Es gibt diese Cartoons, in denen der treue Kapitän salutierend mit seinem Schiff untergeht. So weit gehen seine Pflichten in der Realität allerdings nicht. Wenn das Schiff wirklich sinkt, darf er sich irgendwann auch retten. Aber als einer der Ersten das Schiff zu verlassen, wie es dem Kapitän der Costa Concordia vorgeworfen wird – das geht nun überhaupt nicht, und es ist nicht nur "eine Frage der Ehre" oder eine "uralte Regel der Seefahrt", wie man nach der Havarie vor Giglio in vielen Berichten lesen konnte. Die Pflicht, an Bord zu bleiben, bis alle anderen das Schiff verlassen haben, ist in vielen Ländern auch gesetzlich verankert.

Im deutschen Seerecht gibt es keinen ausdrücklichen Paragrafen dazu, aber der Kommentar von Georg Schaps und Hans-Jürgen Abraham aus dem Jahr 1978 kommt zu dem Ergebnis, dass sich diese Vorschrift zumindest indirekt erschließen lässt, etwa aus dem Seemannsgesetz .

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Ganz eindeutig ist allerdings der italienische Codice della navigazione , der im Fall der Costa Concordia Anwendung findet, weil das Schiff unter italienischer Flagge fuhr und in italienischen Gewässern unterging. Dessen Paragraf 303 sagt: "Der Kapitän muss das Schiff als Letzter verlassen und dabei nach Möglichkeit die Karten und Logbücher retten sowie die Wertgegenstände, die ihm anvertraut wurden." Macht er das nicht, drohen ihm nicht nur zivilrechtliche Ansprüche der Reederei, der Paragraf ist auch mit saftigen Strafen bewehrt: Hasenfüßige Schiffschefs kommen bis zu zwölf Jahre hinter Gitter.

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