Hoteltest Voll auf die Zwölf

Art déco im Hochgebirge – das Kärntner hotel12 vereint Ski und Chic

Köstliche Jause und künstlerische Foto-Collage in der Lobby des Kärntner hotel12

Köstliche Jause und künstlerische Foto-Collage in der Lobby des Kärntner hotel12

Vor mir steht Marc Giradelli. Nackt. Fast neben ihm steht Franz Klammer. Auch nackt. Ein bisschen weiter rechts steht Claudia Strobl-Traninger, leicht nach vorn gebeugt, als würde sie im Schuss die Piste herunterjagen. Natürlich nackt. Alle drei lächeln einem in der Lobby des Kärntner hotel12 entgegen, und sie verbreiten echt gute Laune. Anrüchig sind die lässigen Posen der Skisportler keineswegs. Denn erstens werden ihre nicht jugendfreien Partien von Skimützen oder Schals oder sonst was bedeckt, und zweitens posieren die Österreicher für eine zwölf Meter breite Schwarz-Weiß-Fotocollage, die als Kunstwerk die rechte Wand im Eingangsbereich dieses seriösen Hotels bedeckt.

Eine nicht ganz so gute Figur gibt man hier selbst ab. Jedenfalls nach einer Anreise mit dem Zug der Deutschen Bahn: München–Bodensdorf, schneeweißes Kärnten, die Heizung defekt. Die Nase läuft, die Schultern kleben noch immer an den Ohren; und die beginnen am Kamin in der Lobby blutrot zu leuchten. Es ist ein Kaminofen mit großer, fast quadratischer Glasscheibe, ein Archetyp der Bergwelt genauso wie die schlichte Holzbank, auf der ein Schafsfell liegt.

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Nicht kalt lässt den Besucher auch die übrige Einrichtung. Denn was immer hier steht und liegt und hängt, ist im Stil wild gemixt und verlangt ihm eine Haltung ab. Die Sessel im vorderen Bereich der Lobby beispielsweise, Art déco, silberne Armlehnen, Sitzflächen aus Fell: sehr hübsch! Oder die Birkenholzscheite, die mit Packbändern zu einem runden Tisch zusammengeschnürt sind: zu provisorisch! Oder das an einigen Stellen nicht verputzte Mauerwerk, etwa über den Türbögen: fast kunstvolle Reminiszenzen an eine Zeit, als das hotel12 noch ein schäbiger Berggasthof war, mit Eimerchen auf den Frühstückstischen und karierten Tischdecken aus Polyamid.

Das Einzige, was an diesem Haus schon immer stimmte, war seine phänomenale Lage oberhalb des Ossiacher Sees in 1.750 Meter Höhe. Das erkannte auch Walter Junger, der als General Manager bereits Häuser wie das Berliner Hotel Ritz Carlton geleitet hat. Er kaufte das Anwesen, ließ riesige Fenster einsetzen und die Fassade mit weißem Putz und Holzschindeln versehen. Der Name war schnell ausgemacht: Das hotel12 liegt an der zwölften Serpentine, zwölf Künstler aus Berlin, Shanghai, Österreich und den USA haben die zwölf Zimmer mitgestaltet.

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Jedes von ihnen steht im Zeichen des chinesischen Tierkreises. Man erreicht sie durch ein etwas uncharmantes Treppenhaus, in dem sich die Bücher der hauseigenen Bibliothek wahllos auf dem Steinboden stapeln. Dann blicken einem schon Hase, Schlange, Schaf oder Büffel von den Türen entgegen. Im Büffelzimmer steht Gott sei Dank kein ausgestopfter Büffel, sondern ein Art-déco-Sessel mit Fell. Es gibt ein kleines Bad, aus dem man durch eine Scheibe ins Zimmer blicken kann (aber nicht umgekehrt!), und ein Bett mit herrlicher Decke aus Entendaunen. Über dem Bett hängt das Bild Bergkette im Mondschein, ein schwarz-weißes Porträt einer Landschaft, die auch ein liegender Frauenkörper sein könnte oder umgekehrt. Weniger dankbar fällt das Auge auf ein paar andere Dinge, die so gar nicht in dieses Zimmer passen. Etwa die fipsigen Rollos über den Fenstern, die wohl noch aus dem alten Gasthaus oder von Ikea stammen.

Man lässt sie ohnehin am besten oben, um den Blick aus dem Fenster genießen zu können. Am schönsten ist er kurz nach dem Aufwachen, wenn der Ossiacher See in Eiseskälte ruht und dahinter die schneebedeckte Bergkette von der Morgenröte in Flammen gesetzt wird. Draußen hört man dann bereits die ersten Skifahrer. Sie starten direkt von der Terrasse aus und kehren zuweilen erst am Nachmittag wieder ein, strecken ihre müden Knochen noch in der Sauna, um sich schließlich beim Dinner für ihre Ausdauer zu belohnen. Die Küche des hotel12 bezieht fast alle Zutaten von den Bauern der Gegend, an diesem Abend gibt es Hühnchen mit Speck-Kürbiskern-Füllung und Selleriecreme. Dazu das H12 Grand Cuvée 2009, einen tollen Rotwein, gereift im Barriquefass, den ein Winzer aus dem Burgenland für das Hotel abfüllt. Das alles bereitet so verdammt gute Laune, dass man nur noch dasitzt und lächelt. So wie der Marc, der Franz und die Claudia – nur mit etwas mehr an.

hotel12, Gerlitzenstraße 55, 9551 Bodensdorf (Österreich), Tel. 0043-4243/29621, www.hotel12.at. DZ inkl. Frühstück, Abendessen und Nutzung der Sauna ab 176 Euro

 
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