann ich NIE glücklich werden1
"Ach Glück..."
Vielen, die das Glück täglich von außen erwarten, fehlt nur der Zuruf,der sie ermahnt, in sich selbst zu sehen; sie würden dort in jedem Augenblick Glücksmöglichkeiten entdecken, deren Schönheit und Köstlichkeit alles übertrifft, was sie je von einem kommenden Glück erwartet haben.
Rainer Maria Rilke
... im ersten Moment schmerzen wie es eine derart tiefgreifende narzisstische Kränkung muss, aber es hilft einzusehen, dass jeder Mensch immer von anderen Menschen abhängig ist. Ansonsten wäre er oder sie wohl völlig isoliert und dann hat man definitiv ernstere Probleme als die Anhängigkeit von den Mitmenschen.
Sie dürfen natürlich emotionale und eher weltliche Abhängigkeiten nicht durcheinanderschmeißen ;) (das würde Rilke auch nicht tun). Finanziell von anderen abhängig zu sein ist immer beengend und lästig, emotionale Abhängig ist das zwar bisweilen auch, aber sie ist ein grundlegender Bestandteil des Mensch-Seins.
Man mag sich dazu die tiefere Bedeutung von Sartres "Die Hölle, das sind die anderen" zu Gemüte führen, oder, wenn einem das (zu Recht) zu schwurbelig ist, Nick Hornbys vorzügliches Buch "About a Boy" lesen (ruhig lesen, der Film verkürzt doch stark) - und vielleicht kann man dann endlich mal diese "Ein starker Mensch hat eine Insel zu sein"-Ideologie beerdigen, die sorgt nämlich in ihrer Unnatürlich- und Unmöglichkeit für nichts als Unglück und Unzufriedenheit.
Sich einzugestehen, dass wir abhängig sind von anderen Menschen, bedeutet nicht, von diesen anderen Menschen gegenleistungslos die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu erwarten. Im Gegenteil! Diese Erfüllung kann nur durch andere Menschen geschehen, aber eben nur, wenn wir einsehen, dass wir nicht alleine glücklich werden können.
So, jetzt ist das Feld zuende.
Einen schönen Abend noch.
... im ersten Moment schmerzen wie es eine derart tiefgreifende narzisstische Kränkung muss, aber es hilft einzusehen, dass jeder Mensch immer von anderen Menschen abhängig ist. Ansonsten wäre er oder sie wohl völlig isoliert und dann hat man definitiv ernstere Probleme als die Anhängigkeit von den Mitmenschen.
Sie dürfen natürlich emotionale und eher weltliche Abhängigkeiten nicht durcheinanderschmeißen ;) (das würde Rilke auch nicht tun). Finanziell von anderen abhängig zu sein ist immer beengend und lästig, emotionale Abhängig ist das zwar bisweilen auch, aber sie ist ein grundlegender Bestandteil des Mensch-Seins.
Man mag sich dazu die tiefere Bedeutung von Sartres "Die Hölle, das sind die anderen" zu Gemüte führen, oder, wenn einem das (zu Recht) zu schwurbelig ist, Nick Hornbys vorzügliches Buch "About a Boy" lesen (ruhig lesen, der Film verkürzt doch stark) - und vielleicht kann man dann endlich mal diese "Ein starker Mensch hat eine Insel zu sein"-Ideologie beerdigen, die sorgt nämlich in ihrer Unnatürlich- und Unmöglichkeit für nichts als Unglück und Unzufriedenheit.
Sich einzugestehen, dass wir abhängig sind von anderen Menschen, bedeutet nicht, von diesen anderen Menschen gegenleistungslos die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu erwarten. Im Gegenteil! Diese Erfüllung kann nur durch andere Menschen geschehen, aber eben nur, wenn wir einsehen, dass wir nicht alleine glücklich werden können.
So, jetzt ist das Feld zuende.
Einen schönen Abend noch.
fünf Seiten zu widmen ist eine Zumutung.
ist übrigens auch ansteckend. Sogar sehr ansteckend! Leider.
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