KrankenversicherungNie mehr zweite Klasse

In Deutschland steht eine Revolution bevor: Die Zeit der privaten Krankenversicherung neigt sich dem Ende zu. Was kommt nun?

Ein Mann rennt. Wahrscheinlich schwitzt er auch, man weiß es nicht, weil auf dem Fernsehschirm minutenlang nur Beine zu sehen sind. Der Werbespot endet mit einer berühmten Zeile: »Am 31. ist Wüstenrot-Tag!« Klar, warum der Mann so rennt: Bis zum Stichtag muss er etwas Dringendes bei seiner Bank erledigen.

Der kleine Film wurde dreißig Jahre lang in verschiedenen Versionen im Fernsehen gezeigt. Ein Klassiker, der neuerdings sozialdemokratische Politiker inspiriert. »Wüstenrot-Tag« nennen sie bei der SPD einen Stichtag, an dem eine neue Ära für den deutschen Sozialstaat anbrechen soll. Der »Wüstenrot-Tag« soll das Ende der Zweiklassenmedizin einläuten: den Abschied von einem Gesundheitswesen, in dessen Wartezimmern, Reha-Kliniken und Operationssälen zwischen Kassenpatienten und Privatversicherten unterschieden wird.

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Entschieden wird zwar frühestens nach der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2013, aber in diesen Wochen und Monaten kippt die Stimmung – in der Politik, in den Medien, bei den Versicherten und sogar in Teilen der Versicherungsbranche. Die private Krankenversicherung (PKV), so wie sie im Augenblick besteht, gilt nicht mehr als zukunftstaugliches Modell. Eine klassenlose Gesellschaft zeichnet sich ab, wenn auch nur im Gesundheitssystem.

Wer kann wechseln?

Wer in seinem ersten Job mehr als 50.850 Euro im Jahr verdient, liegt über der Versicherungspflichtgrenze. Das heißt: Man darf von der Kasse zur privaten Versicherung wechseln. Aber umgekehrt ist es schwierig. Versicherte können nur in die gesetzliche Krankenversicherung zurück, wenn sie arbeitslos werden oder wenn ihr Einkommen wieder unter die Pflichtgrenze sinkt. Ehepartner und Kinder dürfen nur dann mit wechseln, wenn sie jeweils weniger als 400 Euro monatlich verdienen. Ein Austritt aus der PKV ist auch möglich, wenn man ein Studium beginnt, bevor man 30 Jahre alt wird.

Alternative

Gibt es keine andere Möglichkeit?

Verbraucherzentralen und die Unabhängige Patientenberatung können prüfen, ob ein Wechsel aus der Privatversicherung doch infrage kommt. In manchen Härtefällen wurden schon Ausnahmen gemacht, und es gibt Tricks, etwa die zeitweilige Absenkung des Einkommens unter die Pflichtgrenze. Auf jeden Fall sollte man sich informieren, bevor man 55 Jahre alt ist: Ab diesem Alter sind die Kriterien so streng, dass der Wechsel fast unmöglich ist. Das soll vor Missbrauch schützen. Versicherte könnten sonst ja in jungem Alter von der günstigen Privatversicherung profitieren und später, wenn in hohem Alter die Beiträge steigen, wechseln.

Leistungen

Sinken die Leistungen beim Wechsel aus der PKV?

Im Allgemeinen ja, aber es kommt auf die Art der Leistung an. Private Versicherungen bezahlen recht oft alternative Medizin und Komfortdienste wie Chefarztbehandlung, gesetzliche Kassen übernehmen zum Beispiel Mutter-Kind-Kuren. Die private Versorgung kann sehr umfangreich sein, wenn die Prämien hoch sind. Bei auffällig günstigen Tarifen fehlen oft wichtige Leistungen wie ambulante Psychotherapie, oder es bleibt eine sehr hohe Selbstbeteiligung. Zwischen den gesetzlichen Kassen gibt es nur geringe Unterschiede in den Leistungspaketen. Wie viel man für sie zahlt, hängt vom Einkommen ab, maximal sind es derzeit ohne Pflegeversicherung 590 Euro im Monat. Bei einigen Kassen gibt es günstigere Wahltarife, etwa mit Selbstbeteiligung.

Vorteile

Für wen lohnt sich ein Wechsel?

Er kann vor allem für Familien vorteilhaft sein, weil in der gesetzlichen Krankenkasse Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert sind. Die privaten Kassen verlangen dagegen für jedes Familienmitglied einen eigenen Beitrag, je nach Alter, Geschlecht und Gesundheit bei Vertragsabschluss. Die besten Voraussetzungen für eine private Versicherung haben daher gesunde, junge Männer ohne Familienpläne. Und Beamte: Der Staat zahlt ihnen Beihilfe, also je nach Alter und Familienstand 50, 70 oder 80 Prozent jeder Arzt- und Arzneirechnung. Alle anderen müssen vorsichtig kalkulieren, zumal im Alter mit hohen Beitragssteigerungen zu rechnen ist.

Seit 2000 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Privatversicherte im Alter von 22 bis 61 Jahren zehn Prozent zusätzlich einzahlen, um diese Beitragserhöhungen zu mindern. Das kommt aber vor allem Versicherten zugute, die ihren Vertrag im neuen Jahrtausend abgeschlossen haben.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn wirbt gerade in seiner Partei dafür, eine neue Versicherung für alle zu konzipieren, ohne Zweiklassenmedizin. »Das derzeitige Nebeneinander von zwei Systemen ist nur noch historisch zu begründen und hat kaum noch Akzeptanz«, sagt er. »Die private Krankenversicherung wird sich verändern müssen.«

In der SPD sind die Reformpläne schon weit gediehen, sie sind allerdings weniger radikal als noch vor einigen Jahren. Auf ihrem Parteitag im Dezember 2011 beschlossen die Genossen ein Konzept, das, wie Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meint, »auch ein attraktives Angebot für wechselwillige Privatversicherte sein soll«. Das Modell ist einfacher, Härten für Gutverdiener wurden trotz des Protestes des linken Parteiflügels gestrichen.

Es geht dabei nicht um eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung per Dekret, sondern darum, dass für alle Versicherungen dieselben Regeln gelten – für die Erhebung der Beiträge oder die Bezahlung von Arzthonoraren. Wenn die Reform in Kraft tritt, soll es nach den SPD-Plänen in Deutschland möglich sein, zwischen privaten und gesetzlichen Versicherungen hin und her zu wechseln, bis zum »Wüstenrot-Tag« eben. Das gab es bisher noch nicht. Denn so entstünde ein Wettbewerbsdruck, bei dem nur noch die Kassen überleben, die ein wirklich überzeugendes Angebot vorlegen.

Als Vorbild gelten die Niederlande, wo die Regierung 2006 etwas Ähnliches entschied: Jeder Fünfte der sechzehn Millionen niederländischen Versicherten wechselte damals innerhalb weniger Wochen seinen Anbieter. Bei vielen Kassen standen zwei Monate lang die Telefone nicht still. Einige Versicherungen verloren auf einen Schlag mehrere Hunderttausend Kunden, bei anderen mussten die Mitarbeiter auch nachts arbeiten, um mit der Beratung neuer Mitglieder hinterherzukommen.

In Deutschland gehören heute ungefähr 85 Prozent einer gesetzlichen Krankenkasse an mit ihren einheitlichen Leistungen für alle, der kostenlosen Absicherung für Familienangehörige und Beiträgen, die vom Einkommen abhängen. Der Rest, etwa 8,9 Millionen Menschen, hat einen Vertrag mit einer privaten Krankenversicherung wie der Debeka oder der DKV. Diese Versicherten bekommen Rechnungen vom Zahnarzt oder Krankenhaus, die sie einreichen müssen. Ihre Beiträge werden Prämien genannt, die Höhe hängt vor allem vom Krankheitsrisiko und vom Leistungsumfang ab. Meistens verdienen Ärzte und Kliniken besonders gut an Privatversicherten, die deswegen oft schneller Termine bekommen als Kassenpatienten.

Leserkommentare
  1. wieso verordnet ihr der Mehrheit der Menschen eine Zwangsversicherung mit schlechteren Konditionen, von denen ihr euch selbst ausnehmt? Warum nutzt Ihr nicht die Möglichkeit freiweillig gesetzlich versichert zu sein? Entspräche das nicht Eurer Vorbildfunktion?

    P.S.: Ich kenne einige wenige (leider viel zu wenige) Beamte, die zeitlebens um die Beitragsbemessungsgrenze herumkrebsen, aber AUS ÜBERZEUGUNG freiwillig gesetzlich versichert bleiben - weil sie es für asozial halten, sich aus dem Solidarsystem zu verabschieden. Auch wenn Sie kräftig draufzahlen und von EGO-ökonomisch denkenden Einkommensoptimierern für DUMM gehalten werden.

    Liebe Politiker, wie steht ihr dazu?

    15 Leserempfehlungen
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    • serins
    • 03.02.2012 um 13:35 Uhr

    das schlechstes Beispiel, denn die Krankenversorgung bezahlt dort der Steuerzahler, die nehmen nicht einen Pfennig in die Hand und wenn sie sich ihre Zuzahlungen z.B. für die Vollverkronung aller Zähne nicht leisten können, dann gibt es dort die Härteklausel und der Staat aka Steuerzahler übernimmt die Kosten. Da haben die PKVen schon richtige Modelle entwickelt, dass den Beamten keinerlei private zu tragende Kosten entstehen.
    Und die freiwillig Plichtversicherten Beamten sind imho gar nicht so dumm, die denken vielleicht schon weiter. Denn ob ich nachher 150 Euro im Monat zahle oder als PKVler 600 Euro und höher ist schon ein Unterschied, denn es ist abzusehen, dass die Kostenexplosion bei den Beamten nicht mehr lange durchzuhalten ist, Stichjahr wird 2018 sein, dann explodieren die Leistungen im Pensionsbereich schlagartig und dann wird auch dort der Staat streichen müssen. Da werden sich noch viele Beamte wünschen die FPV gewählt zu haben. .

    @Thema
    Was hier als Fortschritt verkauft werden soll, wird imho den Bundesbürgern noch böse aufstossen, denn da wird die maximale Beitragsgrenze bei den GKVlern aufgelöst werdne und die Kosten werden den Versicherten auffressen.
    Und Herrn Lauterbach als Mitglied der Rhön Kliniken würde ich immer argwöhnisch betrachten, der hat das wohl seines Herren im Auge und das heisst Profit.

    • serins
    • 03.02.2012 um 13:35 Uhr

    das schlechstes Beispiel, denn die Krankenversorgung bezahlt dort der Steuerzahler, die nehmen nicht einen Pfennig in die Hand und wenn sie sich ihre Zuzahlungen z.B. für die Vollverkronung aller Zähne nicht leisten können, dann gibt es dort die Härteklausel und der Staat aka Steuerzahler übernimmt die Kosten. Da haben die PKVen schon richtige Modelle entwickelt, dass den Beamten keinerlei private zu tragende Kosten entstehen.
    Und die freiwillig Plichtversicherten Beamten sind imho gar nicht so dumm, die denken vielleicht schon weiter. Denn ob ich nachher 150 Euro im Monat zahle oder als PKVler 600 Euro und höher ist schon ein Unterschied, denn es ist abzusehen, dass die Kostenexplosion bei den Beamten nicht mehr lange durchzuhalten ist, Stichjahr wird 2018 sein, dann explodieren die Leistungen im Pensionsbereich schlagartig und dann wird auch dort der Staat streichen müssen. Da werden sich noch viele Beamte wünschen die FPV gewählt zu haben. .

    @Thema
    Was hier als Fortschritt verkauft werden soll, wird imho den Bundesbürgern noch böse aufstossen, denn da wird die maximale Beitragsgrenze bei den GKVlern aufgelöst werdne und die Kosten werden den Versicherten auffressen.
    Und Herrn Lauterbach als Mitglied der Rhön Kliniken würde ich immer argwöhnisch betrachten, der hat das wohl seines Herren im Auge und das heisst Profit.

  2. sicher ist die private Versicherung nur in jungen Jahren ein Sparmodell, das was in jungen Jahren gespart wird , wird im Alter zurückgezahlt.
    Wobei man in jungen Jahren aber auch mehr Geld braucht als im Alter.
    Was aber immer von den gesetzlichen Kassen verschwiegen wird : alle Leistungen sind budgetiert, ein Patient hat auch nur einen bestimmten Kostensatz im Quartal, den der
    Arzt erstattet kriegt. Jeder weiss, dass vor einer Zahnarztbehandlung fast immer ein Kostengespräch stattfindet.
    Als Privatpatient entfällt dieser Hemmschuh und darum hat man , insbesondere am Quartalsende Vorfahrt.
    Dafür gibt es aber wieder keine Familienversicherung , wo Hausfrau und Kinder kostenlos mitversichert sind.
    Aus Kostengründen empfehle ich ergo eine gesetzliche Versicherung mit privater Zuzahlung.
    das belastet das Geamtsystem aber wahrscheinlich noch mehr.

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    • GDH
    • 03.02.2012 um 15:56 Uhr

    "Aus Kostengründen empfehle ich ergo eine gesetzliche Versicherung mit privater Zuzahlung"

    Einverstanden. Zwecks Bürokratievermeidung wäre es aber besser, es gäbe eine gesetzliche Pflichtversicherung (eine gesetzliche Versicherungspflich gibt's ja eh schon). Alles Weitere kann man dann privat "dazuversichern". Das fördert die Transparenz und vermeidet selsame Anreize (z.B. sein Einkommen ein paar Euro rauf- oder runterzutricksen, wenn man in die Nähe der Beitragsbemessungsgrenze kommt).

    Am besten wäre es, man schafft den (gesetzlichen) Krankenversicherungsbeitrag auch gleich ab und erhöht dafür irgendwelche schon bestehenden Steuern. Hinsichtlich Verteilungs- und Anreizgerechtigkeit gibt's genug Stellschrauben (man denke nur an Einkommens- Mineralöl- Tabak- Erbschafts- oder Mehrwertsteuer - von mir aus kann man auch an der Höhe von Freibeträgen drehen) und das System wird einfacher dadurch.

    • GDH
    • 03.02.2012 um 15:56 Uhr

    "Aus Kostengründen empfehle ich ergo eine gesetzliche Versicherung mit privater Zuzahlung"

    Einverstanden. Zwecks Bürokratievermeidung wäre es aber besser, es gäbe eine gesetzliche Pflichtversicherung (eine gesetzliche Versicherungspflich gibt's ja eh schon). Alles Weitere kann man dann privat "dazuversichern". Das fördert die Transparenz und vermeidet selsame Anreize (z.B. sein Einkommen ein paar Euro rauf- oder runterzutricksen, wenn man in die Nähe der Beitragsbemessungsgrenze kommt).

    Am besten wäre es, man schafft den (gesetzlichen) Krankenversicherungsbeitrag auch gleich ab und erhöht dafür irgendwelche schon bestehenden Steuern. Hinsichtlich Verteilungs- und Anreizgerechtigkeit gibt's genug Stellschrauben (man denke nur an Einkommens- Mineralöl- Tabak- Erbschafts- oder Mehrwertsteuer - von mir aus kann man auch an der Höhe von Freibeträgen drehen) und das System wird einfacher dadurch.

  3. Wenn wir mit einer staatlichen Zwangseinheitsversicherung beglückt werden, dann geht es genau andersherum aus: Für alle höchstens 2.Klasse!! Man sehe sich nur die Einheitsversicherungen in anderen Staaten an.

    4 Leserempfehlungen
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    Ich hätte schon seit zwei Jahren in die Private wechseln können. Habe ich aber nicht. Wieso? Weil ich zwar jetzt sehr wahrscheinlich weniger zahlen müsste als in der Gesetzlichen, aber in ein paar Jahren sicher sehr viel mehr. Finden Sie das etwa eine gute Lösung?

    Ich bin in der Gesetzlichen und habe gewisse Risikin privat abgesichert. Eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" muss nicht schlechter sein. Auf dem OP-Tisch werden Sie schon nicht links liegen gelassen, weil neben Ihnen ein "Privater" liegt. Kann aber sein, dass Ihnen der Professor nicht mehr die Hand schüttelt, wie er es beim "Privaten" macht. So manche "Therapie", die "Private" kriegen, ist mediznisch oft nicht sinnvoll, bringt dem Arzt aber mehr Geld ein. Da bevorzuge ich doch eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" und wenn ich den Hintern persönlich vom Prof. abgewischt bekommen möchte, schließe ich eben eine Zusatzversicherung ab. Unser Gesundheitssystem ist immer noch erstklassig und wird es auch zukünftig wohl bleiben. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

    • serins
    • 03.02.2012 um 13:24 Uhr

    funktioniert hier in Canada hervorragend, und das Beste ist, die Unternehmen müssen ihren Mitarbeiter Health Benefits anbieten, also Zusatzversicherungen anbieten, damit sie Fachkräfte bekommen. Also alles was in D vom AN getragen werden muss, sind hier Cookie Points für den AG, die er bezahlt.
    Machen sie ihrem AG mal den Vorschlag er soll z.B ihre Zahnzusatzversicherung oder Brillenversicherung zusätzlich zu ihrem Gehalt bezahlen, der wird sie auslachen.

    in einem Staat mit Einheitsversicherung. Das heißt Versicherungspflicht und Pflichtversicherung für ALLE, ausnahmslos.

    Ich war 30 Jahre im deutschen System versichert. Und bin jetzt 20 Jahre im österreichischen System versichern. Und ich darf Ihnen versichern, daß ich mit Sicherheit jetzt bei Krankheit nicht schlechter behandelt werde als früher in D. Und bezahlen tu ich auch weniger. 7,5% (inkl. AG-Anteil) statt 15,5% in D.

    Die private KV in D. ist nur interessant für junge, gesunde Menschen, die

    1. nicht verheiratet sind oder deren Partner/in selbst versichert ist

    2. keine Kinder haben

    Im Alter ist die PKV sauteuer.

    In Deutschland sind doch nur 10 Prozent der Bevölkerung in der PKV, fast der ganze Rest ist schon jetzt in der GKV "zwangsversichert". Daher leuchtet es nicht ein, was an der Versorgung schlechter werden sollte, wenn man auf die PKV verzichtet. Die Finanzierung des gesamten Gesundheitsausgaben könnte aber bedeutend solidarischer gestaltet werden.

    Ich hätte schon seit zwei Jahren in die Private wechseln können. Habe ich aber nicht. Wieso? Weil ich zwar jetzt sehr wahrscheinlich weniger zahlen müsste als in der Gesetzlichen, aber in ein paar Jahren sicher sehr viel mehr. Finden Sie das etwa eine gute Lösung?

    Ich bin in der Gesetzlichen und habe gewisse Risikin privat abgesichert. Eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" muss nicht schlechter sein. Auf dem OP-Tisch werden Sie schon nicht links liegen gelassen, weil neben Ihnen ein "Privater" liegt. Kann aber sein, dass Ihnen der Professor nicht mehr die Hand schüttelt, wie er es beim "Privaten" macht. So manche "Therapie", die "Private" kriegen, ist mediznisch oft nicht sinnvoll, bringt dem Arzt aber mehr Geld ein. Da bevorzuge ich doch eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" und wenn ich den Hintern persönlich vom Prof. abgewischt bekommen möchte, schließe ich eben eine Zusatzversicherung ab. Unser Gesundheitssystem ist immer noch erstklassig und wird es auch zukünftig wohl bleiben. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

    • serins
    • 03.02.2012 um 13:24 Uhr

    funktioniert hier in Canada hervorragend, und das Beste ist, die Unternehmen müssen ihren Mitarbeiter Health Benefits anbieten, also Zusatzversicherungen anbieten, damit sie Fachkräfte bekommen. Also alles was in D vom AN getragen werden muss, sind hier Cookie Points für den AG, die er bezahlt.
    Machen sie ihrem AG mal den Vorschlag er soll z.B ihre Zahnzusatzversicherung oder Brillenversicherung zusätzlich zu ihrem Gehalt bezahlen, der wird sie auslachen.

    in einem Staat mit Einheitsversicherung. Das heißt Versicherungspflicht und Pflichtversicherung für ALLE, ausnahmslos.

    Ich war 30 Jahre im deutschen System versichert. Und bin jetzt 20 Jahre im österreichischen System versichern. Und ich darf Ihnen versichern, daß ich mit Sicherheit jetzt bei Krankheit nicht schlechter behandelt werde als früher in D. Und bezahlen tu ich auch weniger. 7,5% (inkl. AG-Anteil) statt 15,5% in D.

    Die private KV in D. ist nur interessant für junge, gesunde Menschen, die

    1. nicht verheiratet sind oder deren Partner/in selbst versichert ist

    2. keine Kinder haben

    Im Alter ist die PKV sauteuer.

    In Deutschland sind doch nur 10 Prozent der Bevölkerung in der PKV, fast der ganze Rest ist schon jetzt in der GKV "zwangsversichert". Daher leuchtet es nicht ein, was an der Versorgung schlechter werden sollte, wenn man auf die PKV verzichtet. Die Finanzierung des gesamten Gesundheitsausgaben könnte aber bedeutend solidarischer gestaltet werden.

  4. Die Vereinheitlichung ist gut. Ich würde mir folgendes wünschen:

    - Alle Krankenkassen unterliegen den selben Regeln und werden aus dem gleichen Topf bezahlt

    - Jeder muss einzahlen in diesen Topf. Auch Selbstständige und Beamte.

    - Aus diesem Topf wird die Basisversicherung für jeden bezahlt auf Niveau der GKV.

    - Jede Kasse darf kostenlose Zusatzleistungen anbieten die über die Basisversorgung hinausgehen. Das schafft Konkurrenz.

    - Jede Kasse darf kostenpflichtige Zusatzleistungen anbieten für Leute die es ich leisten können.

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    • Krisse
    • 03.02.2012 um 13:11 Uhr

    Ich würde nur einen Punkt ergänzen:

    - langfristig die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze bei für die Gesamtheit deutlich geringeren Beiträgen.

    • Krisse
    • 03.02.2012 um 13:11 Uhr

    Ich würde nur einen Punkt ergänzen:

    - langfristig die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze bei für die Gesamtheit deutlich geringeren Beiträgen.

    • keibe
    • 03.02.2012 um 12:52 Uhr

    ?

    Manche, im 19. Jahrhundert zu Papier gebrachte Gedanken muten heute sehr aktuell und diskussionswürdig an.

    Beispiel:

    "Ich sehe eine unübersehbare Menge ähnlicher und gleicher Menschen, die sich rastlos um sich selbst drehen, um sich kleine und gewöhnliche Freuden zu verschaffen, die ihr Herz ausfüllen. ... Über diesen Bürgern erhebt sich eine gewaltige Vormundschaftsgewalt, die es allein übernimmt, ihr Behagen sicherzustellen und über ihr Schicksal zu wachen. Sie ist absolut, ins einzelne gehend, pünktlich, vorausschauend und milde. Sie würde der väterlichen Gewalt gleichen, hätte sie - wie diese - die Vorbereitung der Menschen auf das Mannesalter zum Ziel; sie sucht aber, im Gegenteil, die Menschen unwiderruflich in der Kindheit festzuhalten...

    Auf diese Weise macht sie den Gebrauch des freien Willens immer überflüssiger und seltener, beschränkt die Willensbetätigung auf ein immer kleineres Feld und entwöhnt jeden Bürger allmählich der freien Selbstbestimmung. Auf all das hat die Gleichheit die Menschen vorbereitet: hat sie bereit gemacht, es zu erdulden, ja es häufig sogar für eine Wohltat zu halten. ..."

    http://www.mehr-freiheit....

    Gut, dass die angedachte Neuregelung der KV nicht in diese Richtung weist.

    3 Leserempfehlungen
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    • snilax
    • 03.02.2012 um 17:25 Uhr

    Danke für den Kommentar.
    Nach dem 2. Weltkrieg gab es in England Stimmen die meinten; man müsse den Deutschen nur ausreichend Geld geben, dann würden sie schon von selbst aufhören zu DENKEN. Würden sie aber materielle Not leiden, dann fingen sie an zu DENKEN, und dann würde es für Europa gefährlich werden.
    Passt vll nicht ganz zu Ihrem Kommentar und zum Thema hier, aber dass die Deutschen nicht gerne neues Denken wollen um dann zu freien Entschlüssen zu kommen, finde ich evident.

    • snilax
    • 03.02.2012 um 17:25 Uhr

    Danke für den Kommentar.
    Nach dem 2. Weltkrieg gab es in England Stimmen die meinten; man müsse den Deutschen nur ausreichend Geld geben, dann würden sie schon von selbst aufhören zu DENKEN. Würden sie aber materielle Not leiden, dann fingen sie an zu DENKEN, und dann würde es für Europa gefährlich werden.
    Passt vll nicht ganz zu Ihrem Kommentar und zum Thema hier, aber dass die Deutschen nicht gerne neues Denken wollen um dann zu freien Entschlüssen zu kommen, finde ich evident.

  5. Ich hätte schon seit zwei Jahren in die Private wechseln können. Habe ich aber nicht. Wieso? Weil ich zwar jetzt sehr wahrscheinlich weniger zahlen müsste als in der Gesetzlichen, aber in ein paar Jahren sicher sehr viel mehr. Finden Sie das etwa eine gute Lösung?

    Ich bin in der Gesetzlichen und habe gewisse Risikin privat abgesichert. Eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" muss nicht schlechter sein. Auf dem OP-Tisch werden Sie schon nicht links liegen gelassen, weil neben Ihnen ein "Privater" liegt. Kann aber sein, dass Ihnen der Professor nicht mehr die Hand schüttelt, wie er es beim "Privaten" macht. So manche "Therapie", die "Private" kriegen, ist mediznisch oft nicht sinnvoll, bringt dem Arzt aber mehr Geld ein. Da bevorzuge ich doch eine, wie Sie es nennen "Zwangseinheitsversicherung" und wenn ich den Hintern persönlich vom Prof. abgewischt bekommen möchte, schließe ich eben eine Zusatzversicherung ab. Unser Gesundheitssystem ist immer noch erstklassig und wird es auch zukünftig wohl bleiben. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

    6 Leserempfehlungen
    • wd
    • 03.02.2012 um 13:10 Uhr

    Wechselt ein Beamter in die GKV, dann bezahlt der öffentliche Arbeitgeber 0€ als Arbeitgeberanteil bei der GKV und 0€ als so genannte Beihilfe!
    Obendrein verlangt die GKV vom Beamten erhöhte Beitragszahlungen!
    Musterprozesse mit dem Ziel einen Arbeitgeberzuschuss zur GKV vom Arbeitgeber zu erhalten haben Beamte stets verloren!
    Beamte sind nicht unbedingt darauf hinaus, privat versichert zu sein, sie möchten aber nicht beschissen werden!

    Eine Leserempfehlung
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    "Obendrein verlangt die GKV vom Beamten erhöhte Beitragszahlungen!"

    Wenn man aber erst im höheren Alter verbeamtet wird, zahlt man trotz Beihilfe horrende Summen. Als Beamter bleibt einem aber nichts anders als sich privat zu versichern.

    "Obendrein verlangt die GKV vom Beamten erhöhte Beitragszahlungen!"

    Wenn man aber erst im höheren Alter verbeamtet wird, zahlt man trotz Beihilfe horrende Summen. Als Beamter bleibt einem aber nichts anders als sich privat zu versichern.

  6. Liebe Foristen

    ich möchte nicht über die Höhe der Beiträge in PKV meckern.
    Meine sind in den letzten 3 Jahre um etwa 35% gestiegen seit 1999 vervielfacht. ( habe mit 190 DM angefangen)
    Gekostet habe ich der versicherung bisher fast nix, bekomme entsprechend Beiträge zurück!

    Was mir stinkt:
    Ein Wechsel in der PKV ist wirtschaftlich unmöglich!! Die PKV ist Kraft Gesetz zum Diebstahl berechtigt. Bei einem Wechsel bleiben die Altersrückstellungen bei dem jetzigen Versicherer. D.h. ich fange bei einer neuen Versicherung bei NULL und entsprechend hoher Prämie an um wieder auf die Rückstellung fürs Alter zu kommen.

    Für dieses Gesetz haben die Lobbyisten sicher gut bezahlt, ansonsten kann ich mir keinen anderen Grund vorstellen.
    An solche Dinge denkt man mit mitte zwanzig nicht, leider.

    An alle hier: es gibt heute, egal mit welchen Einkommen, keinen Grund in die PKV zu wechseln.

    Eine Frage noch: gibt es Sammelklagen gg. das Gesetz der Alterückstellungen? ich schließe mich an.

    Gruß

    5 Leserempfehlungen
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    • keibe
    • 03.02.2012 um 13:14 Uhr

    "Was aber passiert mit Altersrückstellungen, wenn der Versicherte seine Krankenkasse wechseln möchte? Gehen die Rückstellungen hierbei verloren? Hierfür hat der Gesetzgeber im Jahr 2009 eine neue Regelung gefunden: Der Versicherte darf seitdem die von ihm geleisteten Rückstellungen auf eine neue Versicherung überschreiben lassen. Allerdings wird dieser Betrag dem sogenannten Basistarif angepasst, sodass sich daraus gegebenenfalls geringe Verluste ergeben können."

    http://www.finanzkraft.de...

    • TDU
    • 04.02.2012 um 15:59 Uhr

    Auch ich habe der gesetzlichen fast 30 Jahre nichts gekostet, aber nie was zurückbekommen. Und die haben grauenvoll gewirtschaftet der Staat hat abgeriffen und nun zahlt man bei 1.000 mtl. Euro 330,00 als Selbständiger. Gemeinschaftskasse halt.

    Sie und andere wollen jetzt ihre Rücklagen haben? Wasäre gewesen, sie hätten nach den ertsen 3 Monaten ihres Beitritts eien schweren unfall erlitten oder ein schwere Krankheit. Glauben Sei dei 570,00 DM deisei danbn gezahlt hätten hätten ausgereicht? Da war dei Solidargemeinschaft dei gezahlt hat.

    Nichts gegen die Kritik an den Beitragsforderungen und der Misswirtschaft auch der Privaten (die Dumpingangebote sind aber auch der Politik geschuldet). Aber mit der Konzentartion auf den Beitrag allein sind sie in den USA. Nur der mit viel Geld wird versorgt.

    • keibe
    • 03.02.2012 um 13:14 Uhr

    "Was aber passiert mit Altersrückstellungen, wenn der Versicherte seine Krankenkasse wechseln möchte? Gehen die Rückstellungen hierbei verloren? Hierfür hat der Gesetzgeber im Jahr 2009 eine neue Regelung gefunden: Der Versicherte darf seitdem die von ihm geleisteten Rückstellungen auf eine neue Versicherung überschreiben lassen. Allerdings wird dieser Betrag dem sogenannten Basistarif angepasst, sodass sich daraus gegebenenfalls geringe Verluste ergeben können."

    http://www.finanzkraft.de...

    • TDU
    • 04.02.2012 um 15:59 Uhr

    Auch ich habe der gesetzlichen fast 30 Jahre nichts gekostet, aber nie was zurückbekommen. Und die haben grauenvoll gewirtschaftet der Staat hat abgeriffen und nun zahlt man bei 1.000 mtl. Euro 330,00 als Selbständiger. Gemeinschaftskasse halt.

    Sie und andere wollen jetzt ihre Rücklagen haben? Wasäre gewesen, sie hätten nach den ertsen 3 Monaten ihres Beitritts eien schweren unfall erlitten oder ein schwere Krankheit. Glauben Sei dei 570,00 DM deisei danbn gezahlt hätten hätten ausgereicht? Da war dei Solidargemeinschaft dei gezahlt hat.

    Nichts gegen die Kritik an den Beitragsforderungen und der Misswirtschaft auch der Privaten (die Dumpingangebote sind aber auch der Politik geschuldet). Aber mit der Konzentartion auf den Beitrag allein sind sie in den USA. Nur der mit viel Geld wird versorgt.

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