Friedrich der Große 300 Jahre "Alter Fritz"
Das Ende Preußens begann, als Friedrich mit 28 den Thron bestieg
© Johann Heinrich Christian Franke; Foto: David Ebener dpa

Eine Reproduktion des Gemäldes "Friedrich auf einen Janustempel weisend" (1763) von Johann Heinrich Christian Franke
Blicken wir zurück, wenn wir in dieser Woche den 300. Geburtstag des Großen Friedrich feiern. Kaum war er 1740 mit 28 gekrönt worden, zettelte er seinen ersten Krieg an. Und warum? Seine Kriegskasse war »gut gefüllt«, die Armee »stets marschbereit«, schrieb er in seiner Histoire de mon temps; außerdem wollte er sich »einen Namen machen«. Also griff er sich Schlesien, das weiland leider der großmächtigen Maria Theresia von Habsburg gehörte. Der Österreichische Erbfolgekrieg war der Anfang vom Aufstieg und Ende Preußens.
Denn Friedrich musste bis zu seinem Tod Krieg führen, immer wieder: um zu behalten, was er geraubt hatte, um zu vertreiben, was sich danach zusammenbraute: den »Albtraum der Koalitionen«, wie Bismarck es nennen sollte. 17 Jahre nach der Eroberung Schlesiens beschlossen die beiden Großen Europas, Frankreich und Habsburg, Friedrich so weit zu stutzen, dass er nie wieder die »öffentliche Ruhe stören« könne. Russland, Schweden, Spanien und das halbe »Heilige Römische Reich« machten mit. Gerettet wurde er nur durch einen Zufall. Die Zarin starb, ihr Nachfolger Peter III. scherte aus der Koalition aus. Das war das »Mirakel des Hauses Brandenburg«.
Das Drama der Einkreisung sollte sich zweimal wiederholen, mörderischer und auf größerer Bühne: im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Dann war Preußen vorbei – ausgelöscht durch den Alliierten Kontrollrat vor 65 Jahren. Dieser Rückblick ist nützlich, weil er den wundersamen Weg aufzeigt, den Deutschland seitdem gegangen ist. Von Adenauer bis Merkel haben die Kanzler der Bundesrepublik weder Französisch parliert noch in Wohngemeinschaft mit Philosophen wie Voltaire gelebt. Sie haben auch nicht wie Friedrich die Selbstironie gepflegt, zum Beispiel: »Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht.«
Sie haben aber von Friedrich gelernt, indem sie genau den gegenteiligen Weg nahmen. Sie haben keine Kriege geführt, auch nicht die Bündnispartner gewechselt wie das Hemd. Sie haben nicht das Mächtespiel, sondern Gemeinschaft und Selbstbescheidung gesucht. Die Rendite war fabelhaft. Statt Einkreisung Einbettung im Westen. Statt Chauvinismus Integration. Statt wilhelminischer Arroganz der Ausgleich nach Westen, dann nach Osten. Statt Expansion der Verzicht.
Und siehe da: Das kleinere Deutschland ist das »größere« geworden. Unglaublich: Laut einer BBC-Umfrage von 2011 ist Deutschland das beliebteste Land weltweit, auch wenn manche britische Zeitung in der Euro-Krise fantasiert, Berlin führe wieder »Krieg in Europa«. Gerade weil die Knobelbecher verhallt sind, rufen die Nachbarn nach deutscher Führung. Friedrich, Wilhelm und Adolf wollten die Macht und sind blutig gescheitert; ihre Nachfolger wollten sie nicht, und dann ist sie ihnen zugefallen, als ob Frau Holle sie aus dem Kissen geschüttelt hätte.
Die Moral? Im Leben der Nationen gibt es keine Märchen, sondern nur geschärften Realitätssinn. Der junge Friedrich hatte ihn nicht; die Bundesrepublik hat ihn zur Staatsräson gemacht – ein Segen für Deutschland und Europa.
- Datum 27.01.2012 - 10:07 Uhr
- Serie Zeitgeist
- Quelle DIE ZEIT, 26.1.2012 Nr. 05
- Kommentare 49
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"Sie haben aber von Friedrich gelernt, indem sie genau den gegenteiligen Weg nahmen. Sie haben keine Kriege geführt, auch nicht die Bündnispartner gewechselt wie das Hemd. "
Nun, das stimmt, aber zwangsweise, bedingt durch die Teilung, kalter Krieg und die Besetzung D durch die jeweiligen Siegermächte.
Wollen wir hoffen, das es in einem zunehmend sovereigen D in Zukunft so bleibt.
Was habe ich mich über den "Falken" Joffe schon aufgeregt, über seine Davoser Plauderstündchen, seine Bushistereien, ach, was weiß ich noch alles.
Und dann schreibt er diese paar Zeilen, in denen so viel Richtiges drin ist, und die so beschwingt daherkommen.
Den Nagel auf den Kopf getroffen hat er hier, und es der Text perlt als hätte er ihn in Champagnerlaune geschrieben. Hat er? Angemessen wäre es ja...
Das ergibt doch ein eindeutiges Gesamt-Weltbild: Bush soll Angriffskriege führen und Deutschland die Klappe halten.
Der Text schlägt auch manchen abenteuerlichen Haken. Preußen ist nicht identisch mit Deutschland, und mit dem "Scheitern" ist es auch nicht so eindeutig. Bismarck war z.B. sehr erfolgreich. Und selbst Friedrich gelang es ja, Schlesien zu behalten.
Allerdings stimmt es, daß Deutschland endlich seinen Frieden hat, nachdem Polen, Frankreich, Tschechien, Italien, Dänemark und Rußland ihre territorialen Maximalforderungen durchgesetzt haben. Dafür sind wir jetzt aber auch ein ausnehmend häßliches Land, zubetoniert und zersiedelt. Die ohnehin schon zahlreichen Einheimischen wurden nach 1945 mit 15 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen zusammengepfercht. Die Bevölkerung versucht zwar, es mit einer niedrigen Geburtenrate wieder etwas idyllischer zu gestalten, aber dafür kommen dann die Zuwanderer.
Und was die Beliebtheit angeht, bin ich mir nicht so sicher. Bescheidene, untertänige Looser, die (nach orientalischer oder asiatischer Sichtweise) "das Gesicht verloren" haben, bekommen vielleicht immer ein paar Mitleidspunkte. Ansonsten sind die Deutschen vielleicht gerade nicht deshalb beliebt, weil sie angloamerikanischen Vorgaben gefolgt sind, sondern weil sie, im Gegenteil, bei dem neoliberalen Zirkus der letzten 2zwei Jahrzehnte vergleichsweise sozial und wirtschaftspolitisch konservativ geblieben sind.
Polen hat übrigens auch Erfahrung mit Einkreisungen...
Das ergibt doch ein eindeutiges Gesamt-Weltbild: Bush soll Angriffskriege führen und Deutschland die Klappe halten.
Der Text schlägt auch manchen abenteuerlichen Haken. Preußen ist nicht identisch mit Deutschland, und mit dem "Scheitern" ist es auch nicht so eindeutig. Bismarck war z.B. sehr erfolgreich. Und selbst Friedrich gelang es ja, Schlesien zu behalten.
Allerdings stimmt es, daß Deutschland endlich seinen Frieden hat, nachdem Polen, Frankreich, Tschechien, Italien, Dänemark und Rußland ihre territorialen Maximalforderungen durchgesetzt haben. Dafür sind wir jetzt aber auch ein ausnehmend häßliches Land, zubetoniert und zersiedelt. Die ohnehin schon zahlreichen Einheimischen wurden nach 1945 mit 15 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen zusammengepfercht. Die Bevölkerung versucht zwar, es mit einer niedrigen Geburtenrate wieder etwas idyllischer zu gestalten, aber dafür kommen dann die Zuwanderer.
Und was die Beliebtheit angeht, bin ich mir nicht so sicher. Bescheidene, untertänige Looser, die (nach orientalischer oder asiatischer Sichtweise) "das Gesicht verloren" haben, bekommen vielleicht immer ein paar Mitleidspunkte. Ansonsten sind die Deutschen vielleicht gerade nicht deshalb beliebt, weil sie angloamerikanischen Vorgaben gefolgt sind, sondern weil sie, im Gegenteil, bei dem neoliberalen Zirkus der letzten 2zwei Jahrzehnte vergleichsweise sozial und wirtschaftspolitisch konservativ geblieben sind.
Polen hat übrigens auch Erfahrung mit Einkreisungen...
Selbstbescheidung statt Mächtespiel brachte fabelhafte Gewinne.
Was für ein Erkenntnis! Im Ernst!
Genau daran, daß in Deutschland Mächte herrschen, die sich nicht selbst bescheiden, wird Deutscvhland mitsamt dem ganzen Europa zu grunde gehen. Kriegskassen gefüllt (kenn ich doch den Ausdruck) sich durch feindliche Übernahmen einen Namen machen - sich gegen andere verbünden.
Wer sehen will der kann sehen. Wer nicht sieht, der will wohl nicht sehen.
...was uns Joffe da schreibt.
Als hätte das politische Establishment was aus der deutschen Geschichte gelernt.
Dass die Wirklichkeit nicht ganz so rosig ist, wie geschildert, geweisst Volker Kauder:
” Notfalls müsse womöglich ein von der EU oder den EU-Staaten eingesetzter Staatskommissar die Führung des Landes [>Griechenland] übernehmen. …
Das wäre natürlich hart, aber vielleicht würden sich die Griechen am Ende sogar selbst damit anfreunden. ”
Praktischerweise stehen auf dem Balkan ja noch deutsche Heerestruppen, Überbleibsel von dem Bombenkrieg-begleitetem Nation-Building der NATO 1999,
die "notfalls" für "Stabilisierungseinsätze" (mit der Panzerhaubitze Brunnen bohren, wissen schon) herangezogen werden können...
[...]
Wenn ich Sie recht verstehe:
Bundeswehr raus aus dem Balkan, die Völkerschaften dort werden's - selbstverständlich friedlich - schon richten.
Und:
Lasst die Griechen mal sich selber reformieren. Sie brauchen dringend mehr Unabhängigkeit. Äh - und mehr
Geld von uns.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn
[...]
Wenn ich Sie recht verstehe:
Bundeswehr raus aus dem Balkan, die Völkerschaften dort werden's - selbstverständlich friedlich - schon richten.
Und:
Lasst die Griechen mal sich selber reformieren. Sie brauchen dringend mehr Unabhängigkeit. Äh - und mehr
Geld von uns.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn
war damals gängige Politik. Heute würden wir sagen eine dem Zeitgeist entsprechende Politik.
Wo bleiben Artikel über die Raubzüge der übrigen europäischen Herrscher. Ich denke da z.B. an die französischen Könige wie Ludwig den 14ten, die russische Expansionspolitik unter den Zaren in Richtung Osten,die spanische, englische, niederländische und portugisische Eroberungspolitik (pardon Kolonialpolitik).
Wie pflegte da der Dichter zu schreiben: Ein weites Feld!
...sie haben recht, dass Friedrichs Politk von Zeitgeist geprägt war. Ludwig der XIV. war sicherlich ein furchtbarer Verbrecher, Peter der Grosse blutrünstig, Alexander der Grosse Genie und gleichzeitig grössenwahnsinnig. Als Cäsar stolz berichtete, wie er einen ganzen germanischen Stamm auslöschte, sorgte das sogar im sonst nicht zimperlichen Rom für Empörung...
Die Liste der grossen Verbrecher scheint endlos lang zu sein...Friedrich der Grosse war unter den Grossen mit Sicherheit nicht der grösste Verbrecher, und hatte offensichtlich auch viele positive Züge...
Wenn ich dann an einen Cäsär denke wird mir nur übel, beim Gedanken an all die Blutbäder...
Zitat: Die Kanzler der Bundesrepublik haben "nicht das Mächtespiel, sondern Gemeinschaft und Selbstbescheidung gesucht. Die Rendite war fabelhaft. Statt Einkreisung Einbettung im Westen. Statt Chauvinismus Integration. "
.
Ich stelle mir den Alten Fritzen händchenhaltend und küsschentauschend mit Maria Theresia vor, oder mit Ludwig XV? Wie sie bei einem Tässchen Tee über eine gemeinsame Währung plaudern ...
.
Der Nachwelt, ein Vierteljahrtausend später, würde das gefallen!
...sie haben recht, dass Friedrichs Politk von Zeitgeist geprägt war. Ludwig der XIV. war sicherlich ein furchtbarer Verbrecher, Peter der Grosse blutrünstig, Alexander der Grosse Genie und gleichzeitig grössenwahnsinnig. Als Cäsar stolz berichtete, wie er einen ganzen germanischen Stamm auslöschte, sorgte das sogar im sonst nicht zimperlichen Rom für Empörung...
Die Liste der grossen Verbrecher scheint endlos lang zu sein...Friedrich der Grosse war unter den Grossen mit Sicherheit nicht der grösste Verbrecher, und hatte offensichtlich auch viele positive Züge...
Wenn ich dann an einen Cäsär denke wird mir nur übel, beim Gedanken an all die Blutbäder...
Zitat: Die Kanzler der Bundesrepublik haben "nicht das Mächtespiel, sondern Gemeinschaft und Selbstbescheidung gesucht. Die Rendite war fabelhaft. Statt Einkreisung Einbettung im Westen. Statt Chauvinismus Integration. "
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Ich stelle mir den Alten Fritzen händchenhaltend und küsschentauschend mit Maria Theresia vor, oder mit Ludwig XV? Wie sie bei einem Tässchen Tee über eine gemeinsame Währung plaudern ...
.
Der Nachwelt, ein Vierteljahrtausend später, würde das gefallen!
Habe mich schon mit Verteidigungsministern über ihre Sicht der Rolle des deutschen Militärs unterhalten. So die tiefe historische Einsicht kann ich seit dem Weißbuch 1992 nicht mehr feststellen. Davor gab es sowieso keine Freiheitsgrade der deutschen Militärpolitik (wann hat man das eigentlich Verteidigungpolitik genannt und wann nennen wir es wieder das was es spätestens seit Afghanistan ist?).
...sie haben recht, dass Friedrichs Politk von Zeitgeist geprägt war. Ludwig der XIV. war sicherlich ein furchtbarer Verbrecher, Peter der Grosse blutrünstig, Alexander der Grosse Genie und gleichzeitig grössenwahnsinnig. Als Cäsar stolz berichtete, wie er einen ganzen germanischen Stamm auslöschte, sorgte das sogar im sonst nicht zimperlichen Rom für Empörung...
Die Liste der grossen Verbrecher scheint endlos lang zu sein...Friedrich der Grosse war unter den Grossen mit Sicherheit nicht der grösste Verbrecher, und hatte offensichtlich auch viele positive Züge...
Wenn ich dann an einen Cäsär denke wird mir nur übel, beim Gedanken an all die Blutbäder...
Das ergibt doch ein eindeutiges Gesamt-Weltbild: Bush soll Angriffskriege führen und Deutschland die Klappe halten.
Der Text schlägt auch manchen abenteuerlichen Haken. Preußen ist nicht identisch mit Deutschland, und mit dem "Scheitern" ist es auch nicht so eindeutig. Bismarck war z.B. sehr erfolgreich. Und selbst Friedrich gelang es ja, Schlesien zu behalten.
Allerdings stimmt es, daß Deutschland endlich seinen Frieden hat, nachdem Polen, Frankreich, Tschechien, Italien, Dänemark und Rußland ihre territorialen Maximalforderungen durchgesetzt haben. Dafür sind wir jetzt aber auch ein ausnehmend häßliches Land, zubetoniert und zersiedelt. Die ohnehin schon zahlreichen Einheimischen wurden nach 1945 mit 15 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen zusammengepfercht. Die Bevölkerung versucht zwar, es mit einer niedrigen Geburtenrate wieder etwas idyllischer zu gestalten, aber dafür kommen dann die Zuwanderer.
Und was die Beliebtheit angeht, bin ich mir nicht so sicher. Bescheidene, untertänige Looser, die (nach orientalischer oder asiatischer Sichtweise) "das Gesicht verloren" haben, bekommen vielleicht immer ein paar Mitleidspunkte. Ansonsten sind die Deutschen vielleicht gerade nicht deshalb beliebt, weil sie angloamerikanischen Vorgaben gefolgt sind, sondern weil sie, im Gegenteil, bei dem neoliberalen Zirkus der letzten 2zwei Jahrzehnte vergleichsweise sozial und wirtschaftspolitisch konservativ geblieben sind.
Polen hat übrigens auch Erfahrung mit Einkreisungen...
die Klappe halten und Bush Angriffskriege fuehren ?
Das klingt ja fasst als ob Sie als Deutscher neidisch sind auf Laender, die Angriffskriege fuehren !
Herr Joffe hat Recht, diese Sorte politischen Denkens ist gescheitert in Deutschland. Und das war das preussische Erbe: nicht nur Schlesien geraubt, sondern auch Polen geteilt. Die ganze preussische Geschichte seit der Gruendung des sogenannten Ordensstaates ist eine einzige Kriegsgeschichte. Preussen war ein voellig artifizieller Staat, der durch Kriege sukzessive vergroessert wurde, eine voellig singulare Erscheinung in der Weltgeschichte.
die Klappe halten und Bush Angriffskriege fuehren ?
Das klingt ja fasst als ob Sie als Deutscher neidisch sind auf Laender, die Angriffskriege fuehren !
Herr Joffe hat Recht, diese Sorte politischen Denkens ist gescheitert in Deutschland. Und das war das preussische Erbe: nicht nur Schlesien geraubt, sondern auch Polen geteilt. Die ganze preussische Geschichte seit der Gruendung des sogenannten Ordensstaates ist eine einzige Kriegsgeschichte. Preussen war ein voellig artifizieller Staat, der durch Kriege sukzessive vergroessert wurde, eine voellig singulare Erscheinung in der Weltgeschichte.
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