ÄgyptenDie Revolution frisst ihre Frauen

Dieses Bild ging um die Welt: In Kairo liegt eine junge Demonstrantin wehrlos am Boden, während Soldaten sie treten und ihr die Kleider vom Oberkörper reißen, bis auf ihren blauen BH. Wer ist diese Frau? Wer sind die mutigen Mädchen vom Tahrir-Platz – und haben sie eine Chance im neuen Ägypten? von Julia Gerlach und

Mit bloßem Rücken liegt sie auf dem Asphalt des Tahrir-Platzes. Knüppel gehen auf sie nieder. Sie krümmt sich unter den Schlägen der Soldaten. Mit dem Bein wehrt sie sich und versucht, die Polizeistöcke von ihrem Körper fernzuhalten. Bis ihr ein Militärpolizist mit dem Stiefel ins Gesicht tritt. Dann ziehen sie ihr den langen schwarzen Umhang ganz über den Kopf. Reißen ihr Unterhemd hoch, allein den blauen Büstenhalter lassen sie ihr noch. Ein Mann stellt sich breitbeinig über sie und springt ihr auf die Brüste. Der Kopf kippt ins Genick. Ihr Körper schlägt auf den Asphalt. Ein Militärpolizist deckt sie mit ihrem Gewand zu, als wäre sie tot.

Eine Minute und 24 Sekunden dauert diese Szene, verbreitet auf Tausenden Facebook-Seiten, hunderttausendfach angeklickt auf YouTube, gedruckt auf Titelseiten in aller Welt. Es ist das erschütternde Bild von Courage und Elend der ägyptischen Revolution : die öffentlich gefolterte Frau – geschändet nicht vom alten Mubarak-Regime, sondern von den Milizen der neuen Militärregierung. Längst ist das "Mädchen mit dem blauen BH" in Ägypten zu einer Ikone geworden – wegen ihres Mutes, sagen die einen. Wegen ihrer Verkommenheit, sagen die anderen.

Anzeige

Sechs Wochen nach der Tat, an einem Morgen Ende Januar dieses Jahres, sitzt die junge Aktivistin Hadir Faruk an einem Tisch in Kairo und spielt die brutale Szene auf ihrem Laptop ab, wieder und wieder, als könne sie das Geschehene immer noch nicht glauben. Hadir stand damals, am 17. Dezember 2011, nicht weit von dem Mädchen auf dem Tahrir-Platz. Hadir Faruk nennt sie Schaima. Nur wenige Stunden, bevor die Situation endgültig eskalierte, rückten sie zusammen. "Schaima und ich und viele andere Frauen standen in vorderster Front gegen die Soldaten", erzählt Hadir. "Die sogenannten Retter Ägyptens quälten die Ägypterinnen." Die Uniformierten schlugen mit Knüppeln, malträtierten mit Gummigeschossen und Tränengas, versuchten es mit Einschüchterung. Vor allem auf Schaima zielten sie. "Warum gehst du nicht nach Hause zu deinen Eltern?", frotzelten die Milizionäre. "Da ist es schön warm." Dann zeigten sie ihr, sagt Hadir Faruk, wie eiskalt diese neue Regierung sein kann.

Das ist Ägypten ein Jahr nach der Revolution: Schläge und Demütigungen, Aufstand der Frauen und Erniedrigung durch gewalttätige Männer. Am Jahrestag der Revolution in der vergangenen Woche standen wieder Tausende Frauen auf dem Tahrir-Platz und riefen nach Freiheit. Tausende riefen im Internet zum Widerstand auf. Doch für viele Kommentatoren im Westen haben die Frauen die Revolution längst verloren: 98 Prozent der Abgeordneten im neu gewählten Parlament sind Männer, nur zwei Prozent Frauen. Die Muslimbrüder stellen die mächtigste Fraktion im Parlament, Islamisten dominieren die Debatten und Polizisten die Straßen. Die Schläger vom Tahrir stehen nicht vor Gericht. Das Mädchen mit dem blauen BH ist spurlos verschwunden, und niemand auf der Welt weiß, ob sie überhaupt noch lebt. In Kairo kursieren mehrere Namen von ihr. Aber wer ist sie? Und was bedeutet ihr Verschwinden? Ist ihr Leiden auch das Ende des weiblichen Aufstands?

Die Spurensuche in Kairo beginnt mit Hadir Faruk, der Aktivistin, die behauptet, das Mädchen mit dem blauen BH zu kennen. Schaima sei eine Kämpferin wie sie, sagt Hadir. Sie steht im alten Gebäude der sozialistischen Tagammu-Partei, wo sie häufig an Diskussionsrunden teilnimmt. Galerien und Veranden, Flaggen als Saalschmuck, Holzdielen, Zigarettenrauch. Ältere Männer stehen um die 32-jährige Hadir herum, drängen sie zur Seite und reden viel. Es sind Sozialisten, die nicht ganz verstehen können, warum sich die ausländischen Reporter nun so sehr für die kleine Frau mit dem schwarzen Kopftuch interessieren – und nicht für ihren ewigen Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit. Da beginnt sie schon, die Geschlechterkonkurrenz. Hadir entscheidet sie heute problemlos für sich. Die Informatikerin und Mutter von drei Kindern redet klar, knapp und entschieden. Anders als die weitschweifigen Altsozialisten.

Doch man muss diese Konkurrenz, die ständige Bevormundung in Ägypten kennen, um zu begreifen, worum es in dieser Revolution der Frauen auch geht. Die große Gängelung durch das Mubarak-Regime wurde viele Jahre begleitet durch die kleine alltägliche Belehrung der Frauen durch die Männer. Hadir Faruk gehört mit ihren 32 Jahren zu der Generation Frauen, denen die Eltern wenig erlaubten und viel vorschrieben. "Und die Jungs durften immer alles!" Sie läuft heute noch rot an vor Zorn, wenn sie darüber spricht. Sie erinnert sich noch genau an eine Feier im Kindergarten. Sie wollte tanzen. Da stand ein jüngerer Cousin auf und schimpfte: "Du darfst das nicht!" Sie setzte sich wieder hin, dann tanzte er selbst. Die Erwachsenen schauten zu und fanden das in Ordnung.

"Diese Erfahrungen haben mich stark und stur gemacht", sagt Hadir Faruk. Im Leben gehe es jetzt darum, sich nicht kleinkriegen zu lassen. Vor allem nicht vom Militär, das versuche, die Frauen von der Straße zu jagen. Sie gehörte zu den Ersten, die vor einem Jahr gegen Mubarak demonstrierten. Als die Aufstände losgingen, suchte sie sich einen Babysitter für die Kinder. Am nächsten Tag stand sie in Tränengaswolken. Es wurde ein hartes Jahr für ihre Familie. Ihr Mann, ein Ingenieur, kämpfte bei der eher liberalen "Bewegung des 6. April" gegen das Regime. Sie selbst bei den Linken. Man sah sich auf dem Tahrir-Platz. Die Ehe ging im vergangenen September in die Brüche, die Kinder kamen zur Großmutter. Doch Hadir Faruk sagt: "So eine Chance erhältst du nur einmal im Leben."

So scheint es – und doch haben Frauenaufstände in Ägypten eine gewisse Tradition . Das mussten die britischen Kolonialherren erfahren, als die Ägypter im Frühjahr 1919 gegen sie aufstanden. National gesinnte Frauen zogen in Massenmärschen durch die Straßen ägyptischer Städte, gehüllt in schwarze Mäntel und vermummt mit weißen Tüchern, damit man sie nicht erkannte. In der Revolution von 1919 spielten Frauen und die ersten Feministen eine sichtbare Rolle. Für die Briten war das nicht minder unangenehm als für das ägyptische Militär heute: Wer Frauen öffentlich schlägt, löst mehr Empörung aus, als wenn er Männern Gewalt antut. Auch in den fünfziger Jahren, nach dem Putsch gegen König Faruk, gingen Frauen auf die Straße. Damals forderten sie Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Nawal al-Saadawi, die bekannte ägyptische Feministin, sagt: "Wir entlarvten die Verflechtung von Patriarchat und Kapitalismus." Die junge Sozialistin Hadir Faruk meint: "Auf Arabisch ist die Revolution weiblich!"

Das haben die Militärpolizisten auf dem Tahrir-Platz begriffen. Für sie sind Frauen wie Hadir Faruk die gefährlichsten Gegner. An demselben Dezembertag, an dem das Mädchen mit dem blauen BH verprügelt wurde, nahm ein Offizier Hadir Faruk fest. Sie wurde ins leer stehende Parlamentsgebäude geschleppt, dorthin, wo die frei gewählten Abgeordneten Ägyptens vorige Woche ihre erste Sitzung zelebrierten. Die Wachsoldaten beleidigten Hadir, begrapschten sie. "Ich hielt meine Hose fest, dann bekam ich Schläge an den Kopf", sagt sie. Soldaten schoben sie durch einen langen, engen Flur voller Menschen, laut, stinkend, ohne Luft zum Atmen. "Ich war wahnsinnig vor Angst", sagt Hadir Faruk, "und sehr wach." Sie sah die Mädchen mit den verbundenen Augen, die auf dem Boden kauerten, den Jungen, der in einem Seitenraum mit einem Stock gequält wurde, Erbrochenes auf dem Boden vor ihm. Am Ende des Korridors wurde sie in einen Raum gedrängt, ein Polizist mit einer Eisenstange stand vor ihr, die Tür ging zu. "Rache stand in seinem Gesicht geschrieben", sagt Hadir Faruk. Er schlug zu, minutenlang. Sie schrie und wehrte sich mit bloßen Armen. Später im Krankenhaus erfuhr sie von den Ärzten, dass der Polizist ihren Unterarmknochen komplett zertrümmert hatte.

Etwa zur selben Zeit krümmte sich das Mädchen mit dem blauen BH auf dem Tahrir-Platz. Als eine Frau in einem roten Pullover, eine Ärztin, ihr zu Hilfe eilte, wurde auch sie getreten, geschlagen, misshandelt. Videos, die im Internet kursieren, dokumentieren das. Kein Staatsanwalt hat jemals nach den Tätern gesucht. Niemand wurde jemals für diese Tat bestraft.

Inzwischen sind die Spuren auf dem Tahrir-Platz und im Parlament längst verwischt. Vor der ersten Sitzung der neuen Abgeordneten zogen die Putzkolonnen durch den Plenarsaal. Auf dem Tahrir-Platz deutet nichts mehr auf die Folterstätte des unbekannten Mädchens hin, keine Blumen, kein Schild. Irgendwo auf der Fahrbahn zwischen dem Ägyptischen Museum und dem Gebäude der Arabischen Liga muss das Mädchen gelegen haben, dort, wo täglich Tausende Autos entlangrollen.

Der Wind treibt Müll über den Platz, die Luft riecht nach verbleitem Benzin, nach Popcorn und Süßkartoffeln, die hier neben ägyptischen Flaggen und Revolutions-Tand verkauft werden. Laut ist es, sehr laut. Nur von dem Mädchen, das die Aktivistin Hadir Faruk Schaima nennt, hat man keinen Ton mehr gehört. Lebt das Mädchen noch? Hat es sich versteckt? Ist es verhaftet worden? Hadir Faruk weiß es nicht.

Fragt man bei ägyptischen Frauenorganisationen nach, leiten diese einen weiter an andere Aktivistinnen, an Mädchen, die erklären, mit ihr studiert zu haben. Über Handy verabreden wir uns mit diesen Frauen in Kairo. Einige glauben, sie zu kennen, vom Tahrir-Platz, von den gemeinsamen Demonstrationen. Wo sie jetzt ist? Schulterzucken. Ob sie ihren Verletzungen erlegen sei? Die meisten schütteln den Kopf. Auch in den Krankenhäusern ergibt sich keine Spur. Hätte man die junge Frau verhaftet, heißt es, hätte man etwas von ihren Angehörigen gehört, von Freunden. Andererseits: Das ägyptische Militär und die Justiz veröffentlichen keine Zahlen von Inhaftierten, nennen auch keine Namen. Die Aktivistinnen jedoch meinen: Wäre sie gestorben – längst wäre sie eine weltbekannte Märtyrerin! Wo auch immer sie ist: Das Mädchen, das vielleicht Schaima heißt, schweigt.

Hadir Faruk aber macht Lärm. Sie hat die Staatsanwaltschaft mobilisiert gegen den Soldaten, der sie misshandelte, gegen das Krankenhaus wegen des Pfuschs an ihrem Arm, gegen den Militärrat, gegen den ägyptischen Staat. Auch wenn Frauenorganisationen ihr zur Seite stehen, erfordert das großen Mut. Hadir Faruk sucht die Öffentlichkeit, sie greift an und macht sich angreifbar. Ihre Widersacher sind zahlreich und mächtig.

Die Gegner der Frauenrevolution kommen aus dem Militär und aus dem rechten islamistischen Lager, vor allem aber sind sie auf der Straße zu finden: als normale ägyptische Bürger, zum Beispiel im Kairoer Mittelklasse-Stadtteil Abbassia. Eine Straßenkreuzung in der Nähe des Sitzes der Militärregierung ist zum Treffpunkt des anderen, antirevolutionären Ägypten geworden. Frauen wie Hadir Faruk und die Demonstranten vom Tahrir-Platz werden hier nicht gerne gesehen. Umm Ahmed, die "Mutter von Ahmed", die ihren bürgerlichen Namen nicht nennt, schiebt die Schuld für die Prügelorgien des Militärs auf die aufsässigen Frauen. Und das Mädchen mit dem blauen BH, auf das eingetreten wurde, obwohl es wehrlos am Boden lag? "Wenn die sich anständig angezogen hätte, wäre das nie passiert." Umm Ahmed selbst geht nur mit Kopftuch und langem Mantel auf die Straße. "Wer trägt denn bitte schön nur einen BH unter dem Gewand?", fragt sie und zupft an ihrem Ausschnitt: "So gehört sich das!" Ein Strickpulli kommt zum Vorschein. "Und was hat dieses Mädchen überhaupt auf dem Tahrir-Platz verloren?" Umm Ahmed spuckt die Worte voller Verachtung aus. Die Umstehenden nicken. Das Mädchen mit dem blauen BH, das wie keine andere Frau für die Brutalität des Militärregimes steht, wird hier in Abbassia ganz anders gesehen. Die konservative stille Mehrheit fühlt sich von ihr und den Demonstranten bedroht: Diese Bürger sehen ihre gute alte Ordnung, ihr Land in Gefahr.

Die meisten Ägypter standen der revoltierenden Jugend von Anfang an skeptisch gegenüber. Das änderte sich nur kurzzeitig, als Mubarak im Februar 2011 gestürzt wurde und sich die Welt anerkennend über Ägyptens Jugend äußerte. Da feierte auch die konservative Mehrheit "ihre" Helden. Als die Aktivisten jedoch begannen, das Militär zu kritisieren, war es damit vorbei. Die Konservativen sehnten sich nach Stabilität. Und die versprach ihnen das Militär. Die Aufrechterhaltung des Anstands in der Familie und der Aufbruch der Frauen, das sind in den Augen der Konservativen unvereinbare Dinge. Besonders empörten sie sich darüber, dass die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz übernachteten. Aktivisten neben Aktivistinnen. Da sei ja alles möglich gewesen!

"Anständige Leute würden die Revolution sowieso tagsüber machen. Dann würden die Mädchen gar nicht auf die Idee kommen, draußen zu schlafen", sagt Mustapha Abdel Wardith. Er ist Kulturredakteur bei der staatlichen Zeitung Al-Ahram, die vor der Revolution ein Sprachrohr des Regimes von Hosni Mubarak war. Auch Wardith steht in der aufgebrachten Menge an der Kreuzung in Abbassia. Der Journalist empört sich darüber, dass die Aktivisten die Wahrheit über das Mädchen mit dem blauen BH verdrehen würden. "Ich habe gehört, dass es in Wirklichkeit das Mädchen war, das die Soldaten angriff. Dass sie dann wegrannte, stolperte und ein paar ihrer Freunde ihr den Mantel aufrissen, als sie sie über den Asphalt wegziehen wollten. Die Soldaten kamen ihr nur zu Hilfe, sie wollten ihre Blöße bedecken. Es ist schlimm, wie die Wahrheit manipuliert wird", sagt er. Hat er das Video des Vorfalls auf YouTube nicht gesehen? "Habe ich nicht", sagt Wardith. Aber er sei sich trotzdem sicher.

So wie Wardith denken viele Ägypter: Das Mädchen ist schuld. Das Militär ist unschuldig. Man weigert sich, das Video anzuschauen. Denn wer könnte dann noch glauben, was er so gerne glauben will?

Von dieser öffentlichen Ignoranz profitiert vor allem die Armee. Ägyptens faktischer Herrscher, Feldmarschall Mohammed Tantawi , tut alles, um die Legende vom unschuldigen Soldaten zu erhärten. Vor wenigen Wochen besuchte ihn der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und fragte den Oberbefehlshaber, was die Soldaten mit dem Mädchen mit dem blauen BH gemacht hätten. Danach fasste Carter sein Gespräch mit Tantawi so zusammen : "Er sagte mir, dass die kursierenden Videos, die Militärs bei Angriffen auf Demonstranten und auch auf das Mädchen mit dem blauen BH zeigen, alle gefälscht seien. Er sagte, dass die Soldaten im Gegenteil der Frau geholfen hätten, sich wieder zu bekleiden und aus der provokativen Aufmachung herauszukommen."

Es ist eine aberwitzige Erklärung angesichts von Aufnahmen, die Journalisten und Politiker weltweit als authentisch ansehen. Doch die Gegner des Frauenaufstands greifen sie dankbar auf. Sie hilft hinweg über die verstörenden Fernsehbilder von Polizeiwagen, die absichtlich Demonstranten überfahren. Über die Aufnahmen von Soldaten, die auf christliche Kopten Jagd machen. Die Frauen mit Knüppeln und Eisenstangen schlagen. Die mit Pistolen wahllos in die Menge schießen. Journalisten der militärtreuen Medien fragen dann: "War die amerikanische Polizei etwa besser, als sie die Occupy-Wall-Street-Demonstrationen auflöste ?" Die beliebteste Erklärung aber ist: Die Militärpolizei sei nur gegen "Schlägerbanden" vorgegangen. Die implizite Botschaft: "Dann traf die Gewalt ja die Richtigen!"

Was Demonstranten öffentlich berichten, passt nicht im Geringsten zur Legendenbildung des Militärs. Zwei junge Frauen mit Kopftuch gaben Mitte März vergangenen Jahres eine Pressekonferenz und erzählten, was ihnen nach ihrer Verhaftung wenige Tage zuvor passiert sei. Ein Armeeangehöriger im Arztkittel habe seinen Finger in ihre Scheide gesteckt, um zu prüfen, ob sie noch Jungfrauen seien. Der Militärführung gelang es zunächst noch, die jungen Frauen als Lügnerinnen darzustellen, doch der "Jungfräulichkeitstest" verfolgte die Generäle. Zwei Monate später erzählte ein Offizier der CNN-Reporterin Schahira Amin, dass es solche Tests tatsächlich gegeben habe . "Sie müssen verstehen, diese Mädchen sind nicht so wie Ihre Töchter oder meine. Die haben mit Männern übernachtet", zitierte ihn Amin. Sind die neuen Herrscher so brutal wie das alte Regime? Im Chaos der Schlachten und Frauenproteste auf dem Tahrir-Platz, in der sich verschärfenden Wirtschaftskrise wollen viele konservative Ägypter wenigstens das gute Bild der Armee bewahren, ein Überbleibsel der alten Ordnung. Voller Hass sehen sie auf die Aktivisten, die ihre Illusionen zerstören. Ein Opfer der Jungfräulichkeitstests, Samira Ibrahim, traute sich als erste Frau und reichte Klage gegen das Militär ein . Das Verwaltungsgericht hat ihr recht gegeben. Jetzt liegt der Fall beim Militärgericht und wurde sogar angenommen. Die Veröffentlichung hat die Armeeführung gezwungen, die Sache ernst zu nehmen. Das ermutigt andere Frauen, ebenfalls zu klagen.

Doch wie kam man eigentlich auf die Idee mit den Jungfräulichkeitstests? Magda al-Adly vom Kairoer Nadeem-Zentrum , das Opfern von Gewalt hilft, erkennt darin die krause Logik konservativer Ägypter: "Die Soldaten haben wie viele Bürger gedacht, die Frauen seien nicht aus politischen Gründen auf dem Tahrir, sondern wegen der Männer, mit denen sie geschlafen hätten. Was machen junge Frauen auch sonst, wenn sie nicht unter Aufsicht ihrer Eltern stehen?", fragt sie sarkastisch. Wer so denke, fürchte dann wohl auch, dass die Mädchen nach der Verhaftung behaupten könnten, sie seien von den Offizieren vergewaltigt worden. "Ein General mit diesem Weltbild kann also durchaus auf die Idee kommen, zu prüfen, ob die Frauen bei der Verhaftung noch Jungfrauen sind", sagt Al-Adly. Schließlich gelte es, den "guten Ruf der Armee" zu schützen.

Doch um Selbstschutz allein geht es nicht. Al-tacharusch al-ginsi – sexuelle Belästigung – wird in Ägypten schon seit Jahrzehnten eingesetzt, um Oppositionelle, selbstbewusste Frauen und alle, die dem Staat nicht gefallen, einzuschüchtern. Auch auf den Straßen ist Gewalt gegen Frauen fast alltäglich. Einer Umfrage der Menschenrechtsorganisation Egyptian Center for Women’s Rights zufolge wurden 83 Prozent aller Ägypterinnen bereits Opfer sexueller Übergriffe. Meist sind die Täter Männer aus ärmeren Schichten, die ihren Frust ablassen; am liebsten an Mädchen der besseren Schichten. Der angeekelte Ausdruck auf dem Gesicht ihres Opfers ist ihr Triumph. Die Polizei und das Militär machen Politik daraus. Zivilpolizisten mischen sich oft unter die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, fassen Frauen im Gewühl in die Hose oder reißen ihnen die Kleider weg. Das Ziel: Frauen sollen bei ihrem Mann oder ihren Eltern bleiben, sie sollen aus dem öffentlichen Raum verschwinden, keine Politik machen. Viele Familien halten sich daran, allein um ihre Töchter vor Polizeigewalt und zugleich die Ehre der Väter zu schützen: Revolution? Ist doch unmoralisch!

Das extrem konservative Frauenbild der meisten Ägypter – und dazu gehören auch die Generäle – hat seine Wurzeln in den Traditionen des Landes. Gefüttert wird es allerdings auch von religiöser Seite. Hier spielen vor allem die Salafisten eine Rolle, die den Koran und dessen Vorschriften besonders streng auslegen: Die Frau ist dem Mann untertan. Rund um die Uhr beraten salafistische Prediger im Satelliten-TV Gläubige in Ehe- und Familienfragen. Schon das alte Regime von Hosni Mubarak gab ihnen Sendelizenzen und förderte sie, denn seiner Ansicht nach kümmerten sie sich nur ums Private. Die Salafisten predigten, dass ein ungerechter Herrscher dem Chaos der Revolution vorzuziehen sei.

Nun, nach Mubaraks Sturz, gründeten die Salafisten plötzlich politische Parteien – und mussten aufgrund des Wahlgesetzes sogar Kandidatinnen aufstellen. Das war ein großes Problem, denn manche salafistische Prediger verbieten es, das Gesicht von Frauen in der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Sprecher der salafistischen "Partei des Lichts" erklärt, wie man das Problem löste: "Wir haben es unseren Kandidatinnen freigestellt, ob sie ihr Gesicht auf dem Wahlplakat zeigen oder es lieber durch eine Blume oder ein Bild ihres Ehemanns ersetzen wollen." Die meisten Kandidatinnen entschieden sich für eine Rose. Mit fast 22 Prozent der Sitze wird die "Partei des Lichts" im neuen Parlament eine wichtige Rolle spielen – im Gegensatz zum weiblichen Geschlecht. Im neuen Abgeordnetenhaus sitzen mit zwölf Frauen noch weniger Parlamentarierinnen als unter Mubarak . Keine der salafistischen Kandidatinnen hat es ins Parlament geschafft. Der Sprecher der "Partei des Lichts" vermisst sie nicht: "Frauen in der Politik sind doch ein Minderheitenthema. Die ägyptischen Frauen haben ganz andere Probleme, sie brauchen bessere Bildung, Jobs und eine funktionierende Gesundheitsversorgung."

Gelingt es den Gegnern der Erhebung, die Frauen zu entmutigen? Ist die Revolution nicht mehr weiblich?

Für Salafisten und konservative Generäle ist Hebba Kotb eine Provokation. Allein die Erwähnung ihres Namens lässt viele Ägypter erröten. Die 44-Jährige mit dem beigefarbenen Kopftuch ist Ägyptens erste Sex-Talkerin und spricht im Fernsehen live über Masturbation, Orgasmus und Islam. Als Ärztin und promovierte Sexologin, als gläubige Muslimin. Sie will die Tradition aufbrechen, die Frauen auf Haus, Kinder und Pflichterfüllung gegenüber dem Ehemann reduziert. Im Revolutionsjahr 2011 habe sich einiges getan im Verhältnis der Geschlechter, sagt sie. "Männer interessieren sich mehr für die Bedürfnisse der Frauen", sagt sie. Das liege auch daran, dass Männer gesehen hätten, wie viele Frauen für ihre Rechte aufstehen. Zum ersten Mal sei das Bewusstsein dafür auch in die unteren sozialen Schichten gesickert. "Männer haben Angst, dass ihre Frauen ihnen untreu werden könnten, wenn sie sexuell nicht befriedigt werden", sagt Hebba Kotb. Auch das sei eine Art Umsturz. Nicht im Sinne von ungehemmter Freizügigkeit jenseits der Ehe, nein: Kotb propagiert eine sexuelle Revolution, die strikt auf die Ehebetten beschränkt bleibt. Die Menschen sollen davon abgehalten werden, die Gebote des Islams zu übertreten. Sie sollen nicht fremdgehen. Deswegen will Kotb ihnen helfen, besseren Sex innerhalb der Ehe zu haben. Den Vorwurf der Revolutionsgegner, auf dem Tahrir-Platz sei Unmoralisches geschehen, hält sie für absurd. Sie war mit ihren drei Töchtern dort. Die Zelte seien ein öffentlicher Ort gewesen. Sex? "Doch nicht auf dem Tahrir!"

Iman Mohammed hat in einem dieser Zelte übernachtet. Jetzt sitzt sie in einem Szenecafé am Tahrir-Platz, wenige Schritte von dem Streifen Asphalt entfernt, auf dem das Mädchen mit dem blauen BH verprügelt wurde. Die 22-Jährige trägt einen langen Mantel und ein Kopftuch, das ihr weit in die Stirn reicht. Auch sie sagt, sie kenne das Mädchen mit dem blauen BH von den Demonstrationen und könne mehr über sie erzählen. Iman ist eine von vielen Töchtern aus frommen Elternhäusern, die sich dem Aufstand angeschlossen haben. "Ich bin eine ikhwania – eine Muslimschwester", sagt sie. Auch da irren die Gegner des Frauenprotests: Das Aufbegehren ist nicht auf Liberale, Linksintellektuelle und Feministinnen beschränkt.

"Der Islam verbietet den Frauen nicht, in die Politik zu gehen. Im Gegenteil", sagt Iman. Die Informatikstudentin war wie ihre Eltern und Großeltern Mitglied in der Muslimbruderschaft. Das wäre wohl auch so geblieben, wäre nicht die Revolution gekommen. Die hat ihr eine neue Partei und einen Verlobten beschert. "Es begann beim Ausbruch der Aufstände vor einem Jahr mit einem Anruf der Leiterin meiner Mädchengruppe. Sie wollte nicht, dass ich mitdemonstriere. Ich bin trotzdem gegangen." Im Sommer brach Iman endgültig mit der Bruderschaft und half dabei, die Ägyptische Trendpartei zu gründen, eine kleine, gemäßigt islamistische Partei.

Die Revolution brachte ihr noch etwas – Mohammed. "Ich lernte ihn kennen, weil er mich anschrie." Sie stand bei den Demonstranten ganz vorn, direkt vor den Knüppeln der Polizei. Er brüllte sie an, das sei kein Platz für Mädchen. "Ich schrie zurück, dass ich da genauso stehen könne wie jeder Mann", sagt sie heute. Mohammed schwieg. Nach dem Sturz Mubaraks machte er ihr einen Heiratsantrag. Doch sie zögerte. Sie sagt: "Ich mochte ihn, aber während der Tage auf dem Tahrir-Platz hat er mich bevormundet – typisch ägyptischer Mann." Sie wollte sich nichts mehr befehlen lassen, von niemandem, nirgendwo. Sie sagt: "Früher hat meine Mutter mir wenig erlaubt, doch seit sie gesehen hat, dass ich auf dem Tahrir-Platz war, wo Menschen gestorben sind, traut sie mir zu, dass ich auf mich aufpassen kann." Iman ist sehr stolz, als sie das erzählt.

Ihr wachsendes Selbstbewusstsein färbte auch auf Mohammed ab. Im Laufe der Revolution veränderte er sich. "Er nimmt meine Meinung jetzt ernster, und wir diskutieren viel", sagt sie. Einen solchen Wandel beobachte sie auch bei anderen Männern. "Hier findet gerade eine Neujustierung der Geschlechterrollen statt."

Iman leidet allerdings darunter, dass so viele Ägypter diesen Umbruch nicht sehen wollen. "Es ist schrecklich, wie schlecht die Mehrheit der Bevölkerung über uns denkt", sagt sie nachdenklich. Bei der gequälten Frau mit dem blauen BH sei das besonders extrem. "Diese abfällige Art, mit der die Leute auf der Straße über sie reden, ist das Schlimmste, was ich im Jahr der Revolution erlebt habe", sagt sie. Die Vorwürfe, sie hätte die Polizisten angegriffen, sie sei unmoralisch, sie hätte nur den BH unter ihrem Mantel getragen: "Alles Lügen!" Iman meint: "Sie hatte noch ein T-Shirt an, das die Soldaten ebenfalls hochgerissen haben." Sie sei eine 20-jährige Ingenieurstudentin an der Deutschen Universität Kairo. Auch sie sei ein ehemaliges Mitglied der Muslimbruderschaft. Iman sagt, sie kenne das Mädchen mit dem blauen BH, aber nicht unter dem Namen Schaima, das Mädchen heiße Arwa. Redet sie von derselben Frau? Alles, was sie beschreibt, passt: der Ort, der Tag, der hochgezogene Mantel, die Schläge, der BH. Aber wen zeigt das Video? Schaima oder Arwa? Iman meint, Arwa sei nicht untergetaucht, sondern an die Universität zurückgekehrt: "Sie hat das aber nur geschafft, weil keiner weiß, dass sie es ist."

Vielleicht weiß auch einfach niemand genau, wer das Mädchen mit dem blauen BH wirklich ist. Vielleicht hat es sogar einen ganz anderen Namen. Fragt man an der Deutschen Universität in Kairo nach, kann keiner weiterhelfen. Ein Vorname reicht nicht zur Identifikation, schon gar nicht, wenn er nicht gesichert ist. Niemand kennt ihr Gesicht, denn das war auf dem Video nicht zu sehen. Es wurde verdeckt von ihrem schwarzen Mantel, den die Soldaten hochgezogen hatten. Heute ist das ironischerweise ihr Glück. Weil Name, Gesicht und Video nicht zusammenzubringen sind, darf sie wahrscheinlich unerkannt ein normales Leben führen. Es würde ihr sonst zur zweiten Qual – einer nicht endenden. Sie würde zum Objekt des Gaffens und zur Galionsfigur weiblichen Leidens in der Revolution. Deshalb, sagt Iman, sei es niemandem gelungen, sie zu überzeugen, vor Gericht zu gehen und in der Öffentlichkeit weiterzukämpfen.

Iman hat es da leichter. Sie hat zwei große Ziele für das zweite Jahr der ägyptischen Revolution: kämpfen und heiraten. Im November hat sie sich mit Mohammed verlobt. Und die Bevormundung? "Ich war auf der Suche nach einem Mann, der meine Meinung respektiert. Ich habe Mohammed beobachtet, wie er sich verändert hat, und bin zu dem Schluss gekommen, dass er der Richtige ist", sagt sie. Zum Heiraten haben die beiden jedoch im Moment keine Zeit. Die Revolution geht vor. Iman träumt davon, ein Medienunternehmen zu gründen. Dazu kommt die Arbeit in der Trendpartei, die noch nicht ins Parlament kam. Aber andere Frauen haben es trotzdem geschafft, immerhin vier Kandidatinnen der Muslimbrüder, fünf bei den liberalen Parteien, drei hat der Militärrat ernannt. "Die Bilder der islamischen Frauen im Parlament haben mich berührt", sagt Iman. Mit ihren großen Kopftüchern seien sie ganz anders als die korrupten Politikerinnen unter Mubarak. "So eine soll Ministerpräsidentin werden!" Warum so bescheiden und nicht Präsidentin? Dafür hält die gläubige Iman die Zeit noch nicht reif.

Es gibt in Kairo eine Frau, die das ganz anders sieht. In der Nähe des Bahnhofs steigt die erste ägyptische Präsidentschaftskandidatin in ihr Auto, einen kleinen Geländewagen. Buthaina Kamel setzt sich selbst ans Steuer. Wohin sie geht, winken Menschen ihr zu. In ihrem Leben vor der großen Politik war sie Moderatorin. Sie hat lange braune Haare, eine schlanke Figur, offene braune Augen. Das ganze Land kennt ihr Gesicht. Warum sie den glamourösen Job als Moderatorin aufgab, um als Präsidentin zu kandidieren, erklärt sie so: "Ich möchte mein Recht wahrnehmen." Buthaina Kamel sagt, es gebe jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit für Frauen, sich auf den höchsten Posten Ägyptens zu bewerben. Wenn keine Frau antrete, könnten Männer auf die Idee kommen, die Sache wieder unter sich auszumachen – Islamisten zum Beispiel oder konservative Militärs. "Deshalb nimm dein Recht wahr, wenn du es kannst", sagt die 49-Jährige.

Kamel fährt langsam und defensiv. Das ist ungewöhnlich in Kairo. Viele Fahrer hupen, preschen an ihr vorbei. Sie hat auch im Auto viel zu tun, telefoniert, regelt ihre Wahlkampagne und wehrt unliebsame Anrufer ab. Ein Stalker stellt ihr nach, ruft sie jeden Tag an. Ein Mann aus Abbassia bedrohte sie mit einem Messer. Ein anderer schlug ihr ins Gesicht und verletzte sie unter dem Auge. Auch deshalb trete sie an, sagt Buthaina Kamel. "Ägypten soll ein Land für alle Ägypter sein, ein Land der Gleichheit der Geschlechter, wo Frauen keine Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen."

Die Frauenrevolution wird weitergehen, egal, wie mächtig ihre Gegner sind, die Generäle, die konservativen Bürger und die Islamisten. Die Umwälzung lässt sich nicht mehr durch Militärs stoppen, weil sie längst die Familien und die Politik erfasst hat. Die Präsidentschaftskandidatin Buthaina Kamel ist die liberale Ägypterin, ohne Kopftuch und ohne Koran. Iman Mohammed steht für die neue Generation ägyptischer Frauen, die Zukunft Ägyptens, gläubig und aus konservativen Elternhäusern. Die Revolution bedeutet für sie Freiheit, in der Politik wie im Privaten. Iman sieht das Erstarken der Islamisten bei den ersten freien Wahlen nicht als Bedrohung. Sie will mithelfen, das islamisch geprägte Land zu gestalten.

Schaima oder Arwa, das Mädchen mit dem blauen BH, wird es auf seine Weise tun. Nicht sichtbar, nicht hörbar. Viele meinen diese Frau zu kennen, doch keiner weiß, wer sie ist. Deshalb traut man ihr jetzt alles Mögliche zu.

Wenige Tage nach ihrer Misshandlung wehte auf dem Tahrir-Platz ein neues Transparent. Es zeigte das gequälte Mädchen als Figur aus einem japanischen Manga-Comic. Sie liegt nicht hilflos am Boden. Sie springt in Karatehaltung einem Soldaten entgegen und tritt ihm mit aller Wucht unters Kinn. "Rache!", steht über der Zeichnung, nur dieses eine Wort.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • moppelg
    • 07. Februar 2012 19:51 Uhr

    mit traurigem Inhalt!
    Da kann man schon das Kotzen bekommen bei dieser Menschenverachtenden Haltung vieler.
    Bewegt mich gerade überhaupt nichts in dieses Land...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Artikel bestätigt meine schon seit langem vertretene These, dass man in den nordafrikanischen Ländern noch weit, weit davon entfernt ist, wirklich reif für die Demokratie zu sein. In der sozialen, kulturellen und auch politischen Evolution steht man sehr weit hinter Europa zurück. Demokratie entsteht nun einmal nicht als erstes im Großen, sondern im Kleinen. Solange aber die Anhänger des totalitären Islamismus, also die Totschläger und Frauenverprügler, die Meinungs- und Deutungshoheit besitzen, geht Demokratie einfach nicht.

    [...]

    Gekürzt. Nehmen Sie abstand von polemischen und hetzerischen Äußerungen. Die Redaktion/mak

  1. Es ist zwar schlimm für die Frauen ,aber...

    Auch die Revulutionen hier haben nicht sofort zu Frauenrechten geführt. WEnn die Frauen was verändern wollen werden sie sich für ihre Rechte einsetzen und notfalls auch Kämpfen müssen.

    Eine Revormations Gewegung braucht Zeit, sie hat auch im Westen nicht innerhalb eines Jahres Funktioniert. Aber sie hat sich immer in kleinen Schritten wieterentwikelt und sich von Schritten Rückwärts nicht stoppen lassen.

    • Karl63
    • 07. Februar 2012 20:46 Uhr

    einer jener Artikel, welcher in meinen Augen die Qualität der ZEIT ausmacht.
    Wenn die Zukunft Ägyptens nicht durch die ungelösten Probleme der Gegenwart bestimmt werden soll, dann wird dies nicht ohne weitgreifende Veränderungen in Staat und Gesellschaft gehen. Die Rechte der Frauen in der Gesellschaft sind dabei auch ein Gradmesser, inwieweit diese zu Veränderungen auch fähig sind. Dass in dem jüngst gewählten Parlament so wenige Frauen als Abgeordnete vertreten sind, ist zunächst einmal kein gutes Zeichen.

  2. ...die Frauen die Verliererinnen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "4. Nicht nur in Ägypten sind...
    ...die Frauen die Verliererinnen..."

    Dies ist nicht das Ende der Geschichte.
    Außerdem geht es nicht um einen Sieg über die Männer, sondern um die Schaffung einer Gesellschaft gleichberechtigten Miteinanders.
    Die Unterdrückung der Frauen findet durch Männer und Frauen statt, und auch Männer sind in diesem System unfrei.

    Die Gewalt gegen Frauen ist ein Zeichen, dass die Unterdrücker die Stärke der Frauen kennen und vor ihnen Angst haben. Feiglinge und Versager schlagen körperlich Schwächere.

    Wir werden sehen, wie die Geschichte weitergeht......

    Gleichberechtigte und freiheitliche Gesellschaften sind erfolgreicher, und Ägypten braucht eine Wirtschaft, die schneller wächst als die Bevölkerung.

  3. .. "Die Revolution frisst ihre Frauen". Ein verfluchtes leerest Geschwätz aus den Reihen der Girondisten, die sich den Teufel um Besserung scherten. Und hier als wortspielerische Ausleihe etwa gut platziert? Nein! Es sind ohnenhin muslimische Männer und nicht die Revolution. Die Frauen in Ägypten und in den "brüderlich" angrenzenden Ländern haben nur eine Chance: sie machen, was Mann ihnen sagt. Der Islam ist Ein-Mann-Religion, wie sollte ernsthaft dort eine Frau einem Mann gleichgestellt sein? Nur in Israel ist das ganz anders. Der Himmel sei dafür gepriesen.

    Wünsche: http://www.youtube.com/watch?v=RHXgHDisoFk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ein verfluchtes leeres Geschwätz aus den Reihen der Girondisten, die sich den Teufel um Besserung scherten.", sollte es heißen. Danke.

  4. "Ein verfluchtes leeres Geschwätz aus den Reihen der Girondisten, die sich den Teufel um Besserung scherten.", sollte es heißen. Danke.

  5. "4. Nicht nur in Ägypten sind...
    ...die Frauen die Verliererinnen..."

    Dies ist nicht das Ende der Geschichte.
    Außerdem geht es nicht um einen Sieg über die Männer, sondern um die Schaffung einer Gesellschaft gleichberechtigten Miteinanders.
    Die Unterdrückung der Frauen findet durch Männer und Frauen statt, und auch Männer sind in diesem System unfrei.

    Die Gewalt gegen Frauen ist ein Zeichen, dass die Unterdrücker die Stärke der Frauen kennen und vor ihnen Angst haben. Feiglinge und Versager schlagen körperlich Schwächere.

    Wir werden sehen, wie die Geschichte weitergeht......

    Gleichberechtigte und freiheitliche Gesellschaften sind erfolgreicher, und Ägypten braucht eine Wirtschaft, die schneller wächst als die Bevölkerung.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Gleichberechtigte und freiheitliche Gesellschaften sind erfolgreicher"

    Stimmt nicht - China.Südkorea wurde unter einer Militärdiktatur Wirtschaftsmacht.

    • Xdenker
    • 07. Februar 2012 22:00 Uhr

    In jeder Gesellschaft herrscht ein bestimmter, kulturell geprägter Geist aus Werten, Einstellungen, Überzeugungen, Verhaltensmustern etc.. Das, was in ihr geschieht, wie sie "tickt", von wem und wie sie regiert wird etc., ist nicht unabhängig von diesem (ggf. Un-)Geist zu sehen und insofern kein Zufall. Er ist sehr persistent. Ein Regimewechsel ändert ihn nicht. Vielmehr untersteht er (der Regimewechsel) seinem Einfluss oder ist gar dessen Produkt.

    Wes Geistes Kind eine Gesellschaft in ihrer kulturellen Prägung ist, zeigt sich sehr deutlich, wenn die herschenden Autoritäten an disziplinierender Kraft verlieren, oder (wie "damals in Deutschland") bestimmte Seiten des kollektiven (Un-)Geistes gezielt wecken und fördern.

    Ein Wandel desselben kann nur ein substanzieller sein und ist daher ein sehr langwieriger Prozess.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service