Gentrifizierung : Neue Spießer

Warum die übliche Kritik an der Gentrifizierung provinziell ist und zu nichts führt.
Zwei Wohnhäuser in der Rykestraße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg © Sean Gallup/Getty Images

Nun ist also auch Hannover-Linden bedroht. Ein ehemaliger Fahrradladen steht vor dem Abriss, neue Mietwohnungen sollen dort entstehen – und deshalb wurde das Gebäude besetzt. Man will ein Zeichen setzen, gegen die »Gentrifizierung«, gegen die schleichende Aufwertung des Viertels, die steigenden Mieten und die Verdrängung der alteingesessenen Bewohner. Linden-Nord als hipper, subkultureller Arbeiterstadtteil – so sagen es die Gentrifizierungsgegner – könnte bald Geschichte sein. Deshalb muss das alte Haus, dessen Abriss aus ökologischer Perspektive durchaus sinnvoll wäre, mit allen Mitteln erhalten bleiben.

Unterdessen ist das Haus wieder geräumt, doch weiterhin wird protestiert, in Hannover wie auch in vielen anderen Städten. Inzwischen kursieren im Internet sogar Gebrauchsanweisungen für einen gezielten Widerstand gegen die Gentrifizierung. Der »Abwertungskit« macht es vor: Man stelle den eigenen Balkon mit überfüllten Wäscheständern zu, schraube Satellitenschüsseln an die Fassaden, simuliere kaputte Fensterscheiben und laufe mit Lidl-Plastiktüten durch die Straße. Dazu ein paar gefakte Aushänge, die wahlweise über die Sorge vor Jugendkriminalität oder den entlaufenen Pitbullterrier informieren – und fertig ist die effektive Abwertung von Quartieren als eine Art Gentrifizierung von unten. Weniger amüsant sind dabei Vorschläge wie das Auslegen von Spritzbesteck auf Kinderspielplätzen sowie Angstkampagnen gegen vermeintliche Gewalt. Doch der Zweck, die verhasste Kleinfamilie und die Neureichen möglichst nachhaltig zu attackieren, scheint hier die Mittel zu heiligen. Eine Kultur der Abwertung soll schließlich zur Verdrängung der wohlhabenderen Bewohner führen.

Diese Art von Gentrifizierungskritik steckt nicht nur voller Ressentiments, sie erweist sich auch als überaus konservativ. Die selbst ernannten Aktivisten warnen vor Veränderungen, betonen den Wert des Althergebrachten, also der »Tradition«, und fordern den »Erhalt«. Dabei ist streng genommen der Hype um bestimmte Quartiere in Kreuzberg, Linden oder St. Pauli erst durch die kulturelle und szenische Aufwertung der Stadtteile durch viele der heutigen Gegner der Gentrifizierung möglich geworden. So gesehen sind die Stadtteilaktivisten zugleich Modernisierer und Modernisierungsgegner, sie sind Täter, die sich als Opfer gerieren. Ihre Angst vor dem Verlust des Bestehenden, ihr Beharren auf räumlich akzentuierter »Identität«, ihr Pochen auf narrativ überlieferte Stadtteilkultur ist zutiefst provinziell und lokalistisch.

Andreas Thiesen

, Jahrgang 1979, ist Sozialwissenschaftler und lehrt an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Holzminden

»Lieber besetzen wir Häuser als andere Länder«, hieß es auf einem Transparent an dem besetzten Haus in Hannover-Linden. Nur leider taugt der Hausbesitzer nicht zum Feindbild, er besitzt keinen Porsche Cayenne, ihm liegt auch kein Immobilien-Imperium zu Füßen. Er ist iranischer Zuwanderer, der sich von seinem Ersparten einen Lebenstraum erfüllen und selbst Vermieter in jenem Stadtteil werden will, in dem er seit Jahrzehnten mit seiner Familie lebt. Unter kultursensiblen Vorzeichen könnte jenes Transparent daher ebenso gut als xenophobes Ressentiment gegen den Eigentümer selbst gelesen werden – auch wenn dies sicher nicht in der Absicht der engagierten jungen Menschen liegt, die sich selbst zur »linken Szene« zählen und sich in Interviews wie urbane Zapatisten inszenieren.

Im Grunde handelt es sich bei den Praktiken der neuen Stadtteilbewegungen um Symptome verkürzter Kapitalismuskritik. Welchen emanzipatorischen Gehalt haben Farbbeutelanschläge auf eine Subway-Filiale im Kreuzberger Wrangelkiez? Urdeutsch scheint die Angewohnheit, Tante Emma gegenüber Uncle Sam den Vorzug zu lassen; dabei sind es häufig die verbliebenen Kneipen der alteingesessenen Deutschen, die als Brutstätte des gepflegten Ressentiments bezeichnet werden können.

Das Erkämpfen sogenannter Freiräume im Kapitalismus war schon immer eine Illusion. Es gibt keine subkulturellen Nischen, zumindest keine, deren Gesellschaftskritik den inneren Zirkel einiger Ausgewählter verlassen würde. Man macht es sich gemütlich in seiner Wagenburg. Doch wer sich gegen jede Art von Veränderung und Fortentwicklung sträubt, der wird auch blind für mögliche Chancen und Alternativen, für bislang nur selten erprobte Formen der Einmischung, die eine emanzipatorische Perspektive eröffnen könnten. Zu denken wäre zum Beispiel an das Spiel mit Normen und Zeichen, wie es bereits die Situationisten erfolgreich praktiziert haben und wie es in der kritischen Architektur seit einigen Jahren wieder zur Anwendung kommt. Davon abgesehen wäre es reizvoll, die üblichen Praktiken subversiver Intervention auch in Wohnvierteln der Mittelklasse, also in unaufgeregten Stadtteilen, als umgekehrte Gentrifizierung zu erproben. Dies würde jedoch bedeuten, die eigenen Aktionsformen zu hinterfragen und den Stadtteil als antikapitalistischen Schutzhort aufzugeben.

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Kommentare

143 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Gentrifizierung ist sinnloser Thrill-Kauf

Jede Generation hat so ihre Träume.

Früher waren es Schrebergarten und Reihenhaus, heute sind es Loft oder Altbauwohnung.

Wirklich schlimm an Spießigkeit ist die Unfähigkeit, sie früh genug zu erkennen.

http://is.gd/4txEc9

Dann sitzen die Braven in ach so coolen Medienjobs und saniertem Altbau...... und sind wie ihre Eltern geworden. Und erst ihre Kinder werden es ihnen erklären.

Warum also jammern über Gentrifizierung? Wenn es brav, sauber, langweilig wird - dann ist es Zeit weiterzuziehen.

Sorry, ein cooles Leben lässt sich nicht kaufen.

Hahahaha

Das Bild mit den renovierten und nicht renovierten Häusern?

Wieso USA? Das linke Haus ist bewohnt von Eigentümern, die es sich leisten können.
Das rechte Haus ist von Mietern bewohnt, deren Einkommen und sozialer Status wesentlich geringer ist und der Vermieter kann oder will nix machen.
Und warum USA ? Das ist in deutschen Grossstädten doch Realität.
Oder gibt es tatsächlich Menschen hier die ihre Möglichkeiten Geld zu verdienen und ihr Lebensumfeld "edel und schön" zu gestalten für jedermann möglich halten? Das wären dann die wahren Illusionisten.

Was ist denn die Alternative?

Die "armen" Viertel den Armen zu überlassen und sich nur unter Seinesgleichen niederzulassen? Dann werden dieselben Personen, die jetzt gegen Gentrifizierung kämpfen, sich gegen die Ghettoisierung ihres Viertels zu Wehr setzen wollen. wir haben in deutschland ja immerhing ein Mietrecht, dass es gerade den alteingesessenen Mietern ermöglicht, zu relativ stabilen Mieten in ihren Wohnungen bleiben zu können.

"Narrativ und lokalistisch"?

Gentrifizierung ist schlicht Ungerechtigkeit. Menschen die finanziell schwächer sind werden gezwungen ihre Wohnungen zu verlassen. Aus der eigenen Wohnung gedrängt zu werden ist keine Kleinigkeit, sondern geht an die existenzielle Substanz.
Man muss sein Lebensumfeld verlassen, weil Reichere meist die Atmosphäre von Altbauvierteln geniessen wollen, die für Jung und Alt die vorher dort gewohnt haben aber Heimat waren, und Schutz boten. Unser Gesellschafts-System sieht schlicht keinen ausreichenden Lösungen vor um diesen Menschen einen Verbleib zu ermöglichen. Erstens weil sie nicht im selben Maße geschätzt werden wie die Akademiker und Erben die sie verdängen, und zweitens weil dieser Marktmechansimus quasi als Naturgesetz akzeptiert, Und hier wird versucht diesen Horror für die Betroffenen mit schöngeistigen Floskeln und albern verallgemeinerten Sonderfälllen, wie dem "Iraner der sich einen Traum verwiklichen will" zu zerreden.

Niemand verlangt eine Wohnung, die nichts kosten darf ...

aber wenn ich mit einem - laut Spiegel - durchschnittlichen Angestelltengehalt jetzt schon fast die Hälfte für Miete zahle und regelmäßig die Miete erhöht werden darf, frisst das einen irgendwann auf. Wenn man über Jahre Geld in eine Mietwohnung gesteckt hat (selber schuld?) weil der Vermieter nichts investiert - muss er auch nicht - aber die nächste Mieterhöhung damit begründet - irgendetwas muss er ja schreiben - er muss die Wirtschaftlichkeit des Objektes erhalten? Wenn die Minirente kommt, zieht man in die Randbezirke, man brauch ja dann keine Geschäfte mehr in der Nähe, man geht ja dann eh kaum noch raus. Zyniker wissen auch auf meine Zeilen eine Antwort.

Um meinen Beruf ausüben zu können,

mußte ich in zwanzig Jahren fünfmal umziehen (und zwar von Stadt zu Stadt, nicht innerhalb derselben Stadt!), und da gibt es bestimmt noch andere, bei denen das noch häufiger der Fall war. So ganz ohne war das auch für mich nicht unbedingt.
Gibt es ein Menschenrecht darauf, sein ganzes Leben in ein und derselben Wohnung verbringen zu können? Noch dazu in einem Viertel, daß sich nicht ändern darf (weil man dann ja sein vertrautes Umfeld verlieren würde)? Mit immer denselben Nachbarn (weil man sonst seine vertrauten Kontakte einbüßen würde)? Irgendwo muß mal ein Punkt gemacht werden. Das Recht der Ureinwohner steht dann nämlich gegen das Recht der anderen, sich niederzulassen,wo es ihnen beliebt. Wir haben doch in diesem Land glücklicherweise Freizügigkeit.

Wenn die Mietpreise auf einmal total explodieren...

...kann ich schon verstehen, dass da eine gewisse Wut aufkommt. Vor allem, wenn das auf Investoren zurückzuführen ist, die nichts mit der jeweiligen Stadt zutun haben.
Aber Sie haben schon auch Recht. Eine Recht auf einen Stadtteil, der sich nicht verändert hat niemand. Wenn man von explodierenden Mietpreisen in Berlin schreibt muss man fairerweise auch mal dazu schreiben, dass man bis vor sieben, acht Jahren im Zentrum unserer Hauptstadt billiger leben konnte, als in einer Kleinstadt in Bayern. Ich hatte vor fünf Jahren eine 60 m²Wohnung in Berlin Friedrichshain mit Terrasse bezogen. Warmmiete 450 Euro. Sowas finden Sie in keiner anderen Großstadt. Man lebt heute in Berlin noch billiger als z.B. in Regensburg. Die Zeiten, in denen man eine Wohnung mit Spreeblick in Kreuzberg hat und dafür weniger zahlt als in einem Dorf im Süden.... die sind nunmal vorbei, schade eigentlich. Nach der Wende standen so viele Wohnungen im Osten leer, weshalb sie sehr billig vermietet wurden. Wenn wirklich jemand dachte, dass das jetzt die nächsten 100 Jahre so bleibt, den jagt die Weisheit, aber er ist schneller...
Und auf stabile Mieten über Jahrzehnte hinweg hat auch niemand ein Anrecht - vor allem nicht in einer Stadt, in welcher die Bevölkerungszahlen wieder steigen.

gewagte These

so meine ich:"Doch wer sich gegen jede Art von Veränderung und Fortentwicklung sträubt, der wird auch blind für mögliche Chancen und Alternativen,"
Die Frage ist mM nach nicht, ob man sich gegen jede Art von Veränderung sträubt, sondern inwiefern man selbst Veränderung bestimmen kann.
Warum ist es antiemanzipatorisch, wenn man bestimmte Arten von Veränderungen ablehnt, stattdessen in seinem Lebensstil anderen Veränderungen zustimmt oder aktiv forciert.
Gestern habe ich gehört, dass Jobcenter bei Mieterhöhungen den HARTZ.IV-Beziehern nahelegen, diese Mieterhöhungen selbst zu tragen oder umzuziehen. Die Mieterhöhung beläuft sich auf eine Summe, die nunmehr ca. 7,-Euro des gesetzlich festgelegten Mietzuschusses übersteigt. Überall steigen Mieten. Es gibt dazu kein gegenläufiges Phänomen. Wie und wo sollen also Leute hin, die einfach nicht mehr verdienen oder auf Transferleistungen angewiesen sind.
Der Drang nach Veränderungen und dies als emanzipatorisch zu deklarieren ist ziemlich blauäugig, wenn es für einige oder viele tatsächlich schlicht Verdrängung bedeutet.
Veränderung würde in diesem Fall vielleicht einfach nur bedeuten, dass mehr gearbeitet werden muss oder eine andere Arbeit genommen werden muss, gegebenenfalls mit der Konsequenz weniger Lebenzeitraum für eigene Ziele zu haben. Was genau findet der Autor daran emanzipatorisch?

Man gewinnt immer, wenn man mehr zahlen kann...

wer sollte dagegen auch etwas tun?

Wenn ein Mieter auszieht nach beispielsweise 40 Jahren, wie es im Alter oft geschieht, wird die Wohnung oftmals erstmals vollkommen renoviert. Alles raus gerissen, neue Elektrik, neue Heizung, neuer Fussboden, neue Fenster, manchmal werden zwei kleine auch zusammen gelegt, weil heute mehr Platz gewünscht wird als noch in den 60ern... und dann wird die Wohnung wieder vermietet, kostet natürlich mehr.

Wer erwartet da noch die gleichen Mieter zu finden, die zuvor nicht gekündigt wurden, allerdings auch nichts einbrachten.

Ich halte das für eine sinnvolle Entwicklung und gehe gehe nicht davon aus, dass sich jemand nach Komfort und Lebensqualität der nicht renovierten Altbauten tatsächlich zurück sehnt.

Das ist keine Bastelei, was ich beschrieb, ...

sondern eine Grundsanierung und Aufwertung einer Wohnung, die sich jeder Vermieter auch bezahlen läßt. Das sind neue, hochwertige Standards und das ist das, was sich vermieten läßt und Geld bringt.

"Emanzen, die sich einbilden mit Geld und Katze ein Kulturleben wie im alten Film ankaufen zu können" - danke für das Bild, das nun aber sehr schön von den jungen gut verdienenden Familien abweicht, die bisher als die neuen Bewohner ausgemacht wurden

Für "Verlogene und verlorene" halte ich diese Menschen nicht, die sich eine auf sie angenehme Umgebung suchen, dort sagen, was sie wollen und ihre Möglichkeiten offen legen. Das nennt sich Wohnungsmarkt, soweit ich weiß.

Sieht in der Realität anders aus

Und warum ziehen dann Eltern nach Kreuzberg/Friedrichshain und Neukölln? Diese Stadtteile sind nicht gerade als Gewaltfrei und Kinderlieb bekannt.
Warum ziehen diese Eltern nicht nach Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg etc? Diese Eltern ziehen in die Abgewrackten Stadtteile und wegen ihnen werden diese renoviert.
Sie hätten aber gar keinen Grund dorthin zu ziehen. Zumal es Stadtteile sind welche schon renoviert und spießig sind, quasi wie geschaffen für ihr Neugeborenes.
Und es wird sich nicht über die beschwerrt die dort schon wohnen und dann Kinder bekommen. Das Problem sind die Eltern die dort hinziehen, da bei jedem Neueinzug die Mieten um mehrere Prozente steigen.
Ihr Argument ist demnach etwas Realitätsfern und die Redaktionsempfehlung zeigt das scheinbar nicht bis zum Ende gedacht wurde.

Höchststrafe Kind?

Also, haben Sie Kinder? Ich denke nicht. Wenn Sie welche hätten wüssten Sie, dass das Leben mit Kindern nicht vorbei ist. Meine Frau ist 24 und hat vor zwei Mon. unseren Sohn geboren... warum sollen wir jetzt in einen spießigen Randbezirk ziehen? Woher wissen Sie, dass meine Frau in dem Moment, in dem ihr Kind ihren Körper verlassen hat, spießig geworden ist? Nachdem wir jetzt nicht mehr so das Nachtleben genießen können, sollen wir also auch noch von unseren Freunden wegziehen, so dass die um uns zu besuchen, noch weiter fahren müssen?

Hört doch endlich auf hier das Märchen von der jungen Familie, die sich ihren Schrebergarten anlegen will, zu erzählen. Nur weil man ein Kind hat wird man doch nicht automatisch zum "Bunte" Leser, der sich über jeden Spaß nach 20 Uhr tierisch aufregt - das ist doch alles nicht wahr.

Wissen Sie, was ich spießig finde - wenn sich Leute nurnoch über andere Leute aufregen. Wenn der Kopf rot wird, sobald man mal ein Mittelklasseauto vor der Wohnung parken sieht. Leute, die sich über Subway beschweren, weil das nicht in ihr Stadtbild passt - am besten beschreibt es ein Plakat, das man im Prenzl. Berg findet "Wir sind ein Volk - ihr seit ein anderes"... davon abgesehen, dass es schon etwas faschistisch ist, ist so etwas durch Spießigkeit nicht mehr zu übertreffen.

Antwort

Wenn Sie bis zum Ende gelesen hätten wüssten Sie das ich nicht davon sprach wegziehen zu müssen. Die Mieten steigen dadurch das man neu einzieht. Wenn man neu irgendwo hinzieht kennt man meistens noch niemanden. Desweiteren Sprach ich nicht davon Menschen in irgendwelche Randgebiete abzuschieben. Es gibt immer innerhalb dessen was man Stadtmitte nennt Bezirke welche teurere Mieten aufweisen und welche die billige Mieten aufweisen. Und dummerweise werden aber Menschen welche sich teure Mieten nicht leisten können in Randgebiete abgeschoben wo die Mieten günstiger sind.

Noch was...

Und wenn ich dann in meinem Kiez bleibe, wird eine Wohnung frei und eine andere wird von mir benutzt.
Das der VERMIETER das zum Anlass nimmt, jetzt die Preise zu erhöhen ist eine andere Geschichte und ist nicht meine Schuld.

Mir geht es doch nicht darum, Mietpreisexplosionen zu rechtfertigen... unter denen leide ich genauso wie andere Leute in meinem Kiez.
Es geht mir nur darum, dass man vielleicht endlich mal die Augen aufmacht und nicht immer auf den Familien rumhackt.

Antwort

Mein Name ist Hase und ich weiß von nix!?
Ich investiere in Rüstungsfonds, das mit dem Geld Waffen gebaut werden dafür kann ich ja nichts...
Was ist das für eine Argumentation?
Man ist sich der Konsequenzen des eigenen Handelns doch wohl bewusst? Sicherlich kann man drauf scheißen das andere jetzt mehr Zahlen oder es eben auch nicht mehr Zahlen können.
Einigen Menschen ist das aber nicht egal, z.B. weil sie direkt dadurch betroffen sind. Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn mehrere Menschen ihre dicken Gehaltsnachweise auf den Tisch des Vermieters hauen weiß dieser das er die Wohnungen trotzdem noch vollbekommt wenn er die Mieten erhöht. Soviel Nächstenliebe besitzen viele dann aber nicht 15 min weiterzuziehen. Ich will auch keinen dazu zwingen Menschen Ghettoartig zuzuordnen. Allerdings regt mich diese Erhabenheit vieler, das Ihnen jetzt das Stadtteil gehöre und sie nicht auchmal einen Schritt kürzer treten können, auf. Sie sollten nämlich nicht so tun als träfe sie keine Schuld. Für Mietkosten sollte es meiner Meinung nach übrigens schärfere gesetzliche Regelungen geben, aber naja.

Die Konsequenz des eigenen Handelns?

Also, wir sprechen hier über die begehrtesten Lagen. Wir sprechen vom Zentrum von Großstädten. Aber nein, soviel Nächstenliebe hat niemand, dass er Arbeitend in die Randbezirke zieht und doch die Wohnungen an der Spree den Hartz IV Beziehern überlässt? Ja, so sieht Gerechtigkeit aus. Student, jung, billig wohnen, aber bitte im Zentrum.
Und die Leute, die uns das Bafög zahlen, sollen sich bitte verziehen, sobald sie fertig sind.

Ich finde auch, dass sich die Mietpreise stärker geregelt gehören, dann hätten wir nämlich diese blöde Diskussion nicht.

Sie suchen sich eine Wohnung doch genauso aus wie ich und andere es tun. Sie schauen in die Zeitung unter dem Stadtteil, den sie wollen. Und dann suchen Sie sich etwas, was Sie sich leisten können. Und dann gehen Sie zum Besichtigungstermin. Und wenn ihnen die Wohnung gefällt, fragen Sie erstmal, ob jemand da ist, der noch ärmer ist als Sie, um dann zurückzutreten? Dieses "bischen" Nächstenliebe (es geht hier immerhin um nichts Geringeres als die vier Wände, in denen man die nächsten Jahre lebt).
Nein, es wäre selbstverständlich mit gesenktem Haupt in eine spießige Gegend, deren Durchschnittsalter jenseits der 60 liegt zu ziehen, obwohl man sich damit hinten und vorne nicht identifizieren kann. Mein Gott, ich habe schon viel Heuchlerei gelesen - aber was Sie hier von den Menschen verlangen und als selbstverständlich hinstellen, übersteigt sogar die kommunistischten Ideen die man sich denken kann.

Antwort

Schön das sie mir das Wort im Mund verdrehen und mit ihrer eigenen Interpretation meines Gesagten Argumentieren. Eigentlich will ich ja nicht 100 mal das gleiche sagen aber naja. Beispiel Berlin, Bezirke im Zentrum: Mitte/Fhain-XBerg/Tempelhof-Schöneberg/Neukölln/PBerg/Charlottenburg/Tiergarten, überall fährt man mit den Öffentlichen nicht länger als 30 min um eines dieser Stadtteile zu erreichen, von daher NICHT Abgelegenes Stadtteil. Durchschnittsalter? Überall nicht jenseits der 60.
Menschen die diese Bezirke bewohnen? Ostberlin + Xberg&Neukölln eher ärmlichere Verhältnisse. Schöneberg, Charlottenburg z.B. eher wohlhabende Verhältnisse. Hätte ich ein Monatseinkommen von 2000-8000 würde ich garantiert nicht nach FHain ziehen. Ich würde nicht zurücktreten ich würde mich erst gar nicht umsehen. Ich würde in die Nähe des Nollendorfplatzes ziehen und wenn ich mal einen Club besuchen möchte oder in eine "alternative" Bar gehen will mit der U1 15 min an die Warschauer fahren. Ich würde NICHT an den Boxhagener ziehen und mich DANN über die nervigen Bars beschwerren nur weil ich dann 5 statt 15 min brauche und meinen tollen Freunden außerhalb von Berlin erzählen kann das ich jetzt im "Szenekiez" wohne und ich den alternativen Lebensstil pflege.
Um mal ein wenig Zynisch zu werden: ich ziehe auch nicht an den Nil, bau mir ne Villa weil die Sonne so schön scheint und das Wasser so schön ist. Was interessieren mich denn die Menschen dort die kein Geld haben.

Sie ergreifen das Wort für Menschen, die Sie garnicht kennen

Sie sagen, dass diese Menschen dort hinziehen, obwohl sie die bis dahin dort lebenden Menschen nicht interessiertn. Woher wissen Sie das? Das ist ein Dogma. Leute, wie intolerant seit ihr denn, dass ihr den Menschen unterstellt, dass sie nur mit anderen zusammen leben können, die +/- 500 Euro das gleiche verdienen. Ich habe bis vor kurzem mit zwei Studenten in einer WG gelebt, es war super. Es ist schon komisch, dass die Leute die vorgeben, dass ihnen Geld nicht wichtig ist, doch irgendwie alles darauf reduzieren.
Sie schreiben, dass diese Leute ihren Freunden außerhalb von Berlin erzählen, dass sie in einem tollen "szenigen" Bezirk leben. Woher wissen Sie, dass das der Grund ist? Für wie dumm halten Sie diese Leute, dass sie ihr Leben in einem Bezirk verbringen, in dem sie nicht leben wollen nur um alle drei Wochen wenn Sie mal heim fahren am Stammtisch auf die Kacke hauen zu können?

Unterm Strich übertreibe ich genauso wie Sie das tun. Die Tatsache, dass man die Wunschwohnung nicht bezieht, nur weil man jetzt etwas mehr verdient als manche andere und sich theoretisch eine Wohnugn wo anders leisten könnte, wo man aber definitiv nicht leben will finde ich illusorisch. Und wenn ich von etwas mehr verdienen schreibe, meine ich das so. Wir reden hier nicht von Menschen, die dicke Mercedese fahren. Ich schaue oft auf dem Weg von der Arbeit nach Hause (ich fahre da durch XBerg und FHain) wieviele Nobelkutschen ich da sehe... es sind ganz wenige.

Also, wenn ich das jetzt richtig

verstanden habe, dann mache ich das einfach mal: Herzlichen Glückwunsch. Auch an die Mutter.

Ich bin noch vor der Geburt meines ersten Kindes aus dem Szenestadtteil ausgezogen, andere sind dort mit ihren Kindern geblieben. Es sind vielleicht auch Mentalitäten, die eine Rolle spielen. Mich hat der Lärm und Krach gestört und da ich das Leben, wie es war, vor der Geburt, dort so genossen habe, wie es war, würde ich nicht auf die Idee kommen, dass sich das Viertel jetzt gefälligst meinen neuen Umständen anzupassen hat.
Die Zeit war für mich einfach rum.
Und wenn hier, wo ich jetzt schon so lange lebe auch endlich das Haus saniert wird, was dieses dringendst nötig hätte, weiß ich nicht, ob ich mir das noch leisten kann und bin schon jetzt traurig darüber.

Nicht wirklich Ahnung

@Tara Einzelstein: Sie haben aber auch nicht wirklich Ahnung oder? Gucken sie doch mal über den Tellerrand.

Kaufen sie doch in Deutschland mal ein Haus mit Ende 30/Mitte 40, wenn sie endlich genug angespart haben für das Eigenkapital.
Und wenn sie viel Glück haben, haben sie das bis zur Rente abbezahlt.
(Und wenn sie noch mehr Glück und ein gutes Händchen haben, dann haben sie vielleicht auch Mieter die keine Mietnomaden sind oder ihre Miete nicht zahlen).

Natürlich gibt es Immobilienhaie und -spekulanten, aber es gibt auch genug andere, die sich ein Haus mit Mietwohnungen als Altersvorsorge kaufen.

(Als Ex-Lindenerin finde ich, es gibt so einige Schmuddelecken, denen etwas mehr Sauberkeit auch nicht schlecht zu Gesicht stehen würde ;-))

Das kann man nicht digital bewerten.

Vielen Dank, Sie haben es richtig verstanden :-)

Also, das kann man nicht mit ja/nein bewerten. Direkt am Boxhagener Platz, in der Simon Dach Straße etc. will ich jetzt mit Kind nicht wohnen. Das würde mir wohl auch weh tun, wenn all der Spaß an mir vorbei geht :-/
Aber die Bezirke Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzl. Berg, Neukölln machen doch schon bald halb Berlin aus. Und nach Rummelsburg will ich noch nicht ziehen... das ist mir einfach für 30 Jahre doch etwas zu ruhig.

Dann wünsch ich eine unkomplizierte Geburt, Gesundheit und starke Nerven :-)