VW up! : Siri stellt Fragen

Peter Dausend fährt den VW up!
VW up! © Volkswagen

Zu Fahrten mit einem Testwagen nehme ich stets zwei unerschrockene Autotesterinnen mit, die mit ganz eigenem Blick die Welt auf vier Rädern betrachten. »Von vorn sieht der aus wie ein Pfannkuchen«, sagt die eine, als das kleine weiße Etwas an einem Januarmorgen vor der Haustür steht. Die zweite lässt sich von Äußerlichkeiten nicht ablenken und wartet die Premierentour ab, bevor sie ein erstes Urteil fällt: »Der Ausschnaller funktioniert nicht so gut.« – »Welcher Ausschnaller?« – »Na, wo man sich ausschnallen muss, bevor man aussteigt.«

An dieser Stelle sollte man vielleicht erwähnen, dass die Testerinnen Siri und Hedda heißen, fünf Jahre alte Zwillinge sind und in einer Welt leben, in der die darin unregelmäßig auftauchenden Testautos »Mietwagen« heißen. Das Fahrzeug, um das es hier geht, ist also ein Mietwagen mit Pfannkuchengesicht und Hedda-inkompatiblen Ausschnallern.

Der VW up! ist ein neuer dreitüriger Kleinstwagen aus Wolfsburg . Als Lückenfüller im hoffnungslos überautorisierten Parkplatzraum der Großstadt rollt er erst seit vergangenem Dezember über Deutschlands Straßen. Er war der Star der letzten Automobilmesse in Frankfurt, in Leserumfragen von Motormagazinen errang er auf Anhieb Platz eins in der Zwergenklasse, den sogenannten Microcars.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Der Kleine ist ein großer Illusionskünstler. Braust man zügig durch die Innenstadt, klingt er knackig wie ein ausgewachsener Mini. Auf die Frage von Autotesterin Siri: »Papa, warum ist der Mietwagen so laut?«, kann man im Brustton eigener Überzeugung antworten: »Er ist nicht laut, er ist sportlich.« Die Desillusionierung folgt aber, sobald die erste Autobahnauffahrt erreicht ist. Auf die Frage der Autotesterin Hedda: »Papa, warum überholen uns so viele andere Autos?«, bleibt einem dann nur der Kleinmut der Erkenntnis: »Weil dieses Auto nur in der Stadt zu Hause ist.«

Nach einer solchen Erfahrung sollte der Fahrer den Fehler vermeiden, sich untertänigst an die rot aufleuchtenden Schaltvorgaben auf dem Armaturenbrett zu halten. Wer bei 40 km/h in den vierten Gang schaltet, kriecht nicht nur antriebslos wie ein Soziologiestudent im 34. Semester durch die Stadt. Er bekommt von den zwei unerschrockenen Autotesterinnen auch noch unisono ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt: »Papa, du fährst wie Oma.«

Technische Daten

Motorbauart: 3-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 55 kW (75 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 13,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 171 km/h
CO2-Emission: 108 g/km
Durchschnittsverbrauch: 4,7 Liter
Basispreis: 10.450 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Die Kinder sind es wohl nur gewöhnt,

in einem Auto zu sitzen, das ordentlich PS unter der Haube hat. Ich finde den UP! auch nicht gut. Vorallem erinnert er mich immer an den Daihatsu Cuore, aber ich bin in meinem erst sehr selten mit einem Auto gefahren, dass mehr als 100PS hat und immer recht zugig an mein Ziel gekommen. Es verlangt von dem Fahrer ein wenig mehr vorrausschauendes Fahren, vorallem bei Autobahnfahrten, aber das ist es was den meisten Fahrern mitlerweile fehlt und deswegen mit mehr PS kompensiert werden muss. Mit 40km/h im 4. Gang habe ich in der Stadt auch kein Problem. Schalte bei 50Km/h sogar in den 5. Gang und kann so bei niedriger Drehzahl im Stadtverkehr mitschwimmen. Vielleicht sollten sie Ihren Kindern mal erklären, dass eine Fahrweise wie bei Oma dafür sorgt, dass sie in der Zukunft in einer einigermaßen lebenswerten Umwelt leben werden. Aber es scheint ja wichtigere Werte in der Kindererziehung zu geben, als eine saubere Umwelt.