Für alle, die es noch nicht wissen: The cow is from the ice.

Unsere Kati hat sich entschuldigt. "Sorry Great Britain!" – so werden ihre Worte in der britischen Zeitung The Sun überliefert. Es sei nur so ein "language thing" gewesen, erklärt Katarina Witt. Großbritannien ist befriedet. Die deutsch-britischen Beziehungen sind fürs Erste gerettet.

Aber es war knapp, verdammt knapp.

Wie konnte es so weit kommen? Warum empörte man sich im Königreich ausgerechnet über die muntere, stets ansteckend gut gelaunte Ex-Eisprinzessin?

Katarina Witt gehört zu den Juroren der britischen Show Dancing on Ice, bei der Prominente sich im Eiskunstlauf versuchen. Diesmal mit dabei: die 29-jährige Chemmy Alcott, Skifahrerin. 2002 errang sie bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City Platz 14 in der Kombination. 2010 dann das große Drama, Sturz beim Weltcup, offener Schien- und Wadenbeinbruch. Nun die ersten Geh- beziehungsweise Tanzversuche in der Öffentlichkeit – und das gleich auf dem Eis.

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Chemmy gibt sich wirklich Mühe, sie ist eine Kämpfernatur. Sie steht immer wieder auf. Und auch ihr Partner Sean strengt sich sichtlich an, wenn er versucht, sie herumzuwirbeln. Doch Chemmy wirkt auf seinen Schultern wie eine verunsicherte Seerobbe, die selbst merkt, dass sie sich zu Unrecht für einen Schwan gehalten hatte. Sean tut einem leid, wenn man das sieht, Chemmy tut einem leid, und ein bisschen Angst bekommt man auch: Wird sie noch einmal stürzen? Und wird sie dann die Kraft haben, noch einmal aufzustehen?

Die volkstümliche Kati fühlt natürlich, was das Volk fühlt, und sprach es in der letzten Sendung auch mit der ihr eigenen erfrischenden Herzlichkeit aus: "Chemmy, I am begging you to not do those lifts. I really don’t want to see you up there – you are a pretty big woman."

Schockierter Blick von Chemmy, wütendes Buh aus dem Publikum, und dann ging ein Twitter-Gewitter über Katarina Witt nieder, Tenor: "Wie konnte sie das arme Mädchen nur als fett bezeichnen?..." Das arme Mädchen soll Backstage dann auch noch sehr geweint haben.

Einen Tag darauf druckte die Sun dann die Entschuldigung von Katarina Witt: Chemmy habe sie missverstanden, sie habe das Wort "big" als Kompliment gemeint: Sie habe sagen wollen, sie sei eine groß gewachsene Frau. Schlusswort: "Sorry Great Britain!"

Hm, denkt man: Lost in translation, ja, das könnte sein, eben – ein fettes Missverständnis. Aber zurück bleibt doch das ungute Gefühl: Die deutsch-englische Freundschaft steht immer noch auf sehr dünnem Eis.