Nachhaltigkeit Schluss mit der Harmonie!

Warum das Nachhaltigkeitskonzept zur Umweltgefahr geworden ist

Nachhaltigkeit ist zum Modewort in der Politik geworden. Und was soll es bedeuten? Üblicherweise gleich drei Dinge zugleich: ökologische Nachhaltigkeit, politisch-soziale Nachhaltigkeit und ökonomische obendrein. Mit anderen Worten: Es geht um die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, um die Gerechtigkeit in der Gesellschaft und um den dauerhaften ökonomischen Nutzen.

Die zentrale Frage ist allerdings, in welchem Verhältnis diese drei Dimensionen zueinander stehen. Und da gibt es viele Illusionen.

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So viele, dass das übliche Verständnis von der »Nachhaltigkeit« sogar zu einer Bedrohung für die Natur geworden ist.

Nachhaltigkeit wird heute in erster Linie als eine Frage der Gerechtigkeit interpretiert. Es geht um eine faire Verteilung von Gütern und Chancen innerhalb einer Generation und zwischen den Generationen; um einen fairen Ausgleich zwischen Arm und Reich, Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern.

Die Autoren

Dieter Ewringmann war bis 2005 Geschäftsführer des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts in Köln; Malte Faber gründete das Interdisziplinäre Institut für Umweltökonomie in Heidelberg; Thomas Petersen ist Privatdozent für Politische Philosophie an der Universität Heidelberg; Angelika Zahrnt ist Ehrenvorsitzende des BUND und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung

Zu wenig wird dabei gewürdigt, dass die Basis jeder dauerhaften Lösung die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ist. Der Diskussion über Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit fehlt regelmäßig der Bezug auf die insgesamt noch verteilbaren Potenziale und natürlichen Ressourcen. Gewagte Effizienzerwartungen und technische Hoffnungen lassen bisweilen den Eindruck entstehen, menschlicher Erfindungsreichtum stelle künftigen Generationen eine hinreichende Verteilungsmasse zur Verfügung. Der Übernutzung der natürlichen Umwelt schiebt das keinen Riegel vor.

Sarkastisch ließe sich hinzufügen: Wenn alle Europäer ihren Zweitwagen an Afrikaner oder Asiaten verschenkten, wäre das in Kategorien der Gerechtigkeitsdiskussion »gut«. Der Respektierung von Umweltbegrenzungen diente es nicht.

Es ist jedoch inzwischen allgemein anerkannt, dass die ökologischen Grenzen vielfach erreicht, nicht selten überschritten sind. Zwar sind dank Umweltpolitik in den vergangenen vier Jahrzehnten durchaus Erfolge erzielt worden. Technischer Fortschritt hat Steigerungen der Ressourcen- und Energieeffizienz ermöglicht, in einzelnen Regionen und bei einzelnen Schadstoffen wurden sogar deutliche Belastungsminderungen erreicht. Häufig ist dabei allerdings nicht wirklich gemindert, sondern mit noch unbekannten Folgen substituiert und räumlich verlagert worden.

Nun zeigt vor allem der hohe globale Anstieg des Energieverbrauchs und des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO₂) um 40 Prozent seit 1990, dass die bisherigen Anstrengungen bei Weitem ungenügend sind. Dass Rohstoffe und Aufnahmekapazität der Umwelt ausreichen, um den westlichen Lebensstandard aufrechtzuerhalten und gleichzeitig weit über drei Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern einen angemessenen Lebensstandard zu sichern, ganz zu schweigen von den drei Milliarden Menschen, die bis 2050 zusätzlich auf dieser Erde erwartet werden – das ist ein Glaube, der nicht glaubhaft ist.

Leser-Kommentare
    • RGFG
    • 30.01.2012 um 18:20 Uhr

    Von Autoren, die sich mehr als ein Vierteljahrhundert mit den Beziehungen zwischen Ökonomie und Ökologie beschäftigen, hätte ich mir ein klitzeklein weniger Fragen und dafür etwas mehr Antworten erwartet.

    "Wachstum ist schon irgendwie gut aber auch doch nicht..." erscheint mir als Kernaussage eines ZEIT-Artikels schon etwas wenig - ich meine, dass es ein Grundniveau von Wachstum braucht, wenn die Weltbevölkerung wächst, ist ja keine große Erkenntnis. Was vor diesem Hintergrund die "...Entscheidungen der langfristigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen..." ausschauen sollen, dafür hätte ich mir schon einen kleinen Hinweis erhofft...

  1. Wählt man eine vernünftige Definition des Begriffs Wachstums, dann schließt ökologische Nicht-Nachhaltigkeit Wachstum aus. Soll heißen die ökologischen Grenzen, Verteilungs- und externe Effekt müssen mit einfließen. Wenn die Lebensgrundlage Aller zerstört wird, damit eine kleine elitäre Gruppe Zuwachs erfährt, also der Durchschnitt des objektiven Lebenstandards aller steigt, während der Meridian der Verteilung sinkt, dann ist das kein Wachstum. Beispiel Bruttoinlandsprodukt, während des Aufschwungs 2002-2007 gestiegen, dennnoch haben 90% der Menschen Einkommensverluste erlitten (dazu Georg Schramm). Man wird nie ohne Wachstum auskommen, das ist auch kein Fetisch, sondern liegt in der Natur des Menschen. Es ist uns von der Natur als Überlebenstrieb einprogrammiert, Zuwachs an einfach Allem anzustreben. Der objektive Zustand spielt dafür keine Rolle, soll heißen, man muss nur lange genug einen Zustand halten, wird unzufrieden und will mehr, oder will etwas, was man mal hatte, aber nicht mehr hat.
    Aber es spielt auch keine Rolle, welcher Form dieser Zuwachs ist. Soll heißen, ideeler Zuwachs bzw. Qualia allein reicht.
    1. Genau darin besteht die Chance! Zuwachs ohne Ressourcenverbrauch, durch Sport, Kunst, Musik, lebenslanges Lernen.
    2. Effizienzsteigerung, Technologietransfer. Man wird des den Chinesen und Afrikanern nicht verbieten können, westlichen Reichtum anzustreben. Er darf nur nicht so ressourcenintensiv sein.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Lernen von der Natur..

  3. ich schließe mich meinem vorredner an. es gibt keine konkreten lösungsansätze in dem artikel. aber um die autoren zu verteidigen: es gibt sie nicht, weil diese vielleicht nur utopien sind. ökol. nachhaltigkeit ist vielleicht der limitierende faktor. rede ich mit diversen leuten, bspw. auf partys über umweltbewusstsein, werde ich nicht ernstgenommen bis auf wenige, die a) offen ,b) über sich selbst und ihre handlungen kritisch reflektieren oder c) in ein studium dieser art eingestiegen sind. es ist ein vielleicht nur ein mediales konstrukt, dass sich kurz in den köpfen der menschen widerspiegelt. langfristig ändert sich allerdings nichts. benennen wir mal eine dieser utopien beim wort. man kauft sich kein neues i-phone aller 12 monate. ohne einschränkungen keine nachhaltigkeit.

    generell kann man sich fragen: wann sind wir mit welchem technologischem fortschritt zufrieden, wo werden prioritäten gesetzt---in der medizin, kommunikation? briefe schreiben kostet zeit. emails und chats;flüge,etc. ermöglichen unsere 0-distanz-welt. würde jeder erdbewohner an unserer 0-distanzwelt teilhaben (soziale nachhaltigkeit), sähe es vielleicht noch schlimmer um den zustand der resourcen aus. wieviel 0-distanz brauchen wir also bis wir zufrieden sind? ist es sozial gerecht, wenn wir unseren konsum auf eine weltbevölkerungsprognose festlegen, der so ausgelegt ist, dass potentiell jeder erdenbürger davon profitieren könnte ohne die anderen beiden schnittmengen der nachhaltigkeit zu gefährden?

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Ein Punkt von Vielen: die resourcenschonende Energiebereitstellung. Solarpaneele auf Dach und Wand benötigen im Betrieb keine fossilen Treibmittel, sie qualmen nicht und erzeugen keinen Feinstaub. Wie wäre es denn, wenn
    wir die Investitionskosten über vier Jahre verteilt zu 100%
    steuerlich geltend machen könnten. Das wäre mal ein Ansatz.
    Grüne Investitionen sollten so interessant sein, dass sie auch für Otto Normalverbraucher möglich wären. Denn was hier
    bisher unter dem Strich an Anreizen geboten wird, ist einfach lächerlich. Besser das Geld auf unseren Dächern, als über ESM im Nirvana versickern zu lassen.

    • keibe
    • 30.01.2012 um 22:29 Uhr

    der unterstreicht, dass mit der Kategorie der sozialen Gerechtigkeit der Umwelt nicht gedient ist.

    Beispiel: Da stehen 10 Bentlys in der voluminösen Garage eines Reichen. Er kann nur einen fahren. Nun kommt die "soziale Gerechtigkeit" und gebietet, 9 Bentleys an darbende Arme abzugeben. Jetzt fahren dann nun alle 10.

    Kommentar eines sterbenden Baumes: Ich sterbe an Abgasen zumindest im Bewusstsein, dass diese -humanitär betrachtet-zumindest sozial gerecht zustande gekommen sind.

  5. Das Bevölkerungswachstum wird als Ursache der zunehmenden Umweltbelastung und des zu erwartenden Ressourcenschwundes nicht erkannt.

    [...]

    Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/ls

  6. Ich möchte nicht unhöflich erscheinen,

    aber rein rechnerisch ergibt sich,

    daß bei einer Verbrauchseinsparung von 15%,
    aber einer Verdoppelung der Bevölkerung,
    eine Verbrauchszunahme von 70% zu erwarten ist.

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