Infografik Kunstwerke aus dem Innern

Steine in unserem Körper verursachen höllische Schmerzen oder bleiben ein Leben lang unbemerkt. Ihre Formen sind vielseitig – und manche Brocken sind wahre Edelsteine

Solange die Säfte im Körper ungehindert fließen, geht es uns gut. Doch der Fluss kann ins Stocken geraten. Denn in den Sekreten unserer Drüsen und den Exkreten aus der Stoffwechselproduktion sind Feststoffe, die Klumpen bilden können. Daraus entwickelt sich Gestein vielfältiger Art. Die körpergeologischen Objekte können unsere Kanäle, Leiter, Gänge und Blasen verstopfen, ähnlich wie Dreck in den Wasser- und Abwassersystemen von Wohnhäusern. Im Extremfall lassen sie ganze Abteilungen des Stoffwechselsystems kollabieren.

Auch im Gewebe finden sich Steine: Verkalkungen in der Bauchspeicheldrüse beispielsweise haben besonders perfide Folgen. Sie sorgen dafür, dass organeigene Enzyme das Gewebe zersetzen, sich das Pankreas quasi selbst verdaut.

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Andere Erscheinungen sind relativ harmlos. Jeder siebte Mensch zum Beispiel besitzt Gallensteine. Probleme machen diese aus Kristallen zusammengesetzten Brocken erst, wenn sie eingeklemmt werden oder den Abfluss der Körperflüssigkeit behindern. Dabei trifft es die Menschen höchst unterschiedlich. Gallensteine haben vor allem jene, auf die die fünf »F« zutreffen: female, fat, fertile, forty, fair. Wer also weiblich, übergewichtig, fruchtbar, vierzig Jahre alt, hellhäutig oder blond ist, erkrankt häufiger an den Steinen. Andere Varianten (Blasensteine) finden sich eher bei Männern als bei Frauen oder sind ohnehin nur bei einem Geschlecht vorhanden, etwa Prostata- oder Milchgangsteine.

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Die Erkrankungen können genetische Ursachen haben oder sind durch den Lebenswandel bedingt. Bildet die erkrankte Bauchspeicheldrüse einen Stein, ist dies häufig die Folge zahlloser Alkoholexzesse.

So schrecklich die Konsequenzen im Körper sind, so schön können die Objekte sein – spätestens dann, wenn man sie nach der Entfernung zersägt und ihren baumringförmigen Aufbau bewundert. Das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité besitzt eine Körperstein-Kollektion, die ständig erweitert wird. Angefangen hatten die Anatomen Johann Gottlieb Walter und Friedrich August Walter, die sich im 18. Jahrhundert als Körpermineralogen verstanden. Ihre Zeichnungen sind farbenfrohe Dokumente des geologischen Treibens im menschlichen Organismus.

Von der Berliner Steinsammlung ließ sich die in Schottland lebende Künstlerin Ilana Halperin inspirieren. Das Medizinhistorische Museum zeigt in einer Ausstellung Skulpturen, Stiche, Holzschnitte, Aquarelle und zwei Videoarbeiten, die in der Auseinandersetzung mit Gallen-, Nieren- und Blasensteinen entstanden sind: Ilana Halperin. Steine, 27. Januar bis 15. Juli 2012.

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