Neonazi-Mordserie Den Abgrund ausmessen
Sebastian Edathy soll im Bundestag die Neonazi-Morde untersuchen. Kann er das?
Es gab ein einprägsames Ereignis in Sebastian Edathys Kindheit, er war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Seine Mutter, eine Ostdeutsche, die in der evangelischen Erwachsenenbildung arbeitete, ging mit ihm auf den Spielplatz im heimatlichen Steyerberg in der Nähe von Hannover. Dort hörte er, wie eine andere Frau seine Mutter ganz nebenbei fragte, wo sie denn »das süße dunkle Kind« adoptiert habe. Sebastian Edathy fragte seine fassungslose Mutter, was denn das Wort »adoptieren« bedeute. So gesehen, war dieses Ereignis die erste Seminarstunde des späteren Soziologen. Und die erste Berührung mit dem Anderssein in Deutschland.
Heute, dreieinhalb Jahrzehnte später, sitzt der SPD-Bundestagsabgeordnete Edathy, sein Vater ist gebürtiger Inder, in seinem Büro in Berlin und versucht eine Antwort auf die Frage zu formulieren, wie es in Deutschland passieren konnte, dass eine rechtsextreme Gruppe mehr als zehn Jahre lang untertauchen, Anschläge verüben und mutmaßlich zehn Einwanderer und eine Polizistin umbirngen konnte.
Edathy überlegt. Er ist keiner, der gern redet, nur um zu reden, um Konversation zu betreiben, damit kein Schweigen entsteht. Von kommender Woche an wird er als Leiter des Untersuchungsausschusses zu den Neonazi-Morden mit zehn weiteren Bundestagsabgeordneten versuchen, die Geschichte und die Ermittlungspannen rund um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) aufzuklären. Er hat dafür nur Zeit bis Sommer nächsten Jahres. Dann sagt er: »Mich hat es nicht überrascht, dass organisierte Gruppen systematisch Gewalt ausüben. Was mich überrascht hat, war, wie abgründig die Zwickauer Zelle gehandelt hat.« Die Antwort klingt nicht gequält, nicht geschockt oder moralisierend, sondern ganz ruhig und soziologisch.
Edathy beschäftigt sich mit dem deutschen Rechtsextremismus, seit er 1998 in den Bundestag gewählt wurde. Das Interesse entwickelte sich in der Schulzeit, als ihm seine Lehrer Mitte der achtziger Jahre erzählten, Nazis, ach, das seien nur noch ein paar Ewiggestrige, das Problem werde sich schon auswachsen. Nach den fremdenfeindlichen Anschlägen auf Asylbewerberheime und Wohnungen von Ausländern Anfang der neunziger Jahre glaubte er die Erklärung nicht mehr. Edathy sagt, jetzt in Politikersprache: »Rechtsextremismus ist organisierte Menschenfeindlichkeit. Dagegen muss man sich als Demokrat wehren.«
Er würde nie sagen, dass die Vorliebe für dieses Thema vielleicht auch etwas mit einem Teil seiner Herkunft zu tun haben könnte. Dafür ist er zu sachlich. Dafür findet er sich als Abgeordneter, als öffentliche Person zu privilegiert. War die Sache auf dem Spielplatz also eine einmalige Angelegenheit? »Mit dem Kind des evangelischen Gemeindepfarrers geht man sicher anders um als mit dem Kind eines türkischen Fabrikarbeiters«, sagt Edathy. Aber nein, natürlich werde man als Kind und Heranwachsender ständig mit der Frage konfrontiert, wo man denn herkomme, nein, nicht Speyerberg in der Nähe von Hannover, wo man denn wirklich herkomme, man sei ja wohl nicht von hier.
Oder die ständigen Droh- und Hassbriefe, er hat sie in mehreren Ordnern abgeheftet. Oft werde er aufgrund seiner Hautfarbe oder einfach nur als Muslim beschimpft. Ach ja, und da sei die Geschichte mit der Wohnung gewesen. »Ich habe mal eine Wohnung in Berlin nicht bekommen, weil der Vermieter der Meinung war, bei einem fremd klingenden Namen entstünden immer so komische Gerüche beim Kochen, da könne er die Weitervermietung der Wohnung vergessen.« Edathy tut so, als sei das keine große Sache. Aber er ging damit an die Presse, und die Diskriminierung verwandelte sich in eine Vorzugsbehandlung: Der Vermieter sah schlecht aus, konnte nicht dementieren, und Edathy bekam zehn Wohnungsangebote. »Was wäre, wenn ich kein Abgeordneter wäre?«
Edathy hängt das alles tief, vielleicht politisch ganz bewusst, weil er weiß, dass er sich im Gegensatz zu anderen wehren kann.
- Datum 04.02.2012 - 08:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 2.2.2012 Nr. 06
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Meiner Einschätzung nach kann es auch nicht schaden, wenn er sich mit der Bildhauerei der Hochrenaissance auskennt, aber was hat das mit der Sache zu tun?
Meiner Einschätzung nach kann es auch nicht schaden, wenn er sich mit der Bildhauerei der Hochrenaissance auskennt, aber was hat das mit der Sache zu tun?
Ich hoffe, dass die Kommission alles aufklären wird. Es ist immer noch absolut unglaublich, dass das passieren konnte. Man fragt sich dann doch, ob die Staatsorgane auf dem rechten Auge blind sind.
war eine Forderung, die wie selbstverständlich mißachtet wurde. Mit dem Aufleben des Rechtsextremismus, der im Osten auf einen gut vorbereiteten Boden fiel, hätte man daran denken sollen. Nichts dergleichen ist geschehen. Man hat nichts Besseres gewußt, als nach Entschuldigungen zu suchen für etwas, das nicht zu entschuldigen war. Schon dieses, die Ostdeutschen könnten mit Ausländern nicht umgehen, weil es dort keine gab, war voll daneben. Natürlich gab es sie, und die, die es nicht gab, hat man den Ostdeutschen, die plötzlich massenhaft in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden, als jene präsentiert, die ihnen die Arbeit wegnahmen.
Und das was jetzt von diesem Ausschuß untersucht werden soll, ist das totale Versagen der Sicherheitsbehörden, allen voran des Verfassungschutzes, wenn sich nicht am Ende herausstellt, daß es mehr als das war. Und da steht die Frage, ob es nicht damit zu tun hat, aus welchen Wurzeln dieses Amt gewachsen ist. Die Verfassungsfeinde stehen nicht links, sie sind mitten in der Gesellschaft. Rassismus und Antisemitismus haben dort ihren Platz, den sie verbissen verteidigen und beide stehen nicht in der Verfassung.
was Jens Bisky vor einigen Tagen in der SZ über den 'gut vorbereiteten Boden' schrieb: 'Meine Nazis, Deine Nazis' http://www.sueddeutsche.d...
Nicht vergessen werden sollte aus meiner Sicht, daß Rechtsextremismus mitnichten ein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Die meisten rechtsextremistischen Straftaten werden in NRW verübt. Es wäre fatal, wenn der westdeutsche Rechtsextremismus nun unter den Tisch fiele.
Wichtig erscheint mir der von Ihnen thematisierte Punkt der Mitte der Gesellschaft. Die Mitte wird - im Hinblick auf rechtsextreme Positionen - seit Jahren im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, hier die letzte Studie 'Die Mitte in der Krise' http://library.fes.de/pdf...
"Mit dem Aufleben des Rechtsextremismus, der im Osten auf einen gut vorbereiteten Boden fiel, hätte man daran denken sollen. Nichts dergleichen ist geschehen. Man hat nichts Besseres gewußt, als nach Entschuldigungen zu suchen für etwas, das nicht zu entschuldigen war. Schon dieses, die Ostdeutschen könnten mit Ausländern nicht umgehen, weil es dort keine gab, war voll daneben. Natürlich gab es sie, und die, die es nicht gab, hat man den Ostdeutschen, die plötzlich massenhaft in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden, als jene präsentiert, die ihnen die Arbeit wegnahmen."
Meine dringende Bitte an Sie wäre, aufzuhören, in pauschaler und vorverurteilender Weise gegen die ostdeutsche Bevölkerung zu hetzen. Obwohl die Justiz in Deutschland das inzwischen anders interpretiert, bleibt es Volksverhetzung und Diffamierung auch dann, wenn die eigene Bevölkerung das Ziel solcher Attacken ist.
was Jens Bisky vor einigen Tagen in der SZ über den 'gut vorbereiteten Boden' schrieb: 'Meine Nazis, Deine Nazis' http://www.sueddeutsche.d...
Nicht vergessen werden sollte aus meiner Sicht, daß Rechtsextremismus mitnichten ein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Die meisten rechtsextremistischen Straftaten werden in NRW verübt. Es wäre fatal, wenn der westdeutsche Rechtsextremismus nun unter den Tisch fiele.
Wichtig erscheint mir der von Ihnen thematisierte Punkt der Mitte der Gesellschaft. Die Mitte wird - im Hinblick auf rechtsextreme Positionen - seit Jahren im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, hier die letzte Studie 'Die Mitte in der Krise' http://library.fes.de/pdf...
"Mit dem Aufleben des Rechtsextremismus, der im Osten auf einen gut vorbereiteten Boden fiel, hätte man daran denken sollen. Nichts dergleichen ist geschehen. Man hat nichts Besseres gewußt, als nach Entschuldigungen zu suchen für etwas, das nicht zu entschuldigen war. Schon dieses, die Ostdeutschen könnten mit Ausländern nicht umgehen, weil es dort keine gab, war voll daneben. Natürlich gab es sie, und die, die es nicht gab, hat man den Ostdeutschen, die plötzlich massenhaft in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden, als jene präsentiert, die ihnen die Arbeit wegnahmen."
Meine dringende Bitte an Sie wäre, aufzuhören, in pauschaler und vorverurteilender Weise gegen die ostdeutsche Bevölkerung zu hetzen. Obwohl die Justiz in Deutschland das inzwischen anders interpretiert, bleibt es Volksverhetzung und Diffamierung auch dann, wenn die eigene Bevölkerung das Ziel solcher Attacken ist.
Meiner Einschätzung nach kann es auch nicht schaden, wenn er sich mit der Bildhauerei der Hochrenaissance auskennt, aber was hat das mit der Sache zu tun?
und der ist - kein Bildhauer...
http://www.nrhz.de/flyer/...
Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Dake, die Redaktion/lv
und der ist - kein Bildhauer...
http://www.nrhz.de/flyer/...
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Bei einer MordSERIE von einem EINZELfall zu sprechen, zeugt für mich von wenig Kenntnis der eigenen Muttersprache.
Ihr vergeblicher Versuch der Verharmlosung erinnert mich an anderes braunes Geplapper.
Michael Bauer
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Bei einer MordSERIE von einem EINZELfall zu sprechen, zeugt für mich von wenig Kenntnis der eigenen Muttersprache.
Ihr vergeblicher Versuch der Verharmlosung erinnert mich an anderes braunes Geplapper.
Michael Bauer
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