Es war wohl ein Anflug von Mut bei Hans Müller-Steinhagen: In einem Interview beklagte der Rektor vor wenigen Tagen die dramatische Unterfinanzierung seiner TU Dresden – eine Lücke von 50 Millionen Euro. Er sagte, dass man über die Einstellung von Studiengängen und Zugangsbeschränkungen nachdenke und sich kaum noch neue Schreibtische leisten könne. Es war eine Drohung in Richtung Staatsregierung, die immer neue Strategien ersinnt , um Studenten nach Sachsen zu holen, und mit prima Bedingungen wirbt.

Doch kaum waren die markigen Worte in der Welt, beeilte Müller-Steinhagen sich, sie wieder zurückzuholen. Ja, gewiss fehle seiner Uni Geld, hieß es in einer schnell einberufenen Pressekonferenz – trotzdem sei die TU »hervorragend aufgestellt«. Dass die Lehre nur durch die unbezahlte Mehrarbeit von Mitarbeitern aus Drittmittelprojekten aufrechterhalten werden kann, gilt da nicht als Bankrotterklärung, sondern als Zeichen von »Effizienz«.

In einer Rundmail an alle Uni-Mitarbeiter teilte Müller-Steinhagen zugleich mit, dass »manche Formulierung« im Zeitungsartikel »zu Missverständnissen« führen könne; es gebe »derzeit keine konkreten Umsetzungsplanungen« in seinem Haus, weniger Studierende aufzunehmen oder etwa im Maschinenbau einen Numerus clausus einzuführen. Gleichwohl müsse er Szenarien wie diese erwägen, »nicht mehr und nicht weniger«.

Zwar wird im Senat der Hochschule heftig darüber diskutiert, dass Sachsen bei den Pro-Kopf-Aufwendungen für seine Uni-Studenten mit rund 6.600 Euro weit unter dem bundesdeutschen Schnitt von knapp 8650 Euro liegt. Nur berichtet werden soll darüber besser nicht. Zu groß ist die Angst im Rektorat, missliebige Äußerungen könnten die Regierung verärgern und die Bewerbung der TU Dresden in der nationalen Exzellenz-Initiative stören.

Dabei könnte die Botschaft so einfach sein: Falls Sachsen – wie gerade im Hochschulentwicklungsplan ausdrücklich formuliert – Exzellenz will, muss es dafür die nötigen Mittel bereitstellen. Auch wenn Ministerpräsident Stanislaw Tillich ( CDU ), angesprochen auf die TU-Drohungen, sagte, jeder müsse sich fragen, »ob man Masse statt Klasse haben« wolle, hat sich der Freistaat längst entschieden: Er will massenhaft Klasse. Eigentlich eine gute Verhandlungsposition für die Rektoren.

Doch die TU Dresden macht sich klein; sie setzt darauf, dass der mögliche Titel »Exzellenz-Uni« sie von den Sparvorgaben der Regierung ausnehmen wird und stattdessen andere bluten müssen. Diese Haltung nimmt man auch in Leipzig zur Kenntnis – und handelt. Derzeit werde eine eigene Strategie erarbeitet, um auf die Unterfinanzierung der Unis aufmerksam zu machen, kündigt der dortige Prorektor Thomas Lenk gegenüber der ZEIT an. Möglichen Widerspruch der Regierung sieht er gelassen: »Wir haben ohnehin nichts mehr zu verlieren.«