In seinem Namen klingt Einsamkeit und Schatten an: Hubertus Wald. Das Leben hingegen des Hamburger Unternehmers, Kunstsammlers und Mäzens (1913 bis 2005) war voll des Lichts. Mit 33 Jahren eröffnete er eins der ersten Lichtspielhäuser Deutschlands, die Kurbel in Karlsruhe . Häuser in anderen Städten folgten, und schon bald hatte Wald das Unternehmen zur damalig größten deutschen Kino-Gruppe ausgebaut. Er verkaufte die Firma aus der Ahnung, dass mit dem Siegeszug des Fernsehers die große Kino-Ära sich ihrem Ende zuneige, und investierte fortan in Immobilien.

Auch im Privatleben schien Wald Glanz geschätzt und ihn dort verortet zu haben, wo Geld und Geist zusammenkommen. Mitte der sechziger Jahre zog er an die Hamburger Außenalster und bewirtete in seinem Haus einen weiten Kreis illustrer Freunde: von Axel Springer , Rudolf Augstein und dem Thalia-Theater-Intendanten Boy Gobert bis hin zu Andy Warhol und Omar Sharif. Legendär sollen die Abendgesellschaften gewesen sein, die er auf Sylt gab, und auf Fotos sieht man ihn mit Gunter Sachs am Strand von St. Tropez oder im Hôtel de Paris in Monte Carlo.

Sein »Lebenselixier«, sagte Wald, sei aber die Kunst. Er kaufte sie im großen Stil und mit der Hilfe des Pariser Kunstexperten Samy Tarica, der auch Yves Saint Laurent und Pierre Bergé beim Aufbau ihrer Sammlung zur Seite stand.

Bei Christie’s in London werden nun die rund 90 Werke aus dem Haus von Wald in mehreren Etappen versteigert. Beginnend mit einer Picasso-Zeichnung von 1903, umspannt die Sammlung in etwa das 20. Jahrhundert. Schwerpunkte sind der Fauvismus, Kubismus, Dadaismus und das Informel. Herausragend ist dabei neben Werken von Wols und Piero Manzoni das berühmte Motiv des Eiffelturms von Robert Delaunay, das nun am 7. Februar in derselben Abendauktion versteigert wird, in der auch Werke von van Gogh, Pissarro und Degas aus der Sammlung von Elizabeth Taylor zum Aufruf kommen. Der 1926 gemalte Eiffelturm (geschätzt auf 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund) erscheint in seiner Verbindung von Abstraktion und Figuration, in seiner strahlenden Farbigkeit und durch die Jetset-Perspektive von oben auf das Pariser Wahrzeichen als Schlüssel: zur Sammlung wie zum Leben des Sammlers.

Vom frühen Picasso stammt eine kleine, beinahe pornografisch anmutende Zeichnung mit liegendem Akt und gigantischem Phallus (70.000 bis 100.000 Pfund), und von Kees van Dongen kaufte Wald eine Buste de femme nue , eine jener barbusigen Schönen aus dem Jahr 1913, die nun auf 700.000 bis 1.000.000 Pfund geschätzt werden. Van Dongens Porträt einer komplett bekleideten Dame mit großem Hut wird – obwohl dieses Gemälde aus anderer Sammlung beinahe genauso alt und genauso groß ist wie die Nackte aus dem Besitz von Hubertus Wald – interessanterweise doppelt so hoch taxiert. Angetan hatten es dem Hamburger Sammler auch die Surrealisten, Werke von Francis Picabia, Max Ernst , Joan Miró und eine Hermaphrodite (1919) von Man Ray zählen zu den nun angebotenen Losen.

In Hamburg ist die Sammlung 2006 im Hubertus-Wald-Forum gezeigt worden, einem Ausstellungstrakt der Hamburger Kunsthalle, dessen Ausbau der Unternehmer 2004 finanziert hatte. Walds früheres Ansinnen, seine Bilder dem Museum dauerhaft zu vermachen, war da schon gescheitert. Das Museum hätte nur ausgewählte Stücke ausstellen können, und Wald, der Mann des Lichts, wollte sich nicht mit der Idee anfreunden, ein Großteil der Werke dem Dämmerlicht des Museumsmagazins zu überantworten. Der Verkauf der Sammlung kommt nun der 1993 gegründeten Hubertus-Wald-Stiftung zugute – und damit neben Krankenhäusern und der medizinischen Forschung in Hamburg auch kulturellen Einrichtungen wie der Kunsthalle.