Euro-Krise Gefahr für Europa

Wird der Sozialist François Hollande Frankreichs nächster Präsident? Er will nicht mehr sparen, sondern wieder umverteilen. Als gäbe es keine Euro-Krise.

François Hollande

François Hollande

Deutschland, immer wieder Deutschland – zunehmend entgeistert verfolgten Frankreichs Fernsehzuschauer am Sonntagabend den Auftritt ihres Präsidenten. Auf sieben Fernsehkanälen, als befände man sich in Nordkorea, wurde eine Stunde Nicolas Sarkozy gegeben, der unausgesetzt Berlins Wirtschaftspolitik als Vorbild pries. Wie konnte er bloß glauben, ausgerechnet damit François Hollande einzuholen, den von allen Umfragen favorisierten Kandidaten der Sozialistischen Partei für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen? Schlechte Pädagogik, diese Lobrede auf den Klassenprimus.

Tags darauf griff Pierre Moscovici an, Hollandes Kampagnenchef, der Außenminister werden könnte: Der soeben beschlossene europäische Stabilitätsvertrag verfolge die Budgetdisziplin mit »Besessenheit«; Hollande selbst hatte da schon angekündigt, er wolle »neu verhandeln«, auch um die Europäische Zentralbank auf Beschäftigungspolitik zu verpflichten. Angela Merkel ließ sofort wissen, das komme nicht infrage. Ein Vorgeschmack auf zukünftige Konflikte? So viel steht fest: Wenn Frankreich jetzt, mitten in der Krise, seinen neuen Präsidenten wählt, dann könnte das schwerwiegendere Folgen für Europa haben als in normalen Zeiten. Das ließ auch eine Bemerkung Hollandes erahnen, Sarkozy habe sich Merkel »unterworfen«.

Anzeige

Tausend Jahre Königtum leben im Amt des Präsidenten weiter

Bis vor Kurzem war Hollande in den Umfragen dem Präsidenten in allen Punkten überlegen, nur in dem wichtigsten nicht: In den Augen der Franzosen fehlte ihm die nötige Statur. Schwerwiegend, weil der direkt gewählte Präsident nicht bloß symbolischer Repräsentant, sondern handelnde Inkarnation der Nation sein soll; eine Politpsychologie, die sich in mehr als tausend Jahren Königtum herausgebildet hat und unter demokratischen Bedingungen fortwirkt. Das Präsidiale, das ist die Königsdisziplin. Vor gut zehn Tagen hat Hollande in ihr den Durchbruch geschafft. Und zwar aufgrund einer frappierenden Verwandlung, wie man sie sonst von Bienenvölkern kennt: Ist eine Arbeiterin zur Königin bestimmt, so verändert sie sich sichtlich, bis sie die Physis für ihre neue Aufgabe hat. Auch mit Hollande ist etwas vorgegangen. Vor Kurzem hielt er vor Zehntausenden Anhängern eine Rede, die so gar nicht hollandisch war – große Oper anstelle von leichter Muse. Genau das, was die Versammelten ersehnt hatten; es entstand eine libidinöse Beziehung zum Redner. Plötzlich hatte Hollande Charisma.

Der Höhepunkt der Rede verdient es, unverkürzt zitiert zu werden: »Ich werde euch sagen, wer mein wahrer Gegner ist. Er hat keinen Namen, kein Gesicht, keine Partei, er wird nie kandidieren und deshalb nie gewählt werden, und doch regiert er: Dieser Gegner, das ist die Finanzwelt. Vor unseren Augen, innerhalb von 20 Jahren, hat sie die Kontrolle über die Wirtschaft, die Gesellschaft und sogar über unser Leben an sich gerissen.« Tosender Beifall, tags darauf weitreichende Zustimmung. Wer dachte noch daran, dass der andere, der alte Hollande erst vor einem halben Jahr verkündet hatte, der Feind des Landes sei die Verschuldung? Man muss sich im Übrigen fragen, was man den Franzosen alles so erzählen kann. Die Finanzwelt hätte die Macht usurpiert? Mit anderen Worten, sie hat in den vergangenen Jahrzehnten den Finanzministern gegen deren Willen die Schuldscheine aus der Hand gerissen?

Die Wahl

Französische Präsidenten werden üblicherweise in zwei Wahlgängen bestimmt. Der erste findet bei der diesjährigen Wahl am 22. April statt. Erreicht aus dem großen Kandidatenfeld kein Bewerber die absolute Mehrheit, fällt die Entscheidung in einer Stichwahl, die diesmal am 6. Mai stattfinden würde.

Sarkozy vs. Hollande

Stehen sich dabei Nicolas Sarkozy und François Hollande gegenüber, hängt viel von den Wählern Marine Le Pens ab, der Kandidatin des rechten Front National. Ihr Vater hatte es 2002 sogar bis in die Stichwahl geschafft, dann aber gegen Jacques Chirac verloren.

Doch gegen »die Finanzwelt« lässt sich unbekümmerter wettern als gegen die Laxheit vom Volk gewählter Regierungen. Hollande bringt da eine Saite zum Schwingen, die schon François Mitterrand anschlug, der bisher einzige sozialistische Präsident der Fünften Republik, der ausrief: »... das Geld, das korrumpiert, das Geld, das kauft, das Geld, das vernichtet, das Geld, das tötet, das Geld, das ruiniert, das Geld, das alles verfaulen lässt bis hin zum Gewissen der Menschen!«

Das ist die Schrumpfform der marxistischen Kritik des Kapitals, die wenigstens für sich hatte, dass sie ein Abhängigkeitsverhältnis meinte und nicht einfach den Reichtum. In Frankreich indes hat ein Ressentiment gegen das Geld Tradition, das weniger klassenkämpferisch als konservativ ist; es ist noch stets in solchen Perioden aufgetreten, in denen Gesellschaftsschichten um ihren Status bangten. Heute fürchten Beschäftigte der privaten Industriebetriebe die Gobalisierung, Staatsbedienstete die Sparzwänge, Rentenanwärter die Anpassung der Alterssicherung an die demografischen Wirklichkeiten.

Ihnen allen versprechen die Sozialisten heute nicht vorrangig Gleichheit (»égalité«), sondern Gerechtigkeit (»justice«): Sie sollen behalten dürfen, was ihnen bisher zustand. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 62 Jahre soll teilweise zurückgenommen werden, der Arbeitsmarkt verriegelt bleiben: maximaler Schutz für Arbeitende, minimale Chancen für Arbeitslose und das Prekariat.

Hollandes 60-Punkte-Programm, vor einer Woche vorgestellt, spricht weder vom Verringern der Staatsausgaben noch von Strukturreformen. Er will Frankreich aus der Schuldenkrise führen, indem Großfirmen und Schwerreiche mehr Geld einzahlen; Subventionen wiederum sollen an kleinere Industriebetriebe fließen, von denen das Wachstum und damit die zukünftigen Mehreinnahmen des Staats erhofft werden. Diese Umverteilung ist vernünftig; die Steuervorteile für Frankreichs Begüterte überschreiten ohnehin die Grenze des Skandals. Auch das Großkapital genießt sinnlose Privilegien, wohingegen mittelgroße Unternehmen, in Frankreich rar gesät, unter der Kostenlast ächzen – nicht zuletzt wegen der vergleichsweise hohen Arbeitskosten. Doch werden das Geld der Reichen und der Kapitaltransfer nach unten nicht ausreichen, um die Budgets zu sanieren.

Nicht dass die Sozialisten das Monopol auf finanzpolitischen Leichtsinn halten würden. Ob unter rechten oder linken Regierungen, das Land hat sich seit 30 Jahren immer tiefer verschuldet. An einem eher nebensächlichen Vorgang, der sich an jenem Tag zutrug, als das Land seine Bestnote bei der Rating-Agentur Standard & Poor's verlor, zeigte sich die alltägliche Sorglosigkeit der französischen Politik: In der Nationalversammlung versicherte die Regierung den Abgeordneten, sie werde auch in Zukunft ländliche Blaskapellen subventionieren. Wenn es konkret wird, ist eben immer noch Geld für alles Mögliche da.

Frankreich hat keine Antwort auf die Globalisierung gefunden. Wehklagen über »illoyale Konkurrenz« und Aufrufe an die Konsumenten, »made in France« zu kaufen, sind dafür nur der sichtbarste Ausdruck. Der Staat gestikuliert und zahlt, neue Spielräume schafft er nicht. Sind Standorte in Gefahr, zitiert die Regierung Unternehmenschefs in die Paläste, um ihnen die Leviten zu lesen; rebellieren die Landwirte, kontrolliert der Staat die Handelsspannen der Supermärkte; klagen Mittelständler über Kreditprobleme, sagt der Staatspräsident den Bankern, wie sie ihre Geschäfte zu führen haben. Ansonsten wird die Strategie fortgesetzt, die Anstrengungen auf die »fleurons« zu konzentrieren, die Glanzstücke der Großindustrie: Luft- und Raumfahrt, Kernkraft, Hochgeschwindigkeitszüge. Ja, früher hat das funktioniert. Aber früher ist vorbei.

Das alles ist nicht nur misslich für die Franzosen. Deutschland ist an einem leistungsfähigen Frankreich gelegen, um in Europa führen zu können – allein wäre es dazu nicht in der Lage. Frankreich ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner, sicherheitspolitisch noch immer ein Schwergewicht, europapolitisch erfahren wie kaum ein anderes Land. Doch sollte sich das spezifische Gewicht Frankreichs demjenigen seiner südlichen Nachbarn angleichen, dann könnte große Einsamkeit über Berlin hereinbrechen. Gut möglich, dass Merkel aus diesem Grund die Wiederwahl Sarkozys unterstützt und nicht bloß, weil dessen Partei mit der CDU verschwistert ist. Mag er auch enervierend und sprunghaft sein, so ist er doch ein bekanntes Risiko, und wenn es brennt, kann man sich auf ihn verlassen.

Aber hat er überhaupt noch eine Chance? Auf die Regierungsrechte blickend, möchte man den klassischen französischen Dramatiker Corneille zitieren: »Der Hof ist aufgewühlt, das Volk vor Schrecken blass; das Ohr vernimmt nur Schreie, das Aug' ist tränennass.« Mitarbeiter des Élysée-Palastes suchen, das berichtet die Tageszeitung Le Monde, nach Landeplätzen in Politik und Wirtschaft, Abgeordnete der Regierungspartei UMP speichern die Telefonnummern von Headhuntern in ihren Handys. Wenige Wochen nach der Präsidentenwahl wird zur Nationalversammlung gewählt; aus dem Parlament dringt das abenteuerliche Gerücht, UMP-Abgeordnete könnten in einem Anfall von Panik dazu aufrufen, anstelle von Sarkozy dem Zentristen François Bayrou die Stimme zu geben, damit sie nicht mit dem Präsidenten untergehen. Viele zweifeln, ob Sarkozy es überhaupt in den zweiten Wahlgang schafft. Die Stichwahl würde dann zwischen Hollande und Marine Le Pen vom Front National entschieden – so wie vor zehn Jahren zwischen Jacques Chirac und dem Vater der rechtsradikalen Parteiführerin. Was ein europäisches Ereignis der bösen Art wäre.

Inmitten dieses Scherbenhaufens steht Sarkozy, einsamer denn je. Ausgerechnet er, der Instinktpolitiker, hat kein emotionales Band mit den Franzosen knüpfen können. Die Abneigung gegen Sarkozy frisst sich durch alle Lager. Sie geht so weit, dass die Mehrheit der Wähler von Marine Le Pen, sollte sie den zweiten Wahlgang nicht erreichen, im Zweifel eher für Hollande als für Sarkozy stimmen dürfte.

Vor einem Jahr hatte eine Umfrage erkundet, was die Franzosen im Alltag am meisten nervt. Weit vor dem Nahverkehr, dem Lärm oder der Zeitnot rangierte das »mangelnde Benehmen« – Ausdruck dafür, dass in Krisenzeiten das Sozialverhalten rüder wird. Mit diesem Mangel wird Sarkozy identifiziert. »Allein schon wie er geht!«, seufzte kürzlich ein prominenter Sarkozyst. »Früher mussten die Prinzen Unterricht darin nehmen, wie man langsam schreitet – Sarkozy könnte das auch gebrauchen.« Der Präsident hatte sich verschätzt, als er dachte, der Bruch mit den hergebrachten Formen präsidialen Gehabes passe zu seinem Image als Modernisierer. Des Fehlers bewusst geworden, bemüht er sich seit einem Jahr, wie ein Präsident aufzutreten, allein er wird das Klischee des Parvenüs nicht mehr los.

Allerdings hat er noch Reserven. Er scheint an einer neuerlichen Wandlung zu arbeiten: Sarkozy, der Mann, der seine Schwächen einsieht, der an sich selbst leidet, aber mit zusammengebissenen Zähnen tut, was nötig ist. Der deswegen nicht geliebt, aber respektiert werden will und dessen heiliger Ernst das entscheidende Wahlargument ist.

Am Sonntagabend kündigte er eine Erhöhung der Mehrwertsteuer an, um mit den Einnahmen die Arbeitskosten zu senken, außerdem will er die Regelung der Arbeitszeit den betrieblichen Tarifpartnern überantworten – in normalen Zeiten eine Garantie auf Massendemonstrationen und in Wahlkampfzeiten, wie man sie bisher kannte, politischer Selbstmord. Diesem Vorwurf aus den eigenen Reihen begegnend, spottete Sarkozy am Dienstagmorgen vor UMP-Abgeordneten: »Ich bin in Frankreich der Selbstmörder, der am besten in Form ist.« Während des Rückflugs von einem Besuch in Französisch-Guyana entblößte Sarkozy einen weiteren ungeahnten Charakterzug. Um ihn herum saßen Journalisten, und er gab ihnen Futter, indem er sentimental über ein mögliches Ende seiner Karriere sprach: Seht her, ein Mensch!

Das ist neu. An François Hollande hingegen wird bald nicht mehr vieles neu sein. Sein Gegner ist am Zug. Und der zögert den Zeitpunkt hinaus, seine Kandidatur offiziell anzumelden. Sarkozy will nämlich noch ein wenig präsidieren, das steht ihm gut. Sodann: Attacke!

Was er den Franzosen anbieten wird, weiß niemand so recht, eines aber steht fest: Rechts oder links, so will er die Wahl. Nicht bloß Nuancen ein und derselben Politik. Die Sozialisten denken genauso: Alternative, Konfrontation, Entscheidung. Eine gute Nachricht. Denn hatte nicht just das den europäischen Demokratien letzthin gefehlt, von denen es hieß, sie seien eindimensional geworden?

 
Leser-Kommentare
  1. wird ad absurdum geführt. Der € ist tot und das sollte von unseren Politikern schnellstens begriffen werden.
    Andere Möglichkeit : wir werden Franzosen, Rente mit 60 ist ja auch nicht schlimm.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ist nicht tot - er erfordert nur einen anderen politischen Horizont, nicht mehr nur den nationalen. Aber das überfordert regional gewählte Volksvertreter bei weitem.

    Teilperspektiven eines Währungsraums wie z.B. deutsche Arbeitslosenzahlen, österreichische Löhne oder französische Einzelhandelsumsätze sind nicht mehr aussagefähig weil sie im Extremfall nur die eine Seite einer Waage beschreiben, die sich innerhalb des relevanten Systems Euroraum auf einer anderen Seite in die andere Richtung bewegt.

    Hätten sich die deutschen Bundesländer zu DM-Zeiten (ohne einen Überbau, der letztenendes für alles geradestand, alles kompensierte und Ressourcen nicht nach Leistung sondern nach Bedarf dirigierte) unter vergleichbaren Regelungen wie die Euro-Länder verhalten wäre Deutschland und die DM bundesländerscheibchenweise pleite gegangen.

    ... ist nicht tot - er erfordert nur einen anderen politischen Horizont, nicht mehr nur den nationalen. Aber das überfordert regional gewählte Volksvertreter bei weitem.

    Teilperspektiven eines Währungsraums wie z.B. deutsche Arbeitslosenzahlen, österreichische Löhne oder französische Einzelhandelsumsätze sind nicht mehr aussagefähig weil sie im Extremfall nur die eine Seite einer Waage beschreiben, die sich innerhalb des relevanten Systems Euroraum auf einer anderen Seite in die andere Richtung bewegt.

    Hätten sich die deutschen Bundesländer zu DM-Zeiten (ohne einen Überbau, der letztenendes für alles geradestand, alles kompensierte und Ressourcen nicht nach Leistung sondern nach Bedarf dirigierte) unter vergleichbaren Regelungen wie die Euro-Länder verhalten wäre Deutschland und die DM bundesländerscheibchenweise pleite gegangen.

  2. Marine le Penn wird Präsidentin. Schliessen wir dann Frankreich aus Europa aus ?

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 02.02.2012 um 20:14 Uhr

    "Er will nicht mehr sparen, sondern wieder umverteilen. Als gäbe es keine Euro-Krise."

    Statt "er" hätten Sie wirklich "Sarkozy" schreiben können.

    "Sarkozy will nicht mehr sparen, sondern wieder an die Reichen umverteilen. Als gäbe es keine Euro-Krise, keine Sozialkrise."

    Denn, wie erklären Sie, lieber Herr von Randow, dass Frankreichs Staatsdefizit zum Höchsten seit 1960 geworden ist, seitdem Sarkozy als Präsident und seine Clique ihre Abrissarbeit angefangen haben ?

    • joG
    • 02.02.2012 um 20:14 Uhr

    "Er will nicht mehr sparen, sondern wieder umverteilen. Als gäbe es keine Euro-Krise."

    Statt "er" hätten Sie wirklich "Sarkozy" schreiben können.

    "Sarkozy will nicht mehr sparen, sondern wieder an die Reichen umverteilen. Als gäbe es keine Euro-Krise, keine Sozialkrise."

    Denn, wie erklären Sie, lieber Herr von Randow, dass Frankreichs Staatsdefizit zum Höchsten seit 1960 geworden ist, seitdem Sarkozy als Präsident und seine Clique ihre Abrissarbeit angefangen haben ?

  3. "Er will nicht mehr sparen, sondern wieder umverteilen."

    Wie perfide! Da will einer denjenigen geben, die bisher die Krise bezahlen durften- der gemeine Wähler und Steuerzahler!

    Und in der Tat ist die "Finanzwelt" z.Z die größte Bedrohung für unsere europäischen Demokratien- wenn alleine Privatorganisationen wie die Ratingagenturen durch ihr Unwesen demokratische Staaten unter Druck setzen können.

    Nicht nur Sparen tut Not- auch wichtige Abwehrmaßnahmen sind bisher nicht getroffen worden und Lehren aus der letzten Krise nicht gezogen wurden.

    Dazu gehört, diejenigen zur endlich zur Kasse bitten, die die Krise verursacht haben oder von ihr profitieren.
    Neben einer effektiven Finanztransaktionssteuer, sollten endlich Leerverkäufe (CDS) die Wetten auf Staatspleiten beinhalten, verboten werden.

    So warnte "Frontal vor kurzem":
    "Seit Anfang 2010 kaufen Hedgefonds massiv Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) für griechische Staatsanleihen, und treiben so den Preis für Credit Default Swaps in die Höhe. Damit haben die Fonds ihren Einsatz nach Angaben von Marktbeobachtern bis um das Zwanzigfache erhöht. Bei einem Staatsbankrott Griechenlands würden diese Kreditausfallversicherungen ausbezahlt. Und zwar von griechischen Banken, die den Spekulanten die CDS verkauft haben. Die Auszahlung wiederum garantiert der Euro-Rettungsschirm. Und für den steht der europäische Steuerzahler gerade"

    http://frontal21.zdf.de/Z...

    58 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Und in der Tat ist die "Finanzwelt" z.Z die größte Bedrohung für unsere europäischen Demokratien- wenn alleine Privatorganisationen wie die Ratingagenturen durch ihr Unwesen demokratische Staaten unter Druck setzen können."

    Das sind nur die Boten der schlechten Nachricht, dass unsere Regierungen Jahrzehnte lang nur bis zur nächsten Wahl gedacht haben.

    "Dazu gehört, diejenigen zur endlich zur Kasse bitten, die die Krise verursacht haben oder von ihr profitieren."

    Die Wähler, welche ein Dekadentes Wahlverhalten an den Tag legen und sehr sehr lange die Staatsverschuldung nicht gejuckt hat?

    "Neben einer effektiven Finanztransaktionssteuer, sollten endlich Leerverkäufe (CDS) die Wetten auf Staatspleiten beinhalten, verboten werden."

    Leerverkäufe sind grandiose Instrumente. Gäbe es diese nicht, dann würde das Problem nur aufgeschoben und wäre in 20 Jahren unlösbar.

    ... auch wenn sie nicht Kreditausfälle der Staaten beinhalten, sondern ganz "legal" den Kurs einer Aktie manipulieren sollen. Es war schön, 2008 mit anzusehen, wie Leerverkäufer Milliardenverluste mit dem teueren Rückkauf von "geliehenen" VW Aktien machten, aber jetzt klagen sie als geschädigte "Investoren" ihre Verluste bei Porsche zurück (Wie kann sich einer als "Investor" bezeichnen, der geliehenes verkauft, um den Marktpreis zu manipulieren?)

    Also wenn man Staaten schützt, dann sollte man Privatunternehmen gleichermaßen schützen.

    wenig differenziert in der Berichterstattung.

    Zitat: "Bei einem Staatsbankrott Griechenlands würden diese Kreditausfallversicherungen ausbezahlt. Und zwar von griechischen Banken, die den Spekulanten die CDS verkauft haben."

    Falls ich CDS auf griechische Staatsanleihen kaufen wollte, würde ich die wohl kaum von griechischen Banken kaufen, die im Falle eines Defaults von Griechenland gar nicht mehr zahlungsfähig wären. Ich glaube kaum, dass Hedgefonds Manager so dämlich wären.

    Es ist mir eingefallen: Das ist pervers und wird von den Politikern
    geduldet. Na bei Marionetten zieht ja auch jemand anders die Stricke,
    vorerst, kann sich auch ändern.

    "Und in der Tat ist die "Finanzwelt" z.Z die größte Bedrohung für unsere europäischen Demokratien- wenn alleine Privatorganisationen wie die Ratingagenturen durch ihr Unwesen demokratische Staaten unter Druck setzen können."

    Das sind nur die Boten der schlechten Nachricht, dass unsere Regierungen Jahrzehnte lang nur bis zur nächsten Wahl gedacht haben.

    "Dazu gehört, diejenigen zur endlich zur Kasse bitten, die die Krise verursacht haben oder von ihr profitieren."

    Die Wähler, welche ein Dekadentes Wahlverhalten an den Tag legen und sehr sehr lange die Staatsverschuldung nicht gejuckt hat?

    "Neben einer effektiven Finanztransaktionssteuer, sollten endlich Leerverkäufe (CDS) die Wetten auf Staatspleiten beinhalten, verboten werden."

    Leerverkäufe sind grandiose Instrumente. Gäbe es diese nicht, dann würde das Problem nur aufgeschoben und wäre in 20 Jahren unlösbar.

    ... auch wenn sie nicht Kreditausfälle der Staaten beinhalten, sondern ganz "legal" den Kurs einer Aktie manipulieren sollen. Es war schön, 2008 mit anzusehen, wie Leerverkäufer Milliardenverluste mit dem teueren Rückkauf von "geliehenen" VW Aktien machten, aber jetzt klagen sie als geschädigte "Investoren" ihre Verluste bei Porsche zurück (Wie kann sich einer als "Investor" bezeichnen, der geliehenes verkauft, um den Marktpreis zu manipulieren?)

    Also wenn man Staaten schützt, dann sollte man Privatunternehmen gleichermaßen schützen.

    wenig differenziert in der Berichterstattung.

    Zitat: "Bei einem Staatsbankrott Griechenlands würden diese Kreditausfallversicherungen ausbezahlt. Und zwar von griechischen Banken, die den Spekulanten die CDS verkauft haben."

    Falls ich CDS auf griechische Staatsanleihen kaufen wollte, würde ich die wohl kaum von griechischen Banken kaufen, die im Falle eines Defaults von Griechenland gar nicht mehr zahlungsfähig wären. Ich glaube kaum, dass Hedgefonds Manager so dämlich wären.

    Es ist mir eingefallen: Das ist pervers und wird von den Politikern
    geduldet. Na bei Marionetten zieht ja auch jemand anders die Stricke,
    vorerst, kann sich auch ändern.

  4. was widerspräche denn dem Umverteilen? Das i s t doch unsere Krise. Bitte Hollande!

    44 Leser-Empfehlungen
    • vishal
    • 02.02.2012 um 20:04 Uhr

    Ich hoffe sehr, dass er die Wahlen gewinnt. Solang nicht in der nächsten Zeit ein sozialer/(sozialistischer?) Ansatz angestrebt wird könnte es zu spät sein und wir alle werden "Sklaven" einer Wirtschaftselite werden.

    Mfg

    36 Leser-Empfehlungen
    • joG
    • 02.02.2012 um 20:14 Uhr
    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Vorstellung"
  5. Man sieht doch zB in Portugal, das Sparen alleine nicht reicht. Es braucht auch Investitionen, einen Marshallplan.

    Das hatten wir übrigens auch vor knapp 30 Jahren in den Entwicklungsländern. Sie waren hochverschuldet, haben sich kaputtgespart und liberalisiert (Washingtoner Konsensus) und was haben sie jetzt davon? Weiterhin sind sie hochverschuldet und kaputt. Warum? Weil es keine Investitionen gibt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    " Man sieht doch zB in Portugal, das Sparen alleine nicht reicht. Es braucht auch Investitionen, einen Marshallplan.

    Das hatten wir übrigens auch vor knapp 30 Jahren in den Entwicklungsländern. Sie waren hochverschuldet, haben sich kaputtgespart und liberalisiert (Washingtoner Konsensus) und was haben sie jetzt davon? Weiterhin sind sie hochverschuldet und kaputt. Warum? Weil es keine Investitionen gibt. "

    "Investiert" wurde in den Entwicklungsländern durchaus.
    Die zentrale Frage ist WER investiert WO und WIESO.

    Auch in Europa wurde jahrelang fleißig "investiert" u.a. dank üppiger Subventionierung, siehe den Bauboom in Spanien.

    Das Problem ist, dass der Sinn von Investitionen - wenn diese von Ökonomenseite gefordert werden - nicht der ist, notwendige Infrastruktur oder gesellschaftlich notwendige Reproduktionsmittel zu erstellen.
    Sondern das via Investitionen "Wachstum" erzeugt wird.
    Und "Wachstum" ist nichts weiter als die Ausweitung der Geldmenge durch Aufnahme neuer Schulden (Kredite), dadurch notwendig, dass sich Geld via Zins + Zinseszins selbstständig vermehrt.

    Das könnte man politisch ändern - das Ergebnis wäre eine enorme Einsparung an Arbeitszeit und Ressourcen.

    Aber, um Henry Ford zu zitieren:
    "Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh."

    " Man sieht doch zB in Portugal, das Sparen alleine nicht reicht. Es braucht auch Investitionen, einen Marshallplan.

    Das hatten wir übrigens auch vor knapp 30 Jahren in den Entwicklungsländern. Sie waren hochverschuldet, haben sich kaputtgespart und liberalisiert (Washingtoner Konsensus) und was haben sie jetzt davon? Weiterhin sind sie hochverschuldet und kaputt. Warum? Weil es keine Investitionen gibt. "

    "Investiert" wurde in den Entwicklungsländern durchaus.
    Die zentrale Frage ist WER investiert WO und WIESO.

    Auch in Europa wurde jahrelang fleißig "investiert" u.a. dank üppiger Subventionierung, siehe den Bauboom in Spanien.

    Das Problem ist, dass der Sinn von Investitionen - wenn diese von Ökonomenseite gefordert werden - nicht der ist, notwendige Infrastruktur oder gesellschaftlich notwendige Reproduktionsmittel zu erstellen.
    Sondern das via Investitionen "Wachstum" erzeugt wird.
    Und "Wachstum" ist nichts weiter als die Ausweitung der Geldmenge durch Aufnahme neuer Schulden (Kredite), dadurch notwendig, dass sich Geld via Zins + Zinseszins selbstständig vermehrt.

    Das könnte man politisch ändern - das Ergebnis wäre eine enorme Einsparung an Arbeitszeit und Ressourcen.

    Aber, um Henry Ford zu zitieren:
    "Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh."

  6. Zumindest nicht bei den Banken, die fallen ja alle sehr weich. Die Krise existiert nur bei Otto Normal und auch bei kleinen und mittleren Unternehmen, deren Lobby nicht zahlungskräftig genug ist. Es wäre schon, wenn nun die Banken auch mal die Krise spüren müssten und dafür der Durchschnittsbürger entlastet würde. Immerhin haben wir auch für die Bankenrettung gezahlt - die ja schon lange wieder Gewinne machen und Boni ausschütten. Ja, das ist Sozialismus, der den Neoliberalen gefällt: Schulden sozialisieren, Gewinne privatisieren.

    17 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was meinen Sie denn was die kleinen Unternehmen machen wenn die Banken ihre Liquidität verlieren ? Sie finanzieren sich alle selber ? Außerdem bekommt der Staat das Geld verzinst zurückgezahlt. Leider ist die Bankenrettung momentan alternativlos. Klar, die Finanzindustrie hat eine große Lobby, aber die Bankenrettung nach dem Prinzip 'der großen Bank wird geholfen und dem kleinen Mann nicht' zu sehen ist sehr naiv. Volkswirtschaftlich wären die Auswirkungen dramatisch.

    Was meinen Sie denn was die kleinen Unternehmen machen wenn die Banken ihre Liquidität verlieren ? Sie finanzieren sich alle selber ? Außerdem bekommt der Staat das Geld verzinst zurückgezahlt. Leider ist die Bankenrettung momentan alternativlos. Klar, die Finanzindustrie hat eine große Lobby, aber die Bankenrettung nach dem Prinzip 'der großen Bank wird geholfen und dem kleinen Mann nicht' zu sehen ist sehr naiv. Volkswirtschaftlich wären die Auswirkungen dramatisch.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service