Kia Soul 1.6 GDI : Rollender Würfel

Christine Brinck und Josef Joffe fahren den Kia Soul 1.6 GDI
Der Kia Soul © Hersteller

Der Mini ist zu flach, der Smart zu winzig, der »Elch« zu bieder. Zum ersten Mal fiel uns der Kia Soul im Silicon Valley ins Auge, einer Hochburg des Hip. Der Soul will so cool sein wie ein Mini, überragt ihn aber dezidiert in Höhe und Länge. Dieser Crossover kommt als rollender Würfel daher, der alles zu vereinen versucht: ein bisschen Kombi, ein bisschen SUV (aber ohne Vierrad-Antrieb) – bullig im Auftritt, bescheiden im Verzehr von kostbarem Parkraum.

Ein Hingucker ist er trotzdem. Ein Kollege lobte die Erstversion des Soul (2009) als »Lifestyle-Auto«, das »seiner Zeit voraus« sei. Doch wer hip und praktisch, geräumig und kompakt sein will, der versucht zu viel. Ein Sitzriese hat über dem Scheitel noch reichlich Luft, hinten hat der Airline-konforme Rollkoffer schon Probleme; fürs Feriengepäck einer Familie ist der Kofferraum tabu.

Die sechs Gänge lassen sich flüssig schalten, aber sechs sind einer zu viel für den Kleinen. Ältere, arthrosegeplagte Menschen werden sich auf den ersten Blick über die hohen Sitze freuen; für den eleganten Einstieg sind sie leider zu hoch. Beim eleganten Ausstieg vergreift sich die ausladende Türschwelle am zartbestrumpften Bein.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Am besten fährt man den Soul mit seiner ausgeklügelten Start-Stop-Automatik in der Stadt oder im Stau, das heißt: gemächlich und die Landschaft genießend. Bei höherem Tempo wird es ungemütlich. Der Rollkubus vergibt wenig. Er rüttelt und schaukelt, hoppelt und wummert selbst auf der frisch geteerten Autobahn. Ein Rätsel. »Mir ist das Ding zu blechern«, murrt die Tochter, die allerdings (dafür kann der Soul nichts) seit ihrer Kleinkindzeit an Volvo-Panzer gewöhnt ist. Cool ist das im Rückspiegel integrierte Bild der Heckkamera, nicht so cool sind die hellgrauen Plastikblenden im Inneren, die gebürstetes Aluminium suggerieren wollen. Alles in allem ist der Soul ein »work in progress«. Der Motor der 2012er-Version hat im Vergleich zum Vorgänger 14 PS zugelegt, die Lärmdämmung ist verstärkt worden. Doch gibt es noch einiges zu tun. Die Dezibel müssen runter, die Dämpfung muss rauf, ein paar mehr PS für die 1400 Kilo dürfen auch sein. Gepriesen aber sei das mutige Design. Wer für wenig Geld viel Platz und dazu einen Stadtwagen will, der aus dem Einerlei des gängigen Techno-Barocks hervorsticht, darf den Verrat am sieben Zentimeter längeren Golf proben. Dieser Zwitter, pardon: Crossover, macht was her.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
CO2-Emission: 149 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,4 Liter
Basispreis: 15.900 Euro

Christine Brinck ist ZEIT-Autorin, Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

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Nicht vergleichbar

Wenn Sie den Kia Soul so fahren, wie Sie Ihren siebenjährigen Zweiliter fahren, verbraucht er mit Sicherheit erheblich weniger als hier in den technischen Daten aufgeführt ist. Und garantiert ein ganzes Stück weniger, als Ihr alter Toyota. Sie können die in technischen Daten aufgeführten Verbrauchswerte nicht mit denjenigen Ihrer persönlichen Fahrweise vergleichen.