AntarktisHochsaison

Minus sieben Grad gilt hier als laues Lüftchen und der Sommer dauert nur wenige Wochen. Jetzt haben die deutschen Klimaforscher in der Antarktis besonders viel zu tun. von 

Wetterballon Antarktis Neumeyer III Südpol Klimaforschung

Ein Wissenschaftler entlässt einen Wetterballon an der Neumayer-Station III in der Antarktis.  |  © AWI

In der Antarktis herrscht Trubel. Soeben sind mehrere Tonnen Proviant und Forschungsequipment aus Kapstadt eingetroffen, mit ihnen Sommerbesucher und die neuen Überwinterer. Norweger, Deutsche, Engländer – ein Gewusel aus Nationen und Sprachen beherrscht in den frühen Morgenstunden die Landepiste nahe der norwegischen Troll-Station. Weder die berühmte antarktische Stille noch das Gefühl der endlosen, unberührten weißen Weite wollen sich einstellen. Eine Hebebühne surrt, Pistenbullis graben sich knirschend durch den Schnee, Anweisungen hallen über das Feld. Der Zeitplan ist eng und will eingehalten werden, auch hier am Ende der Welt.

Denn nur im Sommer können die Stationen im ewigen Eis angeflogen werden. Spätestens Mitte Februar ist die Gelegenheit vorbei, dann wird das Wetter zu schlecht. Umso wichtiger ist, dass sich die Antarktis während der kurzen, hellen Jahreszeit des Öfteren von ihrer schönsten Seite präsentiert: mit leichten Minusgraden, wenig Wind und dem Farbenspiel von goldener Sonne, blauem Himmel und weißem Schnee. Eben so wie heute.

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"Da haben wir einen perfekten Tag erwischt", sagt Uwe Nixdorf. Der Geophysiker des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) aus Bremerhaven ist auf dem Weg zum Stolz der deutschen Polarforschung: Neumayer-Station III – Ganzjahresbastion der Klimaforschung auf dem entlegenen siebten Kontinent.

Die Polregionen sind die Klimaarchive der Erde. Von der Atmosphäre bis tief ins Sediment: Was sich hier niedergeschlagen hat, verrät, welchen Veränderungen der Planet in den vergangenen Jahrhunderttausenden ausgesetzt war. Gelingt es, das "Klimasystem Antarktis" zu verstehen, lässt sich anhand von mathematischen Modellen besser als bislang die Zukunft vorhersagen. Die Antarktis als Treiber und Indikator für den Klimawandel, so lautet die Theorie.

Allem Klimawandel zum Trotz bleibt die Ostantarktis konstant kühl

Praktisch sieht es meist komplexer aus. Denn die Erderwärmung ist in der Ostantarktis nie angekommen. Direkt am Südpol wird es sogar kälter. Wirft das die bisherige Klimaforschung über Bord? "Nein", sagt Nixdorf. "Die Veränderungen passen ins Bild. Es sind jedoch Fragen hinzugekommen." Zum Beispiel, wie es sein kann, dass die Temperatur auf der Antarktischen Halbinsel steigt, im restlichen Gebiet jedoch nicht. Ob eine generelle Erwärmung zu einer stabileren Antarktis führen kann? Und, falls ja, ob dann nicht sogar dicker werdendes Eis am Südpol in Zukunft den Meeresspiegel konstant halten könnte?

Mithilfe von Flugzeugen, Forschungsschiffen, Langzeitobservatorien und Feldforschung wollen die Polarforscher diese Wissenslücke stopfen. Sie haben sich über den Kontinent hergemacht, von der Küste bis hinauf auf das antarktische Plateau.

Die Antarktis

Die Antarktis entstand, als vor zirka 180 Millionen Jahren der südliche Urkontinent Gondwana zerbrach. Ihr Land- und Meeresgebiet wird geografisch durch den südlichen Polarkreis begrenzt, sie reicht also bis 66°33' südlicher Breite. Sieben Staaten machen Hoheitsansprüche geltend, die aufgrund des Antarktisvertrags jedoch ruhen.

Fläche

Die meisten Menschen, die im ewigen Eis leben, sind Wissenschaftler aus aller Welt. Im Winter gibt es gerade einmal 1.000 Bewohner, im Sommer von Mitte Dezember bis Mitte Januar mehr als viermal so viele – auf einer Fläche von schätzungsweise 13,2 Millionen Quadratkilometern, die zu 99 Prozent dauerhaft mit Schnee bedeckt ist. Die Antarktis ist damit größer als Europa, und der dicke Eispanzer macht den siebten Kontinent zur größten Süßwasserreserve der Welt.

Nixdorf nutzt diesen kurzen Sommer zur Inspektion. Er hat die Reise geplant und kümmert sich darum, dass jede Kiste, jede Reisetasche samt Besitzer an ihren Bestimmungsort geht. Seit 24 Stunden ist der Mann auf den Beinen. Ihn erwartet ein weiterer Flug, denn von der Troll-Station bis Neumayer III sind es noch mal 420 Kilometer. Das entspricht einer Fahrt von Hamburg nach Köln und ist doch nur ein Bruchteil der ganzen Reise. Am Ende des Trips wird der Forscher 9.910 Kilometer zurückgelegt haben.

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