Nationalsozialismus Hitlers Dresden
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"Historiker sind nun auf einem guten Weg, die NS-Zeit in Sachsen gründlich zu erforschen"

ZEIT: Wieso kommt diese Studie über die braune Elite erst jetzt, sieben Jahrzehnte danach, heraus?

Schmeitzner: Das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. In der DDR stand lange der kommunistische Widerstand gegen Hitler im Mittelpunkt, nach 1989 zunächst die Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Seit Ende der neunziger Jahre sind Historiker nun auf einem guten Weg, die NS-Zeit in Sachsen gründlich zu erforschen, obgleich die Quellenlage eher schlecht ist. 1945 sind viele Akten bei den Bombenangriffen verbrannt oder von Mutschmanns Clique vernichtet worden.

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ZEIT: Die späte Aufarbeitung sei wohl auch »typisch Dresden«, bemerkt ein Autor Ihres Bandes.

Schmeitzner: Jahrzehntelang wurde gern kolportiert, man sei vor 1945 die »unschuldige Kunst- und Kulturstadt« gewesen. Das war vielleicht allzu menschlich nach dem Schock der Zerstörung. Doch möge keiner die Vorgeschichte dieser Gauhauptstadt ausblenden. Dazu wollten wir einen Beitrag leisten. Mit einer Studie, wie es sie meines Wissens noch für keine andere ostdeutsche Großstadt gibt.

ZEIT: Ein Schlagwort taucht in der Studie an mehreren Stellen auf: »Sachsen-Propaganda«.

Schmeitzner: Die spielte seit Mitte der dreißiger Jahre eine große Rolle, da ließ Mutschmann in der Staatskanzlei ein »Heimatwerk Sachsen« aufbauen. Es sollte Lokalpatriotismus und Volkstümlichkeit völkisch aufladen, das Sachsentum als Vorposten gegen das Slawische hinstellen.

ZEIT: Wie passt dazu der gescheiterte Versuch der Nazis, den Sachsen ihren Dialekt auszutreiben?

Schmeitzner: Dass im Reich häufig über ihre Mundart gespottet wurde, störte Mutschmann bei seinem Bestreben, das Sachsentum zu heroisieren. Er wurde sogar bei Hitler vorstellig, um Sachsenwitze verbieten zu lassen. Erfolglos.

ZEIT: Bekommt die NPD eigentlich ein Belegexemplar Ihres Buches?

Schmeitzner: Das ist nicht geplant. Vielleicht wirft aber der eine oder andere NPD-Funktionär von sich aus einen Blick ins Buch. Am Beispiel Dresdens ist nachzulesen, in welche Abgründe zwölf Jahre lang praktizierter Nationalsozialismus geführt hat.

Das Gespräch mit dem Historiker am Dresdner Hannah-Arendt-Institut führte Stefan Schirmer

 
Leser-Kommentare
  1. Und den Hinweis auf das Buch. Bei mir legen die vielen biographischen Informationen zu einzelnen „Akteuren“ im Interview die Vermutung nahe, dass strukturorientierte Gesichtspunkte, auch wenn sie angesprochen werden, in dem Buch insgesamt vielleicht etwas zu kurz kommen. Hannah Arendts Leistung war es ja gerade, akteurs- und strukturorientiere Perspektiven ausbalanciert miteinander zu verbinden.

    Aber trotzdem scheint mir diese Studie einen ganz wichtigen Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion in Sachsen darzustellen. Durch Dresden wollen ja am 13. und 18. Februar wieder die Nazis marschieren, die heutigen „Akteure“ im Freistaat jedoch sind sehr geschichtsvergessen hauptsächlich mit der Kriminalisierung des zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Widerstands gegen den braunen Mob beschäftigt.

    Aber vielleicht liest ja der ein oder andere „Akteur“ aus dem Freistaat trotzdem dieses Buch gründlich und wird dadurch sensibilisiert für die Gefahren von Volkstümelei und Verklärung der Vergangenheit.

    Und noch ein Vorschlag: Gibt es in Sachsen (noch) eine Landeszentrale für politische Bildung, oder ist die weg- oder kaputtgespart worden, weil die Pflege von Mythen und Brauchtum für wichtiger gehalten wurde als politische Bildung?

    Wenn es sie noch gibt, dann könnte das Land Sachsen ja über die Landeszentrale dieses Buch den Menschen dort einfach und günstig zugänglich machen. Dem politischen Bewusstsein in Sachsen könnte das nur förderlich sein.

  2. "50 Täter" in Dresden, warum jetzt?
    Hat das etwas mit dem Verständnis über die überproportionale Affinität der Sachsen heute zur NPD oder der Zelle Zwickau zu tun?
    Dresden steht natürlich nicht nur als Opferstadt des Bombenkrieges der Alliierten in Europa da, sondern war wie alle anderen Deutschen Städte auch Täterstadt im 1000-Jährigem Reich und keine Heldenstadt im Widerstand.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Angesichts der Sachsentümelei und der Geschichtsvergessenheit sächsischer Medien und Politiker wünsche dem Buch eine breite Verbreitung, vor allem in Sachsen. Vielleicht wäre das ja auch für den Geschichtsunterricht ganz interessant.
    Ansonsten: Im Interview ist ein kleiner Fehler: Chemnitz hieß 1986 Karl-Marx-Stadt.

  4. Aber, ich hätte "Hitlers Dresden" nicht gesagt. Das klingt schlecht.

    • pyke
    • 09.03.2012 um 14:37 Uhr

    München oder Nürnberg? Sind hier nicht mehrere Verbindungen zu Hitler wie auch Berlin?

    • Dr.FF
    • 09.03.2012 um 14:38 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Danke, die Redaktion/jz

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