NetzaktivismusFeldherr im digitalen Krieg

Freies Internet: Cory Doctorow vernetzt den weltweiten Protest gegen staatliche Eingriffe in die virtuelle Welt.

Der Mann, der vom Krieg erzählt, trägt zu schwarzen Nietenschuhen eine blau-weiß gestreifte Seglerhose und Jeanshemd. Er setzt sich im Schneidersitz in seinen rostroten Sessel, schiebt die Hornbrille hoch und sagt: »Dieser Krieg, den wir ausfechten, ist ein asymmetrischer Krieg – so wie der Krieg gegen Terrorismus.« Dieser Krieg, das ist für Cory Doctorow: der Kampf um die Freiheit des universellen Computers und um die Freiheit des Internets. Es ist ein Kampf zwischen den Staaten und den Aktivisten aus dem Netz, zwischen der Unterhaltungsindustrie und den Filmeguckern und Musikhörern im Internet. Doctorow, vierzig, Familienvater und erfolgreicher Science-Fiction-Autor, ist einer der Großstrategen auf der Seite des Underdogs.

In Berlin, Ende Dezember, sprach Cory Doctorow zum ersten Mal von diesem Krieg. Er war einer der Stargäste des 28. Chaos Communication Congress und wandte sich an seine Mitstreiter im Publikum. Ein Computer, sagte er, sei immer ein universeller Computer, weil es technisch nicht möglich sei, einen Computer zu bauen, auf dem alle Programme laufen außer dem einen, das wir nicht wollen. Wer Musik-Streaming oder Raubkopien verhindern will, müsse deshalb immer mit Spionage-Software agieren, die von außen auf Computer zugreift – was erfahrungsgemäß stets zu Missbrauch führe. Und das, sagte Doctorow, sei ein derart eklatanter Eingriff in unsere Autonomie, dass es eine entscheidende Zukunftsfrage provoziere: Werden wir – die wir immer mehr in und mit Computern leben – es schaffen, Computer zu Werkzeugen zu machen, die wir selbst kontrollieren, oder werden sie zum Einfallstor für Kriminelle und Kontrollfetischisten? Cory Doctorow redete schnell, und er redete gut. Die Nerds im Publikum jubelten ihm zu.

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»Sie, die technisch verstehen, was auf dem Spiel steht, sind unser wichtigstes Faustpfand in diesem Krieg«, sagt Doctorow und lehnt sich zurück in seinen Sessel. Ein ranziger Backsteinbau mitten in London, klapprige Türen, draußen rattert die Bahn vorbei. Hier hat Cory Doctorow sein Büro. Ein Zwanzig-Quadratmeter-Zimmer, das eine der Schaltzentralen des Internetprotests ist, der in diesen Wochen an die Spitze der öffentlichen Aufmerksamkeit schwappt.

Aufklärerische Arbeit ist sein Leben

Sopa, Pipa, Acta, das sind die Namen, gegen die sich der Entrüstungssturm richtet. Es sind die Gesetzesvorlagen gegen Internetpiraterie, über die Parlamente in aller Welt diskutieren. Befürworter wie die Hollywoodmacher und die großen Plattenlabels fordern, Seiten im Netz zu sperren, auf denen illegal Filme, Lieder und Bücher verbreitet werden. Sie wollen Provider wie YouTube dazu zwingen, Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen, die auf ihre Seite gestellt werden. Die Gegner geißeln die Gesetze als Einladung für Zensur und Missbrauch, weil die Tatbestände bewusst nebulös formuliert seien. Zu ihnen gehören Initiativen wie der Chaos Computer Club oder die Piratenparteien, neuerdings aber auch: die Internetriesen aus dem Silicon Valley.

In den USA haben sie die erste Schlacht gewonnen. Sopa, der Stop Online Piracy Act, liegt auf Eis, nachdem Schwergewichte wie Google und Wikipedia an einem Aktionstag ihre Dienste abschalteten oder mit schwarzen Balken versahen. In Europa beginnt gerade die heiße Phase des Widerstands gegen Acta, das Anti-Counterfeiting Trade Agreement.

Cory Doctorow schreibt darüber. Sein Blog Boing Boing ist eines der meistbesuchten der Welt, seit Jahren vernetzt er dort den Protest. Jeden Morgen klickt er sich mit drei anderen Autoren durch Tausende von Seiten und verlinkt das, was interessant ist. Boing Boing hat Cory Doctorow berühmt gemacht. Es bietet ihm, was er braucht: eine Plattform, um aufzurütteln und zu warnen. Diese aufklärerische Arbeit ist sein Leben – im Digitalen wie im Analogen. Wenn Doctorow spricht, fokussiert sein Blick den Boden, seinen Körper bewegt er kaum; mit seiner Stimme aber spielt er virtuos, betont bei Worten, die Nachhall finden sollen, jede Silbe.

Leserkommentare
  1. 1. Gut...

    ...dass es Leute wie Doctorow gibt. Da werde ich mir die Anleitungen zum mündig sein mal angucken, wenn es sich lohnt, auch als Hardcover

    6 Leserempfehlungen
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    Interessant ist auch z.B. seine Aufsatzsammlung "Content", die es auch kostenlos als Hörbuch gibt (http://www.archive.org/de...). Seine neueste Aufsatzsammlung Context habe ich noch nicht gehört/gelesen, erwarte mir aber auch viel davon.
    Little Brother habe ich mir sogar als Taschenbuch gekauft, um ihn zu unterstützen.

    Btw, auf jeden fall auch bei boingboing vorbeischauen, lohnt sich auch für politisch nicht so interessierte, da die Seite v.a. auch äußerst unterhaltsam ist.

    Interessant ist auch z.B. seine Aufsatzsammlung "Content", die es auch kostenlos als Hörbuch gibt (http://www.archive.org/de...). Seine neueste Aufsatzsammlung Context habe ich noch nicht gehört/gelesen, erwarte mir aber auch viel davon.
    Little Brother habe ich mir sogar als Taschenbuch gekauft, um ihn zu unterstützen.

    Btw, auf jeden fall auch bei boingboing vorbeischauen, lohnt sich auch für politisch nicht so interessierte, da die Seite v.a. auch äußerst unterhaltsam ist.

  2. Interessant ist auch z.B. seine Aufsatzsammlung "Content", die es auch kostenlos als Hörbuch gibt (http://www.archive.org/de...). Seine neueste Aufsatzsammlung Context habe ich noch nicht gehört/gelesen, erwarte mir aber auch viel davon.
    Little Brother habe ich mir sogar als Taschenbuch gekauft, um ihn zu unterstützen.

    Btw, auf jeden fall auch bei boingboing vorbeischauen, lohnt sich auch für politisch nicht so interessierte, da die Seite v.a. auch äußerst unterhaltsam ist.

    Antwort auf "Gut..."
  3. Das Pathos, mit dem diese Internet-Aktivisten auftreten nervt: "Wir sind im ersten Level eines sehr langen und sehr komplexen Spiels«, sagt er zum Abschied. »Der Endgegner ist noch lange nicht in Sicht."
    Angeblich ist alles neu, alles anders und keiner versteht ‘s richtig (außer natürlich die selbsternannten Internet-Intellektuellen), seitdem es das Internet, vor allem in der Marketing-Masche 2.0 gibt. Wirklich?
    In einem Interview in der Zeit von 2010 (s. die weiterführenden Links auf Seite 2)hat Doctorow folgendes gesagt:
    "Immer mehr Leute verstehen, dass eine Kontrolle des Internets viel mehr kontrollieren wird als nur technische Fragen und das Urheberrecht. Alle persönlichen Belange sammeln sich im Netz: Unser soziales Netzwerk, unser öffentliches Wirken, unsere Krankengeschichte und Ausbildung, unsere Finanzen. Deshalb werden die Regeln, die wir fürs Internet aufstellen, am Ende auch all diese Dinge bestimmen und regulieren können."
    Man setze in dieser Passage für "Internet" und „Web“ "Gesellschaft" ein und versteht sofort, dass die angeblich neuen Probleme tatsächlich uralte Bekannte sind. Das Austarieren von Freiheit und Kontrolle muss natürlich auch im Internet erfolgen. Und wer als Lösung propagiert, dass alles erlaubt ist, weil die Produkte überall und ständig verfügbare Daten sind, der macht es sich weiß Gott viel zu einfach.
    In diesem Sinne warte ich nach wie vor auf einen ernstzunehmenden Beitrag in der Debatte über Freiheit und Kontrolle im Internet.

    2 Leserempfehlungen
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    • rvn
    • 13.02.2012 um 19:04 Uhr

    ein Doppelposting war, wo ist das Doppelposting?

    Der Kommentar wurde wiederhergestellt. Danke für den Hinweis. Die Redaktion/ls

    Wer Cory Doctorow nicht mag, kann sich ja mal Richard Stallman ansehen.

    Letztendlich ist es eine bestimmte Weltsicht, die man nicht teilen muss, aber die man zumindest verstehen sollte.

    Es geht letztendlich um den Verlust über die eigene Kontrolle seiner technischen Arbeitsmittel. Dies wird als schwerwiegender Freiheitsverlust angesehen.

    Vereinfachter ausgedrückt: Sprache, Papier, Brief und Feder werden fremdbestimmt, eingeschränkt oder verboten.

    • tilt-x
    • 17.02.2012 um 12:23 Uhr

    Es lohnt sich, das Video anzusehen und zu verstehen. Leider geht der Artikel bis auf die griffigen Slogans nicht tiefer auf die Gedanken von Doctorow ein. Ungefähr in der Mitte des Videos sagt er sinngemäß folgendes:
    Jede mächtige Interessengruppe wird bei zunehmenden Möglichkeiten von Technik und Informationstechnologie am selben Punkt angelangen und fordern: "Macht uns einen Computer der alles kann aber nicht diese oder jene Funktion ausführt, die uns ärgert oder beängstigt". "Macht uns ein Internet, das alles übertragen kann, aber nicht diese oder jene Information die uns stört".
    Und diese Gedanken sind es wert, gedacht zu werden, denn sie betreffen, wie "rakeller" schrieb unser verständnis von Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten auf einem derart fundamentalen Level, wie es für unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten ein Verbot von Sprache, Papier, Brief und Feder gewesen wäre (bzw. ist, denn Zensurversuche auf diesen Gebieten gab es ja immer, da haben Sie recht).
    Jetzt geht es um das Kopieren von Songs und Filmdateien. Bald wird es der Austausch von Plänen für 3D-Drucker sein, mit denen jeder funktionierende Schusswaffen "ausdrucken" können wird.

    Das ist die Problematik auf die Doctorow abzielt. Klar klingt das wie Science-Fiction. Aber auch die Dinge mit denen Kinder gerade über den Schulhof rennen wären 1950 für unsere Großeltern so unglaub gewesen, sie hätten es nicht einmal als Telefon erkannt wenn man es ihnen hingelegt hätte.

    • rvn
    • 13.02.2012 um 19:04 Uhr

    ein Doppelposting war, wo ist das Doppelposting?

    Der Kommentar wurde wiederhergestellt. Danke für den Hinweis. Die Redaktion/ls

    Wer Cory Doctorow nicht mag, kann sich ja mal Richard Stallman ansehen.

    Letztendlich ist es eine bestimmte Weltsicht, die man nicht teilen muss, aber die man zumindest verstehen sollte.

    Es geht letztendlich um den Verlust über die eigene Kontrolle seiner technischen Arbeitsmittel. Dies wird als schwerwiegender Freiheitsverlust angesehen.

    Vereinfachter ausgedrückt: Sprache, Papier, Brief und Feder werden fremdbestimmt, eingeschränkt oder verboten.

    • tilt-x
    • 17.02.2012 um 12:23 Uhr

    Es lohnt sich, das Video anzusehen und zu verstehen. Leider geht der Artikel bis auf die griffigen Slogans nicht tiefer auf die Gedanken von Doctorow ein. Ungefähr in der Mitte des Videos sagt er sinngemäß folgendes:
    Jede mächtige Interessengruppe wird bei zunehmenden Möglichkeiten von Technik und Informationstechnologie am selben Punkt angelangen und fordern: "Macht uns einen Computer der alles kann aber nicht diese oder jene Funktion ausführt, die uns ärgert oder beängstigt". "Macht uns ein Internet, das alles übertragen kann, aber nicht diese oder jene Information die uns stört".
    Und diese Gedanken sind es wert, gedacht zu werden, denn sie betreffen, wie "rakeller" schrieb unser verständnis von Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten auf einem derart fundamentalen Level, wie es für unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten ein Verbot von Sprache, Papier, Brief und Feder gewesen wäre (bzw. ist, denn Zensurversuche auf diesen Gebieten gab es ja immer, da haben Sie recht).
    Jetzt geht es um das Kopieren von Songs und Filmdateien. Bald wird es der Austausch von Plänen für 3D-Drucker sein, mit denen jeder funktionierende Schusswaffen "ausdrucken" können wird.

    Das ist die Problematik auf die Doctorow abzielt. Klar klingt das wie Science-Fiction. Aber auch die Dinge mit denen Kinder gerade über den Schulhof rennen wären 1950 für unsere Großeltern so unglaub gewesen, sie hätten es nicht einmal als Telefon erkannt wenn man es ihnen hingelegt hätte.

    • rvn
    • 13.02.2012 um 19:04 Uhr

    ein Doppelposting war, wo ist das Doppelposting?

    Der Kommentar wurde wiederhergestellt. Danke für den Hinweis. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "Aufgeblasen"
  4. [...]
    Mich jedenfalls stimmt diese martialische Sprücheklopferei eher skeptisch. Wenn jemand im biblischen Ton vom digitalen Krieg schwadroniert und das ganze als Aufklärungsarbet verkauft, dann fällt es mir schwer, das ganze ernst zu nehmen. Dazu noch quasi digitaler Sozialdarwinismus:Nur die Vernetzten werden in dieser Welt überleben. Es ist doch klar, dass die Platten- und Filmfirmen es sich nicht ewig gefallen lassen, das jeder sich im Internet frei an denen von ihnen produzierten Gütern bedienen können. Wir leben nun einmal in einer Welt, in der man für eine Dienstleistung eine andere zu Verfügung stellt, das ist ganz normal. natürlich gibt es einiges an ACTA zu kritisieren, z.B. dass die Politik die Verhandlungen darüber heimlich durchgeführt hat, aber von einer deutschen Regierung kann man nichts anderes erwarten. Auch könnte der Text klarer formuliert sein, und die möglichen Missverständnisse, die für die User zu unerwünschten Ergebnissen führen können,ausgeräumt werden. Aber diese ganze Hysterie, dass mit ACTA jetzt die ganze Freiheit der westlichen Welt auf dem Spiel stünde, ist einfach lächerlich, und ich kann es schon nicht mehr hören. Die Copyright-Frage kann der Herr ja gern für sich neu definieren, aber viele Schriftstller sind auf jeden verkauf angewiesen, Es kann halt nicht jeder auf der Bestsellerliste stehen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen dem Autor gegenüber. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
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    Wenn sie von Hysterie angesichts von ACTA sprechen, kann ich mich dem nur voll und ganz anschließen. Natürlich ist ACTA - trotz aller schwammigen Formulierungen - keine reele Bedrohung für die Netzneutralität oder die Freiheit an sich.

    Jedoch ist ACTA ein bedrohlicher Schritt in eine Richtung, die eben sehr wohl zu den Horrorszenarien führen könnten, die viele Kritiker beschwören. Die "Förderung der freiwilligen Kooperation von Rechteinhabern und Dienstleistern" besagt im Kern doch nichts anderes als eine Aushöhlung des Rechtsstaates.

    Das Autoren und Künstler für ihre Arbeit bezahlt werden wollen und sollen, daran besteht kein Zweifel. Jedoch schützt ein Abkommen wie ACTA in erster Linie die großen Gesellschaften, nicht die Künstler. Zum anderen ist es schlicht nicht hinnehmbar, das z.B. auf Youtube jedes Video, das auch nur den kleinsten Schnipsel uhrheberrechtlich geschütztes Material enthält, gesperrt wird. Das "Recht auf Remix" ist eine durchaus vernünftige Forderung der Aktivisten.

    Was durch die Proteste am 11.02. ausgedrückt wurde, war ja mehr als nur Protest gegen ACTA. Es geht um eine modernisierung des Copyrights, eine Anpassung der Geschäftsmodelle Hollywood's & Co. an das digitale Zeitalter und nicht zuletzt um die Beschränkung der Macht der Rechteverwerter zugunsten der Künstler.

    Zum Schluss noch ein Gedanke: Warum kann man nicht jeden Film als bezahlbaren Stream im Netz anbieten? Ich jedenfalls weigere mich, für einmaliges Ansehen BR für < 30€ zu kaufen,

    Wenn sie von Hysterie angesichts von ACTA sprechen, kann ich mich dem nur voll und ganz anschließen. Natürlich ist ACTA - trotz aller schwammigen Formulierungen - keine reele Bedrohung für die Netzneutralität oder die Freiheit an sich.

    Jedoch ist ACTA ein bedrohlicher Schritt in eine Richtung, die eben sehr wohl zu den Horrorszenarien führen könnten, die viele Kritiker beschwören. Die "Förderung der freiwilligen Kooperation von Rechteinhabern und Dienstleistern" besagt im Kern doch nichts anderes als eine Aushöhlung des Rechtsstaates.

    Das Autoren und Künstler für ihre Arbeit bezahlt werden wollen und sollen, daran besteht kein Zweifel. Jedoch schützt ein Abkommen wie ACTA in erster Linie die großen Gesellschaften, nicht die Künstler. Zum anderen ist es schlicht nicht hinnehmbar, das z.B. auf Youtube jedes Video, das auch nur den kleinsten Schnipsel uhrheberrechtlich geschütztes Material enthält, gesperrt wird. Das "Recht auf Remix" ist eine durchaus vernünftige Forderung der Aktivisten.

    Was durch die Proteste am 11.02. ausgedrückt wurde, war ja mehr als nur Protest gegen ACTA. Es geht um eine modernisierung des Copyrights, eine Anpassung der Geschäftsmodelle Hollywood's & Co. an das digitale Zeitalter und nicht zuletzt um die Beschränkung der Macht der Rechteverwerter zugunsten der Künstler.

    Zum Schluss noch ein Gedanke: Warum kann man nicht jeden Film als bezahlbaren Stream im Netz anbieten? Ich jedenfalls weigere mich, für einmaliges Ansehen BR für < 30€ zu kaufen,

  5. Wenn sie von Hysterie angesichts von ACTA sprechen, kann ich mich dem nur voll und ganz anschließen. Natürlich ist ACTA - trotz aller schwammigen Formulierungen - keine reele Bedrohung für die Netzneutralität oder die Freiheit an sich.

    Jedoch ist ACTA ein bedrohlicher Schritt in eine Richtung, die eben sehr wohl zu den Horrorszenarien führen könnten, die viele Kritiker beschwören. Die "Förderung der freiwilligen Kooperation von Rechteinhabern und Dienstleistern" besagt im Kern doch nichts anderes als eine Aushöhlung des Rechtsstaates.

    Das Autoren und Künstler für ihre Arbeit bezahlt werden wollen und sollen, daran besteht kein Zweifel. Jedoch schützt ein Abkommen wie ACTA in erster Linie die großen Gesellschaften, nicht die Künstler. Zum anderen ist es schlicht nicht hinnehmbar, das z.B. auf Youtube jedes Video, das auch nur den kleinsten Schnipsel uhrheberrechtlich geschütztes Material enthält, gesperrt wird. Das "Recht auf Remix" ist eine durchaus vernünftige Forderung der Aktivisten.

    Was durch die Proteste am 11.02. ausgedrückt wurde, war ja mehr als nur Protest gegen ACTA. Es geht um eine modernisierung des Copyrights, eine Anpassung der Geschäftsmodelle Hollywood's & Co. an das digitale Zeitalter und nicht zuletzt um die Beschränkung der Macht der Rechteverwerter zugunsten der Künstler.

    Zum Schluss noch ein Gedanke: Warum kann man nicht jeden Film als bezahlbaren Stream im Netz anbieten? Ich jedenfalls weigere mich, für einmaliges Ansehen BR für < 30€ zu kaufen,

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    Antwort auf "Tendenziöser Artikel"
  6. Wer Cory Doctorow nicht mag, kann sich ja mal Richard Stallman ansehen.

    Letztendlich ist es eine bestimmte Weltsicht, die man nicht teilen muss, aber die man zumindest verstehen sollte.

    Es geht letztendlich um den Verlust über die eigene Kontrolle seiner technischen Arbeitsmittel. Dies wird als schwerwiegender Freiheitsverlust angesehen.

    Vereinfachter ausgedrückt: Sprache, Papier, Brief und Feder werden fremdbestimmt, eingeschränkt oder verboten.

    Antwort auf "Aufgeblasen"
    • tilt-x
    • 17.02.2012 um 12:23 Uhr

    Es lohnt sich, das Video anzusehen und zu verstehen. Leider geht der Artikel bis auf die griffigen Slogans nicht tiefer auf die Gedanken von Doctorow ein. Ungefähr in der Mitte des Videos sagt er sinngemäß folgendes:
    Jede mächtige Interessengruppe wird bei zunehmenden Möglichkeiten von Technik und Informationstechnologie am selben Punkt angelangen und fordern: "Macht uns einen Computer der alles kann aber nicht diese oder jene Funktion ausführt, die uns ärgert oder beängstigt". "Macht uns ein Internet, das alles übertragen kann, aber nicht diese oder jene Information die uns stört".
    Und diese Gedanken sind es wert, gedacht zu werden, denn sie betreffen, wie "rakeller" schrieb unser verständnis von Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten auf einem derart fundamentalen Level, wie es für unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten ein Verbot von Sprache, Papier, Brief und Feder gewesen wäre (bzw. ist, denn Zensurversuche auf diesen Gebieten gab es ja immer, da haben Sie recht).
    Jetzt geht es um das Kopieren von Songs und Filmdateien. Bald wird es der Austausch von Plänen für 3D-Drucker sein, mit denen jeder funktionierende Schusswaffen "ausdrucken" können wird.

    Das ist die Problematik auf die Doctorow abzielt. Klar klingt das wie Science-Fiction. Aber auch die Dinge mit denen Kinder gerade über den Schulhof rennen wären 1950 für unsere Großeltern so unglaub gewesen, sie hätten es nicht einmal als Telefon erkannt wenn man es ihnen hingelegt hätte.

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