Morde in Südafrika"Wir ziehen in die letzte Schlacht"

Woche für Woche werden weiße Farmer in Südafrika von Schwarzen brutal überfallen. Ein Hügel voller Grabkreuze erinnert an die Bauern, die seit dem Ende der Apartheid getötet wurden. Was ist der Grund für die massenhaften Morde? von 

Die Mörder kamen in der Abenddämmerung. Die Mutter sah gerade im Fernsehen die Sieben-Uhr-Nachrichten, als die Wachhunde zu bellen anfingen und dann verstummten. Plötzlich standen die Männer vor ihr im Kaminzimmer, sechs Kerle mit Pistolen und Messern. Wo ist der Schlüssel für den Safe?, brüllte der Anführer. Im Bücherregal, sagte sie. Die Männer fanden den Schlüssel nicht, fesselten die Mutter und warteten auf ihren Ehemann. Eine halbe Stunde später rumpelte der Pritschenwagen in die Einfahrt des Hofes in der Nähe des südafrikanischen Landstädtchens Ficksburg. Der Vater betrat das Haus durch die Hintertür, wie immer. Seine Frau hörte einen Schrei und mehrere Schüsse. Einer traf Pieter Vermooten mitten ins Herz. Der 58 Jahre alte Farmer war sofort tot. Die Mörder stahlen seine Handfeuerwaffe und umgerechnet rund 3.000 Euro Bargeld.

Hennie Vermooten, der 39-jährige Sohn, schildert den Mord mit unbewegter Miene, kühl und detailgenau, wie ein Ermittlungsbeamter. Er läuft durchs Haus, zeigt den Tatort zwischen Schlüsselbrett und Badezimmertür. Dann lässt er sich wieder in den Sessel vor dem Kamin fallen, auf dem damals seine Mutter saß. Hennie Vermooten hat die Gestalt eines Rugby-Spielers, 1,85 Meter groß, hellblaue Augen, Dreitagebart, abgeschnittene Jeans – ein Bauer, den so schnell nichts umhaut. Aber als er von den dunklen Ahnungen seines Vaters erzählt, vom letzten Telefonat, bei dem der Vater ihm noch Schuldner nannte und unerledigte Zahlungsverpflichtungen, bricht ihm die Stimme. Er sagt, er sehe die Leiche des Vaters in einer Blutlache liegen, die Hände auf den Rücken gefesselt, das Gesicht mit einem Handtuch bedeckt. Der Schrecken des Mordabends am 26. Juni 2007 ist zurückgekehrt, der große, stämmige Mann weint.

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Pieter Vermooten ist eines von mehr als 3.000 Opfern, die seit 1991 auf den Bauernhöfen Südafrikas ermordet wurden, seit dem Beginn der demokratischen Reformen, die das Ende der Apartheid besiegelten. Unter den Toten sind schwarze Farmarbeiter, Hausangestellte und Familienangehörige, vor allem aber weiße Farmer, insgesamt sollen es nahezu 1.900 sein. Die Statistik ist allerdings umstritten, sie stammt von Agri SA , dem Interessenverband der kommerziellen Landwirte. Das Polizeiministerium setzt die Zahlen niedriger an, verweigert aber trotz mehrfacher Anfragen genaue Auskünfte. Fest steht, dass es in den vergangenen zwanzig Jahren zu weit über 12.000 Überfällen auf Gehöfte kam. Und dass kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendwo im Hinterland ein Bauer umgebracht wird.

»Farmer in Südafrika – das ist einer der gefährlichsten Berufe der Welt«, sagt Hennie Vermooten. Er schaut das Foto seines Vaters an, das am Kühlschrank hängt: ein fröhlicher Mann, der sein ältestes Enkelkind in den Armen hält.

Südafrika

Das Land ist der größte Agrarexporteur Afrikas, die Farmer liefern Getreide, Zuckerrohr, Obst, Gemüse, Wein, Fleisch und Wolle. Die Großbetriebe sind in der Hand weißer Landwirte, während die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung von der Subsistenzwirtschaft lebt: Auf kleinen Äckern erzeugt eine Familie das, was sie braucht.

Die Landfrage

Seit dem Ende der Apartheid 1994 ist die Landfrage ungelöst. Die Regierung will Boden umverteilen, doch viele Äcker fallen brach, weil es den schwarzen Neubauern an Wissen und Geld fehlt. Auch weiße Farmer kämpfen ums wirtschaftliche Überleben: In Südafrika erhalten die Bauern anders als in Europa und den USA keine Subventionen. Zudem hat Südafrika eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt: Von 100.000 Einwohnern werden pro Jahr 34 ermordet.

Webseiten dokumentieren jeden Mord und jede Attacke. Von Völkermord ist die Rede , von der gezielten Ausrottung der Farmer mit europäischen Vorfahren, insbesondere der Buren , die von holländischen, deutschen oder französisch-hugenottischen Einwanderern abstammen. Als Beleg für diese ungeheuerliche Behauptung wird oft das Verbrechen auf dem Hof Stolberg angeführt, einer Viehzucht gleich hinter dem Anwesen der Vermootens. Es war im Mai 2008, die Killer drangen ins Haus ein und erschossen den 64-jährigen Jacques Moll. Dann knöpften sie sich seinen Sohn Xavier vor, der gerade unter der Dusche stand. Sie zielten auf seinen Kopf und sangen dabei »Dubula dubula aw dubul’ibhunu« – »Schieß! Schieß! Erschieß den Buren!«. Ein altes Kampflied der schwarzen Befreiungsbewegung, dessen Absingen höchstrichterlich verboten wurde, weil es den Rassenhass schürt und zum Mord auffordert.

Leserkommentare
  1. Rassisten gibt es leider über all: es gibt weisse Rassisten, es gibt schwarze Rassisten; die sterben nicht aus, es wird sie immer geben, so jeweils.

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  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Kommentare. Danke, die Redaktion/se

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    • strlcp
    • 13. Februar 2012 21:23 Uhr

    1.) Südafrika ist relativ reich(auch für unsere verhältnisse)
    2.) Farmer sind in der RSA weder Kulturträger noch tragen sie nenenswert zum BSP bei.
    4.) Es gibt wohl eine indische und Schwarze Elite, auch in RSA.

    0> sie wollte einfach mal so was schreiben, ohne gross nachzudenken.

    @Varech:
    Die so genannten "Buren" sind in Südafrika eine eingeborene Ethnie.

    Richtig, und Sie haben sich an der Aphartheid bereichert.
    Sie behandeln nicht zu selten heutzutage Schwarze noch als Wilde.
    Sie haben schon früher merken müssen, dass eine Bevölkerungschicht in die Armut,Rechtlosigkeit und Perspektivlosigkeit gedrängt, sich wehrt.

    Ich verurteile diese Morde an Bauern.
    Ich will nur bemerken, dass generationenlanger Hass nicht einfach vorbei ist, ducrh zuerkennen der Bürgerrechte.

    Auch, als es noch Rhodesien hieß, war es ein 'verarmtes land voller Analphabeten'. Außer für einige wenige.

    • Nonus
    • 14. Februar 2012 11:13 Uhr

    Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

  3. Um der Gewalt in Südafrika Herr zu werden müsste man allen klar machen, dass sie sich nicht lohnt.
    Aber das Gegenteil ist ja der Fall - für junge Schwarze sind die Farmen der weißen ja der reinste Selbstbedienungsladen. Geld verdienen und nebenbei noch gegen die bösen/reichen Weißen kämpfen.

    Der einzige Weg wäre vermutlich wenn sich weiße und schwarze Farmer zusammentun. Das die weißen das nicht wollen kann ich aber durchaus verstehen.

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    • tuxman
    • 13. Februar 2012 19:46 Uhr

    ...es gäbe schwarze Farmer in Südafrika.

    @topic: Südafrika muss es schaffen einen funktionierenden Rechtsstaat aufzubauen, und damit meine ich nicht nur eine konsequente Verfolgung von Gewaltverbrechen, sondern auch eine Perspektive für die Millionen Menschen in den Townships und ehem. Homelands, ansonsten gibt es keine Zukunft für das Land.

    Gibt es sicherlich nicht in SA: 300 Jahre Apartheid haben das verhindert.

    Generell entsteht aus Vermögensungerechtigkeiten heraus Gewalt. Studien belegen, dass Länder mit geringeren sozialen Unterschieden (Japan, Skandinavien) eine höhere Lebenserwartung haben: Übringens auch für die Reichen, da diese weniger Angst haben müssen, überfallen zu werden.

    Wenn die Vermögensverteilung in Europa weiter auseinander geht, werden sich unsere Villenbesitzer bald auch warm anziehen müssen: Der Aufwand für "Security" steigt auch hierzulande drastisch.

  4. dieser Bericht scheint die Ausweglosigkeit der Situation der Landwirtschaft Südafrikas zu zeigen.
    Wenn man dazu noch die Korruption der herrschenden Partei berücksichtigt , die Untätigkeit der Polizei, nicht nur auf dem Land sondern auch in den Städten, die Kriminalitätsorgie , die das Land überschwemmt, dann wird es noch schlimmer als in Simbabwe denn dort hat die Polizei zumindest die Verbrechen in den Städten verhindert.
    Dieses reiche Land wird demnächst um Entwicklungshilfe anstehen. Dann heisst es wieder, der ´´Westen´´ beutet nur die Bodenschätze aus.
    Eine Lösung können wir aber nicht bieten, die müssen die Regierenden in Südafrika selbst entdecken, wenn sie daran interessiert sind, was ich leider bezweifel.

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    • tuxman
    • 13. Februar 2012 19:46 Uhr

    ...es gäbe schwarze Farmer in Südafrika.

    @topic: Südafrika muss es schaffen einen funktionierenden Rechtsstaat aufzubauen, und damit meine ich nicht nur eine konsequente Verfolgung von Gewaltverbrechen, sondern auch eine Perspektive für die Millionen Menschen in den Townships und ehem. Homelands, ansonsten gibt es keine Zukunft für das Land.

    4 Leserempfehlungen
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    Südafrika hatte einen funktionierenden Rechtsstaat.
    Südafrika hat auch noch eine Wirtschaft und braucht keine Hilfe.
    Südafrika kann aber nicht Millionen Jobs für unausgebildete Menschen herzaubern. Und der Grund warum diese nicht ausgebildet sind, ist, dass es eben aus dem ganzen südlichen Afrika die Leute dort hin zieht.
    Diese Bericht zeigt: Die "armen" Schwarzen sind keine Engel, sondern häufig eben ein Mob - mit all seinen schlechten Eigenschaften.

    Und wenn Südafrika in 30 Jahren vesunken sein sollte, dann stirbt für mich auch die Hoffnung, dass verschiedene "Rassen" in Frieden zusammen leben können. Und es stirbt auch der Gedanke, dass es tatsächlich die Kolonialherrschaft war, die die afrikanischen Länder zu ihrem Dasein gebracht hat.

    In SA hat der ANC beste Bedingungen gehabt. Es wird keine Ausreden geben. Keine Schulden, Bodenschätze, Univesitäten, ausgebildete Menschen.
    Wenn sie das in den Sand setzten, dann gibt es keine Illusionen mehr.

  5. Bei den weißen Farmern vermutet man Geld. Sie sind nun Freiwild geworden. Südafrika ohne Weiße wird wohl so eines Tages Wirklichkeit werden, wenn das Morden weiter geht.

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  6. Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

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    • Varech
    • 13. Februar 2012 20:06 Uhr

    ... sei es, von Völkermord zu reden, kann man in diesem Artikel lesen.

    Und warum soll es denn keiner sein? Stimmen die Farben nicht? Woran sollen die Leute denn schuld sein, deren Vorfahren vor Jahrhunderten mal aus Europa kamen? Schreiben nicht immer gerade die so wohlmeinenden Medien so, als seien diese Menschen dort wo sie sind nicht an ihrem Platz? Wird je erwähnt, wo die Vorfahren der Mörder mal herstammten? Aber Schwarze und Weisse kann man ja leicht erkennen, doch jeweils nur schwer unterscheiden.

    Die so genannten "Buren" sind in Südafrika eine eingeborene Ethnie. Sie als solche und mit staatlicher Duldung, zu ermorden und zu berauben, ist zumindest der Anfang von Völkermord. Es wäre aber besser, dagegen etwas zu tun, als auf grössere Zahlen zu warten.

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  • Schlagworte Nelson Mandela | Julius Malema | Südafrika | Simbabwe | Mosambik | Kapstadt
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