ZEITmagazin: Herr Timmerberg, Sie waren Ihr Leben lang ein Abenteurer, der durch die Welt gestreift ist. Wo haben Sie sich am glücklichsten gefühlt?

Helge Timmerberg: Als ich 1990 das erste Mal in die Altstadt von Marrakesch kam, habe ich sofort gesagt: Hier will ich nicht mehr weg.

ZEITmagazin: Was hat Sie so begeistert?

Timmerberg: Diese mittelalterliche Wahnsinnsarchitektur mit ihren Treppchen und Gässchen. Es war für mich ein gebautes Märchen. Wichtig war auch das Licht. Als ob es bestimmte Einfallswinkel der Sonne auf der Welt gibt, die neurologisch etwas bewirken. Ich war da auf der Stelle gut drauf. Ich hatte damals mit einem extrem hartnäckigen Liebeskummer zu kämpfen, der schon seit zwei Jahren nicht weichen wollte. Ich stieg in Marokko aus dem Flieger und lief die Gangway runter und: Bumm! Vom selben Tag an war der Liebeskummer weg. Ich hatte immer eine Vorliebe für den Orient und bin dann fünf Jahre geblieben.

ZEITmagazin: Warum sind Sie dann trotzdem gegangen?

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Timmerberg: Zum einen hatte ich das Gefühl, hinter jeden Schleier geschaut zu haben. Und dann hat ja auch jedes Volk seine negativen Seiten. Die Marokkaner sind total musikalisch, unheimlich lustig, tolle Geschichtenerzähler. Sie reden nie über Probleme, das finden die sofort peinlich, wenn du mit Problemen ankommst. Kommunikation ist ein Pingpongspiel von Scherzen und Geschichten, sie sind charmant bis zum Gehtnichtmehr. Und Marokko ist das Königreich der Kiffer, und ich bin ja Kiffer. Also dachte ich: Ich habe ein Leben lang an den falschen Orten gewohnt, hier gehöre ich hin. Aber nach fünf Jahren bekam ich auch die negativen Seiten mit. Die haben tausendmal in deinem Haus gesessen, Tee getrunken, geraucht, gegessen, du warst mit denen in der Wüste, trotzdem bescheißen die dich immer noch. Du weißt natürlich: Das machen die untereinander auch, aber ich konnte damit nicht umgehen. Da besuchte mich ein Freund aus Hamburg , der viel reiste. Dem gefiel es nicht, dass ich mich wie eine Topfpflanze festgesetzt hatte. Der erzählte mir: »Ich war neulich wieder in Havanna , das ist der Hammer! Komm mit.« Und tatsächlich: Havanna 1995 war eine einzige Salsa-Party. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.