Kardinal Reinhard Marx: "Der Teufel ist fantasievoll"
Wie umgehen mit den Versuchungen der Welt? Ein Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx über Macht und Privilegien seines Amtes, über Kirchensteuer und Tanzvergnügen
DIE ZEIT: Herr Kardinal, stimmt das: Sie fahren gern mit der U-Bahn zur Arbeit?
Kardinal Reinhard Marx: Nun, die tägliche Büroarbeit findet ja hier bei mir statt. Aber U-Bahn-Fahren liebe ich seit meiner Studentenzeit in Paris. Also, gelegentlich fahre ich gerne U-Bahn.
ZEIT: Wie weltlich darf ein Kardinal leben?
Marx: Meine Richtschnur ist: Nicht von der Welt, aber in der Welt und für die Welt. Das gilt nicht nur für den Kardinal, das gilt für jeden Christen.
ZEIT: Sie sagten mal: »Als junger Priester hatte ich mir vorgenommen, jetzt kannst du nicht mehr tanzen.« Später haben Sie wieder damit angefangen, etwa bei Festen der Schützenbruderschaft in Ihrem westfälischen Heimatdorf Geseke. Darf ein Kardinal tanzen?
Der gebürtige Westfale ist als katholischer Erzbischof von München und Freising der erste Nichtbayer im Amt. Der 58-Jährige lebt in Schwabing.
Marx: (lacht) Na, das ist die absolute Ausnahme, dass ich zu Hause im Kreis der Schützenbruderschaft tanze, wenn wir miteinander feiern. Das wird immer seltener. Aber ich liebe unsere alten Geseker Traditionstänze sehr.
ZEIT: Und da gibt’s keine scheelen Blicke?
Marx: Ganz ehrlich: Darauf achte ich nicht so. Aber restlos kann man die Spannung zwischen Himmel und Erde, die ein Priester leben muss, nie auflösen. Das Leben eines Priesters soll eben auch ein Zeichen sein. Wenn mir jemand anerkennend auf die Schulter klopft und sagt: »Sie passen in die Welt!«, dann antworte ich: »Na, das möchte ich jetzt auch nicht so ganz.«
ZEIT: Ist heute nicht eher das Gegenteil zu beobachten: eine Priesterkaste, die sich immer stärker zurückzieht?
Marx: Bei aller Zeichenhaftigkeit des Priesteramts: Die Kirche darf nicht zu einer Sonderwelt jenseits der Menschen werden. Das hat Jesus nicht gewollt.
ZEIT: Jesus hat eine Meinung zu tanzenden Kardinälen?
Marx: Er hat jedenfalls die Feste der Menschen besucht und erlebte dieselbe Spannung wie wir in der Kirche. Im Evangelium artikuliert sich die Kritik an Jesus ganz deutlich: Wie kann das denn sein, der Fresser und Säufer sitzt bei den Sündern und isst mit denen! Er fasst die Kranken an und macht sich unrein. Ja, Jesu Hinwendung zu den Menschen war aus der damaligen Sicht eigentlich inakzeptabel. Auch das macht seine Faszination aus.
ZEIT: Muss der Kardinal alleine tanzen?
Marx: (lacht) Also, ich mache auch mal mit der Schützenkönigin einen Traditionstanz. So was kommt vor.
ZEIT: Wie weit sich die Kirche mit der Welt einlassen darf, ist seit dem Deutschlandbesuch des Papstes heiß umstritten. Benedikt XVI. hat in seiner Abschiedsrede den deutschen Katholiken eine kontroverse Mahnung mitgegeben: Die Kirche solle sich »ent-weltlichen«. Ist »Entweltlichung« ein Kampfbegriff im Streit um die künftige Richtung der Kirche?
Marx: Ja, es gibt bei einigen in der Kirche die Tendenz, aus dem sehr klugen Wort des Papstes eine Rolle rückwärts abzuleiten. Doch theologisch ist das unhaltbar: dass die Kirche sich aus der Welt zurückziehen könnte.
ZEIT: Der Papst scheint einer solchen Rückbesinnung nicht abgeneigt zu sein.
Marx: Nein, dem Papst ging es um den Impuls: Wie stellt sich Kirche in einer pluralen Gesellschaft auf? Wir wollen mitten in der Welt stehen und doch nicht von dieser Welt sein. Die Welt soll verwandelt werden. Das ist das Ziel.
ZEIT: Klingt schön, aber was heißt das?
Marx: Wir müssen eine Spannung bejahen, die theologisch und politisch nicht immer leicht auszuhalten ist: Die Kirche soll sich nicht der Welt anpassen, nicht verlängerter Arm des Staates sein und keine Werteagentur. Gleichzeitig aber gibt es die Kirche nur, weil die Welt von Gott erlöst werden soll. Die Kirche gibt es also nur um der Welt und nicht um ihrer selbst willen.





Das führt weit vom thema hier weg, aber mal so zur Weiterbildung:
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war mir klar. Wie jesuanisch ist es, andere Meinungen als unverfrone Frechheiten zu diskreditieren? Wie sehr wird Kamphausens Nachfolger denn von den radikal jesuanischen diskreditiert, weil er im "Palais" wohnt (das ihm nicht gehört) oder sich als Vielfahrer gerne bequem durch die Gegend fahren lässt. Aber stimmt ja: Jesu Sandalen waren nicht von BMW, ich vergaß. Und ich vergaß, dass es für die Jesuanisten genau ein Konzil von Bedeutung in der Kirchengeschichte gab. Und das nur den Jesuanisten in ihrer Vision der Urgemeinde das wahre Bild der Kirche offenbart wurde. Wohlan denn, eine Milliarde Katholiken überwindet das verfälschte Christentum, verkauft seinen Besitz, verteilt ihn unter den Armen, lässt die Toten ihre Toten bestatten, und macht sich brotbrechend (das zu brechende Brot wird dann natürlich vom Himmel fallen, kaufen kann's ja keiner mehr) auf den Weg nach Emmaus. Falls wegen der doch unüberschauberen Anzahl von Jesuanisten noch Verwaltungskram übrig bleiben sollte, erledigt den der heilige Geist; der braucht keine güldenen Gewänder, keine Palais und Limousinen, das macht der per inspirationem. Verzeihen Sie meinen Sarkasmus, aber mehr fällt mir zu den jesuanischen Dauernörglern, die kein Fünkchen Kritik ertragen können und niemanden außer sich selbst für unfehlbar halten, nicht mehr ein.
Mit ihrem bewusstsein muss das "boese" nur jeden zustand als fuer sich gegeben proklamieren und wir wuedren alle nihilisten werden.
Die frage waere nun wer hat bei ihnen fuer dieses bewusstsein gesorgt und warum und waas noch alles...
Schoen das sie wissen das dies nicht so ist... damit stehen sie auf einer stufe mit diesem herrn wuerden sich aber NIE genauso kritisieren. Das nennt man messen mit zweiierlei mass.
Gemeint ist fuer mich damit das man nie weiss ob man wirklich gutes tut und daran glauben soll aber nicht nur. Selbstrefklektieren und hinterfragen duerfen nie vergessen werden.
Doch weil es vergessen wir siehe ihr fall sieht die welt so aus wie sie gerade ist.
Also sagen sie nicht mehr die religion war daran schuld :)
...ist fantasievoll"...
und deshalb isst er gern von silbernen Tellerchen, trinkt aus goldenen Becherchen, kleidet sich in kostbare Gewänder und prächtiges Geschmeide - im Namen des HERRN...
MENSCH - was hast du aus der Aufklärung gelernt?
als die Personifizierung des Bösen. Wer aber wollte bestreiten, dass es das Böse gibt?
Sie sind wohl dem Exorzismus gegenüber aufgeschlossen? :-D
Sie sind wohl dem Exorzismus gegenüber aufgeschlossen? :-D
Sie sind wohl dem Exorzismus gegenüber aufgeschlossen? :-D
Die Unterscheidung zwischen gut und böse, gerecht und ungerecht, treffen wir doch selbst jeden Tag. Alle Rechtssysteme bauen auf dieser Unterscheidung auf. Einen Serienvergewaltiger werden Sie wohl kaum als einen guten Menschen bezeichnen wollen und sicherlich treibt diesen Menschen nicht die Kraft des Guten an. Auch einem KZ-Lagerkommandanten wird man wohl kaum den Gutmenschen abkaufen.
Die Unterscheidung zwischen gut und böse, gerecht und ungerecht, treffen wir doch selbst jeden Tag. Alle Rechtssysteme bauen auf dieser Unterscheidung auf. Einen Serienvergewaltiger werden Sie wohl kaum als einen guten Menschen bezeichnen wollen und sicherlich treibt diesen Menschen nicht die Kraft des Guten an. Auch einem KZ-Lagerkommandanten wird man wohl kaum den Gutmenschen abkaufen.
Ja, so gesehen haben Sie recht, "schön" ist kein wissenschaftliches Kriterium. ABer darum ging es mir auch nicht, es ging mir darum zu zeigen, dass eine wissenschafltiche Einordnung den Dingen nicht ihren Zauber nimmt, so man denn bereit ist, sich auf die Wissenschaft einzulassen, sondern ihn eher verstärkt.
Zum Thema Kult: In der Sache haben Sie Recht, nur würde ich das anders bewerten: Ein Glaube kann Ängste eindämmen. Wie der sprichwörtliche Strauß. Und das ist nichts ungewöhnliches oder schlechtes. Der "ideale" Nichtkultist ignoriert seine Ängste die größte Zeit über oder hat sie nicht(keine Verdammnis) oder ist sich ihrer nicht bewusst. (Ich habe beispielsweise keine tiefe Ahnung von Medizin, weswegen ich mir über die meisten Krankheiten keine Sorgen mache, einfach weil ich sie nicht kenne)
Das ist letzlich das Gleiche.
Der Unterschied liegt aber darin, dass der Nichtkultist seine Ignoranz, wenn es die Fakten fordern, beende kann,ohne den Rest umstürzen zu müssen, weswegen er es tut. Der Kultist hat entweder das ganze Paket oder ein riesieges Bündel von Widersprüchen.
Weiterhin schreiben Sie "Gemeinschaft fördern". Das halte ich für das größte Problem, das jeder Kult mit sich bringt. Das Uiversum wird in Kult und nichtkult geteilt. In der Praxis: Die und Wir. Und innerhalb des Wir herrscht starke Gruppendynamik. Die Idee der Toleranz wird dahingehen verwässert, dass in der Praxis die Nichtmitglieder vielleicht sogar als ebenbürtige Menschen aber ganz sicher als
Ehe wir uns aber weiter streiten, müssten wir erst einmal klären, was ein "Kultist" überhaupt ist. Jeder, der einen Kult ausübt? Gehören dann auch die Fußballfans dazu (das Stadion als Kirche!), die Joe-Cocker-Fans, die Skatbrüder, die Parteien, die Feministen, die Autoliebhaber, die ...? Alle haben ihre Riten, ihre geprägten Abläufe, ihre Gos und Nogos. Wer könnte sich dann noch als Nichtkultist bezeichnen?
Ehe wir uns aber weiter streiten, müssten wir erst einmal klären, was ein "Kultist" überhaupt ist. Jeder, der einen Kult ausübt? Gehören dann auch die Fußballfans dazu (das Stadion als Kirche!), die Joe-Cocker-Fans, die Skatbrüder, die Parteien, die Feministen, die Autoliebhaber, die ...? Alle haben ihre Riten, ihre geprägten Abläufe, ihre Gos und Nogos. Wer könnte sich dann noch als Nichtkultist bezeichnen?
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