Nachhaltigkeit ist zum Modewort in der Politik geworden. Und was soll es bedeuten? Üblicherweise gleich drei Dinge zugleich: ökologische Nachhaltigkeit, politisch-soziale Nachhaltigkeit und ökonomische obendrein. Mit anderen Worten: Es geht um die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, um die Gerechtigkeit in der Gesellschaft und um den dauerhaften ökonomischen Nutzen.

Die zentrale Frage ist allerdings, in welchem Verhältnis diese drei Dimensionen zueinander stehen. Und da gibt es viele Illusionen.

So viele, dass das übliche Verständnis von der »Nachhaltigkeit« sogar zu einer Bedrohung für die Natur geworden ist.

Nachhaltigkeit wird heute in erster Linie als eine Frage der Gerechtigkeit interpretiert. Es geht um eine faire Verteilung von Gütern und Chancen innerhalb einer Generation und zwischen den Generationen; um einen fairen Ausgleich zwischen Arm und Reich , Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern .

Zu wenig wird dabei gewürdigt, dass die Basis jeder dauerhaften Lösung die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ist. Der Diskussion über Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit fehlt regelmäßig der Bezug auf die insgesamt noch verteilbaren Potenziale und natürlichen Ressourcen. Gewagte Effizienzerwartungen und technische Hoffnungen lassen bisweilen den Eindruck entstehen, menschlicher Erfindungsreichtum stelle künftigen Generationen eine hinreichende Verteilungsmasse zur Verfügung. Der Übernutzung der natürlichen Umwelt schiebt das keinen Riegel vor.

Sarkastisch ließe sich hinzufügen: Wenn alle Europäer ihren Zweitwagen an Afrikaner oder Asiaten verschenkten, wäre das in Kategorien der Gerechtigkeitsdiskussion »gut«. Der Respektierung von Umweltbegrenzungen diente es nicht.

Es ist jedoch inzwischen allgemein anerkannt, dass die ökologischen Grenzen vielfach erreicht, nicht selten überschritten sind. Zwar sind dank Umweltpolitik in den vergangenen vier Jahrzehnten durchaus Erfolge erzielt worden. Technischer Fortschritt hat Steigerungen der Ressourcen- und Energieeffizienz ermöglicht, in einzelnen Regionen und bei einzelnen Schadstoffen wurden sogar deutliche Belastungsminderungen erreicht. Häufig ist dabei allerdings nicht wirklich gemindert, sondern mit noch unbekannten Folgen substituiert und räumlich verlagert worden.

Nun zeigt vor allem der hohe globale Anstieg des Energieverbrauchs und des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO₂) um 40 Prozent seit 1990, dass die bisherigen Anstrengungen bei Weitem ungenügend sind. Dass Rohstoffe und Aufnahmekapazität der Umwelt ausreichen, um den westlichen Lebensstandard aufrechtzuerhalten und gleichzeitig weit über drei Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern einen angemessenen Lebensstandard zu sichern, ganz zu schweigen von den drei Milliarden Menschen, die bis 2050 zusätzlich auf dieser Erde erwartet werden – das ist ein Glaube, der nicht glaubhaft ist.