DIE ZEIT: Sie sind Mitgründer der nicht kommerziellen Online-Studienberatung StuSer.de . StuSer steht für Studienservice. Sind Sie als Masterstudent an der TU München nicht ausgelastet, oder warum machen Sie sich die Mühe? Studienberatungen gibt es doch schon an jeder Hochschule.

Jens-Kristof Klumpp: Schon, aber solche Beratungen laufen leider oft ziemlich standardmäßig ab. Auch die verstreuten, oft nichtssagenden Hinweise auf den Websites der Hochschulen helfen viele Studieninteressierten nicht weiter. Viele Schülerinnen und Schüler, die nach einem für sie passenden Studienangebot suchen, haben die Erfahrung gemacht, dass nur ein persönliches Gespräche mit jemandem, der schon studiert, wirklich etwas bringt. Mit dem großen Bruder oder der älteren Schwester oder einem Bekannten. Das haben wir jetzt auf unserer Online-Plattform sozusagen institutionalisiert.

ZEIT: Erklären Sie mal, wie StuSer funktioniert.

Klumpp: Zuerst muss man sich auf unserer Seite registrieren. Dann kann man in unserer Datenbank nach einem bestimmten Studiengang suchen und direkt mit Studierenden dieses Studiengangs in Kontakt treten. Wir nennen sie Campus-Botschafter. Unsere Botschafter können direkt aus dem Studienalltag berichten und praktische Tipps geben.

ZEIT: Nennen Sie doch mal eine typische Frage!

Klumpp: Nehmen wir einen Abiturienten, der VWL in Mainz studieren und wissen will, wie schwer die Mathe-Prüfungen sind. Unser Campus-Botschafter würde dann erzählen, wie hoch die Durchfallquote ist, wie die Studierenden in der Regel so durchkommen und ob das Abi-Wissen ausreicht. Das sind zum Teil durchaus subjektive Einschätzungen, die ein klassischer Studienberater nicht geben kann. Übrigens haben wir auch ein Fragenarchiv, das man durchstöbern kann. Oft werden ja sehr ähnliche Fragen gestellt.

ZEIT: Konkurrenz für StudiVZ und Facebook ?

Klumpp: Nein, wir wollen kein Soziales Netzwerk sein, über das man längere Dialoge führt. Es geht um Informationen. Natürlich ist es nicht verboten, zu fragen, wo man in einer bestimmten Stadt günstig wohnen oder gut feiern kann.

ZEIT: Wie viele Studiengänge decken Sie ab?

Klumpp: Wir haben 800 Campus-Botschafter und decken damit zugegebenermaßen erst rund zehn Prozent von 15.000 Studiengängen in Deutschland ab. Wir hoffen natürlich, dass sich Schüler, die selbst schon mal eine Frage über StuSer gestellt haben und mit der Antwort zufrieden waren, später als Campus-Botschafter verpflichten.

ZEIT: Haben heute Studierende nicht schon Arbeit genug am Hals?

Klumpp: Der Zeitaufwand für einen Campus-Botschafter ist minimal. Man kann die Zahl der Fragen, die man beantworten will, begrenzen. Bei fünf Fragen wären das etwa zehn Minuten pro Monat.

ZEIT: Wie stehen denn die Hochschulen zu der Beratungskonkurrenz im Internet?

Klumpp: Wir bekommen zum Glück viel Unterstützung, etwa von den Rektoren der neun führenden Technischen Universitäten. Unsere Initiative nützt ja den Hochschulen, weil sie die Zahl der Studienabbrecher verringern könnte.