City Guide Zürich: Zürich in Bar
Tom Rist über Clubs, Courage und den Charme des Alten
© Christian Grund für DIE ZEIT

Tom Rist hinter der Bühne seines Helsinkiclubs in Zürich. Jeden Sonntag spielt hier dieselbe Band.
DIE ZEIT: Herr Rist, Ihnen gehört der angesagte Helsinkiklub in Züri-West...
Tom Rist: Können wir du sagen?
ZEIT: Sicher. Dein Club jedenfalls gilt als eine der letzten Bastionen der alternativen Kulturszene.
Rist: Es stimmt schon, dass manchmal Leute zu uns ins Helsinki kommen und sagen: Hey, das ist ja hier wie früher in den illegalen Bars, während der neunziger Jahre. Und dann schweige ich.
ZEIT: Wieso das denn?
Rist: Na – wir leben ja im Jetzt.
- Nachtleben in Zürich
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Helsinkiklub, Geroldstrasse 3, 8005 Zürich, www.helsinkiklub.ch
Olé-Olé Bar, Langstrasse 138, 8004 Zürich, Tel. 0041-44/2429139, www.ole-ole.ch
Bar 63, Rolandstraße 19, 8004 Zürich, www.bar63.ch
El Lokal, Gessnerallee 11, 8001 Zürich, Tel. 0041-43/3448750, www.ellokal.ch
Stall 6, Gessnerallee 8, 8001 Zürich, Tel. 0041-44/2258154, www.stall6.ch
Moods im Schiffbau, Schiffbaustrasse 6, 8005 Zürich, Tel. 0041-44/2768000
Zukunft, Dienerstrasse 33, 8004 Zürich, www.zukunft.cl
Meyer’s Bar, Badenerstrasse 219, 8003 Zürich, Tel. 0041-44/4625151, www.meyers-bar.ch
ZEIT: Vor zwei Jahren hat dich der Kanton Zürich sogar mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet...
Rist: Ja: Sapperlot peng! Aber eigentlich machen wir hier einfach unsere Arbeit, versuchen, unsere Ideen umzusetzen, und freuen uns, wenn die Gäste jauchzen. Wenn man das besonders findet...
ZEIT: Besonders ist im Helsinki ja schon mal, dass jeden Sonntag dieselbe Band auftritt, das Aad Hollander Trio from Hell, mit wechselnden Gastmusikern.
Rist: Ich finde es interessant, Künstler über längere Strecken zu begleiten. Das Aad Hollander Trio spielt schon seit sieben Jahren bei uns, mit vier Wochen Pause im Jahr – die das Trio inzwischen auch akzeptiert.
ZEIT: Klingt gar nicht mal so hip und trendy.
Rist: Darum geht’s mir auch gar nicht. Im Gegenteil. Natürlich ist Zürich die Partystadt der Schweiz. Man ist hier sehr trendorientiert, aber fast alle orientieren sich an denselben Vorbildern. In Zürich ist heute der Mainstream am Drücker. Du hast ein Riesenangebot, überproportional zur Größe der Stadt, aber die Dynamik wirkt sehr dressiert. Die Leute wagen nicht mehr viel – und die, die es doch tun, werden häufig an die Peripherie verschoben. Ich vermisse Courage! Und doch glaube ich, dass die Menschen irgendwann wieder mehr um Freiräume kämpfen werden. Aktuell finde ich persönlich im Züricher Nachtleben nur ganz wenige Orte, die mich anziehen.
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ZEIT: Zum Beispiel?
Rist: In der Langstrasse gibt es die Bar Olé-Olé – für mich die schönste Bar von Zürich. Das Interieur ist vielleicht Geschmacksache: ein bisschen rustikal, es sind ganz viele Sachen aufgehängt, Küchenutensilien vor allem. Die Bar gibt es schon seit 1966, und das macht sie für mich auch Weltklasse. Dieses Wagnis, beim Alten zu bleiben, das Gewachsene einfach sein zu lassen – so was gibt es fast nicht mehr in Zürich, überall herrscht Hektik, es wird umgebaut und modernisiert. Rita, die Chefin vom Olé, ist schon über 70, und an ihrer Gastfreundschaft könnten sich die allermeisten noch eine Scheibe abschneiden, selbst wenn es proppenvoll ist und eine gewisse Hektik ausbricht.
ZEIT: Wenn ich dich bitten würde, einen Samstagabend nach deinem Geschmack in Zürich zu planen, würdest du also in der Olé-Bar anfangen?
Rist: Am Wochenende bin ich selten in dieser Gegend unterwegs. Die Langstrasse, an der die Olé-Bar liegt, gehört zu den berühmtesten Straßen der Schweiz. Sie gilt als Sündenpfuhl, aber eigentlich ist sie harmlos. Natürlich hat es Nutten und Freier, und früher war das hier auch wirklich Ghetto. Aber inzwischen geht es hier am Wochenende manchmal eher zu wie am Ballermann. Ich komme lieber unter der Woche.






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