VW-Betriebsrat "Zu 100 Prozent"
Der VW-Betriebsratschef erklärt die Solidarität mit Wolfsburgs Trainer.
© Stuart Franklin/Getty Images

Der Wolfsburger Trainer Felix Magath
Zwölf erfahrene Kicker hatte der Abteilungsleiter neu eingestellt, doch das Ergebnis nach einem halben Jahr fiel mager aus. Prompt wurden viele Neuzugänge wieder ausgemustert und acht neue Talente ins Team geholt, für schlappe 30 Millionen Euro. Würde ein Manager in den VW-Fabriken so mit seinen Leuten umspringen, wäre der Betriebsratschef des Konzerns wohl wenig amüsiert. Doch das Geschehen spielte sich beim VfL Wolfsburg ab, genauer in dessen Profifußballabteilung, die als eigene GmbH firmiert und von der Volkswagen AG gesponsert wird. Deshalb sagt Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch im Aufsichtsratpräsidium der Fußball GmbH sitzt: »Eine Fußballmannschaft kann man nicht mit einer Abteilung in der Produktion oder in der Entwicklung vergleichen.« Beim Profisport mit seinen meist kurzen und hoch dotierten Verträgen gelte: »Wer seine Leistung nicht bringt, muss damit rechnen, dass ein neuer Spieler seine Position übernimmt.«
Der Abteilungsleiter mit der unorthodoxen hire and fire-Personalpolitik heißt Felix Magath und ist Trainer und Geschäftsführer der Wolfsburger Fußballer in Personalunion. »Der gesamte Aufsichtsrat steht zu 100 Prozent hinter unserem Trainer«, betont Fußballfan Osterloh, alle personellen Maßnahmen seien mit dem Gremium vorher besprochen worden. Und im Aufsichtsrat wimmelt es von VW-Größen: Den Vorsitz führt Francisco Javier Garcia Sanz, der Einkaufsvorstand, hinzu kommen Finanzchef Hans Dieter Pötsch, Chefkommunikator Stephan Grühsem und eben Bernd Osterloh. Als sich die Presse über das muntere Wechselspiel des Felix Magath mokierte und andere Ligabosse öffentlich den Kopf schüttelten, sprang ihm Fußball-Aufsichtratschef Garcia Sanz per Interview im Fanmagazin Unter Wölfen bei: Der Vorwurf, Magath schmeiße das Geld von VW raus, sei unfair, befand er.
Dabei schwoll der VFL-Profikader auf mehr als 40 Spieler an, da kann selbst Liga-Krösus Bayern München nicht mithalten. »Unser Ziel ist es, im oberen Drittel mitzuspielen«, sagt Osterloh. Und da wollen die VW-Größen nicht knausern. Schließlich steht auch Konzernchef Martin Winterkorn voll hinter dem Trainer. Der Schwabe ist zwar ursprünglich Bayern-München-Fan, ihm ist aber auch der VfL Wolfsburg teuer, wenn Not am Ball ist. Als die Wölfe in der vergangenen Saison mit ihrem englischen Trainer abzusteigen drohten, griff er persönlich zum Telefon, um den gerade von Schalke geschassten Magath in die Autostadt zu lotsen. »Ich hab ihn gefragt, Felix, kannst du kommen?« Felix konnte.
Magath habe es in der vergangenen Saison geschafft, den Abstieg zu verhindern, sagt Osterloh. Und schließlich sei allen noch in Erinnerung, wie dieser den VfL im Jahr 2009 erstmalig zum Deutschen Meister gemacht habe. »Bei der Siegesfeier konnte man alle Cabrios und Roadster des Konzerns mit den Spielern auf allen TV-Sendern sehen«, erinnert sich der Betriebsratschef an den PR-Erfolg.
Am Ende gehe es beim VfL-Engagement vor allem um zwei Dinge, um Identifikation und Erfolg. Die Fußballmannschaft müsse zum erfolgreichen Unternehmen passen, erklärt Bernd Osterloh die Geduld mit dem ungeduldigen Trainer. Immerhin ist VW bei Autoverkäufen in Europa Erster und weltweit Zweiter. Auch das habe man nicht von heute auf morgen geschafft, sagt Osterloh, »und den einen oder anderen Spitzenspieler mussten wir auch bei VW austauschen, bevor der Erfolg einsetzte«. Er prophezeit: »Wenn es in den nächsten drei, vier Spielen gut läuft, wird die Kritik an der Einkaufspolitik schnell verstummen.«
Das erste Spiel der Rückrunde gegen Köln hat Wolfsburg knapp mit 1:0 gewonnen. Das Tor schoss allerdings keiner der neuen Millioneneinkäufe, sondern ein junger Spieler aus dem Wolfsburger Nachwuchs.
- Datum 28.01.2012 - 10:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.1.2012 Nr. 05
- Kommentare 4
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Herr Magath, übrigens aus meiner Sicht der erfolgreichste Trainer in der BL der letzten 10 Jahre, siehe auch die jetzigen Erfolge bei S04, hat doch wohl nicht nur die Aufgabe eine Gute Mannschaft zu formen, sondern auch über die internationalen Zukäufen in jeder Land Werbeträger für VW aufzubauen. Ein genialer Marketingschachzug!
"Ein genialer Marketingschachzug!" ??
Naja das möchte ich aber ernsthaft hinterfragen.
Wolfsburg ist im Niemandsland der Tabelle und zahlreiche
Spieler würden lieber heute wie morgen gehen.
Gleichzeitig wird der sportliche Manager in den Medien
eher als wunderlicher Austist beschrieben.
Magath scheint mehr den Beweis antreten zu wollen, das
Geld doch keine Tore schiesst.
Aus Marketing Sicht sollte VW das Abenteuer VFL eher
überdenken.
"Ein genialer Marketingschachzug!" ??
Naja das möchte ich aber ernsthaft hinterfragen.
Wolfsburg ist im Niemandsland der Tabelle und zahlreiche
Spieler würden lieber heute wie morgen gehen.
Gleichzeitig wird der sportliche Manager in den Medien
eher als wunderlicher Austist beschrieben.
Magath scheint mehr den Beweis antreten zu wollen, das
Geld doch keine Tore schiesst.
Aus Marketing Sicht sollte VW das Abenteuer VFL eher
überdenken.
"Ein genialer Marketingschachzug!" ??
Naja das möchte ich aber ernsthaft hinterfragen.
Wolfsburg ist im Niemandsland der Tabelle und zahlreiche
Spieler würden lieber heute wie morgen gehen.
Gleichzeitig wird der sportliche Manager in den Medien
eher als wunderlicher Austist beschrieben.
Magath scheint mehr den Beweis antreten zu wollen, das
Geld doch keine Tore schiesst.
Aus Marketing Sicht sollte VW das Abenteuer VFL eher
überdenken.
Tut mir ja furchtbar leid, aber ein Trainer sollte deutlich mehr sein als ein Investor.
Mit Millionen und Menschen zu jonglieren, mag der Aufsichtsrat ja in Ordnung finden, wer jedoch ein bißchen was von Sport oder von Menschenführung im Allgemeinen vesteht, weiß, dass Leistung nicht nur über den Geldbeutel entwickelt werden kann.
Das Verhältnis des Herrn M. zu seinen Spielern kann man nur als unterirdisch bezeichnen, ebenso sein Auftreten in der Öffentlichkeit. Sicher muss nicht Jeder ein Schwiegermuttertyp wie Klopp sein, aber betrachten wir die Leistung eines Lucien Favre: Mit einem Bruchteil des Wolfsburg-Budgets hat er aus einer designierten Absteigertruppe eine Spitzenmannschaft geformt - mit lächerlichem finanziellen Aufwand!
Der Volkswagen-Konzern tut gut daran, sich zu überlegen, wie ein derart astronomisches Budget auf die Käufer seiner Fahrzeuge wirkt. Mit jedem Golf, Passat oder Sprinter zahlt der Käufer x Euro an einen Fußballverein, der sich nun wirklich nicht rühmen kann, ausgesprochen populär zu sein.
Unpopulär mangels Historie, mangels deutscher Spieler - generell mangels Identifikationsmöglichkeit für seine Anhänger.
In meinen Augen ist der VfL Wolfsburg - ähnich übrigens wie die TSG Hoffenheim - kein Fußballverein, sondern eine durchkalkulierte Sportgesellschaft ohne Herzblut, ohne Typen und ohne Charakter.
"Herr Magath, übrigens aus meiner Sicht der erfolgreichste Trainer in der BL der letzten 10 Jahre, siehe auch die jetzigen Erfolge bei S04,"
Aus meiner Sicht ist Magath einer der am meisten überschätzten Trainer der letzten 10 Jahre. Trainingsmethoden von Anno Knack, Menschenführung Fehlanzeige. Er schafft es vielleicht, aus einer Mannschaft wie dem VFL Wolfsburg eine Saison das Letzte rauszuholen, was dann in einer Meisterschaft endete (Respekt!), aber zurück bleibt eine völlig ausgelaugte Mannschaft, die Mühe hat, die Klasse zu halten. Und mit Bayern Meister und DFB-Pokal Sieger zu werden ist jetzt kein Hexenwerk.
"Wer seine Leistung nicht bringt, muss damit rechnen, dass ein neuer Spieler seine Position übernimmt.«"
Das sollte natürlich auch in der Arbeitswelt gelten, lieber Herr Osterloh! Ansonsten haben Sie ein komisches Verständnis, wie man ein erfolgreiches Unternehmen führt.
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