ErderwärmungSkeptiker im Faktencheck

Fritz Vahrenholts Buch "Die kalte Sonne" enthält zahlreiche umstrittene wissenschaftliche Behauptungen. Sieben dieser Thesen werden hier widerlegt. von 

These: "Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt."

Ein Fehlschluss. Hier werden kurzfristige Temperaturschwankungen mit langfristigen Klimatrends vermischt. Forscher verstehen unter "Klima" nicht den 10- oder 14-jährigen Temperaturdurchschnitt des Wetters, sondern den 30-jährigen Mittelwert. So hat es die Klimaforschung definiert – was Vahrenholt schlicht ignoriert.

Ein Auf und Ab der Temperaturen von Jahr zu Jahr ist normal. Und genauso normal ist es, dass es während einer fortlaufenden Klimaerwärmung Zeiträume gibt, in denen die Temperatur an der Erdoberfläche nicht weiter steigt – oder gar sinkt. In solchen Perioden, das belegte eine Studie im Fachmagazin Nature vergangenen Herbst, saugen die Ozeane quasi Wärme auf .

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Wer den Startpunkt seiner Betrachtung also geschickt platziert, kann tatsächlich Phasen ohne große Temperaturanstiege finden . Das Jahr 1998 eignet sich hierfür besonders, weil damals das El-Niño-Phänomen den langfristigen Erwärmungstrend noch verstärkte und es ein außergewöhnlich heißes Jahr war. Obwohl 2005 und 2010 laut Nasa-Messungen schon wieder neue Rekordjahre waren, ist die Kurzzeitentwicklung von 1998 bis heute tatsächlich relativ stabil. Der Langfrist-Trend zeigt dennoch weiter nach oben.

Infografik
Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.

Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.  |  © ZEIT-Grafik

Die vergangene Dekade war die wärmste jemals registrierte (egal, ob sie in sich selbst eine Temperaturzunahme zeigte oder nicht).

Ein Team um den kalifornischen Klimaforscher Benjamin Santer errechnete kürzlich , dass man eine mindestens 17-jährige Temperaturreihe brauche, um die An- oder Abwesenheit der menschengemachten Erwärmung in den natürlichen Klimaschwankungen erkennen zu können.

These: "Die Hockeystick-Kurve war eine Fälschung."

Das wird von "Klimaskeptikern" seit Jahren behauptet, stimmt aber nicht. Wahr ist lediglich, dass die von einem US-Forscherteam um Michael Mann 1998 veröffentlichte erste Version einer Analyse zur Temperatur der letzten Jahrhunderte Defizite in der statistischen Methode hatte. Der Griff des Hockeyschlägers, also die Temperaturvariation in den vergangenen tausend Jahren, erschien daher zu flach.

Jedoch kam eine aufwendige Überprüfung der Arbeit durch das US-amerikanische National Research Council 2006 zu dem Ergebnis, dass Manns Grundaussage trotz der Mängel stimmt: Temperaturdaten lassen darauf schließen, dass es in den vergangenen tausend Jahren niemals so warm war wie heute. Im Jahr 2008 legte Mann gemeinsam mit Kollegen eine überarbeitete Fassung vor. Außerdem gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend voneinander unabhängiger Temperaturstudien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die Klimaforscher witzeln deshalb, es gebe nicht nur einen "Hockeystick", sondern ein ganzes "Hockeyteam".

Das Vahrenholt-Buch aber präsentiert einseitig die Kritik an Michael Mann. Und in einer Grafik wird gleich mehrfach getrickst: Bei der Wiedergabe eines Diagramms aus dem IPCC-Report von 2001 sind Grauwerte getilgt, mit denen die Kommission selbst auf die Unsicherheitsmarge der Mann-Studie hingewiesen hatte. Und bei der Darstellung aktueller Studien wurden offenbar gezielt nur solche ausgewählt, die die eigene These stützen.

Leserkommentare
  1. Ein Faktencheck, der diesen Namen verdient, muß sich zunächst einmal mit der Struktur des zu prüfenden Dogmas befassen. Dann muß er die Kernhypothesen identifizieren und dann SIE kritisch hinterfragen. Das hat sowohl Vahrenholt versäumt, als auch die ZEIT.

    Wer die CO2-Treibhaushypothese ernsthaft überprüfen und im Literaturanhang die tatsächlich relevanten wissenschaftlichen Papiere zusammengestellt finden möchte, mag hier starten:
    www.ke-research.de/downlo...

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    "Weil das Treibhausdogma physikalisch falsch ist, ist es nur
    eine Frage der Zeit, daß es auch im Bewußtsein der Bevölkerung kollabiert."

    Sicher, in zweihundert Jahren werden einige Geschichtsstudenten herzlich darüber lachen, sie Optimist.
    Gute Arbeit!

    • okmijn
    • 08. Februar 2012 18:44 Uhr

    ... Klaus Ermecke informieren lassen:

    "Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, Abschluß Diplomkaufmann. Diplomarbeit über die theoretische Fundierung einer Privatisierung staatlicher Dienstleistungen."

    Und das lustige PDF, dass Sie direkt verlinken, weist nach wieso wir längst alle erfroren sind: Der Treibhauseeffekt, wie wir ihn kennen existiert gar nicht - die Strahlung kommt nämlich schon als IR-Strahlung an und wird deshalb direkt reflektiert, nicht erst nach Absorbieren von höherfrequenter Strahlung als IR-Strahlung emitiert und dann wie gelernt schön zwischen Atmosphäre und Boden hin und her. Deshalb sollten wir mehr Klimagase freisetzen um die Erde weiter zu kühlen...

    Für ein detailiertes Zerlegen des Pamphletes ist mir angesichts der fachlichen Expertise des Autors meine Zeit zu schade.

    Wer die CO2-Treibhaushypothese ernsthaft überprüfen und im Literaturanhang die tatsächlich relevanten wissenschaftlichen Papiere zusammengestellt finden möchte, mag hier starten:
    www.ke-research.de/downlo...

    ... und kann dann, nachdem er über unwissenschaftliches Geschwurbel wie den "grünen Klima-Wirkungsturm" herzlich gelacht hat, hier weiterlesen:
    http://www.realclimate.or...
    http://www.skepticalscien...

    Englische Sprachkenntnisse sind notwendig, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.
    Vieles wird gar nicht, unvollständig oder erst verspätet ins Deutsche übersetzt.

  2. Man kann nichts wissenschaftlich beweisen. Sondern lediglich wissenschaftlich widerlegen.

    "Was spricht gegen Klimawandel, wenn es denn wärmer wird?"
    --> was wollen Sie damit sagen? bzw. mit Ihren Äusserungen erreichen? Dazu ein Zitat von TMaibaum: "Danke für die Erklärung. Denn jetzt verstehe ich auch endlich, warum in den USA die Meinung, es gebe keinen Klimawandel (und wenn doch, dann wenigsten nicht menschengemacht, und wenn doch menschengemacht, dann sei er letztlich doch eine gute Sache) am stärksten bei den "Pro-Life-"-Fanatikern anzutreffen ist"

    --> Das der Klimawandel für die nördliche Halbkugel noch glimpflich abläuft kann sein, muss aber nicht. Das der Klimawandel so schnell abläuft ist sehr schädlich. Schon jetzt sterben jährlich millionen von Menschen an den Folgen des Klimawandels. Abgesehen davon habe ich den negativen Effekt von CO2 im Meer bezüglich der Korallenriffe, welche erheblich für die dortige Fauna sind, angesprochen.

    Antwort auf
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    Das würde mich einmal gerne interessieren?

    Oder sterben die Menschen vielleicht an anderen Ursachen?

  3. Mann ignoriert das Klimaoptimum des Mittelalters, indem er Grönland, Schottland usw. ignoriert. Deswegen ist ja seine Kurve Unsinn

    Unsinn ist lediglich der Zusammenhang, den Sie hier erzwingen wollen. Mann hat sich ja gerade NICHT nur mit dem Klima einzelner Regionen beschäftigt, sondern versucht aus vielen Proxies die weltweiten Durchschnittstemperaturen zu rekonstruieren.

    Dass es in einigen Gegenden im Mittelalter wärmer war geht zwar in den Durchschnitt ein, aber ebenso auch niedrigere Temperaturen in anderen Regionen.

    Ihrer Unlogik nach müßten dieselben Temperaturen, die wir gerade haben, auf der ganzen Welt herrschen und dadurch "beweisen", dass wir mitten in der nächsten Eiszeit sind.

    Antwort auf
  4. Der Vahrenholt wird niedergemacht und dann so etwas. Die Polemik des Würfelzinkers Latif grenzt an Unverschämtheit. Genau wegen solcher Figuren kann ich dem Thema Klimawandel nichts abgewinnen.

  5. kalten Nächten spürt man den Treibhaus-Effekt des CO2 deutliche ...

    • okmijn
    • 08. Februar 2012 18:30 Uhr

    Sie schreiben (wahrscheinlich ohne Wissen?) vom Paläozän / Eozän-Temperaturmaximum, kurz PETM. Dieses wurde laut Datenlage durch einen schnellen extrem starken Anstieg der CO_2-Konzentration verursacht. Die Ursachen sind nicht geklärt, Sedimentanalysen zweigen den extremen Kohlenstoffeintrag von min. 1.5e12 Tonnen jedoch deutlich und deuten auf ein recht katastrophalen Verlauf hin. Dieses Ereignis als Beruhigungspille zu verabreichen ist ... ein interessantes Konzept.

  6. "Weil das Treibhausdogma physikalisch falsch ist, ist es nur
    eine Frage der Zeit, daß es auch im Bewußtsein der Bevölkerung kollabiert."

    Sicher, in zweihundert Jahren werden einige Geschichtsstudenten herzlich darüber lachen, sie Optimist.
    Gute Arbeit!

    Antwort auf "Faktencheck"
    • tobmat
    • 08. Februar 2012 18:33 Uhr

    „These: »Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt.«
    Der letzte Teilsatz ist klar falsch, da der Klimawandel gar nicht gestoppt werden kann. Der erste Teil ist jedoch richtig. Auch die vom Autor genannten Rekordjahre 2005 und 2010 sind nur Rekorde in der zweiten Stelle nach dem Komma. Also praktisch identisch mit 1998. Wobei 2005 nicht in allen Temperaturreihen ein Rekordjahr ist und 2010 genau wie 1998 ein El-Nino Jahr war.
    Das eigentlich interessante ist, das die Klimamodelle dieses Temperatur-Plateau nicht vorhersagen konnten und es auch nicht erklären können. Versuche es zu erklären gibt es zu Hauf doch die Klimamodelle mit denen die Klimaentwicklung der Zukunft vorhergesagt werden, können es bis heute nicht berechnen. Es tauchen in den Berechnungen auch keine zukünftigen Plateau´s auf, obwohl diese sowohl möglich als auch wahrscheinlich sind. Es ist also eher eine Aussage über die Qualität der Klimamodelle.
    Nebenbei nutzen die AGW-Befürworter den Effekt aus der Wahl des geeigneten Startpunktes einer Temperaturreihe ebenso. Viele Studien nutzen Temperaturreihen die am Ende der kleinen Eiszeit starten und damit an einem Punkt mit besonders niedrigen Temperaturen.

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