TeamarbeitDas Zitat... und Ihr Gewinn

Franz Grillparzer sagt: Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen. von 

Wer wissen will, wie stark ein Team ist, hört als Antwort oft: Immer so stark wie sein schwächstes Mitglied! Diese Aussage verrät zweierlei: Hier plappert jemand nach, was er tausendmal gehört, aber niemals überprüft hat. Und: Der Blick ist wieder mal auf die Schwächen, die Schwachen, ja sogar den Schwächsten gerichtet.

Dabei ist das Gegenteil wahr! Nicht der Schwächste bestimmt, wie leistungsfähig ein Team ist, sondern der Stärkste! Prominente Beispiele belegen das: War das Bundeskabinett der SPD Mitte der 1970er Jahre nur so stark wie sein schwächstes Mitglied? Weiß überhaupt noch jemand, wie dieser Minister hieß? Ach was, die Qualität des Kabinetts wurde vom Stärksten, von Kanzler Helmut Schmidt , bestimmt. War die Fußballnationalmannschaft von Argentinien bei der WM 1986 nur so stark wie ihr schwächster Spieler? Weiß überhaupt noch jemand, wie dieser Spieler hieß? Ach was, die Spielqualität des Teams wurde vom Stärksten, von Ballzauberer Diego Maradona , bestimmt.

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Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Die Starken bleiben uns in Erinnerung. Die Starken sind es, die ein Team in schwierigen Situationen mitreißen, vor allem auch emotional, weil sie als Vorbilder agieren und "unter Tränen lachen" können (wie Franz Grillparzer etwas pathetisch schreibt). Ein Chef, der sich auf die schwächsten Teammitglieder konzentriert, der ihre Schwächen beheben will, kämpft an der falschen Front.

Wichtiger wäre es, die Leistungsträger zu würdigen, zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie ihre schwachen Teamkollegen inspirieren, mitnehmen, stärker machen. Brillante Teammitglieder geben das Spielniveau vor, sie können die ganze Mannschaft zu Höchstleistungen anspornen; denn sie predigen Leistung nicht nur, sondern leben sie vor. Außerdem fordern sie die Schwächeren heraus, liefern anspruchsvolle Vorlagen: Wer dauernd Steilpässe bekommt, läuft mit der Zeit schneller.

Aber kann es nicht sein, dass die Schwächsten die Stärksten ausbremsen? Nein, es liegt in der Natur der Kräfteverhältnisse, dass die Starken ein Arbeitsteam oft mitreißen, die Schwachen es aber kaum aufhalten können. Wer ein Team zusammenstellt , scheitert deshalb selten an den schwächsten Mitgliedern, sondern eher daran, dass ihm die Zugpferde fehlen. Was wäre die SPD ohne Schmidt , die argentinische Mannschaft ohne Maradona gewesen?

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Leserkommentare
  1. 1. Belege

    Schöne Thesen, leider Fußballmetaphern. Aber gibt es für die hier gemachten Assagen auch Belege? Ich bin mir ziemlich sicher, dass es schon wissenschaftliche Untersuchungen zur Funktionsweise von (Arbeits)Gruppen gibt. Allgemeinplätze und Verweise auf singuläre Momente (Schmidt-Kabinett, WM 86) sind zwar schön und gut, aber ansonsten steht in der Kolumne hier nicht wirklich irgendetwas mit Aussagekraft.

  2. Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter motivieren, statt sie zu frusten, werden auf dem Arbeitsmarkt mit Gold aufgewogen. Aber es ist schwer, sie von Katzengold zu unterscheiden - nämlich von Angebern mit Testosteronüberschuss.
    .
    Die Gehälter von guten Führungskräften sind nach oben unbegrenzt; jeder will sie, keiner kriegt sie. Denn wer sich einmal so profiliert hat, wechselt ungern seine Stelle.
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    Gute Führungskräfte müssen im eigenen Betrieb heranwachsen; sie ähneln alten Bäumen, die man nicht entwurzeln und verpflanzen kann. Unternehmen, die Führungskräfte teuer einkaufen, damit die das Steuer herumreißen, wollen ihre Mitarbeiter nur blenden.

    • yhamm
    • 12. Februar 2012 20:30 Uhr

    Erinnere ich mich bei einem Konzert eines Orchesters an den "stärksten Spieler"? Nein, der er geht im Optimalfall unter in seinem alleinigen Spiel und erst der gemeinsame Klang aller Spieler klingt gut.
    Aber erinnere ich mich an den Idioten, der daneben/schief/zu früh spielt? JA!

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    Hallo yhamm ,
    .
    ich liebe solche klaren und logischen Argumentationsfiguren. Weiter so!

    • Ranjit
    • 12. Februar 2012 21:38 Uhr

    Die Sozialpsychologie liefert hierzu etwas differenziertere, und vor allem belegte Erkenntnisse:

    Es ist in der Tat so, dass es zu sozialer Kompensation kommen kann, bei der Stärkere sich anstrengen um Schwächere auszugleichen. Ebenso möglich ist der sog. Köhlereffekt, bei dem die Schwächeren sich mehr anstrengen um mitzuhalten.
    Voraussetzung ist aber, dass Einzelleistungen transparent und fair zuordenbar sind.

    Falls dies nicht der Fall ist, kommt es teilweise zu gegenteiligen Effekten. Bekannt sind sicherlich das Problem des sozialem Faulenzens und des Trittbrettfahrens. Im Zusammenhang aber besonders wichtig ist der sog. "Trotteleffekt". Hierbei reduzieren eigentlich leistungsfähige Personen ihre Anstrengung, weil sie antizipieren dass andere sich auch nicht anstrengen wollen bzw. können.

    Denn die wenigsten Zugpferde haben Lust als "Unsung Heroes" zu enden.

    Literaturtipp:
    Jonas, K., Stroebe, W.& Hewstone, M.R.C. (2007). Sozialpsychologie: Eine Einführung. Heidelberg: Springer.

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    ...die Rollen in einer Gruppe sind sehr unterschiedlich.

    Das auf "stark" und "schwach" zu reduzieren, halte ich für eine arge Verkürzung.

    Lieber Herr Wehrle, WAS meinen sie denn mit "stark"? Fachlich kompetent? Begeisterungsfähig? Kommunikativ? Oder einen Workoholic? Oder ein subjektiv *guter* Durchschnitt davon?

    Wenn ich mein Entwicklungsteam anschaue, dann ist die Welt da nicht so schön schwarz-weiß. Jeder hat seine fachlichen Kompetenzen, die der Kollege oft nur schwer einschätzen kann. Die einen sind progressiver, die anderen vorsichtiger, beide Positionen bringen Vor- und Nachteile. Die einen sind charakterlich problematisch, andere gleichen das durch ihre soziale Kompetenz teilweise wieder aus. Die einen können besser mit den Kunden, die anderen mit der Technik usw.

    Die Mischung machts und das Kunststück eine solche Gruppe stimmungsmässig zu balancieren, damit niemand untergeht und Mobbing nicht um sich greift und damit jegliche Produktvität abwürgt.

    Ist sowas schon zu komplex für typische Consultants? Dann würde sich bestätigen, was ich ohnehin schon lange vermute: diese Branche richtet mehr Schaden an, als wie sie nützt.

  3. ...die Rollen in einer Gruppe sind sehr unterschiedlich.

    Das auf "stark" und "schwach" zu reduzieren, halte ich für eine arge Verkürzung.

    Lieber Herr Wehrle, WAS meinen sie denn mit "stark"? Fachlich kompetent? Begeisterungsfähig? Kommunikativ? Oder einen Workoholic? Oder ein subjektiv *guter* Durchschnitt davon?

    Wenn ich mein Entwicklungsteam anschaue, dann ist die Welt da nicht so schön schwarz-weiß. Jeder hat seine fachlichen Kompetenzen, die der Kollege oft nur schwer einschätzen kann. Die einen sind progressiver, die anderen vorsichtiger, beide Positionen bringen Vor- und Nachteile. Die einen sind charakterlich problematisch, andere gleichen das durch ihre soziale Kompetenz teilweise wieder aus. Die einen können besser mit den Kunden, die anderen mit der Technik usw.

    Die Mischung machts und das Kunststück eine solche Gruppe stimmungsmässig zu balancieren, damit niemand untergeht und Mobbing nicht um sich greift und damit jegliche Produktvität abwürgt.

    Ist sowas schon zu komplex für typische Consultants? Dann würde sich bestätigen, was ich ohnehin schon lange vermute: diese Branche richtet mehr Schaden an, als wie sie nützt.

    Antwort auf "Sozialpsychologie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo angela.menetekel ,
    .
    ja, die Mischung macht's! Sie haben recht. Ärgerlich nur: dieser Satz taugt als Werbeargument. Da wird deshalb dauernd von "diversity management" gefaselt, während gleichzeitig ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt und Bewerber über 45 Jahre nicht mehr angestellt werden.

    • grundel
    • 13. Februar 2012 8:12 Uhr

    Zunächst sollte Herr W. seine Definition von stark und schwach nachliefern, damit die Begriffe klar sind.

    Maradonna gehört zur Gruppe der extrem begabten Egomanen und Individualisten. Diese Spezies ist denkbar ungeeignet, um nachhaltig eine Gruppe zu motivieren. Voll daneben, Herr W..

    Alles etwas bei den Haaren herbeigezogen.
    Wie wäre es, wenn Herr W. mal die wiss. Literatur zitiert, um seine Behauptungen zu unterlegen?

  4. Hallo yhamm ,
    .
    ich liebe solche klaren und logischen Argumentationsfiguren. Weiter so!

    Antwort auf "Fußballmetaphern..."
  5. Hallo angela.menetekel ,
    .
    ja, die Mischung macht's! Sie haben recht. Ärgerlich nur: dieser Satz taugt als Werbeargument. Da wird deshalb dauernd von "diversity management" gefaselt, während gleichzeitig ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt und Bewerber über 45 Jahre nicht mehr angestellt werden.

    Antwort auf "Zustimmung..."

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