Internat: Distanz tut immer gut
Was macht ein gutes Internat aus? Der frühere Rektor der Landesschule Pforta, Karl Büchsenschütz, im Gespräch mit einer ehemaligen Schülerin
DIE ZEIT: Herr Büchsenschütz, können Sie sich an den ersten warmen Tag im Mai 1999 erinnern?
Karl Büchsenschütz: Nein, wieso? Sollte ich?
ZEIT: Da wollten Sie mich aus dem Internat schmeißen.
Büchsenschütz: Wirklich?
ZEIT: Es war mein 16. Geburtstag.
Büchsenschütz: Und Sie hatten zu viel getrunken.
ZEIT: Ich lag jedenfalls nicht ordnungsgemäß um 23 Uhr im Bett, ich saß mit Freunden an der Saale. Sie haben uns gesucht und die Polizei gerufen. Vier Uhr nachts haben Sie uns gefunden und mit Ihrem roten VW-Bus zurück ins Internat gekarrt.
Büchsenschütz: Das war ein Renault! Und Sie hatten wahrscheinlich eine üble Fahne. Aber wir haben das ja vernünftig geklärt, Sie durften bleiben.
ZEIT: Hat es Sie eigentlich sehr genervt, ständig den Erziehungsberechtigten von pubertierenden Schülern spielen zu müssen?
Büchsenschütz: Solche Geschichten passieren ja eher selten, und es ist auch nicht so, dass Internatslehrer die Eltern ersetzen. Man kann den Eltern nicht die Erziehung aus der Hand nehmen, dazu sind die Schüler meist ohnehin zu alt.
ZEIT: Aber das Internat prägt einen.
69, war unter Gerold Becker Vize-Rektor der Odenwaldschule. Bis 2005 leitete er das Internat Schulpforta.
Büchsenschütz: Natürlich, aber es geht vor allem um Abnabelung. Das Lösen von den Eltern ist wichtig, das passiert zu Hause ja auch. Nur knirscht es dort viel mehr, denn selbst kluge Eltern machen Fehler und kommen am klassischen Konflikt nicht vorbei: Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst... Es gibt im Internat viel weniger Reibungspunkte, und ich glaube, dass die Distanz guttut. Wenn man sein Kind jeden Tag beim Frühstück sieht, merkt man viele Entwicklungsschritte nicht. Wenn es nur alle paar Wochen nach Hause kommt, dann freut man sich aufeinander und nimmt vor allem die positiven Veränderungen wahr.
ZEIT: Entwickeln sich Jugendliche in Internaten anders als auf regulären Schulen?
Büchsenschütz: Die Bindungen, die hier entstehen, sind viel intensiver. Man lernt ja nicht nur in der Internatsgemeinschaft, man lebt auch in ihr. Das kann unglaublich befreiend sein.
ZEIT: Befreiend? Ich erinnere mich an strenge Regeln: Um elf Uhr ging das Licht aus, Kerzen waren verboten wegen der Feuergefahr, Alkohol tabu. Sie sind sogar mit der Taschenlampe durch den Schulpark gelaufen, um zu gucken, ob wir heimlich Wein trinken.
hat fünf Jahre im Internat Schulpforta gelebt, Büchsenschütz war ihr Lehrer in Deutsch und Geschichte.
Büchsenschütz: Wenn 400 junge Menschen auf engem Raum zusammenleben, dann geht es nicht ohne Regeln. Aber ich meinte eigentlich eine andere Art von Freiheit: die Freiheit von der familiären Bindung. Familie hat man, die kann man sich nicht aussuchen. Aber im Internat trifft man plötzlich auf Gleichaltrige, mit denen man lebt wie in einer Familie, die einen aber kritisch hinterfragen, die ganz andere Werte und Interessen haben als man selbst. Man muss nicht mehr die Familienrolle spielen, man kann sich selbst neu entdecken und neu definieren, seinen Platz in der Gemeinschaft finden. Das ist ein wichtiger Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung.
ZEIT: Kann man solche Erfahrungen nicht auch in einer Ganztagsschule machen?
Büchsenschütz: Ganztagsschulen sind leider oft eine Mogelpackung, viele bieten nur beaufsichtigte Arbeitsstunden. Aber gerade in der Pubertät wollen Menschen nicht beaufsichtigt werden, sie suchen nach Bedeutung, sie möchten wahrgenommen werden. Wenn Erziehung und Unterricht eine Einheit bilden, kann der Lehrer seine Schüler wirklich als Menschen kennenlernen. Wenn der Mathelehrer nach dem Unterricht Dienst im Internat hat und ein Schüler zu ihm kommt, weil er den Stoff nicht verstanden hat, dann denkt sich der Lehrer vielleicht: Mensch, der ist gar nicht so blöd, wie ich dachte. Umgekehrt stellt der Schüler fest: Mein Mathelehrer ist ja auch nur ein Mensch.





/Zitat
Nur knirscht es dort viel mehr, denn selbst kluge Eltern machen Fehler und kommen am klassischen Konflikt nicht vorbei: Solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst...
Zitat/
Das ein Zitat aus Zeit online 14.09.2010 zur Shell-Studie 2010:
/Zitat
Ein weiteres Ergebnis der Shell-Studie ist, dass die Familie für die heutige Jugend eine noch größere Bedeutung hat, als für die Vorgängergeneration. Mehr als 90 Prozent der 12 bis 25-Jährigen haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
Zitat/
- Sollte sich eine Journalistin auf ein solches Gespräch nicht wenigstens ein bisschen vorbereiten, indem sie z. B. Veröffentlichungen ihres eigenen Blatte zuvor recherschiert.
- Sollte in Interview nicht wenigstens wesentliche kritischer geführt bzw. abgebrochen werden, wenn der Gesprächspartner mit solchen Steinzeit-Argumenten daherkommt? Die elende Missbrauchsgeschichten - inzwischen zur Genüge ausgelutscht - wurzeln doch in die katastrophalen Ahnungslosigkeit der so genannten Profis.
Bitte verzichten Sie auf respektlose Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh
Ein insgesamt gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern schließt doch Konflikte zwischen den Generationen nicht aus. Insofern ist die mangelnde Recherche, die Sie hier beklagen, mit den angeführten Zitaten nicht belegt.
Warum sollte Ihrer Meinung nach ein Interview abgebrochen werden? Weil Ihnen als Leser möglicherweise beim späteren Lesen die Antworten des Interviewten nicht gefallen?
In der Interviewführung lassen sich sicher auch berechtigte Kritikpunkte finden. Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig.
Ein insgesamt gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern schließt doch Konflikte zwischen den Generationen nicht aus. Insofern ist die mangelnde Recherche, die Sie hier beklagen, mit den angeführten Zitaten nicht belegt.
Warum sollte Ihrer Meinung nach ein Interview abgebrochen werden? Weil Ihnen als Leser möglicherweise beim späteren Lesen die Antworten des Interviewten nicht gefallen?
In der Interviewführung lassen sich sicher auch berechtigte Kritikpunkte finden. Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig.
Hihi,
lustiger Mann. Erst Odenwald, dann Pforta. Bei so jemandem wie Ihnen wundert es mich nicht, dass Pforta anscheinend so den Raibach genommen hat.
Vor einigen Jahren durften zwei Schüler Pforta verlassen und wurden meiner Spezialschule mit angeschlossenem Internat (Carl-Zeiss-Gymnasium) aufgenommen. [...]
Da stellt man sich doch die Frage, ob Pforta wirklich so gut mit Ihnen beraten ist? Mit ihren Heldentaten im Roten Renault? Im Übrigen herrscht Alkoholverbot in so ziemlich jedem Internat, bei vielen darf man sogar pusten. Das hat also nichts mit "strengen Regeln" zu tun, sondern ist eher der Normalfall.
Wie war das noch mit der Begabtenförderung? Ich kann mich nicht errinnern, dass Schulpforta bei den Physikwettbewerben/Chemie/Biologie/.../... erfolgreich war, außer man hat das Ziel bester letzter zu werden. Dann hätten Sie uns die Show aber gestohlen.
Dazu muss gesagt werden, dass die ausgeschiedenen Schüler sogar zu den besten unseres Jahrganges gehört haben. Schulpforta hat das Talent, aber nicht das Personal um das Talent zu fördern.
[...]
viele Grüße
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Tatsachenbehauptungen, die wir nicht überprüfen können, nicht veröffentlichen können. Danke, die Redaktion/fk.
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Tatsachenbehauptungen, die wir nicht überprüfen können, nicht veröffentlichen können. Danke, die Redaktion/fk.
Ein positiver Effekt der Missbrauchsskandale ist doch unter anderem, dass nach jahrzehntelanger Schönschreiberei der Internatswirklichkeit durch viele netzwerkende ehemalige Internatsschüler in vielen Redaktionsstuben vieler Presseorgane auch der „Schmonzetten-Journalismus“, die Hofberichterstattung und die Schleichwerbung nicht mehr so ungestört funktionieren wie zur Amtszeit von Herrn G-Punkt Becker und Herrn Büchsenschütz. Bye bye ihr rührseligen Internatsreminiszenzen, ihr Rauf- und Saufgeschichten, ihr Homestorys und Seifenopern! Auch die Internatsgeschädigten knüpfen mittlerweile ihre Netzwerke. Gut so! Allerdings hätten die vielen Missbrauchsfälle der Vergangenheit Jahrzehnte früher aufgedeckt werden können, wenn nicht aus dem investigativen Journalismus nicht längst Investitions-Journalismus geworden wäre!
„Distanz tut immer gut!“ Vor allem die Distanz der Journalistin zum Gegenstand ihrer Berichterstattung bzw. dem Interviewpartner hätte gut getan. Aber das kennt man ja inzwischen (siehe oben). Trotzdem: Auch diese Art der anbiedernden Internats-PR trägt – wenn auch vermutlich eher unfreiwillig - aufklärerisches Potenzial in sich.
Ich habe es seinerzeit sehr begrüßt, dass die Reichekinderverwahranstalten mit staatlich gesponserten Jugendhilfeabteilungen vom Schlage Odenwaldschule, Salem & Co. nach der Wende Konkurrenz von staatlichen Eliteinternaten erhielten, die einen hohen Leistungsanspruch mit niedrigen Kostensätzen verbanden und damit – zumindest theoretisch – wesentlich bessere Möglichkeiten zur Auswahl geeigneter Schüler hatten.
Doch es fehlte an Internatserfahrung. Also holte man sich vermeintliche Fachkompetenz aus der Privatwirtschaft ins Boot. Esser wechselte von Salem nach St. Afra, Büchsenschütz von der Odenwaldschule nach Schulpforta. [...]
Bitte achten Sie auf einen sachlichen Tonfall und verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.
Ein insgesamt gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern schließt doch Konflikte zwischen den Generationen nicht aus. Insofern ist die mangelnde Recherche, die Sie hier beklagen, mit den angeführten Zitaten nicht belegt.
Warum sollte Ihrer Meinung nach ein Interview abgebrochen werden? Weil Ihnen als Leser möglicherweise beim späteren Lesen die Antworten des Interviewten nicht gefallen?
In der Interviewführung lassen sich sicher auch berechtigte Kritikpunkte finden. Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig.
Sie schreiben: "Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig."
Wenn sie gelernt haben, sich zivilisiert und höflich auszudrücken, bin ich gerne bereit, mit ihnen zu diskutieren. Bei dieser Tonlage nicht.
Sie schreiben: "Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig."
Wenn sie gelernt haben, sich zivilisiert und höflich auszudrücken, bin ich gerne bereit, mit ihnen zu diskutieren. Bei dieser Tonlage nicht.
Sie schreiben: "Die von Ihnen dargestellten Zusammenhänge scheinen mir allerdings unsinnig."
Wenn sie gelernt haben, sich zivilisiert und höflich auszudrücken, bin ich gerne bereit, mit ihnen zu diskutieren. Bei dieser Tonlage nicht.
Ich denke,dass die Leute hier intelligent und gebildet sind,deshalb wundert es mich ,dass , aus welchen Gründen auch immer, andere Personen beschimpft und beleidigt werden.Es sollte doch über Sinn und Bedeutung von Internaten im Dialog gesprochen werden.Ich selbst habe vor 50 Jahren eine Schule mit Internat besucht und was ich dort im Zusammenleben mit meinen Mitschülern gelernt habe,hat mein ganzes Leben geprägt.Toleranz,Mitgefühl,Hilsbereitschaft und Solidarität sind durch diese Erfahrungen Bestandteil meines Lebens geworden.Diese Möglichkeiten sollten nicht aufgegeben werden und vor allen Dingen nicht schlecht geredet werden.
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