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Wo mir der Zürichsee am liebsten ist von Julia Jentsch

Blick vom Utoquai auf den Zürichsee, im Hintergrund der Uetliberg, Zürichs Hausberg

Blick vom Utoquai auf den Zürichsee, im Hintergrund der Uetliberg, Zürichs Hausberg  |  © Christian Grund für DIE ZEIT

Ich bin vor drei Jahren nach Zürich gezogen, der Liebe wegen. So nah am Wasser wie hier habe ich noch nie gewohnt – mit dem Bus brauche ich von zu Hause nur zehn Minuten. Wenn man aus den Straßen der Innenstadt auf den Zürisee zukommt, wird plötzlich alles ganz weit, im Hintergrund sieht man die Alpen, im Idealfall noch mit Schnee bedeckt, und die Sonne scheint...

Wenn ich überlege, wo ich in Zürich die meiste Zeit verbringe, wo es mich immer wieder hinzieht, fallen mir fast nur Orte ein, die mit dem Zürichsee zu tun haben – entweder liegen sie direkt am Wasser, oben drauf oder mittendrin. Im Herbst und im Winter, wenn der Wind weht, wirkt der See manchmal wild, fast wie ein Meer. Ich gehe dann gern am Ufer spazieren, allerdings wird der Weg leider immer wieder von Privatgrundstücken und Firmensitzen unterbrochen, sodass man auf die Straße ausweichen muss, das ist schade.

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Eine Strecke, die ich besonders mag, ist die vom Zürichhorn in Richtung Tiefenbrunn. Am Anfang gibt es nur gepflasterte Wege, aber dann wird das Ufer ein bisschen parkähnlich. Im Sommer kommen auf den Wiesen alle möglichen Leute zusammen, Einheimische und Touristen. Es wird immer viel Musik gemacht, getrommelt, manchmal ergeben sich sogar richtig gute Konzerte. Dann hole ich mir am Bellevueplatz eine Pizza, setze mich dazu, schaue aufs Wasser, auf die Schiffe am Anleger und genieße dieses südländische Flair, die Urlaubsstimmung mitten in der Stadt. Dieses bunte Leben am See, das schätze ich. Und das macht für mich auch eine Stadt aus. Die Vielfalt, die ich aus Berlin gewohnt bin, finde ich hier ein bisschen wieder.

Julia Jentsch
Julia Jentsch

Julia Jentsch (Die fetten Jahre sind vorbei, Sophie Scholl – Die letzten Tage) ist in Berlin geboren. Seit drei Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Zürich

Zum wirklichen Wohnzimmer wird der Zürichsee für mich vor allem im August, am gegenüberliegenden Ufer, beim Theaterspektakel rund um die Landiwiese. Wenn es irgendwie geht, bin ich jeden Tag dort. Ich mag diese internationale Atmosphäre, wenn Theater-, Tanz- und Performancekünstler aus aller Welt auftreten. Es gibt auch viele spannende Spielstätten, die Werfthalle oder die Seebühne zum Beispiel. Am meisten Spaß macht es mir, den Straßenkünstlern unter freiem Himmel zuzuschauen, deren Bandbreite von poetisch-akrobatisch über total trashig bis superlustig reicht. Es gibt auch ein Kinderkarussell, von Hand angetrieben mit einem Stock, das ich sehr liebe. Und natürlich die thailändischen und afrikanischen Spezialitäten. Mein Favorit sind die Beignets! Außerdem ist das Spektakel ein genialer Ort, um Freunde und Bekannte zu treffen, ohne sich extra verabreden zu müssen, weil eh alle da sind.

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Im Sommer kann es auf den Wiesen am See ziemlich voll werden. Wenn ich keinen Platz mehr finde, setze ich mich einfach in unser Ruderboot, das an einem der Stege liegt. Wir haben uns Bretter zurechtgesägt, damit man bei Bedarf eine Liegefläche hat. Ich packe mir was zu Essen ein, vielleicht auch ein Drehbuch, das ich lesen muss, aber auf keinen Fall ein Handy, und fahre raus. Das ist dann wie eine Insel, auf der ich für mich bin. Ich lasse mich von den Wellen schaukeln, und wenn’s zu heiß wird, springe ich ins Wasser. Der See ist wahnsinnig klar, das ist auch etwas Besonderes. Man kann wirklich noch weit vom Ufer entfernt bis auf den Grund gucken, die Fische sehen. Trinkwasserqualität eben. 


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Mit dem Boot kann ich dann später zum Abendessen ins Meilibach rudern. Das ist ein ganz kleines Fischrestaurant in der Nähe der Halbinsel Au, wo man auf einer Terrasse direkt am Wasser sitzt. Der meiste Fisch kommt aus dem Zürichsee, je nach Fang. Ich mag dieses Lokal sehr, weil es nicht viele bezahlbare Orte gibt, die so nah am See liegen.

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    • Serie City Guide
    • Schlagworte Zürich | Bus | Drehbuch | Fisch | Konzert | Schnee
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