Schauspielerin Diane Kruger99 Fragen an Diane Kruger

Mehr braucht kein Mensch von Moritz von Uslar

Dass sie Deutsche ist, glaubte Quentin Tarantino nicht, in dessen "Inglourious Basterds" sie mitspielte.

Dass sie Deutsche ist, glaubte Quentin Tarantino nicht, in dessen "Inglourious Basterds" sie mitspielte.   |  © Brigitte Lacombe

Das Café Flore auf dem Boulevard Saint-Germain in Paris: der Touristentreff. Eine viel angenehmere Verabredung als mit ihr kann es ja eigentlich nicht geben: die blonde Deutsche, unser Star in Hollywood. Geboren als Diane Heidkrüger in einem Dorf bei Hildesheim, dann Model, dann Schauspielerin, Durchbruch mit Wolfgang Petersens "Troja" (2004). Im Revolutionsdrama "Les Adieux à la Reine" wird sie als Marie Antoinette die diesjährige Berlinale eröffnen. Dass sie ein echter Star ist, merkt man auch daran, dass einem sonst kaum Filme mit ihr einfallen (Ausnahme: ihr Auftritt in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" ) und man sie trotzdem zu kennen glaubt. Sie gilt als bestangezogener Hollywoodstar, das muss man auch erst mal schaffen. Sie ist sicher voll nett und süß und amerikanisch professionell: diese Richtung. Vielleicht wird’s kein besonders tiefsinniges Gespräch mit ihr, aber hey, ist doch auch süß. Als sie ins Café hereingeschneit kommt, erkennt man sie erst nicht: brauner Lederhut, Wollpullover, Leggins, graues Pennerjackett mit zerschlissenem Innenfutter. Platz nehmen im ersten Stock des Cafés. Sie ist nicht modelartig sehr dünn, sondern nur Hollywoodstar-artig normal dünn. Wenn die alte These stimmt, dass man an den Händen einer Frau ablesen kann, wie der Körper aussieht, dann sieht sie schon ziemlich gut aus: süße Hände! Sie bekommt erklärt, dass sie einen Riesenhaufen Fragen gestellt bekommt. Sie lacht, weil Lachen immer okay ist. Okay.

1. Deutsch oder Englisch?

Deutsch.

2. Blond oder braun?

Definitiv blond.

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3. Modeln oder schauspielen?

Schauspielen.  

4. Hollywood oder Babelsberg?

Oh, beides. Babelsberg ist ja auch was Schönes.

Diane Kruger

35, kam mit 15 ins Finale eines Modelwettbewerbs. Sie ging nach Paris und nahm später Schauspielunterricht. Ihren Durchbruch hatte sie in Troja von Wolfgang Petersen. Sie spielt die Hauptrolle im Eröffnungsfilm der Berlinale, Les Adieux à la Reine

5. Und von wem sind diese wunderschönen Leggins, die Sie da tragen?

H&M.

Zehn Sekunden vergangen. Sie schießt die Antworten raus. Ihre kleine, dünne Stimme, kurze, weiße Zähne, schmaler Mund. Ihr Deutsch hat einen leicht französischen Akzent. Der alte Hut, dass Stars ihres Kalibers immer heller sind als erwartet. Sie kommt – schon jetzt – glasklar, präzise, aufgeräumt rüber. Gleich schämt sich der Interviewer, dass er nicht doch tiefsinnigere Fragen vorbereitet hat. Wir gehen nun in die härtesten Untiefen, den Schwachsinn, hinein.

6. Wie heißt Ihre beste deutsche Freundin?

Peti. In Berlin . Ich habe sie beim Drehen in Babelsberg kennengelernt. Man kann mit ihr ziemlich gut ausgehen. 

7. Wie heißt Ihre beste amerikanische Freundin?

Das ist ein Er. Micah. In Los Angeles.

8. Welches Wort fällt Ihnen auf Englisch schneller ein als auf Deutsch?

Fuck.

9. Warum ist es als Deutsche in Amerika schwer, die Worte "West Village" korrekt auszusprechen?

Es wird genau umgedreht ausgesprochen, das W ist im Amerikanischen ein V, das V ein W.

10. Bekommt man mit deutschem Akzent mehr Rollen in Hollywood?

Nicht unbedingt, nein. Generell reagieren Amerikaner auf Akzente sehr empfindlich. 

11. Ist Ihnen das wichtig, dass die in Hollywood nicht so ganz genau wissen, dass Sie Deutsche sind?

Ich möchte halt nicht auf bestimmte Rollen festgelegt werden. Es wissen mittlerweile ja alle, dass ich aus Deutschland komme.

12. Echt wahr, dass es in New York kaum Männer zum Heiraten gibt, nur Schwule und um sie herum psychisch enorm angestrengte Moderedakteurinnen?

Meine New Yorker Erfahrungen stammen aus der Zeit, als ich dort gemodelt habe. Da waren viele Schwule, was auch seine Vorteile hat: Da fühlen sich die Mädchen sicher.

Sie beginnt jede Antwort, wirklich jede Antwort mit einem kleinen Lachen: Haha. Weil alles so lustig und so angenehm egal ist: Hahaha. Das Lachen hat offensichtlich auch eine Schutzfunktion. Wer lacht, muss ja nicht antworten – und ist trotzdem freundlich. Am Ende wird der Journalist viel freundliches Gelächter und weniger zitierfähige Sätze auf dem Aufnahmegerät haben. Hahaha.

13. Lebensprinzip Blond?

Nee. Gibt’s das? 

14. Lebensprinzip "dezentes Make-up"?

Nee. Es kann auch mal mehr sein.

15. Lebensprinzip Frau vom Lande?

Das sind zumindest die Grundbausteine meines Seins.

Eine Deutsche in Hollywood

Eine Deutsche in Hollywood  |  © Brigitte Lacombe

16. Lebensprinzip Fernbeziehung?

Glaube schon, ja. Es ist schwer. Aber es ist genauso schwer, jeden Tag auf jemandem draufzusitzen.

17. Handtaschen-süchtig?  

Da muss ich Ja sagen.

18. Stella-McCartney-süchtig?

Keine Sucht. Eine angenehme Beziehung.

19. Isabelle-Marant-süchtig?

Schon auch, ja. Mein Mantel ist von ihr.

20. Giambattista-Valli-süchtig?

Das ist ein guter Freund von mir. 

21. Diamanten-süchtig?

Wäre ich gerne! Nein.

22. Wodka-Shot-süchtig?

Ich mag gerne guten Wodka, den man pur trinkt. Zuletzt mit meiner guten Freundin, hier in Paris , im Montana.

23. Ruhmsüchtig?

Nee.

24. Ihr letzter Panikanfall?

Im Flugzeug. Letzte Woche. Turbulenzen. Ich kam aus L.A. Es wird leider immer schlimmer mit dem Fliegen. Ich habe dem armen Nachbarn fast den Arm abgerissen.

25. Korrekt, dass Ihnen das Aussehen eines Mannes ein bisschen wurscht ist?

Korrekt, ja. Ich habe zumindest keinen festen Typ.

26. Korrekt, dass ihr irre gut aussehenden Frauen nicht besonders lustig sein müsst, weil ihr ja schon irre gut ausseht?

Leider reicht das Superaussehen ab 25 nicht mehr.

Hahaha. Ja. Wir schauen in ein Gesicht, das ständig lacht: komplizierte Sache. Wir stellen ihr nun, um sie ein wenig zu erschrecken, die vier komplexesten, am schwierigsten zu beantwortenden Fragen der Welt. Vier Friedensnobelpreisträger-Fragen an Diane Kruger.

27. Werden Sie 2013 noch einmal Obama wählen?  

Würde ich, wenn ich könnte. Ich habe einen deutschen Pass.

28. Kennen Sie die Lösung für den Nahostkonflikt?

Nein. Alle haben da eine Theorie, aber keine Lösung.

29. Ihr Argument für Europa?

Ich glaube, Europa ist das Beste, was alle einzelnen europäischen Länder zusammen schaffen können. Ich finde das super, dass wir uns in Europa so nahegekommen sind und überall arbeiten und praktisch grenzenlos reisen können. Ich bin wirklich ein Kind Europas.

30. Sollten die Amerikaner als Nächstes in den Iran reingehen?

Bitte, da möchte ich mich nicht zu äußern. 

Sie konnte null mit diesen Fragen anfangen: normal. Der Versuch des Interviewers, in den Kopf des Hollywoodstars Diane Kruger hineinzugucken. Man sieht: ganz, ganz wenig. Normale Sache. Bis hierher war es Aufwärmen. Wir ziehen an.

31. Ist der Coup Ihres Lebens, dass Sie als deutscher Hollywoodstar gar nicht in Hollywood wohnen, sondern in Paris?

Das wird von den Medien immer so betont, dass ich das deutsche Hollywood-Girl bin. Bin ich aber gar nicht. Ich habe ein Haus dort. Aber ich habe eben auch in Paris eine Wohnung. Ich bin weder Amerikanerin noch Französin. Ich fühle mich eingeladen, in beiden Ländern zu leben. Ich möchte auch nicht nur Hollywoodfilme machen. Für mich ist eigentlich das europäische Kino die Heimat.

32. War Berlin eine Option?

Zum Leben? Ich bin so früh nach Paris, mit sechzehn. Aber es ist eine Superstadt zum Drehen, sehr angenehm.

33. Schwachsinn Hollywood?

Nein. 

34. Superschwachsinn Hollywood?

Nein. Warum denn? Es werden dort großartige Filme gemacht. Nicht nur. Aber immer wieder.

35. Wo gibt es das beste deutsche Brot in Hollywood?

Keine Ahnung.

36. Wo gibt es das durchgedrehteste Yoga-Bio-Veganer- Frühstückscafé in Hollywood?

In diese Sekte trete ich nicht ein.

37. Wann zuletzt in Dean Martins umgebautem Eisenbahnwaggon Formosa auf dem Santa Monica Boulevard richtig einen gesoffen?

Hat der nicht mittlerweile geschlossen? 

38. Wann zuletzt mit Quentin Tarantino eine durchgedrehte Nacht verbracht?

Schon eine Weile her. Ich bin immer bisschen skeptisch mit mexikanischen Lokalen. Er hat mich mal in einen Laden mitgenommen, von dem noch nie ein Mensch gehört hat – da gab’s die besten Margaritas, die ich je getrunken habe.

39. Echt wahr, dass ausgerechnet der deutsche Regisseur Roland Emmerich die nettesten Partys in Hollywood gibt?

Ich kenne Roland nicht, keine Ahnung.

40. Echt wahr, dass ganz Hollywood hinter privaten Gartenmauern stattfindet, nicht an öffentlichen Orten?

Ja.

41. Richtig, dass Hollywood auch ein bisschen langweilig ist?  

Finde schon, ja. Wunderschön, tolles Wetter, alles wie in den Filmen, klar. Aber nach einer Zeit wird es ein bisschen langweilig. Kulturmäßig geht nicht viel.

42. Was macht Christoph Waltz jetzt eigentlich besser als andere deutsche Schauspieler vor ihm in Hollywood?

Er hat seinen Akzent fast verloren. Er hat mittlerweile eine Auswahl an Rollenangeboten, von der fast jeder Hollywoodschauspieler träumt.

43. Was ist der typisch deutsche Fehler in Hollywood?

Der europäische Fehler ist, dass man zu schnell zu viel dreht und dabei seine Seele verliert. Es ist unheimlich schwer, einen klaren Kopf zu behalten. Nein zu sagen.

44. Kennen Leute in Hollywood den Namen Franka Potente ?

Glaube schon, ja. 

45. Kennen Leute in Hollywood noch immer den Namen Marlene Dietrich ?

Natürlich.

46. Sollte Matthias Schweighöfer Ihrer Meinung nach den Sprung nach Hollywood wagen?

Ich kann nicht für ihn sprechen.

47. Die Preisfrage: Warum haben Sie es in Hollywood geschafft?

Ich hoffe, es hatte mit Talent zu tun. Und sicher mit dem Glück, zum richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

Als Erfolg kann verbucht werden, dass Diane Kruger bei den letzten Antworten nicht mehr gelacht hat. Dranbleiben.

48. Wahre Geschichte, dass Tarantino Ihnen nicht geglaubt hat, dass Sie Deutsche sind?

Das stimmt wirklich. Er wollte mich ja erst gar nicht treffen.

49. Ihr deutscher Lieblingsphilosoph?

Unter den Schreibern: vielleicht Stefan Zweig . Ich habe gerade Marie Antoinette gespielt und die Biografie von Stefan Zweig gelesen. Das war ein tiefer Eindruck.

50. Ihr Lieblingstheaterstück in deutscher Sprache?

Da muss ich passen.

51. Kennen Sie den Namen Basti Schweinsteiger?  

Nein.

52. Ihr Gruß an den deutschen Fußballtrainer Jogi Löw?

Good luck!

53. Ihr Gruß an die Bundeskanzlerin Angela Merkel ?

Hut ab, würde ich sagen.

54. Ihr Tipp an die deutsche FDP ?

Der interessiert niemand. Deutsche Politik, da bin ich einfach zu lange weg. 

55. Ihre Erklärung, warum Deutsche so gerne bunte Multifunktionskleidung mit Klettverschlüssen tragen?

Das ist eine Frage, die ich mir seit Jahren stelle. Man kann die Deutschen wirklich unter Tausenden an ihrer Kleidung erkennen. Die Amis allerdings auch: Baseballkappe, Pennybags, Tennisschuhe, die Socken immer schön weit hochgezogen.

56. Ihre Antwort auf das weitverbreitete Klischee, dass die Deutschen alles Nazis sind?

Das Klischee hat sich ein bisschen gegessen. Die Amis lieben Nazis in Filmen, aber nicht in Wirklichkeit.

Nebeninformation: Das Gespräch kam anlässlich des 100. Geburtstages des Filmstudios Babelsberg zustande. Der Hollywoodstar hat gleich mehrere Filme in dem Potsdamer Filmstudio gedreht. Diane Kruger soll, damit die in Babelsberg sich freuen, ein paar Fragen zum Studio Babelsberg beantworten. Dem kommen wir natürlich gerne nach.

57. Ihr Lieblingsort im Berliner Underground?

Der Laden in Kreuzberg, wie heißt der? Würgeengel .

58. Sagen Sie freimütig, dass Ihnen Berlin zum Wohnen zu hässlich ist?  

Nein. Super Stadt.

59. Kennen Filmleute in Hollywood das Studio Babelsberg?

Auf jeden Fall. Tax rebate, super crews: Deshalb drehen alle dort. Die besten Setdesigner, mit denen ich je gedreht habe, zumindest bei Inglourious Basterds .

60. Echt wahr, dass die Jungs in Babelsberg besonders gut im Kulissen-schnell-Auf-und-Abbauen sind?

Wie gesagt: Ja.

61. Echt wahr, dass es in Babelsberg eine Kreuzung G.-W.-Pabst-Straße Ecke Quentin-Tarantino-Straße gibt?

Ja. 

62. Kann man kurzerdings sagen, dass US-Stars gerne in Potsdam drehen, weil man in Berlin so gut ausgehen kann?

Das ist ein Punkt, ja. Der zweite Punkt ist wie gesagt, dass es in Babelsberg diese Steuererleichterung gibt.

Die Steuererleichterungen, jaja. Lieber Himmel, sieht sie gut aus: die kalten, blaugrünen Augen, der schmale Mund. Verrückt, aber den Frauen mit den brutal aufgeräumten Gesichtern ist man bereit eine Menge zu verzeihen. Auf der Basis, dass sie ein so absolut erfreuliches Äußeres hat, ist jeder Satz, den sie sagt, auch jeder dünne, ein Hauptgewinn. Der Self-Rating-Test: Sie soll ihr Talent zwischen null Punkten, kein Talent und zehn Punkten, maximales Talent, einschätzen.

63. Ihr Talent als Helena.

Sieben Punkte.

64. Gesicht des Jahres 1993.

Tausend Punkte.

65. Haute-Couture-Model .

Null. War ich nie. Zu klein. Prêt-à-porter habe ich auch nie viel gemacht. Zu klein.

66. Marlene Dietrich.

Mein Talent als Marlene Dietrich ? Da nehme ich gerne: eine Acht.

67. Romy Schneider.

Eins. Ich liebe Romy Schneider , aber leider sehe ich wirklich nicht aus wie sie. In Paris machen sie gerade wieder eine Riesenretrospektive zum 30. Todestag von Romy , mit allen Fotos und Filmen.

68. Hildesheimerin.  

Drei. Ich komme ja eigentlich aus einem Dorf bei Hildesheim , Algermissen.

69. Unser Star in Hollywood.

Das klingt nach ein bisschen sehr viel Druck. Das lass ich Sie beurteilen.

70. Profi.

Zehn.

71. Wie geht’s Ihrem Hochkulturkomplex?

Ja, leider nicht gut. Ich komme viel zu selten dazu, mir das zeitgenössische europäische Kino anzugucken. Claude Sautet, Patrice Chéreau, das sind meine Helden. Den Serge Gainsbourg hat man als Deutsche, die längst wie eine Pariserin fühlt, auch sehr gerne. 

72. Blödmann-Klischee "die kühle Blonde"?

Blöd, gut, keine Ahnung. Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich selber nicht kontrolliere, was über mich geschrieben wird oder was man über mich denkt. Das ist manchmal nicht einfach zu akzeptieren. Kühl kann ich sein, wenn man mir blöd kommt, wenn mir ein Produzent oder Regisseur dumm und unprofessionell kommt. Auf dem Filmset tanzt mir sicher niemand auf der Nase herum.

73. Geht Ihnen das auf die Nerven, dass viele Männer Sie sich automatisch mit kniehohen Lederstiefeln und Reitpeitsche in der Hand vorstellen?

Jedem seine Fantasie.

74. Im Ernst, stimmt die Geschichte, dass 50 Prozent aller Rollenangebote die kühle SS-Frau mit der Lederpeitsche in der Hand sind?

Nicht mehr. Aber in meinen ersten Jahren in Hollywood war das so. Es hat mit der Nationalität zu tun. Man hat mir Nazirollen angeboten, einfach deshalb, weil ich Deutsche bin.

75. Hat es Spaß gemacht, im Film "Inglourious Basterds" das Wort Hitler auf Amerikanisch auszusprechen?  

Es hat Spaß gemacht, eine Deutsche zu spielen, die dazu beiträgt, Hitler umzubringen. Symbolisch gesehen fand ich das super.

76. Traurig darüber, dass Sie noch in keinem Woody-Allen-Film mitgespielt haben?

Mal sehen. Vielleicht kommt das ja noch. Ich habe ihn bisher noch nicht kennengelernt.

77. Ihre Erklärung, warum Sie die Hauptrolle der Tänzerin im Oscar-Film "Black Swan" nicht bekommen haben?

Ich bin zu alt für die Rolle gewesen, ich wäre da physisch schlicht nicht in der Lage zu gewesen. Und für mich wäre die Rolle unbefriedigend gewesen. Ich war jahrelang Balletttänzerin, Schwanensee ist, glaube ich, eins der schwersten Ballette, die man tanzen kann. Natalie Portman in der Rolle war doch super.

78. Ihr Kommentar zu den Gerüchten, dass Sie im neuen Tom-Cruise-Film "Horizons" die weibliche Hauptrolle übernehmen werden?

Das ist ein Gerücht. Der Film, den Sie vielleicht meinen, heißt meines Wissen Oblivion

79. Wie war’s zuletzt bei den Dreharbeiten in Tadschikistan?

Das ist ein Jahr her. Waren Sie schon mal in Tadschikistan ? Es ist vielleicht nicht das ideale Urlaubsland. In einem Zelt im Himalaya bei minus dreißig Grad über eineinhalb Monate lang zu schlafen, das war eine Erfahrung.

80. Was unterscheidet ein europäisches von einem amerikanischen Drehbuch?

Das Independent-Kino in Amerika ist nicht anders als in Europa. Die Studiofilme aber bauen auf Formeln auf, die wirtschaftlichen Kriterien gehorchen: Die Masse muss erreicht werden. In Frankreich und Deutschland werden selten diese Summen bewegt.

81. Was ist Ihre Erklärung dafür, dass sich nicht mehr Schauspielerinnen in Hollywood so absolut stilsicher anziehen können wie Sie?

Vielleicht habe ich einen Spaß an Mode, den die anderen nicht so haben. Die meisten Schauspieler kommen nicht aus der Modebranche und brauchen deshalb jemanden, der sie berät. Die Stylistinnen und Style-Beraterinnen sind oft das Problem.

82. Mit welchen Worten raten Sie Fotomodellen von der Schauspielerei ab?  

Ich rate nicht ab. Dass man Model ist, heißt nicht unbedingt, dass man schauspielen kann. Es ist aber eben auch nicht ausgeschlossen. Ich habe mich damals gegen das Modeln und für die Schauspielerei entschieden und mich im selben Zug von meinem Freund getrennt, ich war 21, es war meine erste große Liebe, und es war schmerzhaft.

83. Woher wussten Sie, dass Sie’s können?

Ich habe nie gesagt: Ich bin die Superschauspielerin. Ich komme vom Ballett. Ich habe schon als sehr junges Mädchen Musik benutzt, um meine Gefühle und Ängste auszudrücken. Diese Möglichkeit des Ausdrucks hat mir beim Modeln gefehlt.

84. Gibt’s etwas Anstrengenderes im Leben, als die sogenannten eigenen Träume zu verwirklichen?

Das ist das Anstrengendste, sicher. Die Schauspielerei ist nach wie vor ein Traum. Einige Träume haben sich erfüllt, andere noch nicht. Die hundertprozentige Rolle, die Rolle des Lebens, habe ich noch nicht gespielt. Es gibt auch einige Träume, die sehr persönlich sind – Familie gründen, Kinder kriegen –, von denen ich hoffe, dass ich sie nicht verpasse.

85. Ist es schwer, bei Dreharbeiten seinen Freund nicht zu betrügen?

Das ist vielleicht etwas, das man am Anfang macht. Da denkt man: Oh, der Co-Star. Und: Wir sind wirklich toll zusammen. Dann lernt man das ziemlich schnell, dass man die Arbeit nicht nach Hause mitnimmt.

86. Wahre Geschichte, dass nicht die Filmpartner, sondern die Beleuchter auf dem Set die wirklich bösen Buben sind?  

Das habe ich auch gehört. Und mittlerweile verstehe ich das. Die DPs – die Directors of Photography – sind wirklich die, die gerade Schauspielerinnen am besten angucken und genau sehen, was geht.

87. Wird man das als Schauspielerin nie los, dass man eigentlich überhaupt nicht gut aussieht?

Das ist die Model-Krankheit. Weil man als Model ständig nur auf sein Aussehen reduziert wird. Als Schauspielerin darf man ja ein bisschen mehr als hübsch sein.

88. Wird man das als Schauspielerin nie los, dass man eigentlich nichts kann?

Das wird man nie los, nein. Das ist ein bisschen anstrengend.

89. Manchmal Lust, einfach Hausfrau zu sein?

Ich würde sagen, eine Hausfrau bin ich schon, und zwar eine gute. O ja! Ich liebe es zu kochen. Ich sammle Kochbücher. Ich bin die Frau, die für 20 Leute eine Riesentorte backt. Das Bügeln hat auf mich eine geradezu therapeutische Wirkung, ich liebe es. 

90. Hat die Schauspielerei – neben dem Punkt, dass man schnell viel Geld verdienen kann – noch eine gute Seite?

Auf einer sehr narzisstischen Ebene hat man das Gefühl, dass man zu 100 Prozent lebt. Man kann sehr euphorische Momente in der Schauspielerei erleben. Und richtig, wenn man nicht aufpasst, wird man davon krank.

91. Auf eine gesunde, auf eine ganz angenehme Art: Wird die Schauspielerei in Ihrem Leben immer unwichtiger?

Nein, sie wird wichtiger: in der Komplexität. Ich habe keinen Bock mehr, nur zu drehen, um zu drehen.

Jetzt haben wir doch, hoppla, eine ganze Menge besprochen. Und erfahren. Die Pein, die Zumutung, die es für eine intelligente Frau bedeutet, Schauspielerin zu sein. Da hilft der Erfolg, das Superstardom, dann auch nicht viel. Sie verschränkt die Hände hinter ihrem Kopf, und nun, zum ersten Mal in diesem Gespräch, fällt Diane Krugers Lächelmaske. Es steht ein offener, ernster, interessierter Ausdruck in ihrem Gesicht: gekonnte Pose. In etwa zehn Minuten, so der Eindruck, könnte man mit dem wahren Gespräch, den wirklich interessanten Fragen beginnen. So machen wir, was doch auch hübsch ist, langsam Schluss für heute. Letzte Fragen: Beauty-Ticks und Selbstmordgedanken. Vielleicht bleibt ein Frust bei ihr, dass wir mit ihr nicht ausschließlich über ihr Lieblingsthema, französisches Autorenkino, geredet haben, vielleicht! Herzlichen Dank, Diane Kruger.

92. Was ist der Sinn des Lebens?

Ach, wenn ich das wüsste. Ich weiß es nicht. Ich bin überhaupt nicht religiös. Ich habe Angst zu sterben. Ich habe Angst, krank zu werden. Das Gefühl, sinnlos auf dieser Welt gewesen zu sein, ohne etwas zu hinterlassen. Ist die Liebe der Sinn des Lebens? Wäre schön. 

93. Wann zuletzt an Selbstmord gedacht ?

Zwanzig Jahre her. Als Teenager. Oh ja. Als Teenager, mit 16, 17, habe ich immer gedacht: Ich könnte verrückt werden. Es war die klassische romantisch-pubertäre Selbstüberschätzung, in Richtung von: Ich drehe ab. Ich bin so anders als alle anderen. Blabla.

94. Ihr Beauty-Tick?

Ich habe furchtbare Haare: dünn und zerbrechlich. Es gibt hier in Paris in der Apotheke so Ampullen. Die schüttet man sich auf die Haare, die Kopfhaut wird heiß, und auf einmal hat man das Gefühl: Mann, habe ich toll volle Haare.

95. Wenn Sie mal Riesenlust auf einen Hamburger haben, vergessen Sie dann alle guten Vorsätze?

Ja klar.

96. Was macht Ihr Vaterkomplex?  

Kein Vaterkomplex.

97. Wann zuletzt in der Metro in Paris schwarzgefahren?

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Kann man hier nicht. Das geht leider nur in Berlin.

98. War das ein schöner Moment, als Sie bei der Verleihung der Golden Globes im letzten Jahr neben Ihrem Freund, dem Seriendarsteller und Schauspielerkollegen Joshua Jackson, saßen und der Moderator Ricky Gervais seine mittlerweile legendäre Beleidigungs-Orgie über das gesamte Hollywood-Establishment abzog?

Ich fand’s voll lustig, ja. Die Leute, die für Preise nominiert sind, sind oft nicht die souveränsten Menschen der Welt. Ich fand sehr lustig, dass ausgerechnet Hollywood mal ein bisschen Selbstironie zeigen musste.

99. Richtig, dass man einer schönen Frau mit nichts so eine Freude machen kann wie mit einer teuren Handtasche?

Ach, nee! Ein guter Satz, auf einem Taschentuch notiert, ist viel besser.

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Leserkommentare
  1. Eine Leserempfehlung
    • B.e.e.
    • 09. Februar 2012 12:44 Uhr

    Wenn die Fragen wirklich so gestellt wurden, wäre ich mir an ihrer Stelle veräppelt vorgekommen. Der Ton, auch von den Kommentaren über sie, kommt mir respektlos vor.

    7 Leserempfehlungen
  2. Der Film Inglorious Bastard ist im ersten Blick anti-nazi.
    Wenn man genauer anschaut ist er pro-nazi. In meiner Meinung
    versuchen die aus den Nazis Helden zu machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn überhaupt schon, dann aus einzelnen Angehörigen der Wehrmacht, was einen noch lange nicht automatisch zu einem "Nazi" machte.

    Bloß weil die amerikanischen Helden als idiotische Hillbillies dargestellt werden, heißt das lange nicht, dass die wirklichen Nazis im Film, also Hitler, Goebbels oder der von August Diehl gespielte SS-Mann gut wegkommen.
    Der "Jew Hunter" mag vllt. etwas eher zur Ambivalenz in der Rezeption durch den Zuschauer tendieren.

  3. 12. Sorry

    Kommentar 7 sollte Antwort auf Kommentar 5 sein!

    Antwort auf "Ein nettes..."
  4. ...bisher leider eine einzige Katastrophe! Nicht eine Rolle, die ich ihr abgekauft habe. Von SChauspiel sehe ich da leider nicht viel und ich hatte bisher immer das Gefühl, dass sie mimisch und gestisch steif und immer gleich (egal welche Rolle!)agiert. Kann den Hype wirklich überhaupt nicht nachvollziehen!

    2 Leserempfehlungen
  5. Auch stilistisch. Danke.

  6. Wenn überhaupt schon, dann aus einzelnen Angehörigen der Wehrmacht, was einen noch lange nicht automatisch zu einem "Nazi" machte.

    Bloß weil die amerikanischen Helden als idiotische Hillbillies dargestellt werden, heißt das lange nicht, dass die wirklichen Nazis im Film, also Hitler, Goebbels oder der von August Diehl gespielte SS-Mann gut wegkommen.
    Der "Jew Hunter" mag vllt. etwas eher zur Ambivalenz in der Rezeption durch den Zuschauer tendieren.

    Antwort auf "wer ist Diane Kruger?"
    • lomexx
    • 09. Februar 2012 14:00 Uhr

    ...Fragespielchen; (by the way: Wann sind die eigentlich von der Süddeutschen zur Zeit umgezogen?) - aber in diesem konkreten Fall stößt er doch deutlich an seine Grenzen: Egal, was man von Kruger als Schauspielerin halten mag: Ihre Antworten sind hier ausnahmslos deutlich cleverer und sympathischer als die dazugehörigen Fragen.

    Die zwischengeschobenenen Kommentare wirken bestenfalls bemüht herablassend und sollen womöglich die gefühlte Überlegenheit des Interviewers unterstreichen, die sich dann aber im Interview selbst nirgends wieder findet. Überhaupt spürt man hier erstmals, welche Ungerechtigkeit in diesem Kniff liegt: Uslar kann Krugers angebliches Lachen benutzen, um sein vermutlich schon vor dem Interview feststehendes Bild vom dämlichen Blondchen zu transportieren... dabei wäre es hier womöglich viel interessanter zu lesen, was Kruger während des Gesprächs über den sich an ihr erfolglos die Zähne ausbeißenden Interviewer dachte: Armes stotterndes Würstchen? Man wird es nie erfahren.

    7 Leserempfehlungen

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