Bestsellerautor David Nicholls "Nie wieder ein Date!"

Der Bestsellerautor David Nicholls über Freundschaft als Religion, Ehefrauen als Komplizen und das Elend des Flirtens

David Nicholls

David Nicholls

ZEITmagazin: Herr Nicholls, Sie sind bekannt geworden durch Ihren Bestseller »Zwei an einem Tag«, der um die Frage kreist, was der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft ist. Ihre beiden Hauptfiguren Emma und Dexter, die sich zwanzig Jahre lang abwechselnd annähern und wieder voneinander entfernen und die sich vor allem ständig verpassen, scheinen mit der Beantwortung dieser Frage überfordert zu sein. Was denken Sie?

David Nicholls: Für mich sind Liebe und Freundschaft nicht voneinander zu trennen. Freundschaft, das bedeutet gegenseitiges Verständnis, Unterstützung, den gleichen Humor haben, Gefallen daran finden, mit der anderen Person Zeit zu verbringen. Wobei das nicht unbedingt etwas mit Harmonie zu tun hat – meine Figuren Emma und Dexter sind ja auch zwei Figuren in der Tradition der romantischen Komödie, die miteinander kämpfen. Wie Beatrice und Benedikt in Shakespeares Viel Lärm um nichts. Der Konflikt ist Teil ihres Verstehens, ihrer Anziehungskraft, die Basis ihrer Freundschaft und ihrer Liebe. Es gibt die Vorstellung, dass zwei Liebende zwei Stücke sind, die ineinanderpassen, dass es darum geht, das passende Gegenstück zu finden.

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ZEITmagazin: Das ist Platons Idee von Liebe...

Nicholls: ...die ich für Unsinn halte. Und natürlich lassen sich die Kategorien der Fiktion eh nicht aufs wahre Leben anwenden.

David Nicholls

45, ist im südenglischen Eastleigh geboren. Er studierte Literatur in Bristol und arbeitete als Schauspieler, bevor er Schriftsteller und Drehbuchautor wurde. Sein Roman Zwei an einem Tag wurde mit Anne Hathaway verfilmt und kam voriges Jahr ins Kino. Nicholls lebt mit seiner Familie in London

ZEITmagazin: Haben Sie trotzdem durch die Beschäftigung mit Emma und Dexter etwas gelernt über Freundschaft und Liebe?

Nicholls: Ich bin mir vor allem über die Idiotie der Beziehungen klar geworden, die ich in meinen Zwanzigern hatte. Meine Freundinnen und ich hatten gar keine gemeinsamen Interessen. Zwischen meiner jetzigen Partnerin, der Mutter meiner Kinder, und mir geht es ganz anders zu. Hannah und ich streiten nicht wie Emma und Dexter, wir haben keine Differenzen über Politik, wir lieben dieselben Filme, dieselbe Musik.

ZEITmagazin: Könnten Sie mit einer Frau zusammen sein, die diesen Geschmack nicht teilt, die sich gar nicht für Literatur interessiert?

Nicholls: Oder die politisch rechts steht? Ich fände das schwierig. Diese Dinge spielen so eine große Rolle in meinem Leben. Ich kenne gar niemanden, der sich dafür nicht interessiert. Ich wüsste aber auch nicht, worüber ich mit so einer Person sprechen sollte. Anders verhält es sich mit Unterschieden im sozialen Background. Hannah stammt aus der Mittelschicht, ich habe einen Arbeiterhintergrund. In unseren Zwanzigern wären wir uns dessen vielleicht stärker bewusst gewesen, jetzt haben wir unser eigenes Leben. Wir können das gut überbrücken.

ZEITmagazin: Sie waren mit Ihrem Buch extrem erfolgreich – es wurde millionenfach verkauft, in zwanzig Sprachen übersetzt und verfilmt. Aber es kann nicht jeder ein großer Künstler, Manager, Schriftsteller sein. Ist das eine schwierige Vorstellung: mit jemandem zusammen zu sein, der nicht gut ist in dem, was er tut, auf den man nicht stolz sein kann?

Nicholls: Ich war mal Schauspieler, ein unglaublich schlechter Schauspieler. Und ich würde niemanden verurteilen, der in dieser Zeit nicht mit mir zusammen sein wollte. Diese Arbeit, für die ich definitiv kein Talent hatte, brachte mir dermaßen viel Unglück, Unsicherheit und Selbstzweifel...

ZEITmagazin: ...und Stoff für Ihr Buch »Ewig Zweiter«, in dem Sie über einen Schauspieler schreiben, der die Zweitbesetzung ist und darauf hoffen muss, dass der erstbesetzte Kollege vom Bus überfahren oder Opfer irgendeiner anderen Katastrophe wird, damit er selbst endlich seinen großen Auftritt hat. Eine Situation mit viel Raum für Komik.

Nicholls: Leider nur im Buch, nicht im wahren Leben. Ich war fürchterlich selbstmitleidig, und Selbstmitleid hat einfach nichts Anziehendes, und so war ich auch in all den Jahren, in denen ich als Schauspieler gearbeitet habe, zwischen 22 und 31, größtenteils Single. Ich war unfähig, eine Leidenschaft für was auch immer zu entwickeln. Damals haben mir viele Freunde auf unterschiedliche Weise geraten, mit der Schauspielerei aufzuhören.

Leser-Kommentare
    • primi
    • 30.01.2012 um 18:06 Uhr

    Vielen Dank für das äußerst interessante Interview!
    Falls jemand "Zwei an einem Tag" noch nicht gelesen hat - unbedingt nachholen :-)

  1. ...für Unsinn ? Da traut sich aber einer was !

    Wiewohl Platons Idealbild von Liebe, nur auf Männer bezogen war (jaja, die Athener !)steht es ausser Frage, dass Platons Diagnose der Liebe, wenn auch in Mythen getaucht, als Standard definiert werden kann !
    Ich bezweifele stark, dass "Zwei an einem Tag" in 2.300 Jahren noch erwähnt bzw. zitiert wird.
    Ich kann mich natürlich auch irren ;) !

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    Platon hat sicher seine Meriten wenn es um Erkenntnistheorie und Grundlagen der Philosophie geht. Aber praktische Lebenshilfe würde ich mir dann doch nicht von einem misogyn homosexuellen Nazi holen.

    Platon hat sicher seine Meriten wenn es um Erkenntnistheorie und Grundlagen der Philosophie geht. Aber praktische Lebenshilfe würde ich mir dann doch nicht von einem misogyn homosexuellen Nazi holen.

  2. Platon hat sicher seine Meriten wenn es um Erkenntnistheorie und Grundlagen der Philosophie geht. Aber praktische Lebenshilfe würde ich mir dann doch nicht von einem misogyn homosexuellen Nazi holen.

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    ...glauben Sie etwa, dass ein Standardwerk der Phillosophie auch nur ein Jota an Ironie beinhaltet ?
    Und wieso Nazi ?

    ...glauben Sie etwa, dass ein Standardwerk der Phillosophie auch nur ein Jota an Ironie beinhaltet ?
    Und wieso Nazi ?

  3. ...glauben Sie etwa, dass ein Standardwerk der Phillosophie auch nur ein Jota an Ironie beinhaltet ?
    Und wieso Nazi ?

    Antwort auf "Plato cum grano salis"
  4. ...Freundschaft bei jemanden den man begehrt oder begeht hat - das funktioniert sicher nicht...

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