Rente mit 67Im Schraubstock der Demografie

Die Kolumne von Peer Steinbrück: Einige Fakten zum Anpassungsdruck auf Staat und Gesellschaft.

Zwei Rentnerinnen in Berlin

Zwei Rentnerinnen in Berlin

Das Verhältnis der Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis unter 65 Jahre) zu jener im Rentenalter (65 Jahre und älter) ändert sich dramatisch. Standen 1990 noch 100 Bürgern im Erwerbsalter 23 über 65-Jährige gegenüber, waren es 2010 bereits 34. In weniger als 20 Jahren werden es wahrscheinlich 53 Rentner sein. Also werden dann in der gesetzlichen Altersversorgung zwei Bürger im Erwerbsalter mit ihren Arbeitgebern für einen potenziellen Rentenbezieher aufkommen müssen.

Nicht weniger deutlich sinkt der Jugendquotient, also der Anteil der unter 20-Jährigen je 100 Erwerbsfähige, was keine besseren Perspektiven für die Finanzierungsgrundlagen der Rentenversicherung eröffnet – ganz abgesehen davon, wie sich die Innovationsfähigkeit, die Neugier und kulturelle Aufgeschlossenheit einer Gesellschaft entwickeln, in der die Altersgruppe »65 plus« größere Bataillone stellt als die Jungen.

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Die Rentenbezugsdauer lag im Jahr 1960 noch bei durchschnittlich 9,9 Jahren. Im Jahr 1990 waren es im Zuge des medizinischen Fortschritts und der besseren Lebensbedingungen schon 15,4 Jahre und 2010 fast 19 Jahre. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, da die Lebenserwartung der über 65-Jährigen durchschnittlich um knapp 1,5 Monate pro Jahr oder bis 2030 um fast drei Jahre zunehmen dürfte, wie es der Rentenexperte und frühere Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup, veranschlagt.

Peer Steinbrück - Zur Sache

SPD-Mann aus Norddeutschland, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, Finanzminister der Großen Koalition, ihr Bankenretter und Krisenkämpfer, zuletzt Buchautor und Kommentator: Peer Steinbrück hat sich nicht nur als Parteipolitiker einen Namen gemacht, sondern auch als Experte für klare Worte.  Als Sprachrohr des gesunden Menschenverstandes, wo andere im Politsprech erstarren. Einmal im Monat kommentiert er nun in der ZEIT unter dem Titel  »Steinbrück – Zur Sache«  die ökonomischen Zeitläufte

Das Berufseintrittsalter ist seit den fünfziger Jahren, in denen viele mit 15 ins erste Lehrjahr gingen, inzwischen deutlich auf 23 Jahre gestiegen. Dementsprechend verringerte sich die Dauer der Beitragszahlungen in die Rentenversicherung. Richtig ist aber auch: Die Produktivität pro Beschäftigten ist gestiegen, und seit der Jahrtausendwende ist das Berufseintrittsalter immerhin leicht gefallen.

Die Versorgung der pensionierten Beamten wird weniger den Bund und umso mehr die Länder bis Mitte des Jahrhunderts um sage und schreibe über 1.300 Milliarden Euro belasten. Bund und Länder konnten dafür in Form von Pensionsfonds allenfalls minimal vorsorgen. Rückstellungen wie in der gewerblichen Wirtschaft gibt es im öffentlichen Dienst nicht. Der Hinweis von Fachleuten, dass es insbesondere wegen dieser Pensionslasten neben der ausgewiesenen Staatsverschuldung von rund 2.000 Milliarden Euro auch noch eine versteckte gebe, kann selbst mit großen politischen Nebelkerzen nicht verschleiert werden.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, schätzt, dass durch das Altern der Gesellschaft ein demografisch bedingtes Defizit von 70 Milliarden Euro allein bis zum Jahr 2020 entsteht. Er bezieht dies allerdings nicht ausschließlich auf die Sozialausgaben, sondern auch auf die Wertschöpfung in der Volkswirtschaft.

Erhöht sich unsere Geburtenrate nicht erheblich, werden im Jahr 2060 nicht mehr gut 80 Millionen Menschen in Deutschland leben, sondern nur noch 65 Millionen. Hätten wir einen positiven Einwanderungssaldo von jährlich 200.000 Menschen, würde die Einwohnerzahl trotzdem absinken – auf dann 70 Millionen. Dementsprechend verringert sich auch der Anteil der Bürger im erwerbsfähigen Alter von heute 55 Millionen auf 33 Millionen im Jahr 2060, wobei bereits eine durchschnittliche jährliche Zuwanderung von 100.000 Menschen unterstellt ist. Wer den Anteil der Erwerbsbevölkerung als zentralen Finanziers des sozialen Sicherungssystems konstant halten möchte, muss sich für die jährliche Zuwanderung von 500.000 Menschen im Arbeitsalter einsetzen – und alle damit verbundenen Integrationsprobleme lösen.

Aus der Perspektive der Tagespolitik und selbst einer Legislaturperiode mag das alles weit weg und vage sein. In Generationen und Generationenverträgen gedacht, wird das hohe Gut des Sozialstaates aber schnell bedroht, wenn der Anpassungsdruck aus der demografischen Entwicklung ignoriert wird. In den Worten von Franz Müntefering: »Wenn es nicht rechtzeitig moderate Weichenstellungen mit zumutbaren Anstrengungen gibt, werden Sozialstaat und Fortschrittsfähigkeit des Landes in eine dramatisch enge Kurve getrieben.«

Allein die andauernde Verlängerung der Rentenbezugsdauer durch die steigende Lebenserwartung führt zu einer massiven Leistungsausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung, die Bert Rürup auf ein reales Kostenplus von 15 Prozent bis 2030 schätzt. Er fügt hinzu, dass dieses nicht einfach wegreformiert, sondern nur umverteilt werden könne.

Was aber, wenn die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters einfach ausgesetzt wird, ohne dass gleichzeitig auf anderem Wege die durchschnittliche Lebensarbeitszeit erhöht wird? Dann wird der Verteilungskonflikt lediglich vertagt. Das merken die Bürger, selbst wenn ihnen die Aussicht auf die Rente mit 67 als Ärgernis erscheint. Eine bloße Vertagung dient deshalb nicht der viel beschworenen Glaubwürdigkeit der Politik – und auch nicht der Wahrhaftigkeit.

Dann müssten die Bürger wenigstens über die Alternativen zu einer Aussetzung der Rente mit 67 aufgeklärt werden. Da wäre zum einen eine Erhöhung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung für die arbeitende Bevölkerung und damit eine Verringerung ihres verfügbaren Einkommens sowie – bei voller Parität – der Lohnnebenkosten der Arbeitgeber. Da wäre zum Zweiten eine Erhöhung des Zuschusses zur Rentenversicherung aus dem Bundeshaushalt, der bereits heute 82 Milliarden Euro und damit weit mehr als ein Viertel des Etats beträgt (für kritische Leser: Ohne Zuschuss an die Knappschaft und Abgeltung nicht beitragsgedeckter Leistungen sind es immer noch 59 Milliarden Euro). Das wiederum würde die Staatsverschuldung hochtreiben, wenn nicht an anderer Stelle gespart wird oder Steuern erhöht werden. Zum Dritten könnte die Höhe der Renten reduziert werden. Halleluja! Das würde die Befürchtung weiter nähren, dass die Altersarmut zunimmt. Einige Kritiker halten das schon der Rente mit 67 entgegen, weil diese bei fehlenden oder unzumutbaren Beschäftigungsmöglichkeiten im 66. oder 67. Lebensjahr eine faktischen Rentenkürzung bedeutet. Dieses Argument ist richtig, darf aber nicht zur falschen Schlussfolgerung führen, sich von diesem Werkstück alternativlos zu verabschieden.

Wenn die ersten beiden Alternativen insbesondere aus einem Gerechtigkeitsgebot gegenüber nachfolgenden Generationen nicht infrage kommen und die dritte den ohnehin schon problematischen Trend eines abnehmenden Rentenniveaus (von heute etwa 50 Prozent eines Nettodurchschnittseinkommens auf wahrscheinlich 43 Prozent im Jahr 2030) mit der Folge wachsender Altersarmut weiter verschärft, dann wird die Politik jetzt (!) zu einer Erhöhung der Lebensarbeitszeit stehen müssen. Und sie wird nicht zurückdrehen dürfen, was eine rot-grüne Bundesregierung und eine Große Koalition mit Walter Riester und Franz Müntefering als verantwortlichen Sozialministern zur Entlastung des Altersversorgungssystems auf den Weg gebracht haben, um es leistungsfähig zu erhalten. Darüber hinaus sind nennenswerte Fortschritte bei der stärkeren Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt gelungen.

Im Nebel mancher Vorurteile oder Fehlannahmen ist weitere Aufklärung angebracht. Die Rente mit 67 erwischt uns nicht beim Aufwachen zum nächsten Monatsbeginn. Sie wird in monatlichen Stufen über 18 Jahre im Jahr 2029 erreicht. Wer 45 Jahre lang Beiträge zahlt, ist nicht betroffen. Von den heutigen 4,6 Millionen Bürgern im Alter von 60 bis 64 bezieht ein Drittel entweder schon eine Erwerbsminderungsrente oder ist freiwillig in den vorzeitigen Ruhestand gegangen, nimmt also billigend Abschläge in Kauf, um sich sein Leben jenseits beruflicher Inanspruchnahmen bunter, stressärmer oder mobiler einzurichten. Eine andere Gruppe sind Selbstständige oder Beamte, die gar kein Normalarbeitsverhältnis anstreben dürften. Ferner ist eine weitere Gruppe in diversen anderen Formen des Vorruhestandes. Deshalb führt die Zahl, dass die Beschäftigungsquote aller 60- bis 64-Jährigen nur 27 Prozent betrage, in die Irre. Manche Experten schätzen sie auf längst 50 Prozent, bezogen auf diejenigen in dieser Altersklasse, die für ein Normalarbeitsverhältnis überhaupt infrage kommen. Dessen unbenommen droht mit der demografischen Entwicklung bereits weit vor 2029 ein drückender Mangel an Fachkräften. Der wird die Erfahrungen älterer Arbeitnehmer wertvoller denn je machen und ihre Beschäftigungsmöglichkeiten steigern. Das zeichnet sich bereits ab: Die Beschäftigung der 55-Jährigen und Älteren ist seit Ende der neunziger Jahre auf heute 60 Prozent gestiegen. Das gilt auch für den Altersabschnitt der über 60-Jährigen allein.

Im März 2007 beschloss der Bundestag die schrittweise Einführung der Rente mit 67. Damit schien die schwierige, aber gut begründete, von vielen parteiübergreifend geteilte und im Generationenverhältnis faire Anpassung an die Demografie vollzogen. Das entsprach im Übrigen auch der Beschlusslage der SPD auf nicht weniger als drei Bundesparteitagen 2005, 2007 und 2009.

An der Begründung für diese Position hat sich seitdem objektiv nichts geändert. Sie ist allerdings politisch unpopulär und stößt in Teilen der Wählerschaft auf Empörung. Das wiederum alarmiert Teile der Politik. Sie unterliegen daraufhin der Versuchung, den Bürgern anstrengungslose Lösungen harter Probleme in Aussicht zu stellen oder ins Unverbindliche auszuweichen. Bleibt die Frage, ob dieselben Wähler nicht Haltung, Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit selbst dann höher bewerten, wenn dies mit unangenehmen Botschaften für sie verbunden ist. In der Fehleinschätzung dieser Frage mag einer der Gründe für den allseits beklagten Vertrauensverlust der Politik liegen.

 
Leserkommentare
    • keibe
    • 07.02.2012 um 19:17 Uhr

    ich hoffe, Sie lesen die Kommentare zu Ihrem Artikel. Insgesamt gesehen haben Sie wohl Recht mit dem, was Sie schreiben. Aber ist die Rente ab 67 wirklich der Weisheit letzter Schluss? Was halten Sie denn von folgendem Modell:

    Die Rente wird über eine sich allmählich steigernde Erbschaftssteuer finanziert. Das fängt etwa mit 2% auf übertragene Vermögenswerte an und steigert sich soweit, bis die individuelle Rentenvorsorge + Erschaftssteuer in der Lage sind die Renten ab 65! zu finanzieren. Natürlich gibt es bei Erbschaftssteuern/Vermögenssteuern generell ein paar "Kleinigkeiten" zu beachten, aber vom Prinzip: Erbschaftssteuereinnahmen nach neuem Modell 2013 (hypothetisch) 30 Milliarden (= Entlastung der Rentenbeiträge in diesem Umfang für 2014), Erbschaftssteuereinnahmen nach neuem Modell 2014 (hypothetisch) 45 Milliarden (= Entlastung der Rentenbeiträge in diesem Umfang für 2015). etc.

    Sozial gerecht wäre es auch; denn wer war vor allem in der Lage in der Vergangenheit Vermögen zu bilden?

    Und nun noch eine Zahl:

    "Gesamtvolumen an Erbschaften von mehr als 3 Billionen Euro bis 2020"

    http://blog.markt-studie....

    4 Leserempfehlungen
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    Ist es für deutsche Verhältnisse so ungewöhnlich, wenn alle in die Sozialversicherungen einzahlen würden? Würde Deutschland da gleich zusammenbrechen? Einerseits ist die Rente mit 67 eine Rentenkürzung, andererseits ist es ein Notbehelf, um zu verhindern, dass eine Rentenreform kommt, bei der alle einbezahlen müssen. Steinbrück ist sehr stark mit der Finanzindustrie verbunden, deshalb hat diese Kolumne eher den Charakter einer Versicherungswerbung.

    • APGKFT
    • 20.10.2012 um 9:42 Uhr

    wenn der Produktivitätsfortschritt direkt an die wirklich arbeitenden weitergereicht wird. Was erwarten Sie von einem Kanzlerkandidaten, der stolz darauf ist, dass er in Mathematik in der Schule sitzengeblieben ist. Lieder kommt man mit Labbern im Leben weiter als mit harten Sachkenntnissen!

    Ist es für deutsche Verhältnisse so ungewöhnlich, wenn alle in die Sozialversicherungen einzahlen würden? Würde Deutschland da gleich zusammenbrechen? Einerseits ist die Rente mit 67 eine Rentenkürzung, andererseits ist es ein Notbehelf, um zu verhindern, dass eine Rentenreform kommt, bei der alle einbezahlen müssen. Steinbrück ist sehr stark mit der Finanzindustrie verbunden, deshalb hat diese Kolumne eher den Charakter einer Versicherungswerbung.

    • APGKFT
    • 20.10.2012 um 9:42 Uhr

    wenn der Produktivitätsfortschritt direkt an die wirklich arbeitenden weitergereicht wird. Was erwarten Sie von einem Kanzlerkandidaten, der stolz darauf ist, dass er in Mathematik in der Schule sitzengeblieben ist. Lieder kommt man mit Labbern im Leben weiter als mit harten Sachkenntnissen!

  1. Ist es für deutsche Verhältnisse so ungewöhnlich, wenn alle in die Sozialversicherungen einzahlen würden? Würde Deutschland da gleich zusammenbrechen? Einerseits ist die Rente mit 67 eine Rentenkürzung, andererseits ist es ein Notbehelf, um zu verhindern, dass eine Rentenreform kommt, bei der alle einbezahlen müssen. Steinbrück ist sehr stark mit der Finanzindustrie verbunden, deshalb hat diese Kolumne eher den Charakter einer Versicherungswerbung.

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    • keibe
    • 07.02.2012 um 19:51 Uhr

    das ist Ihre Ansicht. Finde ich auch ok. Allerdings gibt es da lästigerweise das Problem einer alternden Bevölkerung und mit ihr verbunden einen "Generationenvertrag", dessen Geschäftsgrundlage nicht mehr stimmt. Das gilt im Übrigen auch für Personen, die scheinbar(!) außerhalb dieses Vertrages zu siedeln scheinen, also vor allem Beamte und Selbstständige. Daher mein Kommentar 1.

    • keibe
    • 07.02.2012 um 19:51 Uhr

    das ist Ihre Ansicht. Finde ich auch ok. Allerdings gibt es da lästigerweise das Problem einer alternden Bevölkerung und mit ihr verbunden einen "Generationenvertrag", dessen Geschäftsgrundlage nicht mehr stimmt. Das gilt im Übrigen auch für Personen, die scheinbar(!) außerhalb dieses Vertrages zu siedeln scheinen, also vor allem Beamte und Selbstständige. Daher mein Kommentar 1.

  2. Hr.Steinbrück hat ein paar wichtige Aspekte vergessen,
    nein, nicht vergessen, sondern wie immer bewusst verschwiegen.
    Das die Gefahr besteht, das Geld in der Rentenkasse fehlt,
    hat eine weit größere Ursache in der hohen Arbeitslosigkeit
    und in den heute marktüblichen Niedriglöhnen.
    DESHALB wird die Ebbe in der Rentenkasse größer, wiel die
    Arbeitslosen und Niedriglöhner nichts bis zu wenig einzahlen.
    Es gibt eben ganz allgemein ein "Verteilungsproblem":
    der Anteil der arbeitenden Bevölkerung am Volkseinkommen wird immer kleiner!
    Diesen Trend zu stoppen, wäre die vornehmste Aufgabe einer
    REgierung - die deutschen REgierungen unterstützen aber diesen Prozess! Auch Hr.Steinbrück hat dies als Bundespolitiker getan.
    Ansttat die Arbeitslosigkeit zurückzufahren und den Menschen anständige Löhne zu bezahlen redet man
    AUSSCHLIESSLICH vom demografischen Faktor.
    Das ist schlicht unredlich.

    21 Leserempfehlungen
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    ...der (angebliche) demographische Wandel ist so schön plausibel. Die allgemeine Anhebung des Rentenalters wirkt so schön gerecht.

    Tatsächlich ist das Rentensystem nahezu undurchschaubar. Viele zahlen gar nicht ein, andere hoffen auf Pensionsversprechen oder private Zusatzrenten. Die Einnahmenseite verschlechtert sich, ebenso wie die Erwerbsbiographien. Wenn die Krise so weitergeht werden wir massive Zuwanderung bekommen. In manchen Berufen kann man bis 67 arbeiten in anderen nicht. Arbeitslosigkeit unter Älteren ist verbreitet usw.

    Mit anderen Worten: die Rente mit 67 könnte Sinn machen, vielleicht aber auch nicht. Leider traue ich den Berliner Politikern und Steinbrück nicht im Geringsten.

    Was wir bräuchten, wäre eine Umlagerente die alle bezahlen und einen System in dem man nicht absolute Beträge in Euro erarbeitet, sondern Anteile an der Umlagesumme. Das könnte durchaus auch einen Umverteilungseffekt beinhalten, es ist nicht so richtig einzusehen, warum diejenigen die die Arbeiter von morgen großziehen finanziell oft wesentlich schlechter dastehen, als DINCs mit ohnehin prallem Konto.

    Dann hätte man eine Grundlage auf der man diskutieren könnte. Ungerecht bliebe das Ganze zwar trotzdem, solange man nicht allen Menschen Arbeit garantieren kann, aber das ist ein anderes Thema...

    ...der (angebliche) demographische Wandel ist so schön plausibel. Die allgemeine Anhebung des Rentenalters wirkt so schön gerecht.

    Tatsächlich ist das Rentensystem nahezu undurchschaubar. Viele zahlen gar nicht ein, andere hoffen auf Pensionsversprechen oder private Zusatzrenten. Die Einnahmenseite verschlechtert sich, ebenso wie die Erwerbsbiographien. Wenn die Krise so weitergeht werden wir massive Zuwanderung bekommen. In manchen Berufen kann man bis 67 arbeiten in anderen nicht. Arbeitslosigkeit unter Älteren ist verbreitet usw.

    Mit anderen Worten: die Rente mit 67 könnte Sinn machen, vielleicht aber auch nicht. Leider traue ich den Berliner Politikern und Steinbrück nicht im Geringsten.

    Was wir bräuchten, wäre eine Umlagerente die alle bezahlen und einen System in dem man nicht absolute Beträge in Euro erarbeitet, sondern Anteile an der Umlagesumme. Das könnte durchaus auch einen Umverteilungseffekt beinhalten, es ist nicht so richtig einzusehen, warum diejenigen die die Arbeiter von morgen großziehen finanziell oft wesentlich schlechter dastehen, als DINCs mit ohnehin prallem Konto.

    Dann hätte man eine Grundlage auf der man diskutieren könnte. Ungerecht bliebe das Ganze zwar trotzdem, solange man nicht allen Menschen Arbeit garantieren kann, aber das ist ein anderes Thema...

  3. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Text von einem Politiker gelesen habe, in dem die Ansicht in einer sachlichen Frage so präzise dargelegt wurde. Kein Geschwurbel, keine leeren Floskeln. Auf den Punkt. Hut ab.

    7 Leserempfehlungen
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    "Kein Geschwurbel, keine leeren Floskeln. Auf den Punkt. Hut ab."
    -----------------
    Tatsächlich, ohne Geschwurbel. Nur was nützt es, wenn man sich auf das gewschwurbelfreie von Steinbrück nicht verlassen kann?

    "Kein Geschwurbel, keine leeren Floskeln. Auf den Punkt. Hut ab."
    -----------------
    Tatsächlich, ohne Geschwurbel. Nur was nützt es, wenn man sich auf das gewschwurbelfreie von Steinbrück nicht verlassen kann?

    • keibe
    • 07.02.2012 um 19:51 Uhr

    das ist Ihre Ansicht. Finde ich auch ok. Allerdings gibt es da lästigerweise das Problem einer alternden Bevölkerung und mit ihr verbunden einen "Generationenvertrag", dessen Geschäftsgrundlage nicht mehr stimmt. Das gilt im Übrigen auch für Personen, die scheinbar(!) außerhalb dieses Vertrages zu siedeln scheinen, also vor allem Beamte und Selbstständige. Daher mein Kommentar 1.

    3 Leserempfehlungen
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    ...die Arbeitsplätze nicht mal für junge Arbeitnehmer reichen und die "Alten" ab 45 kaum noch Chancen haben?

    Das Problem ist doch eher, daß der Produktivitätsgewinn nicht der Allgemeinheit zugute kommt, sondern in die Taschen weniger Gewinnler landet.

    ...die Arbeitsplätze nicht mal für junge Arbeitnehmer reichen und die "Alten" ab 45 kaum noch Chancen haben?

    Das Problem ist doch eher, daß der Produktivitätsgewinn nicht der Allgemeinheit zugute kommt, sondern in die Taschen weniger Gewinnler landet.

  4. Rente mit 67 ist nichts anderes als ein Rentensenkungsprogramm. Will man wirklich eine Reform, die eine realistische Besserung bewirkt, so sollte die Formel heißen: Rente mit 40 Beitragsjahren.
    Dies wäre gerecht und realistisch.
    Das unterstützende Programm müsste lauten: Rente plus bei Ehrenamt. Denn nichts ist schlimmer, als der plötzliche Ausstieg aus der Teilhabe am Leben.

    Die platte These von der Rente mit 67 hat mit der realen Arbeitswelt und den Herausforderungen der Zukunft wenig zu tun.

    9 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 08.02.2012 um 6:56 Uhr

    grundsätzlich sollte jeder seine Rente selbst erwirtschaften. Wer 40 Jahre 500 Euro/Monat einzahlt sollte 20 Jahre 1000 Euro/Monat rausbekommen (Inflation und Zinsen nicht berücksichtigt).

    • bayert
    • 08.02.2012 um 6:56 Uhr

    grundsätzlich sollte jeder seine Rente selbst erwirtschaften. Wer 40 Jahre 500 Euro/Monat einzahlt sollte 20 Jahre 1000 Euro/Monat rausbekommen (Inflation und Zinsen nicht berücksichtigt).

  5. Sie haben dabei ein paar wesentliche Punkte vergessen.

    Der deutsche Produktionsausstoß erhöht sich seit vielen Jahrzehnten. Wir produzieren schon soviel, daß wir massenweise Schrott zum wegschmeißen produzieren müssen dessen Gegenstücke Jahrzehnte überdauern könnten. Wir beschäftigen sogar massenweise Fachkräfte um die geplante Obsoleszenz von Produkten sicherzustellen.

    Wir benötigen schon heute nur noch einen Bruchteil der Beschäftigen, welche wir tatsächlich einsetzen nur um das System am Laufen zu halten. Dabei bleibt für die Gesellschaft selbst immer weniger.

    Herr Steinbrück, Sie sind im Gestern gefangen. Anstatt neue Wege zu suchen, pressen Sie die Menschen in überholte und gesellschaftlich schädliche Strukturen.

    Ihr Denken ist in einer Sackgasse angelangt. So macht man keine zukunftsweisende Politik.

    25 Leserempfehlungen
    • anjowy
    • 07.02.2012 um 20:44 Uhr

    Man sieht doch immer wieder, wie weit die heutige Wohlstandsgesellschaft den Blick auf die Realität verliert.
    Die gesetzliche Rente ist aus Ihren Ursprüngen eine Versicherung gegen materielle Not bei Invalidität oder im Alter. Alles weitere hatten die Menschen schon immer Privat vorzusorgen,ob mit(wenn möglich)Betriebsrente oder Vermögensrücklagen.
    Sie sah eine Altersrente ab dem 70. Lebensjahr vor (bei einer wesentlich geringeren Lebenserwartung als heute). Voraussetzung für die Altersrente waren mindestens 30 Jahre Beitragszahlung (mit der damals üblichen 60-Stunden-Woche).
    Die Rente ist nicht dazu da den Menschen im Alter einen geruhsamen Lebensabend zu finanzieren. Das sollte sie nie, und konnte sie im Wirtschaftswunderland Deutschland halt eine gewissen Zeit nur, weil die Politik auf unsere Kosten die Rentner über das eigentlich für das System tragbare hinaus beschenkt hat. Und diese Geschenke müssen nun halt auch bezahlt werden. Das System wurde dazu konstruiert, dass viele Menschen 40-50 Jahre einzahlen, so dass manche noch 5-10 Jahre ohne NOT zu leiden überleben können. Und wir führen hier Diskussionen weil nicht alle Menschen, nachdem sie für ca. 30 Jahre eingezahlt haben noch 30 Jahre lang Renten erhalten mit denen Sie dann nach Mallorca auswandern oder 3 mal im Jahr in der Urlaub fahren oder ohne anderweitig vorgesorgt zu haben den selben Lebensstand haben wollen wie vorher. Dem Grundprinzip nach wäre daher heutzutage eine Rente mit 75 oder 80 angesagt.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zu denjenigen, die immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden haben. Sonst könnte Sie nicht solch einen Kommentar schreiben. Hier geht es doch darum, wie Sie verächtlich schreiben, um Überleben zu können!!! Ich habe 51 Jahre gearbeitet, in die Rentenkasse einbezahlt, um jetzt "Überleben" zu können??? Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst??? Hier müssen, wie der Forist ( 3 ) schreibt, neue Wege gefunden werden, um den Umstand, das wir produktiver, besser geworden sind und immer weniger Menschen, für mehr Wertschöpfung benötigen. Einige überlegenswerte Vorschläge sind schon gemacht worden : Erbschaftssteuer ( nicht der Oma ihr klein Häuschen )Vermögensteuer, Beamtentum, u.s.w.!!! Hier sollte der Hebel angesetzt werden und nicht beim, 40-50 Jahre "arbeitenden" Menschen!!!

    Die damalige Bezugsdauer von 9,9 Jahren wird bald wieder unterschritten werden ! Da die Wenigsten sich im Alter noch den Gang zum Arzt werden leisten können, wird bald die Bezugsdauer unter 5 Jahren liegen !
    Dann taucht natürlich die Frage auf, wie man das am Besten demoskopisch verkaufen kann, so wie :
    Altersarmut sinkt !
    Sozialkassen erwirtschaften Überschuss !
    Langfristiger Erfolg von Harz IV !
    Ist das nicht schön ?
    GoG

    zu denjenigen, die immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden haben. Sonst könnte Sie nicht solch einen Kommentar schreiben. Hier geht es doch darum, wie Sie verächtlich schreiben, um Überleben zu können!!! Ich habe 51 Jahre gearbeitet, in die Rentenkasse einbezahlt, um jetzt "Überleben" zu können??? Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst??? Hier müssen, wie der Forist ( 3 ) schreibt, neue Wege gefunden werden, um den Umstand, das wir produktiver, besser geworden sind und immer weniger Menschen, für mehr Wertschöpfung benötigen. Einige überlegenswerte Vorschläge sind schon gemacht worden : Erbschaftssteuer ( nicht der Oma ihr klein Häuschen )Vermögensteuer, Beamtentum, u.s.w.!!! Hier sollte der Hebel angesetzt werden und nicht beim, 40-50 Jahre "arbeitenden" Menschen!!!

    Die damalige Bezugsdauer von 9,9 Jahren wird bald wieder unterschritten werden ! Da die Wenigsten sich im Alter noch den Gang zum Arzt werden leisten können, wird bald die Bezugsdauer unter 5 Jahren liegen !
    Dann taucht natürlich die Frage auf, wie man das am Besten demoskopisch verkaufen kann, so wie :
    Altersarmut sinkt !
    Sozialkassen erwirtschaften Überschuss !
    Langfristiger Erfolg von Harz IV !
    Ist das nicht schön ?
    GoG

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