Oskar Lafontaine"Nur wir sind nicht korrumpiert"

Alle profitieren von der Krise des Kapitalismus – warum bloß die Linke nicht? Ein Gespräch mit Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine in Berlin

Oskar Lafontaine in Berlin

DIE ZEIT: Herr Lafontaine, der Antikapitalismus ist überall, aber ausgerechnet die Linke hat nichts davon. Wie kommt das?

Oskar Lafontaine: Wir haben uns in den vergangenen anderthalb Jahren mit Themen beschäftigt, die unsere Wähler nicht interessieren. Wir hatten Personaldebatten, wir diskutierten über Briefe an kubanische Regierungschefs. Kaum jemand weiß, dass wir als einzige Partei den Ausweg aus der Finanzkrise kennen: strenge Finanzmarktregulierung, direkte Kreditvergabe durch die Zentralbank an die europäischen Staaten und Millionärssteuer.

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ZEIT: Sie waren Finanzminister, Sie hätten die Deregulierung der Finanzmärkte verhindern können. Doch statt zu kämpfen, haben Sie das Amt hingeworfen.

Lafontaine: Ein Minister, der sein wichtigstes Projekt nicht durchsetzen kann, muss Konsequenzen ziehen. Meine Vorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte sind vom damaligen Bundeskanzler Schröder, vom britischen Premierminister und insbesondere von Bill Clinton brüsk zurückgewiesen worden. Auch die gesamte Presse lehnte meine Vorschläge ab. Ich hatte damals keine Chance. Heute sind alle dafür.

ZEIT: Wozu braucht man dann noch die Linke?

Lafontaine: Ich fasse es manchmal nicht, dass es immer noch nicht gelingt, die Banken an die Kette zu legen. Weder Frau Merkel noch Obama oder Sarkozy können behaupten, wirklich etwas Ernsthaftes, Einschneidendes gegen die Diktatur der Finanzmärkte getan zu haben. Auch Grüne und SPD proklamieren inzwischen unsere Forderungen; aber es sind reine Lippenbekenntnisse in der Opposition. Nur die Linke will wirklich regulieren, weil sie nicht durch Spenden von der Allianz oder der Deutschen Bank korrumpiert ist.

ZEIT: Auch bei Ihrer Partei müssen die Leute den Lippenbekenntnissen glauben. Die Linke hat keinerlei Aussichten auf eine Regierungsbeteiligung im Bund.

Lafontaine: Man kann auch aus der Opposition heraus regieren. Von 2007 bis 2009 haben wir die Agenda der Politik stark geprägt.

ZEIT: Aber nun hat nicht die Linke neuen Zulauf, sondern der Mitmach-Antikapitalismus der Occupy-Bewegung. Was hat Occupy, das Sie nicht haben?

Lafontaine: Sie haben nicht mit der Parteienverdrossenheit der Leute zu kämpfen. Wir wollen mit dieser Bewegung zusammenarbeiten. Die Ziele sind dieselben. Es muss gelingen, die Forderungen umzusetzen. Das geht nur im Parlament und nur, wenn die Linke stärker wird.

ZEIT: Ein Grund für den Misserfolg der Linken dürfte die innerparteiliche Giftigkeit sein. Es gibt keine andere Partei, in der die Mitglieder dermaßen übereinander herfallen wie bei den Linken.

Lafontaine: Sie irren sich. Innerparteiliche Konkurrenz und Ämterneid führen in allen Parteien zu weniger edlen Verhaltensweisen. Richtig ist, dass eine Partei, die nach außen Solidarität fordert, sie auch nach innen ausüben muss. Da besteht bei uns Nachholbedarf.

ZEIT: Was ist Ihr Anteil am Zustand der Partei?

Lafontaine: Wie Sie wissen, habe ich mich 2010 nach meiner Krebserkrankung aus der Bundespolitik zurückgezogen. Ich habe kein bundespolitisches Amt mehr.

ZEIT: Aber es gibt doch eine Verantwortung jenseits des Amtes.

Lafontaine: Die nehme ich wahr. Als Spitzenkandidat der Linken an der Saar kämpfe ich für ein gutes Wahlergebnis. Das hilft der ganzen Partei.

ZEIT: Wie sehr braucht Sie die Linkspartei?

Lafontaine: Ob und wie sehr, das müssen Sie andere fragen.

ZEIT: Wie sehr brauchen Sie die Linkspartei?

Lafontaine: Sie ist die einzige Partei, die die Diktatur der Finanzmärkte brechen und den Sozialabbau stoppen will. Diese Ziele stehen im Zentrum meiner politischen Arbeit.

ZEIT: Wie sehr missbrauchen Sie die Linkspartei – etwa für den Kampf gegen die SPD?

Lafontaine: Ich kämpfe nicht gegen die SPD, sondern gegen die vorherrschenden neoliberalen Denkmuster und die Politik des Sozialabbaus. Diese Fehlentwicklung gibt es in der SPD genauso wie bei den Grünen, der Union und der FDP. Im Fall der SPD ist es nur besonders tragisch, weil die Sozialdemokraten ihren historischen Auftrag, den Sozialstaat zu garantieren, aufgegeben haben.

ZEIT: Was ist neoliberales Denken, und woher kommt seine ungebrochene Kraft?

Lafontaine: Da kann man nur mit Henry Ford antworten: Wenn die Leute das Geldsystem verstehen würden, hätten wir morgen eine Revolution. Wenn etwas falsch läuft, so lautet das neoliberale Denkmuster, ist immer der Staat schuld, das unverantwortliche Handeln der Politiker und nicht die gut funktionierende freie Wirtschaft. So wird die europäische Krise als Staatsschuldenkrise beschrieben und nicht als das, was sie wirklich ist: eine Krise der Banken. Die Leute beginnen, das zu glauben.

ZEIT: Sie haben den Finanzkapitalismus in der Krise mit dem Stalinismus verglichen. Aber in Italien haben erst die Märkte vollbracht, was die Politik nicht schaffte: eine korrupte, unfähige Regierung zum Teufel zu jagen.

Lafontaine: In beiden Fällen – Finanzkapitalismus und Stalinismus – handelt es sich um totalitäre, wenn auch verschiedene Systeme. Die Finanzmärkte korrumpieren die Regierungen. Die Clinton-Administration bekämpfte meine Vorschläge zur Finanzmarktregulierung mit der Begründung, die Wall Street habe Clintons Wahlkampf finanziert.

ZEIT: Was funktioniert am Kapitalismus?

Lafontaine: Die Bereicherung einer Minderheit.

ZEIT: Das sieht die Mehrheit aber anders.

Lafontaine: Alle Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit das hiesige Wirtschaftssystem ablehnt. Dem Rheinischen Kapitalismus war es gelungen, die Verteilung so zu organisieren, dass eine große Zufriedenheit herrschte. Jetzt aber breitet sich der Niedriglohnsektor immer weiter aus, befristete Arbeitsverhältnisse werden immer zahlreicher, der Mensch wird zur Ware. Junge Leute können keine Familie mehr gründen.

ZEIT: Im Saarland wollen Sie mit der SPD regieren. Wird Heiko Maas eine rot-rote Koalition machen, wenn es reicht?

Lafontaine: Für Rot-Rot wird es in jedem Fall reichen. Die Frage wird sein, ob die SPD stärkste oder zweitstärkste Partei wird. Wenn sie zweitstärkste Partei wird, dürfte es ihr schwerfallen, zu erklären, warum sie auf das Amt des Ministerpräsidenten verzichtet und lieber als Juniorpartner der CDU Arbeitsplätze streicht und Sozialabbau betreibt.

ZEIT: Sie würden unter einem Ministerpräsidenten Maas ins Kabinett gehen?

Lafontaine: Das ginge nicht gut. Grundsätzlich will die Linkspartei im Saarland mit der SPD eine Regierung bilden. Aber wenn die SPD bei ihrer Absicht bleibt, bei Polizisten und Lehrern zu sparen und Schulen und Krankenhäuser zu schließen, wird es keine gemeinsame Regierung geben.

ZEIT: Ist die Schuldenbremse Ihr neues Hartz IV?

Lafontaine: Die Schuldenbremse ist momentan Hartz IV für Europa. Die Folgen können wir in Griechenland besichtigen, wo Menschen obdachlos werden und hungern.

 
Leserkommentare
    • H.D.
    • 05.02.2012 um 12:07 Uhr
    49. Aha!?!

    ...die Eigenständigkeit der Dt. Bundesbank.... habe ich da was verpasste ?

    2 Leserempfehlungen
  1. Werter Paul Ericsson haben Sie die Antworten?

    Zu Finanzsystem eine mathematische Sonntagsaufgabe:

    Nun wollen wir wissen wieviel Jahre es bei einem Zinsfuß von

    a) 3% und

    b) 7%

    dauert, bis sich das Kapital verdoppelt

    Es handelt sich bei der Lösung dieser Aufgabe um die beliebteste Formel eines unseren Großbankiers.

    2 Leserempfehlungen
    • m.dorn
    • 05.02.2012 um 12:11 Uhr

    ...so ein kritisches Interview haette ich mir auch bei
    Mr.Brabeck-Letmathe(Chef von Nestle), vor ein paar Wochen, gewünscht. Da gab es leider kein Nachhaken bzw. kritisches Potential. Naja..."man beisst nicht die Hand die..."

    2 Leserempfehlungen
  2. ich zu 100 % unterschreiben, weil er den Menschen, das Volk, in den Mittelpunkt stellt!!! Denn was nützt uns der ganze "Fortschritt", wenn ihn nur wenige nutzen und erleben können. Solange unser "Wohlstand" nur 20 - 30 % der Bevölkerung zugänglich ist, solange müssen wir um eine höhere Quote kämpfen!!! So wie es aussieht, können uns dabei nur sehr wenige Parteien wirklich helfen. Dazu gehören mit Sicherheit die Linken und mit Sicherheit nicht die CDU-CSU-SPD-FDP so wie sie sich heute darstellen. Wenn sie sich rückbesinnen, vielleicht noch die Grünen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Addendum"
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    • Harzer
    • 05.02.2012 um 17:42 Uhr

    "...So wie es aussieht, können uns dabei nur sehr wenige Parteien wirklich helfen. Dazu gehören mit Sicherheit die Linken und mit Sicherheit nicht die CDU-CSU-SPD-FDP so wie sie sich heute darstellen. Wenn sie sich rückbesinnen, vielleicht noch die Grüne..."

    "...Nur dank dem Totalversagen der deutschen Sozialdemokratie in Zusammenarbeit mit Grün konnte die neoliberale Revolution sich bei uns etablieren. In D besteht angesichts diesem SPD Personal auch leider keinerlei Hoffnung auf wirkliche Änderung. ..."

    • Harzer
    • 05.02.2012 um 17:42 Uhr

    "...So wie es aussieht, können uns dabei nur sehr wenige Parteien wirklich helfen. Dazu gehören mit Sicherheit die Linken und mit Sicherheit nicht die CDU-CSU-SPD-FDP so wie sie sich heute darstellen. Wenn sie sich rückbesinnen, vielleicht noch die Grüne..."

    "...Nur dank dem Totalversagen der deutschen Sozialdemokratie in Zusammenarbeit mit Grün konnte die neoliberale Revolution sich bei uns etablieren. In D besteht angesichts diesem SPD Personal auch leider keinerlei Hoffnung auf wirkliche Änderung. ..."

  3. Gibt es eigentlich irgendetwas das Lafontaine nicht falsch verstanden hat?

    Sein Unwissen äußert er jedesmal freiwillig unfreiwillig, da Wirtschaft das einzige Thema ist von dem er spricht - und sich jedesmal in die Nesseln setzt. Das hat schon morbide Züge, dass ihn etwas derart erregt ohne es zu kennen. Meine Ferndiagnose ist immer: Der Lafontaine ahnt insgeheim wie falsch er liegt.

    Nur ein kleines Beispiel seiner vielen Fehler in diesem Interview: Das von Ford gebrachte Zitat ist eine Anspielung auf die US-Zentralbank und deren damalig neu eingeführte Kreditvergabe-Praxis. Genau das was Lafontaine jetzt mit der EZB will, hat Ford mit diesem Zitat schon vor fast 100 Jahren kritisiert. Hört der noch die Einschläge?

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    wie Sie Lafontaine Unwissenheit vorwerfen?

    In all ihrem Kommentar findet sich kein Anhaltspunkt, welcher Ihre Aussage untermauert.

    Und zur FED:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Lafontaine von der EZB gefordert hat, dass diese sich den internationalen Großbanken unterwirft.

    wie Sie Lafontaine Unwissenheit vorwerfen?

    In all ihrem Kommentar findet sich kein Anhaltspunkt, welcher Ihre Aussage untermauert.

    Und zur FED:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Lafontaine von der EZB gefordert hat, dass diese sich den internationalen Großbanken unterwirft.

  4. wie Sie Lafontaine Unwissenheit vorwerfen?

    In all ihrem Kommentar findet sich kein Anhaltspunkt, welcher Ihre Aussage untermauert.

    Und zur FED:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass Lafontaine von der EZB gefordert hat, dass diese sich den internationalen Großbanken unterwirft.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gibt es eigentlich"
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    • jorkal
    • 05.02.2012 um 15:57 Uhr

    Auf das von Lafontaine genannte Ford-Zitat bemerkt ein Kommentator in einem anderen Medium (http://www.zitate-online....):

    "Die Revolution blieb aus, weil das dumme Volk bis heute daran glaubt, dass arbeitsfreie Kapitaleinkommen (Zinsen und Renditen) auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer."

    Solange an dieser Binsenweisheit - unter bemerkenswert erfolgreicher ideologischer Demagogie - vorbei diskutiert wird, bleibt die Linke verfolgt - es sei denn: sie wird "pragmatisch".

    • jorkal
    • 05.02.2012 um 15:57 Uhr

    Auf das von Lafontaine genannte Ford-Zitat bemerkt ein Kommentator in einem anderen Medium (http://www.zitate-online....):

    "Die Revolution blieb aus, weil das dumme Volk bis heute daran glaubt, dass arbeitsfreie Kapitaleinkommen (Zinsen und Renditen) auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer."

    Solange an dieser Binsenweisheit - unter bemerkenswert erfolgreicher ideologischer Demagogie - vorbei diskutiert wird, bleibt die Linke verfolgt - es sei denn: sie wird "pragmatisch".

  5. Unfassbar das Lafontaine nicht eine einzige Frage zu seinem schädlichen Wirken im staatlichen KfW-Verwaltungsrat gestellt wird:

    1. Einführung Kreditverbriefung, "True Sales Intitiative" 2003
    2. Ruinierung der Kfw-Tichter IKB
    3. 35O Millionen-Überweiung an Pleitebank Lehman

    Ein bequemes Gefälligkeitsinterview für den Demagogen. Wer die Wirtschaft und damit das ganze Sozialsystem ruinieren will, muss Lafontaine und Linke an die Macht bringen.

    2 Leserempfehlungen
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    beantworten sie mir folgende fragen und erstellen dann bitte einen neuen kommentar.

    Wie lange war er in dieser kfw?

    Wie ist er dort hin gekommen?

    Was hat er dort fuer diese fehlleistung konkret gemacht?

    War er an dieser entscheidung spuerbar beteiligt?

    Die antworten darauf waeren doch mal erkenntnis stteigernd fuer sie. dann koennen sie auch sagen sie haetten analyse betrieben vor einer meinungsbildung.

    @Zeiterfassung

    Lafontaine war seit Bundesfinanzminister ("Superminister") bis zur 350-Millionen-Übnerweisung an Pleitebank im KfW-Verwaltungsrat.

    Wenn Sie und Ihre Linkspartei wissen wollen, an welchen "Fehlleistungen" Lafontaine beteiligt war, dann schauen Sie in das Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfWG), § 7 Verwaltungsrat

    (5) Dem Verwaltungsrat obliegt die laufende Überwachung der Geschäftsführung und Vermögensverwaltung der Anstalt. Er kann dem Vorstand allgemeine oder besondere Weisungen erteilen. Insbesondere kann er sich die Zustimmung zu dem Abschluß bestimmter Geschäfte oder Arten von Geschäften vorbehalten.

    Wenn Sie von mir einen "neuen kommentar" fordern, kann ich nur neu kommentieren, dass Lafontaine wegen grober Verletzung der Aufsichtspflicht gem. § 7 vor Gericht gehört.

    Unter anderem fiel in seine Zeit als Verwaltungsrat der KfW-Bankengruppe der Verkauf von deren mehr als angeschlagenen Tochter IKB an den Finanzinvestor Lonestar. 800 Mio Verkaufspreis hatte man angestrebt. Weniger als 140 Millionen hatte man erlöst.

    Die IKB hatte einige nicht sonderlich nette Deals mit manchem Kundenportfolio getätigt (fiel auch in die Zeit des Verwaltungsrats Lafontaine). Ein Fall war das Schicksal des Spielwarenherstellers LGB in Nürnberg. Deren Kreditportfolio wurde von der IKB an Goldman Sachs verkauft. Goldman Sachs verkaufte dieses Portfolio an den Konkurrenten Märklin. Märklin stellte die Kredite fällig und LGB ging in die Insolvenz. So etwas wäre noch nicht einmal in den USA zulässig (dort gibt es einen vorläufigen Gläubigerschutz unter Chapter 11). Kein Problem bei IKB und KfW und kein Problem für Oskar Lafontaine.

    beantworten sie mir folgende fragen und erstellen dann bitte einen neuen kommentar.

    Wie lange war er in dieser kfw?

    Wie ist er dort hin gekommen?

    Was hat er dort fuer diese fehlleistung konkret gemacht?

    War er an dieser entscheidung spuerbar beteiligt?

    Die antworten darauf waeren doch mal erkenntnis stteigernd fuer sie. dann koennen sie auch sagen sie haetten analyse betrieben vor einer meinungsbildung.

    @Zeiterfassung

    Lafontaine war seit Bundesfinanzminister ("Superminister") bis zur 350-Millionen-Übnerweisung an Pleitebank im KfW-Verwaltungsrat.

    Wenn Sie und Ihre Linkspartei wissen wollen, an welchen "Fehlleistungen" Lafontaine beteiligt war, dann schauen Sie in das Gesetz über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfWG), § 7 Verwaltungsrat

    (5) Dem Verwaltungsrat obliegt die laufende Überwachung der Geschäftsführung und Vermögensverwaltung der Anstalt. Er kann dem Vorstand allgemeine oder besondere Weisungen erteilen. Insbesondere kann er sich die Zustimmung zu dem Abschluß bestimmter Geschäfte oder Arten von Geschäften vorbehalten.

    Wenn Sie von mir einen "neuen kommentar" fordern, kann ich nur neu kommentieren, dass Lafontaine wegen grober Verletzung der Aufsichtspflicht gem. § 7 vor Gericht gehört.

    Unter anderem fiel in seine Zeit als Verwaltungsrat der KfW-Bankengruppe der Verkauf von deren mehr als angeschlagenen Tochter IKB an den Finanzinvestor Lonestar. 800 Mio Verkaufspreis hatte man angestrebt. Weniger als 140 Millionen hatte man erlöst.

    Die IKB hatte einige nicht sonderlich nette Deals mit manchem Kundenportfolio getätigt (fiel auch in die Zeit des Verwaltungsrats Lafontaine). Ein Fall war das Schicksal des Spielwarenherstellers LGB in Nürnberg. Deren Kreditportfolio wurde von der IKB an Goldman Sachs verkauft. Goldman Sachs verkaufte dieses Portfolio an den Konkurrenten Märklin. Märklin stellte die Kredite fällig und LGB ging in die Insolvenz. So etwas wäre noch nicht einmal in den USA zulässig (dort gibt es einen vorläufigen Gläubigerschutz unter Chapter 11). Kein Problem bei IKB und KfW und kein Problem für Oskar Lafontaine.

  6. ist zu beobachten, dass selbst in den sog. seriösen Medien die Journalistenfragen immer oberflächlicher und personenfixierter werden. Den meisten Journalisten fehlt zunehmend die Sachkenntnis. Hätten sie die Materie selbst durchdacht, hätten ihre Fragen eine ganz andere Qualität. Ob es wirklch nur damit zu erklären ist, dass der Neoliberalismus auch die Medienlandschaft durchzieht?

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