GesellschaftskritikÜber Tattoos

Der Arm von Schauspielerin Megan Fox

Der Arm von Schauspielerin Megan Fox

Justin Bieber ist 17 Jahre alt. Schon zu seinem 16. Geburtstag hatte sich der kanadische Popstar auf seine schmalen Rippen »Jesus« in hebräischen Schriftzeichen tätowieren lassen. Vielleicht war das für die meisten Leute zu unverständlich. Jetzt prangt ein Porträt von Jesus auf seiner linken Wade.

Es gibt keinen Namen für diese Art von Tattoo, deshalb taufen wir es jetzt das Gesichts-Tattoo (obwohl unter diesem Stichwort bei Google beängstigende Bilder erscheinen). Die Gesichter, die da gestochen werden, gehören meist zu religiös verehrten Personen – und sind erstaunlich populär: Megan Fox trägt Marilyn Monroes Porträt auf dem Unterarm. Maradona ließ sich Che Guevara auf die Schulter und Fidel Castro auf die Wade tätowieren (sollte er seinen Wunsch wahrmachen, bald auch Hugo Chávez’ Gesicht auf seinem Körper zu verewigen, wird er wie ein Panini-Album lateinamerikanischer Politiker aussehen). Der Bremer Verteidiger Naldo trägt den gekreuzigten Jesus auf dem Rücken. Ein Borussia-Dortmund-Fan ließ sich neulich das Gesicht von Trainer Jürgen Klopp stechen. Was wie ein mutiges Bekenntnis aussieht, ist ja in Wahrheit auch eigennützig. Man verbindet sich für immer mit seinem Idol und lässt so einen Teil von dessen Ruhm auf sich abstrahlen: Bin ich nicht so sexy wie Marilyn, ein Krieger für die Gerechtigkeit wie Che, mitreißend wie Klopp oder werde verehrt wie Jesus?

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Problematisch ist das natürlich dann, wenn der Mythos noch lebt und man ihn nicht unter Kontrolle hat. Wie wird der BVB-Fan dastehen, sollte Jürgen Klopp eines fernen Tages Trainer von Schalke 04 werden? Da macht man es besser wie der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar: Er ließ sich das Gesicht seiner damaligen Freundin Franziska van Almsick auf die Wade tätowieren, aber nicht mit Badekappe, sondern als Gottesmutter stilisiert. Sehr klug – denn als er zu seiner Exfrau namens Maria zurückkehrte, passte das Tattoo immer noch, zumindest so ungefähr. Am besten ist es, wenn der Porträtierte schon tot und sein Mythos einigermaßen dauerhaft ist. Da ist Justin Bieber wohl auf der sicheren Seite. Allerdings könnte ihn und seinen Jesus ein anderes Problem ereilen: dass die Grundlage, also der Körper, sich verändert. Che Guevara und Fidel Castro haben auf Maradonas Körper schon Backen bekommen. Wie wird es wohl aussehen, wenn Justin Bieber irgendwann ein Mann wird und seine Wade haarig? Sein Jesus wird das ertragen müssen.

 
Leserkommentare
    • essilu
    • 27.01.2012 um 17:59 Uhr

    ...sind übrigens die Tätowierungen von Sträflingen in den nicht von ungefähr berüchtigten, russischen Gefängnissen. Das wäre auch einmal eine Reportage wert.
    Zum Thema Tattoo, hier ein kleiner Tipp aus YouTube:
    Go Beyond The Cover (2:53 min.)

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