Proteste in DresdenWider den "braunen Dreck"

Kampf um die Erinnerung: Der Schock über die NSU-Morde mobilisiert in Dresden den Protest gegen rechte Demonstranten.

Geschichtspolitik lebt! Als »bürgerkriegsähnliche Zustände« hat der Dresdner Polizeichef Dieter Kroll kürzlich bezeichnet, was sich im vergangenen Februar bei Gedenkveranstaltungen zu den Bombenangriffen 1945 auf Dresden abgespielt hat. Über die Frage, wem die Erinnerung gehört, welches Gedenken legitim ist, war die Stadt zur Kampfarena geworden. Links der Elbe, in der Altstadt, marschierten die Neonazis mit ihren Fackeln, den Wagner-Klängen aus dem Lautsprecher, den weißen Gesichtern und schwarzen Fahnen. Rechts der Elbe waren die Gegendemonstranten aufgezogen, darunter die linke Mitte, DGB, Kirchen, Linkspartei und Grüne, aber auch die schwarzen Antifa-Gruppen mit Plakaten wie »Ihr habt den Krieg verloren«, »Stalingrad«, oder »Heult doch, deutsche TäterInnen waren keine Opfer«. Hätte man die Demonstranten nicht getrennt, da ist Kroll sicher, hätte es »Tote und Verletzte« gegeben. Nun befürchtet der Polizeichef Schlimmstes für den kommenden Montag.

Aber er wird vermutlich positiv überrascht werden. Über Jahre hat Dresden nicht geschafft, was Wunsiedel, Jena oder Leipzig fertiggebracht haben: Aufmärschen der Neonazis durch einen starken Auftritt der gesellschaftlichen Mitte die Bühne streitig zu machen. Jetzt hat sich der Wind gedreht. Nachdem der »Trauermarsch« mit 8.000 Demonstranten in den vergangenen Jahren zur größten Neonazi-Versammlung in ganz Europa angeschwollen war, rechnet man für kommenden Montag, den Jahrestag des ersten Bombenabwurfs, mit höchstens 2.000 Rechtsextremen. Für den 18. Februar, den früheren Hauptkampftag, haben die Organisatoren von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) sogar ihre Anmeldung zurückgezogen. Ist das, was Dresden jetzt erlebt, ein Triumph der Zivilgesellschaft? Oder ist den Neonazis einfach der Schrecken über das Terrornetzwerk NSU in die Knochen gefahren?

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Bei der NPD, die mit acht Abgeordneten im Sächsischen Landtag sitzt, will man von Schrecken nichts wissen. Jürgen Gansel, Historiker aus Gießen und Fraktions-Intellektueller, hat vor ein paar Jahren das Wort vom »Bomben-Holocaust« geprägt. Der Titel seiner Magisterarbeit lautete Antikapitalismus in der »Konservativen Revolution« von 1918-1932. Er spricht höflich, schnell und schneidig, auch im Plenum. »Das nationale Lager wird sich von dieser Dreierbande, von dieser distanzierungswürdigen NSU-Geschichte nicht beeindrucken lassen.«

Die Politisierung des Gedenkens sei ihm ebenso zuwider wie den meisten Dresdnern, sagt Gansel. »Als Enkel von Vertriebenen möchte ich daran erinnern, dass das hier eine unbefestigte Lazarettstadt war, mit Zehntausenden Ostflüchtlingen.« Die Opferzahlen (er spricht von 250.000, Historiker von höchstens 35.000) würden jedes Jahr weiter heruntergerechnet. Und fügt noch hinzu: »Selbst die SED hatte noch mehr nationale Erinnerungskultur als das heutige System. Im Gedenken an den ›Anglo-Amerikanischen Bombenterror‹ bewies sie ausnahmsweise mal die richtige Gesinnung!«

Hoch über der Stadt liegt der Heidefriedhof. Ein riesiges Areal aus Baumalleen führt in der Mitte auf ein Rondell, das wohl so ist, wie sich viele Dresdner das Gedenken wünschen: still, melancholisch und ein bisschen kitschig, versöhnlich. Mit weißen Rosen in der Hand trifft sich das Bündnis AG 13. Februar am Montagnachmittag an der Skulptur Tränenmeer. Dann zieht man vorbei an den Heldengräbern des kommunistischen Widerstands, auf der Allee der Gerechten zu dem Platz mit Opferschale und Stelen, auf denen die Namen von Auschwitz und anderen Lagern stehen. Gegenüber finden sich Stelen mit den Ortsnamen Coventry, Warschau, Oradour und – Dresden.

Leserkommentare
  1. Verzichten Sie auf revisionistische Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

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    Verzichten Sie auf revisionistische Äußerungen. Die Redaktion/fk.

    Na, wenn Sie meinen...

    Die Haager Landkriegsordnung verbot 1907 die Bombardierung von Zivilisten und zivilen Zielen. Mir persönlich erscheint bereits der unbestreitbare Verstoß dagegen als 'skandalös'.

    Hier http://www.dresden.de/med... die Abschlußerklärung der Dresdner Historikerkommission, in der die von Ihnen angezweifelten Punkte behandelt sind. Ich schlage vor, Sie zitieren die 'Fachleute', die nach Ihren Erkenntnissen etwas an Methodik und Ergebnis der Kommission auszusetzen haben.

    Nach dem, was ich bislang über die Luftangriffe auf Dresden gelesen habe, geht manches an Unklarheit über die Opferzahlen in der Nachkriegszeit (es existieren Zahlen von rund 20.000 bis zu einer Million Toten) auf die wechselnden Irrtümer von David Irving zurück. Die können Sie hier http://www.h-ref.de/perso... nachlesen.

    Für eine grobe Übersicht darüber, wer sich wie und zu welchem Zweck in der Rezeption der Luftangriffe auf Dresden betätigt hat, ist auch der als exzellent eingestufte Wikipedia-Artikel recht hilfreich http://de.wikipedia.org/w... darin auch die Widerlegung Ihrer Vermutung in #19, die Nazis hätten die Opferzahlen eher heruntergespielt.

    Verzichten Sie auf revisionistische Äußerungen. Die Redaktion/fk.

    Na, wenn Sie meinen...

    Die Haager Landkriegsordnung verbot 1907 die Bombardierung von Zivilisten und zivilen Zielen. Mir persönlich erscheint bereits der unbestreitbare Verstoß dagegen als 'skandalös'.

    Hier http://www.dresden.de/med... die Abschlußerklärung der Dresdner Historikerkommission, in der die von Ihnen angezweifelten Punkte behandelt sind. Ich schlage vor, Sie zitieren die 'Fachleute', die nach Ihren Erkenntnissen etwas an Methodik und Ergebnis der Kommission auszusetzen haben.

    Nach dem, was ich bislang über die Luftangriffe auf Dresden gelesen habe, geht manches an Unklarheit über die Opferzahlen in der Nachkriegszeit (es existieren Zahlen von rund 20.000 bis zu einer Million Toten) auf die wechselnden Irrtümer von David Irving zurück. Die können Sie hier http://www.h-ref.de/perso... nachlesen.

    Für eine grobe Übersicht darüber, wer sich wie und zu welchem Zweck in der Rezeption der Luftangriffe auf Dresden betätigt hat, ist auch der als exzellent eingestufte Wikipedia-Artikel recht hilfreich http://de.wikipedia.org/w... darin auch die Widerlegung Ihrer Vermutung in #19, die Nazis hätten die Opferzahlen eher heruntergespielt.

    • joG
    • 12.02.2012 um 10:13 Uhr

    ....Einen auch den Ausländer daran erinnern, wofür die Deutsche Kultur steht.

    Antwort auf "Der Unterschied"
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    "....Einen auch den Ausländer daran erinnern, wofür die Deutsche Kultur steht."

    Nein. Das Gesocks, was solche Äußerungen macht, zähle ich nicht zur deutschen Kultur. Ich werde mir als autochthoner Deutscher solchen antideutschen faschistischen Dreck nicht ans Bein binden, wenn das von Leuten mit MiHiGru kommt.

    "....Einen auch den Ausländer daran erinnern, wofür die Deutsche Kultur steht."

    Nein. Das Gesocks, was solche Äußerungen macht, zähle ich nicht zur deutschen Kultur. Ich werde mir als autochthoner Deutscher solchen antideutschen faschistischen Dreck nicht ans Bein binden, wenn das von Leuten mit MiHiGru kommt.

  2. 19. [...]

    Verzichten Sie auf revisionistische Äußerungen. Die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
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    "Wenn es um den Beschuss durch Tiefflieger um Dresden ging, wurde dieser einfach in das Reich der Phantasie verbannt. Nur weil amerikanische Piloten über so etwas natürlich nicht Buch geführt haben, obwohl unbestritten ist, dass dies üblich und gewollt war, und heute nicht an jeder Ecke noch eine Patronenhülse herumliegt."

    Aus dem Bericht von Verwandten, die damals Schulkinder waren, weiß ich, daß es Tiefflieger gab.

    "Die Nazis hatten im Übrigen eher ein Interesse daran Opferzahlen herunterzuspielen, um in der Bevölkerung keine Panik aufkommen zu lassen. Es ist ein Irrglaube zu denken, da hätte unbedingt ein Interesse an hohen Zahlen aus propagandistischen Gründen bestanden."

    Ich habe hier einen Artikel aus dem Spiegel von 1963, wo von 135.000 Toten die Rede ist. Der Spiegel steht ja nun nicht im Ruf, ein revisionistisches oder rechtsextrmes Blatt zu sein.

    http://www.spiegel.de/spi...

    "Wenn es um den Beschuss durch Tiefflieger um Dresden ging, wurde dieser einfach in das Reich der Phantasie verbannt. Nur weil amerikanische Piloten über so etwas natürlich nicht Buch geführt haben, obwohl unbestritten ist, dass dies üblich und gewollt war, und heute nicht an jeder Ecke noch eine Patronenhülse herumliegt."

    Aus dem Bericht von Verwandten, die damals Schulkinder waren, weiß ich, daß es Tiefflieger gab.

    "Die Nazis hatten im Übrigen eher ein Interesse daran Opferzahlen herunterzuspielen, um in der Bevölkerung keine Panik aufkommen zu lassen. Es ist ein Irrglaube zu denken, da hätte unbedingt ein Interesse an hohen Zahlen aus propagandistischen Gründen bestanden."

    Ich habe hier einen Artikel aus dem Spiegel von 1963, wo von 135.000 Toten die Rede ist. Der Spiegel steht ja nun nicht im Ruf, ein revisionistisches oder rechtsextrmes Blatt zu sein.

    http://www.spiegel.de/spi...

    • graupa
    • 12.02.2012 um 10:16 Uhr

    Was bedeutet "Sitzblockaden sind in Sachsen eine Straftat" ? Den gleichen Satz habe ich schon im Radio gehört. Da Sachsen kein eingenes Strafgesetzbuch hat, gehe ich davon aus, dass die dortige Staatsanwaltschaft darin eine Straftat sieht(und die Gerichte ihr darin eventuell folgen). Was die Verfolgung der Sitzblokaden angeht, muss man doch festhalten, dass (hoffentlich) nur die Staatsanwaltschaft Argumenten der Politik zugänglich ist, nicht jedoch die Gerichte. Von einem Urteil ist in dem Artikel aber gar keine Rede

    • Lieps
    • 12.02.2012 um 10:49 Uhr

    Hier schrieb Ulrike Meinhof wohl die Wahrheit:
    "In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte. Zu Barbarei und Unmenschlichkeit für die es keine Rechtfertigung gibt."
    Um so mehr verwundert mich die Tatsache, dass es von Jahr zu Jahr Beiträge gibt, welche dennoch dieses Ziel verfolgen.
    Die verbrannten Kinder in Dresden waren keine Täter. Ihre Zahl ist unvorstellbar hoch.
    Für sie zünde ich am 13. Februar eine Kerze an. Sie steht dann neben dem durch die Hitze verformten Sektkelch, welcher
    im Februar 1945 von dem zerstörten Dresden aus der Erde gegraben worden ist.
    Die Stadt an der Elbe soll als wiederaufgebaute Perle Deutschlands eine Stadt des Friedens und nicht der politischen Auseinandersetzung sein.
    Friede ihren Toten.

    Lieps
    Preußischer Diplomat

    5 Leserempfehlungen
  3. In Anbetracht der aktuellen politischen Instrumentalisierung des gedenktages passt m.M.n. folgende Botschaft, die zum Abschluss der Schulung für Ordner in Dresden, die während der Menschenkette "aufpassen" sollen, verkündet wurde:
    Zitat: "'Wir haben die Verantwortung, dass aus Dresden keine schlimmen Bilder in die Welt gehen', so die Abschlussbotschaft der Schulung." [Quelle: dnn-online Link http://www.dnn-online.de/web/dnn/nachrichten/detail/-/specific/Sie-sind-keine-Polizisten-Was-ehrenamtliche-Order-am-13-und-18-Februar-beachten-muessen-76191332]

    Keine "schlimmen Bilder", das ist doch alles was sich die Verantwortlichen der Stadt (und auch des Landes)wünschen. Ich bin der Ansicht, dass verantwortungsvolles (politisches) Handeln ein anderes Ziel haben sollte, als negative Bilder zu vermeiden. Das ist symbolische Politik, ohne langfristigen Wert.

  4. "Als »bürgerkriegsähnliche Zustände« hat der Dresdner Polizeichef Dieter Kroll kürzlich bezeichnet, was sich im vergangenen Februar bei Gedenkveranstaltungen zu den Bombenangriffen 1945 auf Dresden abgespielt hat. Über die Frage, wem die Erinnerung gehört, welches Gedenken legitim ist, war die Stadt zur Kampfarena geworden."

    Die Frage ist geklärt und bleibt geklärt. Die Erinnerung gehört den Dresdnern, die der Zerstörung ihrer Stadt und ihrer Toten gedenken, nicht den von außen angereisten Rechten, nicht den gewaltgeilen linken Chaoten und nicht dieser Mischpoke aus Journalisten und Politikern, die sich alle auf dem Rücken der Stadt zu profilieren gedenken.

    5 Leserempfehlungen
  5. "Wenn es um den Beschuss durch Tiefflieger um Dresden ging, wurde dieser einfach in das Reich der Phantasie verbannt. Nur weil amerikanische Piloten über so etwas natürlich nicht Buch geführt haben, obwohl unbestritten ist, dass dies üblich und gewollt war, und heute nicht an jeder Ecke noch eine Patronenhülse herumliegt."

    Aus dem Bericht von Verwandten, die damals Schulkinder waren, weiß ich, daß es Tiefflieger gab.

    "Die Nazis hatten im Übrigen eher ein Interesse daran Opferzahlen herunterzuspielen, um in der Bevölkerung keine Panik aufkommen zu lassen. Es ist ein Irrglaube zu denken, da hätte unbedingt ein Interesse an hohen Zahlen aus propagandistischen Gründen bestanden."

    Ich habe hier einen Artikel aus dem Spiegel von 1963, wo von 135.000 Toten die Rede ist. Der Spiegel steht ja nun nicht im Ruf, ein revisionistisches oder rechtsextrmes Blatt zu sein.

    http://www.spiegel.de/spi...

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